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Lange Gute-Nacht-Geschichte – zum Vorlesen und Anhören

Wenn eure Gute-Nacht-Geschichte lang sein darf, nimmt sie sich Zeit: Sie erzählt ein kleines Abenteuer und endet trotzdem ruhig. Hier findet ihr fünf lange Geschichten zum Vorlesen und Anhören. Vorgelesen dauern sie etwa vier bis sechs Minuten.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 18 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Lange Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen: Kind liegt mit Kuscheltier im Bett, Mondlicht fällt durchs Fenster
Alter
2 bis 6 Jahre
Dauer
etwa 4 bis 6 Minuten je Geschichte

Wenn abends mehr Zeit ist als sonst, darf eure lange Gute-Nacht-Geschichte länger sein. Unsere fünf Geschichten sind für Kinder von 2 bis 6 Jahren geschrieben, jede hat zwischen 400 und 500 Wörter. Alle fünf enden leise und warm, ohne Streit und ohne Angst. Viele weitere Geschichten gibt es auf der Seite Gute-Nacht-Geschichte.

Lange Gute-Nacht-Geschichten im Überblick

Hier findet ihr alle fünf Geschichten mit Titel, empfohlenem Alter, Thema und Lesezeit.

Gute-Nacht-Geschichte mit Prinzessin – lang

Prinzessinnengeschichten sind oft ein Stück länger als andere: In einer großen Sammlung dauern sie im Median acht Minuten, während Bauernhof- oder Dinosauriergeschichten nach vier Minuten vorbei sind1.

In unserer Sammlung trägt Prinzessin Pia und der schlafende Schlossgarten die Krone: Pia geht mit einer Laterne durch den Garten und hilft den Rosen und dem Brunnen beim Einschlafen. Die Geschichte ist für Kinder ab 4 Jahren gedacht und dauert vorgelesen etwa fünf Minuten.

Mehr Prinzessinnengeschichten findet ihr in der Gute-Nacht-Geschichte mit Prinzessin – zum Vorlesen und Anhören.

Taro und die kleine Wolke

Hörfassung · 4 Min.
Taro und die kleine Wolke
0:004:00
MP3 herunterladen (2,3 MB)

Taro sitzt am Abend auf der Wiese hinter dem Haus. Die Sonne ist schon hinter den Hügeln verschwunden, und der Himmel wird langsam blau wie tiefes Wasser. Über Taros Kopf schwebt eine kleine Wolke. Sie ist nicht größer als ein Kopfkissen und ganz weich am Rand.

„Warum fliegst du nicht nach Hause?“, fragt Taro. Die kleine Wolke zittert ein bisschen. „Ich habe den Weg verloren“, flüstert sie. „Alle anderen Wolken sind schon hinter den Bergen, und ich bin hier geblieben.“

Taro denkt nach. Er kennt die Berge. Dahinter liegt der große Himmel, in dem die Wolken schlafen. „Ich bringe dich hin“, sagt er. „Es ist nicht weit. Aber wir müssen jetzt los, sonst wird es zu dunkel.“

Er holt seine kleine Laterne aus dem Schuppen. Der Wind weht leise über die Wiese, und das Gras streicht an seinen Beinen entlang. Die Wolke schwebt neben ihm her, immer ein Stück über seiner Schulter. Ihr Schatten ist so leicht, dass man ihn kaum sieht.

Sie gehen an der alten Weide vorbei. In den Zweigen sitzt eine Amsel und hat den Kopf unter dem Flügel. „Gute Nacht, Amsel“, sagt Taro leise. Die Amsel antwortet nicht, aber sie hebt kurz eine Feder, als wollte sie winken.

Am Bach bleiben sie stehen. Die Wolke traut sich nicht über das Wasser. „Es ist ganz flach“, sagt Taro. Er hält die Laterne über den Bach, und das Licht tanzt auf den kleinen Wellen. Da sieht die Wolke, dass das Wasser nur bis zu den Steinen reicht. Sie schwebt hinüber, und Taro geht auf den Steinen hinterher.

