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Schnuller nachts abgewöhnen: Was Eltern wissen sollten

Beim Schnuller abgewöhnen nachts hilft ein klarer, schrittweiser Plan mehr als ein plötzlicher Stopp. Am besten begleitet ihr euer Kind mit einer eindeutigen Absprache und viel Nähe3. Mit ein paar unruhigen Nächten ist zu rechnen4; meist dauert es nicht länger als 3 Tage, bis sich euer Kind an das Leben ohne Schnuller gewöhnt hat5.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 11 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier

Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Kind schläft mit Kuscheltier im Arm im Bett – Schnuller abgewöhnen nachts einfühlsam begleiten

Schnuller abgewöhnen nachts: So gelingt der Abschied

Tagsüber lässt sich der Schnuller leichter weglassen, weil Spiel, Kita und Unternehmungen ablenken. Nachts fehlt diese Ablenkung. Ohne Nuckel vermissen viele Kinder genau das, was ihnen beim Einschlafen und beim nächtlichen Aufwachen sonst Trost gibt: das Saugen, das sie in stressigen Momenten beruhigt1.

Fällt der Nuckel nachts immer wieder heraus und weckt euer Kind, ist das für alle belastend1. Deshalb ist der Nacht-Abschied meist der letzte Schritt und nicht der erste. Wenn ihr den Schnuller nachts abgewöhnen möchtet, geht es in der Regel zuerst um den Tag: Dort fällt er weg, später bleibt er nur noch im Bett3.

Für ruhigere Nächte kommt es auf eure Haltung an. Kinder spüren, ob Eltern überzeugt sind; hilfreich ist eine klare, optimistische Botschaft: Der Abschied ist jetzt dran, und ihr geht ihn gemeinsam3. Steht ihr hinter dem Schritt, greift euer Kind diese Sicherheit auf.

Viele Kinder hören mit der Zeit von selbst auf, den Schnuller zu benutzen; andere brauchen beim Abschied ein wenig Unterstützung4. Gewöhnung braucht Zeit, und kleine Schritte helfen eurem Kind, eigene Wege zur Selbstberuhigung zu entwickeln3.

Wichtig ist, dass euer Kind in schwierigen Momenten nicht allein bleibt. Wenn es nachts weint, dürft ihr da sein, trösten und Nähe geben – nur ohne den Schnuller sofort wieder anzubieten1, 3. Einen Überblick über alle Wege und Zeitpunkte bietet Schnuller abgewöhnen.

Wann den Schnuller nachts abgewöhnen?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte empfiehlt seit 2004, den Schnuller mit etwa 7 Monaten abzugewöhnen2, 5. Zu diesem Zeitpunkt wachsen die ersten Milchzähne, und der Saugreflex bildet sich zurück, sodass der Verzicht leichter fällt2.

Als besonders günstig gilt die Phase zwischen 7 und 12 Monaten. In dieser Zeit nimmt das Saugbedürfnis ab, und das Schlafen ohne Nuckel gelingt häufiger1. Bei frühgeborenen Kindern ist ein späterer Zeitpunkt sinnvoll: Wegen des besonders hohen Saugbedürfnisses darf hier bis zum 1. Geburtstag genuckelt werden2, 5.

Für ältere Kinder gibt es keine feste Altersgrenze. Der passende Moment ist sehr individuell und liegt häufig zwischen dem zweiten und vierten Geburtstag3. Günstig ist eine ruhige Phase, in der in der Familie keine großen Veränderungen anstehen; Kitaeingewöhnung, die Geburt eines Geschwisterchens, ein Umzug und Krankheit sind weniger geeignete Zeiten3.

Infografik mit Zeitpunkten und Empfehlungen, wann Kindern der Schnuller nachts abgewöhnt werden kann.

Beim Urlaub gehen die Einschätzungen auseinander: Eine entspannte Reise mit neuen Eindrücken kann ablenken und helfen1, während die Mobil-Krankenkasse den Urlaub ausdrücklich zu den ungeeigneten Zeiten zählt und zu einer ruhigen Phase ohne große Veränderungen rät3.

Setzt euch lieber ein realistisches Zeitfenster als einen Stichtag. Steht eine große Veränderung an, wartet einen ruhigeren Moment ab3.

Persönliche HörgeschichteDie Schnullerfee-Geschichte mit dem Namen eures Kindes macht den Abschied vom Schnuller leichter – als MP3 oder mit Plüschtier.Jetzt Geschichte gestalten

Schnuller nachts abgewöhnen mit 2 Jahren

Im zweiten Lebensjahr nimmt das Saugbedürfnis deutlich ab2. Trotzdem kann der Abschied jetzt emotional herausfordernd sein, weil Kinder in der Autonomiephase ihren eigenen Willen entdecken1. Plant deshalb Ruhephasen ein und möglichst keine weiteren großen Veränderungen wie einen Umzug1.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät, den Nuckel im zweiten Lebensjahr nur noch zum Schlafen anzubieten1, 2. Damit wird der Schnuller nachts zum letzten Rückzugsort – und dieser letzte Schritt braucht Zeit.

