Hörgeschichten: Geschichten zum Vorlesen und Anhören

- Alter
- 2 bis 6 Jahre
- Dauer
- 3 bis 5 Minuten je Geschichte
Hörgeschichten sind kurze Geschichten, die ihr euren Kindern vorlesen oder als Hörfassung anhören könnt. Auf dieser Seite findet ihr vier eigene Geschichten für Kinder von 2 bis 6 Jahren, jede mit Altersangabe, Lesezeit und Audiofassung. Vorgelesen dauert eine Geschichte rund 3 bis 5 Minuten, also genau richtig für die Kuschelecke, eine Autofahrt oder den Abend. Eine Hörgeschichte ist keine Nacherzählung bekannter Märchen, sondern eine neue kleine Welt mit eigenen Figuren – ruhig erzählt und mit einem warmen Ende.
Hörgeschichten für Kinder im Überblick
Diese vier Hörgeschichten sind zum Vorlesen und zum Anhören gedacht – für den Abend, eine ruhige Pause oder eine lange Autofahrt, zwei davon schon ab 2 Jahren. Jede Geschichte steht unten im Volltext, dazu gibt es eine Hörfassung. Wer abends noch länger lauschen möchte, findet bei den Gute-Nacht-Geschichten für Kinder von 2 bis 6 Jahren weitere Ideen, und wenn euer Kind schwer zur Ruhe kommt, hilft ein Hörspiel zum Einschlafen beim sanften Übergang in die Nacht.
Mira Maus und das warme Nest
Mira Maus wohnt hinter der großen Küchenwand. Dort hat sie ein Nest aus weichen Wollfäden. Jeden Abend kuschelt sie sich hinein und macht die Augen zu.
Heute pfeift der Wind an der Wand. „Wuuuh“, macht der Wind. Mira Maus macht die Augen wieder auf. Mira Maus zieht die Decke bis zum Kinn. Die Wollfäden kitzeln an der Nase.
„Wuuuh“, macht der Wind. Mira Maus steht auf und tappst zum Fenster. Draußen tropft Regen auf das Blechdach. „Plipp“, macht der Regen. „Plipp, plipp.“ Mira Maus hört zu. Plipp klingt wie ein leises Lied.
Mira Maus tappst in den Flur. Dort hängt die große Uhr. „Tick, tack“, macht die Uhr. „Tick, tack, tick, tack.“ Mira Maus atmet mit. Ein. Aus. Ein. Aus. Tick, tack klingt wie ein Herz. Ganz ruhig und ganz gleichmäßig.
An der Wand sitzt die Spinne Fina. Fina kann auch nicht schlafen. „Der Wind ist so laut“, sagt Mira Maus. „Der Wind ist nicht laut“, sagt Fina. „Er singt.“ Mira Maus spitzt die Ohren. Der Wind macht wuuuh. Fina wackelt mit zwei Beinen im Takt.
Zusammen tappsen die beiden in die Küche. Dort brummt der Kühlschrank. „Mmmmm“, macht der Kühlschrank. Mira Maus hört zu. Mmmmm klingt wie ein Bär, der tief und fest schläft. Fina nickt. „Ein Brummbär“, flüstert sie.
Fina krabbelt ans Fenster und winkt Mira Maus heran. Draußen steht der Mond über dem Dach. Er ist rund und hell und ganz still. Mira Maus legt die Pfote an die Scheibe. „Der Mond macht kein Geräusch“, sagt sie. „Er macht hell“, sagt Fina. „Das ist auch ein Ton, nur für die Augen.“ Mira Maus schaut lange hin.
„Der Kühlschrank ist also auch ein Freund“, sagt Mira Maus. Die beiden lachen ganz leise. Lachen kann man nämlich auch leise machen. So leise, dass niemand davon aufwacht.
Mira Maus trinkt einen Schluck Wasser. Dann tappst sie zurück in ihr Nest. Fina kommt mit und hängt sich an die Wand daneben. Die beiden zählen die Geräusche auf. Der Wind macht wuuuh. Der Regen macht plipp. Die Uhr macht tick, tack. Der Kühlschrank macht mmmmm.
Vier Geräusche. Vier Freunde. Vier Freunde, die den ganzen Abend da sind. Kein einziges Geräusch ist laut. Kein einziges ist böse.
Fina bleibt noch eine Weile an der Wand. „Ich passe auf dein Nest auf“, flüstert sie. Mira Maus lächelt im Dunkeln. Sie muss nichts mehr zählen. Die Geräusche sind da, und Fina ist da, und das Nest ist warm.