Hinter dem Bach beginnt der Hügel. Er ist nicht steil, aber lang. Taro geht langsam, Schritt für Schritt. Die Wolke wird mit jedem Schritt ein wenig größer, als würde sie Mut sammeln. „Nur noch ein Stück“, sagt Taro. „Dann bist du da.“

Oben auf dem Hügel bleibt Taro stehen. Vor ihm liegt der große Himmel, voll mit Wolken, die aneinandergeschmiegt sind wie schlafende Tiere. „Dort ist mein Platz“, sagt die kleine Wolke. „Zwischen den beiden großen.“ Sie schwebt hoch, ganz sacht, und legt sich in die Lücke. Sofort wird ihr Rand wieder weich und rund.

„Danke, Taro“, flüstert sie. „Gute Nacht.“

Taro setzt sich noch einen Moment ins Gras. Über ihm schlafen die Wolken, und eine ganz kleine schimmert im Licht des Mondes. Dann geht er nach Hause, langsam, den Weg hinunter, den er schon kennt. Seine Laterne macht kleine Kreise auf dem Boden.

Zu Hause wartet schon der Schlafanzug. Mama liest ihm noch eine Seite vor, dann macht sie das Licht aus. Und weil Taro heute einer kleinen Wolke geholfen hat, schläft er ein, ohne noch einmal wach zu werden.

  • Kind auf einer Wiese in der Dämmerung, über ihm schwebt eine kleine weiche Wolke – Illustration zu Taro und die kleine Wolke

    Taro und die kleine Wolke

    Alter: ab 3 Jahren

    Eine kleine Wolke hat den Weg verloren; Taro bringt sie mit einer Laterne zum Himmel.
Diese Geschichte mit dem Namen eures KindesDie Gute-Nacht-Geschichte, in der euer Kind selbst die Hauptrolle spielt – mit ruhigem Tempo und leiser Musik.Geschichte gestalten

Emmi und das Glühwürmchen

Hörfassung · 4 Min.
Emmi und das Glühwürmchen
0:004:10
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Emmi liegt in ihrem Bett und kann nicht schlafen. Es ist Abend, und draußen ist es schon dunkel. Da sieht sie ein kleines Licht am Fenster. Es schwebt vorbei. Einmal hin, einmal her.

„Was ist das?“, fragt Emmi. „Das ist ein Glühwürmchen“, sagt Papa. „Es sucht seinen Schlafplatz.“ Emmi setzt sich auf und reibt sich die Augen. Sie schaut genau hin. Das Licht fliegt zum Gartentor und wieder zurück.

„Es findet den Weg nicht“, sagt Emmi. „Darf ich ihm helfen?“ Papa nickt. „Ja. Zieh dir die Schuhe an, ich komme mit.“ Emmi zieht die Schuhe an. Dann holt sie ihren Teddy. Teddy ist klein und grau und riecht nach Schlaf. „Du hilfst mir“, sagt Emmi.

Zusammen gehen sie in den Garten. Im Garten ist es still. Nur der Wind geht durch das Gras. Emmi geht leise. Ganz leise. Das Glühwürmchen fliegt vor ihr her und leuchtet hell. Dann wird es wieder dunkel. Hell. Dunkel. Hell.

Zuerst schauen sie unter den Busch. Dort ist nichts. Dann schauen sie am Schuppen nach. Dort ist auch nichts. Auch im Blumenbeet ist nichts, dort schlafen die Blumen schon. Dann bleiben sie an der alten Hecke stehen. Dort leuchtet es. Ganz hell. Ganz nah.

Über ihnen steht der Mond. Er ist rund und hell und schaut in den Garten. Emmi winkt ihm kurz zu. Dann geht sie weiter, Schritt für Schritt, bis zur Hecke.

In der Hecke ist ein kleines Loch. Emmi schaut hinein. Weiche Blätter liegen darin. Ganz weiche Blätter. Hier kann das Glühwürmchen schlafen.

„Ist das dein Bett?“, fragt Emmi. Das Licht leuchtet noch einmal, hell und rund. Emmi lacht. „Dann gute Nacht, kleines Licht.“ Sie legt noch ein trockenes Blatt vor das Loch. Jetzt ist es warm und weich.

Teddy schaut auch hinein. Emmi hält ihn ganz nah an das Loch. „Siehst du? Hier ist es weich“, sagt sie. Teddy sagt nichts. Aber Emmi weiß, dass er zufrieden ist.

