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Schnullerbaum: Was Eltern wissen sollten

Ein Schnullerbaum ist ein echter oder nachgebildeter Baum, an dem Kinder ihren Schnuller selbst aufhängen, wenn der Abschied vom Nuckel ansteht. Das Ritual aus Dänemark macht das Loslassen leichter, weil das Kind aktiv wird, Applaus bekommt und seinen Schnuller später besuchen darf. Nach Möglichkeit sollte die Entwöhnung bis zum 24. Lebensmonat abgeschlossen sein, weil fortdauerndes Lutschen Zahn-, Kiefer- und Zungenfehlstellungen sowie daraus folgende Sprachfehler begünstigen kann1.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 10 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier

Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Schnullerbaum mit bunten Schnullern an den Ästen in einer Parkanlage – Titelbild des Ratgebers zum Schnullerbaum

Was ist ein Schnullerbaum?

An einem Schnullerbaum hängen viele bunte Schnuller. Er ist ein sichtbarer Ort für den Abschied vom Nuckel und kann sowohl ein echter Baum in der Natur als auch eine Nachbildung sein, die meist in geschlossenen Räumen steht1.

Erfunden wurde das Ritual in Dänemark: Der älteste bekannte Schnullerbaum steht seit den 1920er-Jahren auf der dänischen Insel Thurø1. Dort hängen Kleinkinder ihren Schnuller in ausgewiesenen Bäumen öffentlicher Parks und Freizeitparks auf, zum Beispiel im Kopenhagener Tivoli-Park1. In Deutschland sind echte Bäume selten; häufiger stehen Nachbildungen in Kliniken, Kindergärten und Zahnarztpraxen1.

Für die Kinder zählt etwas anderes: Das Kind sieht, dass auch andere ihren Schnuller abgegeben haben, und verbindet die Trennung mit einem positiven Erlebnis. Der Baum darf danach jederzeit wieder besucht werden1.

Schnullerbaum pflanzen

Nicht überall gibt es einen ausgewiesenen Baum. Ihr könnt die Idee deshalb zu Hause umsetzen: Pflanzt gemeinsam mit eurem Kind einen jungen Baum oder Strauch im Garten und hängt den letzten Schnuller für ein paar Tage an einen Ast. Danach nehmt ihr ihn wieder ab, denn Plastik, Latex und Silikon gehören in den Restmüll und nicht in die Natur4.

Eine zweite Variante lässt aus dem Schnuller etwas wachsen. Statt ihn aufzuhängen, legt euer Kind ihn in einen Topf mit Erde und Blumensamen und darf beobachten, was in den folgenden Wochen daraus sprießt2. Damit später nichts im Boden bleibt, steckt den Schnuller vorher in einen kleinen Stoffbeutel, den ihr nach dem Wachstum wieder herausnehmt.

Für Kinder, die einen festen Ort brauchen, reicht auch ein kleiner Ersatz: ein Zierbäumchen im Topf auf dem Balkon, ein Ast in einer Vase oder ein Holzgestell, an dem der Schnuller einen Ehrenplatz bekommt. Lasst euer Kind den Platz selbst aussuchen; danach darf es ihn weiter besuchen1, 2.

Persönliche HörgeschichteDie personalisierte Schnullerfee-Geschichte mit dem Namen eures Kindes – macht den Abschied vom Schnuller leichter.Jetzt Geschichte erstellen

Ab wann sollten Kinder den Schnuller abgeben?

Nach Möglichkeit sollten Kinder bis zum 24. Lebensmonat vom Schnuller entwöhnt werden1. Andere Empfehlungen nennen den dritten Geburtstag als spätesten Zeitpunkt, damit keine dauerhafte Zahnfehlstellung entsteht2, 4. Beide Angaben zielen in dieselbe Richtung: Je früher der Abschied gelingt, desto besser.

Der Grund ist gut belegt: Fortdauerndes Lutschen kann zu Zahn-, Kiefer- und Zungenfehlstellungen und daraus resultierenden Sprachfehlern führen1. Auch die Mundatmung erhöht das Risiko, an Karies- und Erkältungskrankheiten zu erkranken1. In Industriestaaten bekommen 60 bis 80 Prozent aller Kinder einen Schnuller4 – der Abschied betrifft also fast jede Familie.

Bewährt hat sich, die Schnullerzeit über Wochen schrittweise zu senken: zuerst tagsüber weniger, später nur noch zum Einschlafen2. So bleibt die Hürde klein, und der letzte Schritt zum Baum fällt leichter. Wichtig ist, dass euer Kind mit einbezogen wird und die Abgabe am Ende freiwillig geschieht2. Wie der Abschied insgesamt gelingt, lest ihr in Schnuller abgewöhnen: Was Eltern wissen sollten.

Wie läuft das Abschnullern vor Ort ab?