Mira Maus kuschelt sich in die Wollfäden und zieht die Decke bis zum Kinn. Draußen pfeift der Wind. Im Nest ist es warm. Der Wind macht noch einmal wuuuh. Der Regen macht noch einmal plipp. Mira Maus hört es schon von weit weg. Dann hört sie gar nichts mehr. Und dann schläft sie ein.

Mira Maus und das warme Nest
Alter: ab 2 Jahren
Einschlafen: Mira Maus entdeckt die Nachtgeräusche als Freunde
Ben und der rote Gummistiefel
Es regnet. Ben steht im Flur und hat einen roten Gummistiefel an. Der andere rote Gummistiefel ist weg.
Ben sucht unter seinem Bett. Dort liegen zwei Socken und ein Bauklotz. Kein Stiefel.
Ben sucht im Schuhregal. Dort stehen Hausschuhe, Sandalen und ein Gummistiefel. Der linke. Nur der linke. Im Regal riecht es nach Leder und nach Regen.
Ben sucht im Bad. Dort steht die Badewanne mit Wasser und ein Quietscheentchen. Kein Stiefel. Ben sucht hinter dem Sofa. Dort liegen Krümel und ein Stift. Auch kein Stiefel.
„Mama, wo ist mein rechter Stiefel?“ – „Keine Ahnung“, sagt Mama. „Papa, wo ist mein rechter Stiefel?“ – „Keine Ahnung“, sagt Papa. Bruno, der Hund, wedelt mit dem Schwanz. Bruno hat auch keine Ahnung.
Also zieht Ben seinen linken Stiefel an, dazu eine dicke Socke, und geht in den Garten. Im Garten gibt es Pfützen, Regenwürmer und nasses Gras. Ben hüpft auf einem Bein von Pfütze zu Pfütze. Platsch. Platsch. Platsch. Der linke Stiefel macht das super. Die Socke macht das nicht so gut. Die Socke wird nass.
Ben hüpft zurück zur Tür. Er zieht den nassen Strumpf aus und holt sich einen trockenen aus der Schublade. Dabei sagt er jeden Schritt laut auf: linke Hand, rechter Fuß, Stiefel an, Socke trocken. Das Aufsagen hilft ihm beim Suchen.
Am Blumenbeet bleibt Ben stehen. Da steht etwas Rotes, mit der Spitze nach unten. Es ist der rechte Gummistiefel! Und in dem Stiefel sitzt eine kleine, dicke Schnecke. Die Schnecke schaut Ben an und streckt ihre Fühler aus.
„Das ist mein Stiefel“, sagt Ben. Die Schnecke sagt nichts. „Aber du darfst noch kurz bleiben“, sagt Ben. Er holt ein großes Blatt, schiebt es vorsichtig unter die Schnecke und setzt sie damit ins Beet. Dort wächst Salat. Die Schnecke kriecht sofort zum Salat.
Ben dreht den Stiefel um. Eine kleine Pfütze läuft heraus. Er zieht den Stiefel an, und der Stiefel passt genau. Dann läuft Ben eine ganze Runde durch alle Pfützen: platsch, platsch, platsch. Bruno läuft hinterher. Bruno macht platsch, platsch, platsch, platsch. Bruno ist nass. Ben ist nass. Beide lachen.
Die Schnecke heißt ab jetzt Finchen, auch wenn sie nicht darauf hört. Ben kniet sich neben das Beet und schaut ihr zu. So eine lange Runde wie Ben kann sie nicht laufen. Für ein einziges Salatblatt braucht sie einen ganzen Nachmittag.
Am Abend schaut Ben noch einmal nach der Schnecke. Sie sitzt im Beet und frisst weiter. Ben winkt ihr durch das Fenster zu. Und wenn er morgen wieder in seine Stiefel schlüpft, schaut er zuerst hinein. Sicher ist sicher.

Ben und der rote Gummistiefel
Alter: ab 3 Jahren
Alltag im Regen: Ben sucht seinen Stiefel und findet eine Schnecke darin
Oskar und der wackelige Turm
Oskar hat heute einen Plan. Er will einen Turm bauen. Einen riesengroßen Turm. Einen Turm bis zur Fensterbank.
Oskar holt die Bauklötze aus der Kiste. Er nimmt einen roten, einen gelben, einen blauen. Er stapelt sie übereinander. Immer höher. Und höher. Und noch höher.
Juna kommt dazu. Juna ist klein. Juna ist 2. Juna trägt ihren roten Pullover und hat heute besonders kräftige Arme. Juna sagt: „Tuam!“ Oskar sagt: „Nicht anfassen, Juna!“
Zu spät. Der Turm wackelt. Der Turm kippt. Der Turm fällt um. Klackerdiklack. Die Bauklötze liegen überall auf dem Boden.
Oskar seufzt. „Juna!“, sagt er. Juna nickt, weil sie das Wort mag. „Juna!“, sagt sie zurück. Oskar muss ein kleines bisschen lachen. Dann fängt er wieder an.