Auf dem Rückweg bleibt Emmi noch einmal stehen. Sie schaut zum Himmel. Dort stehen viele kleine Sterne. „Die schlafen auch“, sagt Papa. Emmi glaubt es ihm sofort.

Auf dem Weg zur Tür gähnt Emmi. Papa nimmt sie auf den Arm. Emmi schaut noch einmal über seine Schulter zur Hecke. Das kleine Licht ist kaum noch zu sehen.

Zu Hause zieht Emmi die Schuhe aus. Papa macht ihr die Decke warm. Emmi kuschelt sich in ihr Kissen und schaut noch einmal aus dem Fenster. Das Licht in der Hecke ist jetzt ruhig. Es blinzelt nur noch ganz selten.

„Gute Nacht, Glühwürmchen“, flüstert Emmi. Dann schließt sie die Augen. Und weil das kleine Licht jetzt einen warmen Platz hat, schläft Emmi schnell ein.

  • Mädchen am Fenster beobachtet ein sanft leuchtendes Glühwürmchen im abendlichen Garten – Illustration zu Emmi und das Glühwürmchen

    Emmi und das Glühwürmchen

    Alter: ab 2 Jahren

    Emmi sucht mit Teddy und Papa einen Schlafplatz für ein Glühwürmchen.

Prinzessin Pia und der schlafende Schlossgarten

Hörfassung · 4 Min.
Prinzessin Pia und der schlafende Schlossgarten
0:004:11
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Hinter den dicken Mauern des Schlosses wohnt Prinzessin Pia. Zum Schloss gehört ein großer Garten mit Rosen, und in der Mitte steht ein Brunnen, der leise plätschert. Jeden Abend, wenn es dunkel wird, muss der Garten schlafen gehen. Genau wie Pia.

Doch an diesem Abend klappt das nicht. Die Rosen wollen ihre Blüten nicht schließen. Der Brunnen plätschert lauter als sonst. Und der alte Wind, der sonst ein Schlaflied summt, ist verschwunden.

„Ohne das Lied kann ich nicht einschlafen“, sagt eine Rose. „Und ich kann nicht ruhig fließen“, sagt der Brunnen. Pia hört das von ihrem Fenster aus. Sie zieht ihre Hausschuhe an und nimmt die Laterne mit.

Der Garten ist voller kleiner Geräusche. Die Blätter rascheln, die Gräser flüstern, und irgendwo tropft leise Wasser. Pia geht langsam den Weg entlang. Ihre Laterne macht einen warmen Kreis um ihre Füße. Sie kennt hier jeden Stein.

Zuerst geht sie zu den Rosen. Sie streicht mit einem Finger über die Blätter. „Ihr dürft jetzt schlafen“, sagt sie. „Ich bin da.“ Eine Rose nach der anderen lässt die Blüten sinken. Zum Schluss liegen sie alle rund und weich im Beet.

Eine kleine Rose ganz hinten zittert noch. Pia kniet sich hin. „Du bist die Jüngste“, sagt sie. „Du darfst zuerst einschlafen.“ Da wird die kleine Rose ganz ruhig.

Dann geht sie zum Brunnen. Das Wasser springt viel zu wild. Pia legt ihre Hand auf den Rand. „Das Lied fehlt“, murmelt der Brunnen. „Ich weiß“, sagt Pia. „Wir suchen es.“

Sie sucht hinter den Hecken. Nichts. Sie sucht unter der alten Eiche. Nichts. Da hört sie ein Geräusch: ein leises Flattern und Rascheln. Es kommt vom Turm. Also steigt Pia die Wendeltreppe hinauf.

Oben auf dem Turmdach hängt der Wind in der alten Fahne. Er zappelt und kommt nicht los. „Ich wollte nur schnell ausruhen“, sagt er. „Und jetzt finde ich nicht mehr heraus.“ Pia löst die Fahne vorsichtig vom Geländer.

Da ist der Wind wieder frei. Er wirbelt einmal um den Turm und bleibt dann ganz ruhig stehen. „Danke“, sagt er. „Ich habe noch ein Lied in der Tasche. Soll ich es singen?“ Pia nickt.

