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Der Löwe und die Maus – Fabel mit Moral für Kinder

Die Fabel Der Löwe und die Maus erzählt von einer kleinen Maus, die einen schlafenden Löwen weckt, um ihr Leben bittet und später genau diesen Löwen aus starken Seilen befreit. Auf dieser Seite findet ihr die Geschichte als kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen und Anhören. Dazu gibt es eine kurze Zusammenfassung, die Figuren, die Moral und fünf Fragen für ein Gespräch mit eurem Kind.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 12 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Der Löwe und die Maus: Ein großer Löwe schläft im Schatten eines Baumes, während eine kleine Maus über seine Pranke läuft.
Jahr
Antike
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Äsop (Three Hundred Aesop's Fables, englische Übersetzung von George Fyler Townsend, Project Gutenberg #21)

Neu erzählt nach Äsop (Antike) – eigene Übersetzung aus dem Englischen

Die Fabel Der Löwe und die Maus erzählt, wie eine winzige Maus einem mächtigen Löwen aus der Not hilft – hier als kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen und als Hörfassung.

Der Löwe und die Maus – die Fabel zum Vorlesen

Hörfassung · 5 Min.
Der Löwe und die Maus – Hörfassung
0:004:38
MP3 herunterladen (2,7 MB)

An einem heißen Nachmittag lag ein Löwe im Schatten eines großen Baumes und schlief. Seine Pranken ruhten im trockenen Gras, sein Atem ging langsam und tief, und über ihm sangen die Vögel in den Zweigen.

Da kam eine kleine Maus über die Wiese gelaufen. Sie suchte nach Körnern und süßen Beeren und schaute dabei nicht auf den Weg. Sie lief über Steine und Wurzeln, immer weiter, bis sie plötzlich etwas Warmes unter ihren Pfoten spürte. Erschrocken blieb sie stehen: Sie war mitten über das Gesicht des schlafenden Löwen gelaufen.

Der Löwe fuhr aus dem Schlaf hoch. Mit einem einzigen Griff hatte er die Maus gefangen und hielt sie unter seiner Pranke fest. Er war zornig, weil sie ihn geweckt hatte, und hätte sie am liebsten gefressen.

Die Maus zitterte am ganzen Körper. Trotzdem sprach sie so ruhig, wie sie konnte: „Bitte, großer Löwe, lass mich leben. Ich wollte dich nicht stören. Wenn du mich laufen lässt, will ich dir deine Güte vergelten.“

Der Löwe sah auf das winzige Tier unter seiner Pranke hinunter. „Du willst mir helfen?“, fragte er. „Du bist so klein, dass ich dich mit einer Pfote verdecken kann.“ Über diesen Gedanken musste er so sehr lachen, dass seine Mähne wackelte. Dann hob er die Pranke und ließ die Maus laufen.

Die Maus huschte davon, so schnell ihre Beine sie trugen. Am Rand der Wiese drehte sie sich noch einmal um und rief: „Danke, großer Löwe! Du wirst es nicht bereuen.“ Der Löwe schüttelte den Kopf, legte sich wieder in den Schatten und schlief weiter.

Die Tage vergingen, und der Löwe zog weiter durch den Wald. Eines Morgens waren Jäger unterwegs. Sie fingen den Löwen und banden ihn mit starken Seilen am Boden fest. Die Knoten saßen so eng, dass er sich kaum bewegen konnte.

Der Löwe zerrte an den Seilen und brüllte vor Zorn. Sein Brüllen war so laut, dass die Vögel aus den Bäumen aufflogen und die Rehe davonrannten. Doch je mehr er kämpfte, desto fester zogen sich die Seile zusammen. Schließlich lag er erschöpft im Gras und konnte sich nicht mehr rühren.

Die kleine Maus saß gerade vor ihrem Loch, als sie das Brüllen hörte. „Das ist der Löwe!“, rief sie. „Er hat mir das Leben geschenkt, jetzt bin ich an der Reihe.“ Sie lief durch das hohe Gras, über Stock und Stein, bis sie den Löwen zwischen den Seilen liegen sah.

Die kleine Maus nagt mit ihren Zähnen ein starkes Seil durch, mit dem der Löwe am Boden festgebunden ist – Fabel-Illustration für Kinder

Ohne zu zögern setzte sie ihre spitzen Zähne an das dickste Seil und nagte und nagte. Faser für Faser wurde es dünner, bis es riss. Dann nahm sie sich das nächste Seil vor. Als die letzten Fäden durchgenagt waren, stemmte der Löwe seine Pranken in den Boden, riss das Seil entzwei und stand auf. Er war frei.