Bei organisierten Aktionen dürfen Kinder ihren Schnuller selbst an einen Ast hängen. Damit auch höhere Äste erreichbar sind, stellen die Veranstalter häufig Hubsteiger bereit1. Oft gehört ein Kinderfest dazu, und im Anschluss bekommt das Kind meist ein kleines Geschenk oder eine Urkunde1.

Viele Familien feiern den Moment auch im kleinen Kreis: Der Schnuller wird in einer Schachtel transportiert, wie ein wertvoller Schatz ausgepackt und aufgehängt. Danach wird gejubelt und applaudiert, und das Kind ist stolz, nun zu den Großen zu gehören4. Manche Kinder besuchen ihren Schnuller in den folgenden Wochen noch regelmäßig2.

Infografik zum Ablauf am Schnullerbaum: Schnuller auspacken, an den Ast hängen, feiern und später wieder besuchen.

Ein Beispiel aus Münster: Am Spielplatz Coerdeplatz hat die Stadt im August 2005 eine amerikanische Roteiche zur „Erstbeschnullerung“ freigegeben1, 3. Die Anregung dazu kam von einer Münsteranerin, die die Idee von einer Dänemark-Reise mitgebracht hatte3. Nach der Winterpause startet die Saison dort in der Regel im Mai. Von Mai bis einschließlich Oktober steht jeweils am ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 16 Uhr ein Hubsteiger bereit3. Für 2026 nennt die Stadt den 6. Mai, 3. Juni, 1. Juli, 5. August und 7. Oktober3.

Wie bereitet ihr den Besuch vor?

Startet die Vorbereitung einige Wochen vorher. Erzählt vom Baum als einem Ort, an dem der Schnuller einen Ehrenplatz bekommt und besucht werden darf. Bilderbücher über den Abschied vom Schnuller unterstützen das Gespräch, weil euer Kind darin verschiedene Rituale kennenlernt2.

Lasst euer Kind mitentscheiden: Welcher Baum wird es? An welchem Tag geht es los? Wählt einen Tag, an dem niemand unter Zeitdruck steht – an einem freien Nachmittag lässt sich der Moment entspannter feiern als zwischen zwei Terminen.

Am Tag selbst trägt ein kleines Ritual: Der Schnuller reist in einer Schachtel mit, wird vor dem Aufhängen noch einmal fest gedrückt und dann an den Ast gehängt. Danach darf gejubelt werden4. Plant außerdem einen Besuch in den nächsten Tagen ein, denn der Baum bleibt Anlaufstelle2.

Und der wichtigste Punkt: Die Abgabe muss freiwillig sein. Übt keinen Druck aus und begleitet euer Kind, bis es selbst so weit ist1, 2.

Schnullerbaum oder Schnullerfee?

Beide Wege lassen sich verbinden. Die Schnullerfee tauscht den Schnuller üblicherweise unbemerkt gegen ein Geschenk ein und ist in Deutschland die traditionellere Variante der Entwöhnung1. Beim Baum bringt das Kind den Schnuller selbst zu einem Ort, an dem andere Kinder ihren ebenfalls abgegeben haben1.

Eine schöne Verknüpfung: Ihr erzählt, dass die Schnullerfee vorbeikommt, sobald der Schnuller am Baum hängt und euer Kind die erste Nacht ohne ihn geschafft hat2. Bei beiden Varianten wird großer Wert darauf gelegt, dass die Abgabe freiwillig geschieht1.

Über das Geschenk dürft ihr euch Gedanken machen: Weil sich Kinder vielfach größere oder teurere Spielsachen wünschen, ist die Aussicht auf die Erfüllung eines solchen Wunsches ein besonderer Anreiz, den Schnuller freiwillig abzugeben1.

Die Variante mit der Schnullerfee beschreibt der Beitrag Schnullerfee: Was Eltern wissen sollten. Und wenn euer Kind lieber am Daumen lutscht als am Schnuller, hilft der Ratgeber Daumenlutschen abgewöhnen: Was Eltern wissen sollten.

Ist ein Schnullerbaum schädlich für die Umwelt?

Der Schnullerbaum draußen in der Natur bringt Nachteile für Umwelt und Tiere mit sich. Schnuller bestehen meist aus Plastik und Latex oder Silikon, die Bänder zum Aufhängen häufig aus Kunstfasern4. Diese Materialien gehören in den Restmüll und nicht in die Natur, wo sie bis zu 400 Jahre für ihre Zersetzung benötigen und danach noch Mikroplastik hinterlassen können4.