Oskar sortiert die Klötze nach Farben. Rot nach links, gelb nach rechts, blau in die Mitte. Juna setzt sich daneben und sortiert mit. Sie legt alle Klötze in eine lange Reihe, ganz gleichmäßig. Oskar lässt sie machen. Sortieren ist schließlich auch Bauen, nur flach.
Dieses Mal baut Oskar schnell. So schnell er kann. Rot auf gelb, gelb auf blau, blau auf rot. Ein hoher, schmaler Turm wächst nach oben. Höher als beim letzten Mal. Oskar hält schon die Luft an.
Und wieder kommt Juna. Diesmal streift sie mit dem Ellbogen den Turm. Der Turm wackelt. Der Turm kippt. Der Turm fällt um. Klackerdiklack. Diesmal liegt auch ein Klotz unter dem Sofa.
Oskar setzt sich auf den Boden. Er schaut sich die Klötze an. Die großen Klötze liegen hinten in der Kiste. Die kleinen liegen vorne. Und dann hat Oskar eine Idee.
Er nimmt die großen Klötze und legt sie in einen breiten Ring. Er schiebt sie zusammen, bis sie wie eine kleine Mauer liegen. Darauf kommt eine zweite Reihe und dann eine dritte. Erst danach setzt Oskar die kleinen Klötze oben auf.
Der Turm ist unten ganz breit und oben ganz schmal. Oskar hält einen Finger in die Luft und wartet. Er blinzelt nicht mal. Eins. Zwei. Drei. Der Turm wackelt nicht. Er wackelt überhaupt nicht.
„Tuam!“, sagt Juna und klatscht in die Hände. Oskar nimmt sie auf den Arm, damit sie den Turm von oben anschauen kann. Juna setzt ihre kleine Holzmaus ganz oben auf die Spitze. Der Turm hält. Er hält sogar mit Maus.
Oskar holt sein Lineal aus der Schublade und misst. Der Turm reicht bis zu seinem Knie. Beim ersten Versuch war er nur halb so hoch, und beim zweiten hat er gar nicht gezählt. Jetzt steht er. Oskar legt das Lineal daneben und lässt es liegen.
Am Abend steht der Turm noch immer da. Und morgen bauen die beiden einen noch größeren. Vielleicht bis zum Regal.

Oskar und der wackelige Turm
Alter: ab 4 Jahren
Bauen mit Geschwistern: Ein Turm, der erst beim dritten Versuch hält
Lumi und die Sterne im Glas
Hinter Lumis Haus liegt eine große Wiese. Im Sommer ist die Wiese am Abend voller kleiner Sterne. Die Sterne sind gelb-grün, sie fliegen ein bisschen hin und her und leuchten dabei. Es sind keine richtigen Sterne. Es sind Glühwürmchen.
Lumi sitzt im Gras und schaut zu. Lumi zählt bis zwölf. Zwölf Glühwürmchen schweben über die Wiese, ganz ohne Eile.
Lumi streckt die Hand aus. Ein Glühwürmchen landet auf ihrem Finger. Es ist kleiner als ein Fingernagel. Es krabbelt zwei Schritte, bleibt stehen und leuchtet. Lumi hält ganz still. Dann fliegt es weiter zu den anderen.
Heute hat Lumi ein Einmachglas mitgebracht. Der Deckel hat kleine Löcher, damit Luft hineinkommt. Lumi hält das Glas auf. Ein Glühwürmchen fliegt hinein. Dann noch eines. Dann noch eines. Sieben Glühwürmchen sitzen im Glas und leuchten hell.
Lumi trägt das Glas ins Haus. Lumi stellt es auf das Fensterbrett, direkt neben ihr Bett. „Jetzt habe ich Sterne für mein Zimmer“, flüstert sie. Dann legt sie sich hin und schaut ins Glas.
Aber das Glas leuchtet nicht mehr. Darin sitzen sieben kleine Käfer. Grau und still.
Lumi wartet. Lumi wartet im Dunkeln, bis ihre Augen müde werden. Nichts leuchtet.
Lumi denkt nach. Auf der Wiese haben die Glühwürmchen geleuchtet. In ihrem Zimmer nicht. Lumi steigt aus dem Bett, nimmt das Glas und geht hinaus.
Draußen ist die Luft noch warm. Lumi setzt sich ins Gras und öffnet den Deckel. Die Glühwürmchen krabbeln auf den Rand und sitzen ganz still. Und dann fliegen sie los.
Lumi schaut ihnen nach. Sie werden kleiner und kleiner, und dann sind sie nur noch Punkte über der Hecke. Lumi wartet trotzdem. Nach einer Weile kommen sie zurück und schweben wieder dicht über dem Gras. Sie zählt nicht mehr. Sie schaut nur.