Der Wind singt, und es klingt wie ein weiches Rauschen. Die Rosen hören es. Der Brunnen hört es. Das Wasser wird langsam still und glatt. Pia geht mit ihrer Laterne zurück durch den Garten. Überall wird es leise, so wie es sein soll.

In ihrem Zimmer zieht Pia die Hausschuhe aus. Sie pustet die Laterne aus. Draußen summt der Wind sein Lied weiter, ganz sacht, bis auch die letzte Rose schläft. Pia schläft als Erste ein, noch bevor das Lied zu Ende ist.

  • Prinzessin mit Laterne geht durch einen Schlossgarten mit Rosen – Illustration zu Prinzessin Pia und der schlafende Schlossgarten

    Prinzessin Pia und der schlafende Schlossgarten

    Alter: ab 4 Jahren

    Prinzessin Pia bringt Rosen, Brunnen und den Wind zur Ruhe.

Der kleine Dachs und die Nachtwanderung

Hörfassung · 4 Min.
Der kleine Dachs und die Nachtwanderung
0:004:02
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Unter der alten Buche liegt eine Höhle, und darin wohnt der kleine Dachs. Heute kann er nicht einschlafen. Er dreht sich von einer Seite auf die andere. „Ich bin noch gar nicht müde“, sagt er zu seiner Mama.

„Dann machen wir eine kleine Nachtwanderung“, sagt Mama. „Bis zum See. Wenn wir zurückkommen, bist du müde.“ Der Dachs zieht seine Jacke an. Draußen ist die Luft kühl und riecht nach Moos.

Der Wald ist ganz anders als am Tag. Die Bäume stehen dicht beieinander, und zwischen ihnen hängt Nebel. Mama geht voran. Der Dachs hält ihre Pfote fest.

Nach ein paar Schritten wird der Weg schmaler. Der Dachs kennt ihn nicht, obwohl er hier jeden Tag spielt. Nachts sieht alles anders aus: Die Steine sind größer, die Wurzeln krummer. „Bleib dicht bei mir“, sagt Mama. „Dann passiert nichts.“

Am Wegrand glitzert etwas. Der Dachs bleibt stehen. „Was ist das?“ – „Das ist nur der Tau“, sagt Mama. „Er liegt auf den Blättern wie kleine Perlen.“ Der Dachs berührt ein Blatt. Kalt und nass.

Weiter vorn raschelt es. Der Dachs hält die Luft an. Dann sieht er zwei kleine Ohren über einem Strauch. Es ist der Hase, der noch ein paar Kräuter sucht. „Guten Abend“, sagt der Hase. „Guten Abend“, sagt der Dachs.

Der Hase hoppelt mit ihnen ein Stück. Er zeigt ihnen die Stelle, wo die Wildschweine schlafen. Man hört sie nur atmen. Ganz tief und ganz ruhig. Der Hase flüstert, damit die Wildschweine nicht aufwachen.

Am See setzen sie sich auf einen flachen Stein. Das Wasser ist still. Der Mond liegt darin wie ein runder Kuchen, und daneben schwimmen viele kleine Sterne. Über dem Wasser liegt ein leiser Dunst, und es riecht nach kaltem Stein.

Der Dachs zählt die Sterne. Beim siebten verliert er den Faden. Also fängt er wieder von vorn an. Beim vierten fällt ihm etwas ein: „Kannst du mir das Lied von der Nacht vorsingen?“ Mama summt leise. Es hat nur vier Zeilen, aber es reicht.

„Ist der See auch müde?“, fragt der Dachs. Mama lacht leise. „Der See schläft schon“, sagt sie. „Er bewegt sich nur noch ein bisschen, wenn der Wind kommt.“ Der Dachs schaut lange hin. Dann gähnt er.

Auf dem Rückweg gehen sie langsamer. Der Dachs hört noch einmal den See, dann die Gräser, dann gar nichts mehr. Mama hält seine Pfote. Die Höhle ist warm und riecht nach trockenem Laub. Zu Hause ist die Tür schon offen, und drinnen brennt eine kleine Lampe.

Der Dachs kuschelt sich in sein Nest. Er denkt an den Mond im Wasser und an den Hasen mit den Kräutern. Neben ihm atmet Mama schon tief und gleichmäßig. Dann fallen ihm die Augen zu, ganz von allein.