Er blickte auf die Maus hinunter und sagte leise: „Ich habe dich unterschätzt. Du hast mir geholfen, obwohl du so klein bist.“

Die Maus stellte sich neben seine Pranke, die größer war als sie selbst, und sagte: „Du hast gelacht, als ich dir helfen wollte. Jetzt weißt du: Auch eine kleine Maus kann einem großen Löwen etwas Gutes tun.“

Der Löwe nickte und legte sich zufrieden ins Gras. Die kleine Maus aber huschte zurück zu ihrem Loch – und wusste, dass sie etwas Großes geschafft hatte.

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Der Löwe und die Maus in Kürze

Ein Löwe schläft im Schatten eines Baumes. Eine kleine Maus läuft über sein Gesicht, erschrickt und weckt ihn damit. Zornig fängt der Löwe sie mit seiner Pranke. Die Maus bittet um ihr Leben und verspricht, sich zu bedanken. Der Löwe lacht über diesen Gedanken und lässt sie laufen.

Kurz darauf fangen Jäger den Löwen und binden ihn mit starken Seilen am Boden fest. Die Maus hört sein Brüllen, erkennt ihn und läuft zu ihm. Mit ihren Zähnen nagt sie die Seile durch, bis der Löwe sich befreien kann.

So merkt der Löwe, dass er die kleine Maus unterschätzt hat – und dass Hilfe manchmal von dort kommt, wo man sie am wenigsten erwartet.

Die Figuren

  • Der Löwe: Er ist der König der Tiere, schläft im Schatten, fängt die Maus im Zorn und lässt sie lachend wieder frei.
  • Die Maus: Sie ist klein und flink, bittet um ihr Leben, verspricht Dank und nagt später die Seile durch, die den Löwen festhalten.
  • Die Jäger: Sie fangen den Löwen und binden ihn mit starken Seilen am Boden fest; danach treten sie nicht mehr auf.

Was lernen Kinder daraus?

Die Fabel erzählt von einer Wohltat, die zurückkommt. Der Löwe lässt die Maus laufen, weil er Mitleid hat – und genau diese Maus rettet ihn später2. Kinder merken daran: Freundlich sein lohnt sich, auch wenn nicht sofort etwas daraus wird.

Die zweite Lehre dreht sich ums Unterschätzen. In vielen Fassungen heißt es am Ende, niemand sei so schwach, dass er nicht auch einmal einem Starken helfen könne3. Das ist ein guter Gedanke für den Alltag: Die Kleinste in der Gruppe kann trösten, und die leise Idee eines Kindes kann die beste des Tages sein.

Und noch etwas zeigt die Geschichte: Wer Hilfe bekommt, darf sich daran erinnern. Die Maus hat ihr Versprechen nicht vergessen. Solche Gespräche brauchen keinen erhobenen Zeigefinger – fragt euer Kind einfach, ob ihm schon einmal jemand geholfen hat, dem es das nicht zugetraut hätte.

Herkunft und Entstehung

Die Fabel Der Löwe und die Maus ist alt. Als Fabel von Äsop ist sie in vielen Sammlungen überliefert, unter anderem in der englischen Ausgabe Three Hundred Aesop's Fables, die George Fyler Townsend übersetzte († 1900) und die als Project-Gutenberg-Ausgabe #21 vorliegt. Unsere Nacherzählung ist eine eigene deutsche Fassung nach dieser Sammlung.

Noch älter als die griechische Überlieferung ist eine altägyptische Erzählung. Sie steht im Papyrus Die Heimkehr der Göttin und zeigt starke Parallelen zur Äsop-Geschichte Der Löwe und das Mäuschen4. In dieser Fassung geht der Rettung eine längere Vorgeschichte voraus: Der Löwe erlebt, wie Menschen anderen Tieren Leid zufügen, und fällt später selbst in eine Fallgrube, aus der ihn die Maus befreit4.

Die demotischen Fassungen der Fabel stammen aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, eine spätere griechische Überlieferung aus dem dritten Jahrhundert4. Einzelne Sprachformen lassen zu, dass Teile des Stoffes bis in die Zeit des Neuen Reiches zurückreichen, also in die Jahre 1550 bis 1070 vor Christus4.