Ab etwa 12 Monaten lässt sich die Nutzung aktiv reduzieren1. Auffällig ist, dass viele Kinder in diesem Alter ihren Nuckel vor allem dann einfordern, wenn sie müde sind oder Trost brauchen2. Genau in diesen Momenten entscheidet eure Reaktion darüber, ob der Verzicht gelingt.

Für Kinder ab 24 Monaten gibt es außerdem Entwöhnungssauger: Sie haben statt des Saugers eine Silikonschiene, die nur auf den Zähnen aufliegt, und machen das Nuckeln dadurch unattraktiv2.

Wichtig bleibt, dass euer Kind den Schnuller selbstbestimmt nutzen darf, solange er noch gebraucht wird: Er soll im Bedarf zur Verfügung stehen und nicht dauerhaft im Mund bleiben, damit die Sprachentwicklung nicht behindert wird3.

Für Kinder im zweiten Lebensjahr gibt es den Ratgeber Schnuller abgewöhnen mit 2 Jahren.

Schnuller abgewöhnen mit 3 Jahren nachts

Spätestens zum 3. Geburtstag sollte der Nuckel verschwunden sein, um Zahnfehlstellungen zu vermeiden1. Der 3. Geburtstag gilt weiterhin als allerspätester Zeitpunkt für die Entwöhnung2.

Ist der richtige Zeitpunkt verpasst, wird der Abschied schwieriger5. Bei Kindergartenkindern, die hartnäckig nuckeln, können Eltern den Schnuller durch ein Geschenk ersetzen; kleine Rituale wie die Schnullerfee oder das gemeinsame Wegwerfen erleichtern die Akzeptanz5.

Denn regelmäßiges Saugen kann Zahnfehlstellungen und Kieferprobleme verursachen, weil die Zunge dann oft nicht korrekt am Gaumen liegt1. Auch Sprachstörungen wie Lispeln sind möglich, wenn die Zunge nicht lernt, am oberen Gaumen hinter den Zähnen zu liegen2. Zahn- und Kieferfehlstellungen, die durch Nuckeln nach dem 1. Lebensjahr entstanden sind, müssen später meist kieferorthopädisch behandelt werden5.

Ein weiterer Grund, den Abschied nicht aufzuschieben: Häufiges Nuckeln verändert das Druckverhältnis zwischen Ohren und Rachen; bei Kindern zwischen 7 und 18 Monaten erhöht das einer Studie zufolge das Risiko für Mittelohrentzündungen1, 2.

Für Kinder ab 3 Jahren gibt es den Ratgeber Schnuller abgewöhnen mit 3 Jahren.

Nachts ohne Schnuller: Alternativen, die Trost geben

In vielen Familien bekommt der Schnuller einen festen Platz: Er wird nur noch zum Schlafen und Ausruhen genutzt und bleibt im Bett3. Diese Regel ist für Kinder verständlich und macht den nächsten Schritt überschaubar.

Der Schnuller hat im Wesentlichen einen Vorteil: Er beruhigt5. Beim Abschied übernehmen Kuscheltier, Nähe und feste Rituale diese Aufgabe.

Ein Kuscheltier rückt dabei als neuer Schlaffreund in den Mittelpunkt3. Es spendet Nähe, bietet Trost und stärkt das Gefühl von Sicherheit beim Einschlafen1. Verbindet euer Kind mit dem Tier Ruhe und Geborgenheit, kann es sich nach und nach auch ohne Nuckel beruhigen.

Für die Hände gibt es weitere Möglichkeiten: Ein Beißring ab dem 7. Monat kann das Saugbedürfnis lindern1. Sanfte Musik oder eine ruhige Traumreise beruhigen die Sinne und können das orale Ritual Schritt für Schritt ersetzen1.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Sauger selbst unattraktiv zu machen: Stecht in den Schnuller ein, sodass er schlaff wird, und kürzt den Nuckel wöchentlich um etwa einen Millimeter, bis nichts mehr davon übrig ist5. Auch das Anschneiden der Schnullerspitze gehört zu den Varianten; das Saugen gelingt dann nicht mehr richtig, und die Freude am Nuckeln vergeht schneller2.

Vorlesen und Erzählen fördern außerdem die Sprache, wenn der Schnuller nicht mehr im Mund liegt1. Eine immer gleiche Reihenfolge am Abend – Zähne putzen, Kuscheltier holen, Geschichte oder Musik, Licht aus – gibt Sicherheit, gerade in den ersten schnullerfreien Nächten.