  • Kleiner Dachs und seine Mama sitzen am stillen See im Mondlicht – Illustration zu Der kleine Dachs und die Nachtwanderung

    Der kleine Dachs und die Nachtwanderung

    Alter: ab 4 Jahren

    Ein Dachs läuft mit seiner Mama zum See und lernt, wie die Nacht klingt.

Linas Papierboot

Hörfassung · 4 Min.
Linas Papierboot
0:004:07
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Lina hat aus einem Blatt Papier ein Boot gefaltet. Es hat einen spitzen Bug, ein weiches Dach und einen kleinen Knick in der Mitte. „Du bist ein Seefahrer“, sagt Lina. Dann setzt sie das Boot in den Bach hinter dem Haus.

Das Wasser nimmt das Boot mit. Erst dreht es sich im Kreis, dann findet es die Richtung. Lina läuft am Ufer mit. Ihre Gummistiefel machen bei jedem Schritt ein leises Geräusch.

Am ersten Stein vorbei. Am zweiten vorbei. Beim dritten bleibt das Boot hängen. Lina kniet sich hin und schiebt es mit einem Stock vorsichtig weiter. „So“, sagt sie. „Jetzt geht es wieder.“

Unter der Weide wird es dunkel. Das Boot verschwindet kurz unter einem Zweig. Lina hält den Atem an. Dann kommt es wieder heraus, trocken und ganz.

Am Steg bleiben sie stehen. Ein alter Mann angelt dort. „Setzt du dein Boot ins Meer?“, fragt er. „Ins große Wasser“, sagt Lina. „Es soll bis zum See fahren.“ – „Dann braucht es Glück“, sagt der Mann. „Und ein bisschen Wind.“ Er wirft seine Schnur aus. Lina wartet, bis das Boot weiterfährt.

Hinter dem Steg wird der Bach breiter. Das Boot schaukelt. Einmal legt es sich auf die Seite, aber es kentert nicht. Lina hüpft am Ufer entlang. „Halt durch!“, ruft sie.

Eine Weile laufen sie nebeneinander her, das Boot im Wasser, Lina am Ufer. Lina erzählt ihm, wo es hinfährt und was es dort sieht. Das Boot antwortet nicht, aber es dreht sich einmal freundlich im Kreis.

Bei den Erlen steht eine Ente mit drei Küken. Die Küken schauen dem Boot nach. Eines will hinterher, aber die Ente hält es mit dem Schnabel zurück. „Das ist Papier“, sagt sie. „Papier darf fahren.“

Der Bach wird langsamer, und dann ist der See da. Er ist groß und grau und still. Das Boot schaukelt bis in die Mitte und bleibt bei den Schilfhalmen liegen.

Über dem See hängt schon der Abend. Die ersten Sterne spiegeln sich im Wasser, und das Boot liegt zwischen ihnen, als wäre es selbst ein kleiner Stern.

Lina steht am Ufer und schaut zu. Sie ist ein bisschen traurig und ein bisschen stolz. Ein Seefahrer muss irgendwann ankommen. „Gute Reise“, sagt sie leise. Dann dreht sie sich um.

Auf dem Heimweg sammelt sie einen runden Stein und eine Feder. Zu Hause legt sie beides auf ihr Fensterbrett. Morgen will sie nach dem Boot schauen. Und wenn es weg ist, faltet sie ein neues.

Papa fragt am Abend, ob das Boot noch da ist. „Es wartet auf mich“, sagt Lina. Dann kuschelt sie sich ins Bett und schläft mit dem Bild vom See im Kopf ein.

  • Papierboot auf einem Bach, Kind läuft am Ufer mit – Illustration zu Linas Papierboot

    Linas Papierboot

    Alter: ab 5 Jahren

    Lina begleitet ihr Papierboot bis zum See und lässt es ziehen.