Später wurde die Fabel immer wieder neu erzählt. Jean de La Fontaine bearbeitete sie, wobei in seinem französischen Text aus der Maus eine Ratte wurde4. Auch deutsche Fassungen unterscheiden sich in kleinen Einzelheiten: In einer läuft die Maus auf der Suche nach Futter über den Löwen2, in einer anderen tanzen mehrere Mäuse auf seinem Rücken, bis er davon aufwacht3. Der Kern bleibt in allen Versionen gleich – am Ende ist es die kleine Maus, die den großen Löwen befreit.

Der Löwe und die Maus als Fabel

Fabeln sind kurze Texte, die mit einem Augenzwinkern erzählt werden und immer eine Lehre enthalten3. Typisch ist, dass zwei Tiere aufeinandertreffen und sich wie Menschen verhalten: Sie sprechen, sie bitten, sie lachen und sie helfen einander3.

In der Geschichte vom Löwen und von der Maus lässt sich das gut beobachten. Der Löwe fängt die Maus, die Maus redet mit ihm wie mit einer Nachbarin, und am Ende handeln beide füreinander. Die Lehre steht in Fabeln meist am Ende und wird oft von einer der Figuren selbst ausgesprochen; manchmal müssen Kinder sie aber auch selbst aus dem Text herauslesen3.

Weil Fabeln so kurz sind, passen sie gut in eine kleine Vorleserunde zwischendurch. Die Handlung ist überschaubar, es gibt nur wenige Figuren, und nach dem letzten Satz haben Kinder meist von selbst etwas zu erzählen. Genau dafür sind Tierfabeln seit Jahrhunderten gedacht.

Der Löwe und die Maus – Fabeltext zum Lesen

Den Fabeltext auf dieser Seite könnt ihr direkt am Bildschirm lesen oder ausdrucken. Die Nacherzählung ist in kurze Absätze gegliedert, und die wörtliche Rede zeigt euch, wann der Löwe und wann die Maus spricht.

Beim Vorlesen hilft es, dem Löwen eine tiefe Stimme zu geben und der Maus eine leise, schnelle. Vor dem Brüllen lohnt eine kleine Pause – viele Kinder warten dann schon gespannt darauf. Und nach dem letzten Satz tut ein Moment Ruhe gut, bevor ihr über die Geschichte sprecht.

Viele Kinder möchten die Fabel danach selbst erzählen. Fragt sie einfach: Was ist zuerst passiert? Wer hat am Ende geholfen? So wird aus dem Lesen ein kleines Gespräch.

Der Löwe und die Maus – Fabeltext als PDF zum Ausdrucken

Ein fertiges PDF mit dem Fabeltext gibt es auf dieser Seite nicht. Ihr könnt die Geschichte aber direkt ausdrucken: Öffnet die Seite am Rechner und wählt im Browser die Druckfunktion. Die kurzen Absätze bleiben dabei gut lesbar, auch in Schwarz-Weiß.

Ein Ausdruck ist praktisch für unterwegs, für die Kita oder für eine Vorleserunde mit mehreren Kindern, die abwechselnd lesen möchten. Wenn ihr Papier sparen wollt, druckt nur die Absätze mit der wörtlichen Rede – dann bleibt der Kern der Fabel übrig.

Am Bildschirm funktioniert der Text genauso gut. Manche Kinder hören sogar lieber zu, wenn Erwachsene frei erzählen und dabei auf das Bild schauen.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  • Warum lässt der Löwe die Maus laufen, obwohl er sie gerade erst gefangen hat?
  • Wie fühlt sich die Maus, als sie plötzlich auf dem Löwen landet?
  • Woran merkt die Maus, dass der Löwe Hilfe braucht?
  • Was würdest du tun, wenn du die Maus wärst und den gefangenen Löwen siehst?
  • Kennst du jemanden, der klein ist und trotzdem etwas Großes kann?

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Der Wolf und das Lamm ist eine weitere Fabel mit Moral für Kinder. Auch Der Fuchs und der Rabe gehört zu den Fabeln mit Moral für Kinder und eignet sich gut für eine Vorleserunde. Wer nach dem Vorlesen noch etwas zum Malen möchte, wird bei den Ausmalbildern Löwe fündig: Dort gibt es Löwen-Motive zum kostenlosen Ausdrucken und Ausmalen.

Quellen

  1. Der Löwe und die Maus – Three Hundred Aesop's Fables (Project Gutenberg #21) · abgerufen am 11.10.2026
  2. Der Löwe und die kleine Maus / Deutschland-Lese · abgerufen am 10.10.2026
  3. Werkstatt 2: So kannst du eine Fabel erkennen (Dokument 52533) · abgerufen am 11.10.2026
  4. Der Löwe und die Maus · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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