Schnullerfee, Schnullerbaum und Rituale für die Nacht

Die Schnullerfee macht den Abschied für viele Kinder zu einem kleinen Fest1. Sie besucht das Kind in der Nacht, holt den Schnuller und lässt als Trost ein kleines Geschenk zurück1, 2. Manche Familien erzählen, dass sie den Nuckel für ein kleineres Baby mitnimmt, das ihn noch braucht2.

Auch öffentliche Rituale gibt es: In Dortmund laden Veranstaltungen am Schnullerbaum Kinder dazu ein, ihren Nuckel gemeinsam aufzuhängen1. Solche Bäume, an denen viele Schnuller an Bändern hängen, stehen inzwischen in vielen größeren Städten2. Das schafft Gemeinschaft und macht den Schritt sichtbar1.

Ein Tausch kann ebenfalls helfen: Zum Geburtstag kann die Fee den Nuckel gegen ein Wunschgeschenk tauschen1. Solche Rituale markieren den Abschied klar und positiv und geben Sicherheit1.

Geschichten und Bilderbücher über den Abschied sind eine gute Vorbereitung2. Eine Auswahl findet ihr unter Buch zum Schnuller-Abgewöhnen.

Wenn die Nacht unruhig bleibt: Was dann?

Mit ein paar Tagen und Nächten voller Jammern ist zu rechnen4. Die ersten zwei oder drei Abende ohne Schnuller sind erfahrungsgemäß anstrengend; nach einer Woche fragen sich viele Eltern, warum sie den Schritt nicht früher gegangen sind2.

Ein Wutanfall ist oft ein Zeichen für fehlende Frustrationstoleranz. Verständnis hilft, aber der Schnuller sollte nicht sofort wieder zurückgegeben werden1.

Manche Kinder verlangen nach ein paar Nächten wieder stärker nach dem Nuckel. Genau dann hilft es, ruhig zu bleiben und die Absprache nicht aufzuweichen; mit Nähe und einem festen Abendritual lässt sich der Moment überbrücken1, 3.

Hilfreich ist eine ruhige, klare Botschaft ohne Zweifel in der Stimme3. Wenn euer Kind nachts Nähe braucht, bleibt da und begleitet es – gemeinsam lassen sich solche Herausforderungen meistern3. Schwierige Tage gehören dazu und sind kein Rückschritt, sondern Teil des Lernens1. Bleibt konsequent und liebevoll zugleich; dann wird der Abschied für alle leichter1.

Plant in den ersten schnullerfreien Nächten mehr Zeit für das Zu-Bett-Gehen ein und bleibt bei der gewohnten Reihenfolge. So merkt euer Kind, dass sich nur eine Sache ändert – der Schnuller – und alles andere vertraut bleibt.

Praxis-Tipps: Schnuller nachts abgewöhnen

  1. Fangt tagsüber an: Bevor die Nacht dran ist, sollte der Schnuller am Tag schon selten gebraucht werden3.
  2. Sprecht in kurzen, positiven Sätzen über den Abschied und nennt einen konkreten ersten Schritt1.
  3. Räumt alle Schnuller nach dem Aufstehen außer Sichtweite, damit sie nicht ständig in Erinnerung sind2.
  4. Legt ein vertrautes Kuscheltier mit ins Bett und macht es zum neuen Schlafbegleiter3.
  5. Baut ein festes Einschlafritual auf: Zähne putzen, Kuscheltier holen, ruhige Geschichte, Licht aus1.
  6. Bleibt nachts da, wenn euer Kind weint, und tröstet es ohne Nuckel1, 3.
  7. Gebt zusätzliche Kuschelzeit am Abend, bevor das Licht ausgeht1.
  8. Verschiebt den Start, wenn gerade Kitaeingewöhnung, ein Umzug oder eine Krankheit ansteht3.
  9. Macht den Abschluss sichtbar – mit Schnullerfee, Schnullerbaum oder einem Tauschgeschenk1, 5.
  10. Sprecht euch in der Familie ab, damit alle Bezugspersonen gleich reagieren1.
Persönliche HörgeschichteDie Schnullerfee-Geschichte mit dem Namen eures Kindes macht den Abschied vom Schnuller leichter – als MP3 oder mit Plüschtier.Jetzt Geschichte gestalten

Quellen

  1. Schnuller abgewöhnen in der Nacht: Stressfrei zur schnullerfreien Zone · abgerufen am 11.10.2026
  2. Schnuller abgewöhnen: 10 Tricks für jede Familie · Stand 09.09.2024
  3. Schnuller abgewöhnen · abgerufen am 11.10.2026
  4. Schnuller abgewöhnen: Das rät ein Kinderarzt · abgerufen am 10.10.2026
  5. Nuckeln macht Zähne und Kiefer krank · Stand 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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