Eins. Zwei. Drei. Sieben. Sieben kleine Sterne steigen über die Wiese. Die Glühwürmchen leuchten, fliegen und leuchten wieder. Lumi legt sich auf den Rücken und schaut nach oben.
„Ihr leuchtet nur hier“, sagt Lumi leise. Die Glühwürmchen antworten nicht. Das müssen sie auch nicht. Sie leuchten einfach.
„Kommst du rein?“, ruft Mama vom Haus. „Gleich“, ruft Lumi. Lumi bleibt noch ein bisschen im Gras liegen und atmet die warme Luft. Über ihr flackern die sieben Sterne hin und her, bis sie hinter der Hecke verschwinden.
Über Lumi stehen noch andere Sterne. Die sind klein und weiß und ganz weit weg. Lumi sucht sich einen aus und schaut ihn lange an. Der bleibt. Der geht nicht hinter die Hecke.
Dann steht Lumi auf und nimmt das leere Glas mit. Im Glas ist nur Abendluft. In ihrem Zimmer ist es dunkel. Aber Lumi weiß jetzt, wo die Sterne leuchten.

Lumi und die Sterne im Glas
Alter: ab 5 Jahren
Sommerabend: Glühwürmchen leuchten nur auf der Wiese
Vorlese-Tipps
Mit ein paar kleinen Handgriffen wird aus dem Vorlesen und Hören ein ruhiger Moment für alle:
- Langsam lesen, Pausen machen. Ohne Bilderbuch entstehen die Bilder beim Zuhören im Kopf: Kinder stellen sich Figuren, Orte und Ereignisse selbst vor6. Gebt ihnen dafür Zeit – lest etwas langsamer und wartet nach jedem Absatz kurz.
- Jeder Figur eine eigene Stimme geben. Der Wind macht wuuuh, die Uhr macht tick, tack, die Maus spricht hoch und leise, der Kühlschrank brummt tief. Solche Unterschiede helfen eurem Kind, die Figuren auseinanderzuhalten.
- Ein festes Ritual. Immer der gleiche Platz, das gleiche Kissen, die gleiche Zeit. Nach ein paar Abenden weiß euer Kind: Jetzt kommt die Geschichte.
- Neue Hörfassungen vorher selbst anhören. Hört einmal selbst hinein, bevor euer Kind dran ist. Hörmedien, die nicht altersgemäß sind, können Kindern Angst machen oder sie verstören, und sehr spannungsgeladene Produktionen sind manchen Kindern zu viel2.
- Über das Gehörte sprechen. Fragt nach: Warum hat die Figur das getan? Wie könnte es weitergehen? Solche Gespräche vertiefen das Verständnis6. Setzt euch außerdem dazu, statt euer Kind allein hören zu lassen – so könnt ihr bei Verständnisfragen direkt helfen6. Bleibt beim Medienerleben in der Nähe und ansprechbar4, 5.
- Maß halten. Für Kinder von 3 bis 6 Jahren sind höchstens 45 Minuten Hörmedien pro Tag eine gute Orientierung3, 4, unter 3 Jahren höchstens 30 Minuten3. Hörgeschichten sollen nicht zur ständigen Geräuschkulisse werden: Euer Kind sollte wirklich zuhören, auch wenn es nebenbei malt oder bastelt2.
- Ausleihen statt kaufen. Fast alle Büchereien bieten CDs oder Audiodateien zum Ausleihen an, und viele Radiosender stellen Kinderhörspiele kostenlos bereit2. Ein eigenes Abspielgerät, das euer Kind selbst bedienen darf, hilft ihm, selbst zu wählen und eine eigene Sammlung aufzubauen2.
- Vorlesen und Hören verbinden. Beides hat seinen Platz – an manchen Abenden seid ihr die Stimme, an anderen die Hörfassung. Mehr dazu steht in Hörgeschichte oder Vorlesen? Warum beides seinen Platz hat. Für saisonale Vorleserunden gibt es außerdem die Herbstgeschichte zum Vorlesen und Anhören.
Häufige Fragen
Warum sind Hörbücher für Kinder so wertvoll?
Quellen
- Die "Klassiker": Hörmedien für Kinder · Stand 26.04.2025
- Hörmedien im Familienalltag · Stand 26.04.2025
- Tabelle: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? · Stand 05.06.2025
- Umgang mit Medien: 3-6 Jahre · Stand 26.04.2025
- Medien im Familienalltag. 10 Empfehlungen · Stand 09/2025
- Die 30 besten Hörbücher für Kinder: Die Welt der Geschichten entdecken · abgerufen am 11.10.2026
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