Vorlese-Tipps

Damit eine lange Geschichte den Abend ruhiger macht und nicht länger, helfen diese Tipps:

  • Feste Zeit, feste Reihenfolge: Waschen, Zähneputzen, Geschichte – Kinder sind Gewohnheitstiere und stellen sich so leichter auf den Schlaf ein4.
  • Die letzte Stunde bleibt ruhig: Getobt wird besser am Nachmittag; direkt vor dem Zubettgehen tut eine ruhige Routine gut7.
  • Langsamer lesen: Nehmt euch Pausen und lasst die Stimme zum Ende hin leiser werden.
  • Euer Kind wählt aus: Kinder dürfen bestimmen, welche Geschichte es sein soll – das erhöht die Freude deutlich3.
  • Mitsprechen erlauben: Fragen und Zwischenrufe gehören dazu; ab drei Jahren dürft ihr euer Kind die Geschichte auch nacherzählen lassen5.
  • Lieber zwei kurze: Zwei kurze Geschichten sind fast immer besser als eine lange – nach der ersten kann man aufhören, ohne dass etwas fehlt1.
  • Hörfassung nutzen: Wenn Vorlesen mal nicht geht – im Auto, bei Krankheit, wenn beide Eltern arbeiten –, ist die Tonaufnahme besser als keine Geschichte1.
  • Wenig Zeit? Dann passt die Kurze Gute-Nacht-Geschichte – zum Vorlesen und Anhören.
Diese Geschichte mit dem Namen eures KindesDie Gute-Nacht-Geschichte, in der euer Kind selbst die Hauptrolle spielt – mit ruhigem Tempo und leiser Musik.Geschichte gestalten

Häufige Fragen

Wie lange sollte man abends vorlesen?
Für das abendliche Vorlesen reicht eine Viertelstunde völlig aus3. Danach darf Schluss sein: Wenn euer Kind früher aufhören möchte, soll es nicht zum Weiterhören gezwungen werden – ihr könnt die Geschichte abkürzen und am nächsten Abend weiterlesen3. Wichtig ist, dass die gemeinsame Zeit ruhig bleibt und euer Kind dabei Spaß hat3.
Was ist eine Gute-Nacht-Geschichte?
Eine Gute-Nacht-Geschichte ist eine kurze Geschichte, die zum Abend passt: Sie hat einen kleinen Konflikt, damit sie nicht langweilig wird, aber am Ende ist alles gelöst1. Anders als ein Kinderbuch lädt sie nicht zum Weiterlesen ein, sondern führt ruhig zum Schluss – der letzte Absatz ist leiser als der erste1. Typisch sind ein vertrauter Rahmen und ein Ende, nach dem niemand aufbleiben muss1.
Wie lange sollte eine Gute-Nacht-Geschichte dauern?
Eine feste Zahl gibt es nicht2. Als Orientierung: Mit zwei bis drei Jahren sind drei bis fünf Minuten viel, mit vier bis fünf Jahren passen fünf bis zehn Minuten, ab sechs Jahren auch fünfzehn1. Der Median liegt bei etwa fünf Minuten1. Steht euer Kind mittendrin auf, war die Geschichte zu lang.
Ab welchem Alter sind die Geschichten geeignet?
Die Geschichten auf dieser Seite sind für Kinder von etwa 2 bis 6 Jahren gedacht; jede Geschichte nennt das empfohlene Alter. Ab drei Jahren verstehen Kinder kleine Geschichten und erfassen allmählich den Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft5. Mit dem Vorlesen könnt ihr aber schon viel früher anfangen – ab etwa dem ersten Geburtstag, wenn euer Kind zu sprechen beginnt6.
Warum will mein Kind jeden Abend dieselbe Geschichte?
Weil es die Geschichte dann schon kennt: Wer weiß, was als Nächstes passiert, muss nicht mehr aufpassen und kann sich fallen lassen – genau das hilft abends beim Einschlafen1. Außerdem ist Wiederholung die Vorstufe zum Lesen: Erst spricht euer Kind mit, später erkennt es einzelne Wörter wieder1. Kinder können von einer vertrauten Geschichte oft gar nicht genug bekommen6.

Quellen

  1. 214 Gute-Nacht-Geschichten zum Vorlesen · abgerufen am 11.10.2026
  2. Die schönsten Gute-Nacht-Geschichten » für Kinder & Familie · Stand 01.07.2026
  3. Sprachförderung durch Vorlesen: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
  4. Viele Kinder haben Einschlafprobleme: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
  5. Sprachanregung beginnt von klein auf: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
  6. Geschichten vorlesen · Stand 31.12.2025
  7. Toben am Tag erleichtert das Einschlafen in der Nacht: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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