Auch für Tiere können die Bänder gefährlich werden: Vögel und Eichhörnchen können sich darin verfangen und sich verletzen oder sterben. Werden die Mundteile aus Latex oder Silikon mit der Zeit porös, kann es passieren, dass Tiere sie fressen und davon gesundheitliche Probleme bekommen4. Aus Sicht des Naturschutzes ist ein solcher Baum deshalb nicht ideal: Ein Baum sollte ein Zufluchtsort für Ästlinge bleiben, also für Jungvögel, die gerade flügge werden4.

Wenn ihr einen Baum besuchen möchtet, fragt in eurer Stadt nach, ob es eine Nachbildung in einem Gebäude gibt2. So bleibt der Abschied ein Fest, ohne dass Schnuller und Bänder in der Natur zurückbleiben.

Praxis-Tipps: Schnullerbaum

  1. Sucht den Baum gemeinsam aus und besucht ihn vorher einmal. So kennt euer Kind den Ort, bevor der Schnuller dort bleibt.
  2. Legt den Termin auf einen freien Nachmittag. Ohne Zeitdruck lässt sich das Ritual ruhiger feiern.
  3. Senkt die Schnullerzeit vorher schrittweise: zuerst tagsüber weniger, später nur noch zum Einschlafen2.
  4. Packt den Schnuller in eine kleine Schachtel oder ein Säckchen. Wie ein Schatz ausgepackt, wird der Moment für viele Kinder besonders4.
  5. Sprecht vorher über die Abgabe und lest ein Bilderbuch dazu. Kinder verstehen das Ritual leichter, wenn sie es schon kennen2.
  6. Feiert den Moment mit Applaus. Danach darf euer Kind stolz sein, zu den Großen zu gehören4.
  7. Plant für die nächsten Tage einen Besuch ein. Der Baum bleibt Anlaufstelle für euer Kind2.
  8. Überlegt eine kleine Belohnung. Bei organisierten Aktionen gibt es oft ein Geschenk oder eine Urkunde1.
  9. Für den Garten: Steckt den Schnuller vor dem Eingraben in einen Stoffbeutel. So bleibt kein Plastik im Boden, wenn ihr ihn später wieder herausnehmt4.
Persönliche HörgeschichteDie personalisierte Schnullerfee-Geschichte mit dem Namen eures Kindes – macht den Abschied vom Schnuller leichter.Jetzt Geschichte erstellen

Häufige Fragen

Was ist ein Schnullerbaum?
Ein Schnullerbaum ist ein Baum, an dem Kinder ihren Schnuller aufhängen, wenn sie sich vom Nuckel verabschieden. Es gibt ihn als echten Baum in Parks und als Nachbildung in Gebäuden, etwa in Kliniken oder Kitas1. In Deutschland haben bisher nur wenige Städte Bäume für diesen Brauch ausgewiesen1. Der Brauch breitete sich im 21. Jahrhundert auch in Israel aus1.
Wie kann ich meinem Kind vom Schnullerbaum erzählen?
Am einfachsten erzählt ihr vom Baum als einem Ort, an dem der Schnuller einen Ehrenplatz bekommt und besucht werden darf. Bilderbücher über den Abschied vom Schnuller helfen, weil euer Kind darin verschiedene Rituale kennenlernt2. Sprecht auch darüber, was danach passiert: Viele Familien feiern den Moment mit Applaus, manche verbinden ihn mit der Schnullerfee2, 4.
Gibt es Geschenke, wenn der Schnuller am Schnullerbaum hängt?
Oft ja. Bei organisierten Aktionen bekommt das Kind nach dem Aufhängen meist ein kleines Geschenk oder eine Urkunde1. Auch viele Familien überlegen sich eine Belohnung: Weil sich Kinder vielfach größere oder teurere Spielsachen wünschen, ist die Aussicht auf die Erfüllung eines Wunsches ein besonderer Anreiz, den Schnuller freiwillig abzugeben1. Manche verbinden den Baum mit der Schnullerfee, die den Schnuller gegen ein Geschenk eintauscht1, 2.
Ist ein Schnullerbaum schädlich für die Umwelt?
Für die Natur ist ein Baum mit aufgehängten Schnullern nicht ideal. Schnuller aus Plastik, Latex oder Silikon und Bänder aus Kunstfasern gehören in den Restmüll; in der Natur brauchen sie bis zu 400 Jahre für ihre Zersetzung und hinterlassen Mikroplastik4. Vögel und Eichhörnchen können sich in den Bändern verfangen oder poröse Mundteile fressen und dadurch gesundheitliche Probleme bekommen4. Fragt deshalb nach einer Nachbildung in einem Gebäude2.

Quellen

  1. Schnullerbaum · abgerufen am 11.10.2026
  2. Schnullerbaum: So klappt der Abschied vom Schnuller · Stand 30.06.2026
  3. Schnullerbaum · abgerufen am 10.10.2026
  4. Schnullerbaum: Eine Tradition mit Gefahren für Natur und Tierwelt · Stand 18.04.2023
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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