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Der Fuchs und der Rabe – Fabel mit Moral für Kinder

Der Fuchs und der Rabe ist eine der bekanntesten Fabeln überhaupt: Ein Rabe sitzt mit einem Stück Käse im Schnabel auf einem Ast, ein Fuchs schmeichelt ihm so lange, bis der Rabe den Schnabel öffnet und seine Beute verliert2, 5. Die Geschichte wird dem griechischen Dichter Äsop zugeschrieben und wurde unter anderem von Jean de La Fontaine und Gotthold Ephraim Lessing neu erzählt5. Ihre Lehre lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Hüte dich vor Schmeichlern5. Die Fabel gibt es hier zum Vorlesen und Anhören, dazu Hintergrundwissen und Fragen fürs Gespräch mit eurem Kind.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 11 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Der Fuchs und der Rabe: Ein Rabe sitzt mit einem Stück Käse im Schnabel auf einem Ast einer alten Eiche – Illustration zur Fabel
Jahr
1867
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Äsop (griechische Antike); Jean de La Fontaine (1668); Gotthold Ephraim Lessing (1759) – Ausgabe: Three Hundred Aesop's Fables, übersetzt von George Fyler Townsend (Project Gutenberg #21)

Neu erzählt nach Äsop, Jean de La Fontaine und Gotthold Ephraim Lessing

Eine kurze Tierfabel über einen stolzen Raben, einen schlauen Fuchs und ein Stück Käse – nacherzählt für Kinder ab etwa vier Jahren.

Der Fuchs und der Rabe – die Fabel zum Vorlesen

Hörfassung · 5 Min.
Der Fuchs und der Rabe – Hörfassung zum Vorlesen
0:005:13
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Hoch oben in einem grünen Wald steht eine alte Eiche. Ihre Krone ist so dicht, dass die Sonne nur in kleinen Flecken durch die Blätter fällt. An einem warmen Morgen kommt ein Rabe herbeigeflogen und lässt sich auf einem dicken Ast nieder. Im Schnabel hält er ein großes Stück Käse. Das hat er aus der Küche eines Bauernhofs stibitzt, und der Bauer hat ihm zornig nachgerufen, er sei ein Dieb und solle sich davonmachen3. Jetzt fühlt sich der Rabe sicher. Hier oben kann ihm niemand den Käse wegnehmen, und er will ihn in aller Ruhe verspeisen2.

In diesem Augenblick läuft unter der Eiche ein Fuchs entlang. Er hat seit Tagen nichts mehr gefressen, und sein Magen knurrt laut3. Da bleibt er stehen, schnuppert und hebt den Kopf. Käse! Der Duft kriecht ihm in die Nase, und das Wasser läuft ihm im Maul zusammen3. Er sieht den Raben auf dem Ast sitzen und die Beute fest im Schnabel. Wie gern würde er diesen Käse selbst fressen.

Klettern kann der Fuchs nicht, und bitten würde der Rabe ihn bestimmt nicht. Also überlegt der Fuchs lange, so lange, dass der Rabe oben schon ungeduldig mit den Füßen scharrt. Endlich hat der Fuchs eine hinterlistige Idee2, 4. Er weiß nämlich ganz genau, wie gern der Rabe bewundert wird. Und er weiß, dass man mit schönen Worten oft mehr erreicht als mit Zähnen und Krallen.

Der Fuchs setzt sich gemütlich unter den Baum und ruft mit freundlicher Stimme nach oben: „Guten Morgen, wunderschöner Vogel! Was für ein prächtiges Gefieder du hast! So glänzende Federn habe ich noch nie gesehen3. Wahrhaftig, einen schöneren Vogel als dich gibt es im ganzen Wald nicht2.“ Der Rabe hört das sehr gern. Er plustert sein Gefieder auf und dreht sich stolz hin und her, damit der Fuchs auch alles sieht.

Der Fuchs redet weiter: „Und deine Stimme erst! Wenn dein Gesang auch nur halb so schön ist wie dein Gefieder, dann verdienst du wirklich die Krone als König aller Vögel2, 4. Wie gern würde ich dich einmal singen hören! Willst du mir nicht eine kleine Probe geben1?“ Dem Raben schlägt das Herz vor Freude schneller4. Endlich jemand, der ihn zu schätzen weiß!

Ein schlauer Fuchs schaut zu dem Raben mit dem Käse hinauf – Fabel zum Vorlesen für Kinder

Der Rabe zögert einen winzigen Moment. Soll er wirklich singen? Sein Krächzen hat noch niemanden begeistert. Aber der Fuchs wartet unten so freundlich, und der Rabe möchte ihn nicht enttäuschen. Also schließt er die Augen und spreizt eitel seine Flügel3. Er will unbedingt beweisen, dass seine Stimme genauso bewundernswert ist wie sein Gefieder3. Er holt tief Luft, reißt den Schnabel weit auf und krächzt los: „Krah! Krah! Krah!“2, 3

Kaum ist der Schnabel offen, da spürt der Rabe, wie ihm der Käse davonrutscht. Das Stück ist glatt und schwer, das laute Krächzen hat es gelockert. Es kippt über den Rand des Schnabels, fällt an seinem Gefieder vorbei und purzelt durch die Zweige. Der Fuchs hat nur darauf gewartet2. Blitzschnell springt er vor und schnappt sich den Käse, noch bevor er den Boden berührt3.

Dann setzt sich der Fuchs ins Gras, dreht die Beute in den Pfoten und frisst sie genüsslich auf2. Der Rabe aber sitzt oben im Baum und traut seinen Augen kaum. „He, das war gemein!“, ruft er empört2, 4. Der Fuchs lacht, leckt sich die Schnauze und ruft zu ihm hinauf: „Deine Stimme ist schon in Ordnung, mein lieber Rabe. Nur mit deinem Verstand hapert es noch. Hüte dich vor Schmeichlern!“5 Dann trollt er sich mit vollem Magen in den Wald.

Der Rabe bleibt hungrig auf seinem Ast zurück. Er schaut dem Fuchs nach, bis zwischen den Stämmen nur noch Blätter rascheln. Nie wieder, denkt er, mache ich den Schnabel auf, nur weil mir jemand schöne Worte sagt. Ob er sich wirklich immer daran erinnert hat, verrät die Fabel nicht. Eines aber steht fest: Den Käse hat an diesem Morgen der Fuchs gefressen.

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Der Fuchs und der Rabe in Kürze

Ein Rabe hat ein Stück Käse stibitzt und sitzt damit auf einem Ast im Wald3. Ein hungriger Fuchs entdeckt ihn und will den Käse für sich3. Also schmeichelt er dem Raben: Er sei der schönste Vogel, und seine Stimme müsse wunderbar sein2. Vor lauter Stolz reißt der Rabe den Schnabel auf und krächzt – dabei fällt der Käse hinunter3, 4. Der Fuchs schnappt ihn sich und frisst ihn auf2, 5. Als der Rabe sich empört, lacht der Fuchs nur und warnt ihn vor Schmeichlern2, 5. Die Lehre: Wer auf Schmeichelei hereinfällt, verliert seine Beute.

Die Figuren

  • Der Rabe – er stibitzt ein Stück Käse und lässt sich damit auf einem Ast nieder, wo er in Ruhe fressen will3, 4.
  • Der Fuchs – er ist hungrig und schlau und schmeichelt dem Raben so lange, bis ihm der Käse vor die Füße fällt2, 3.
  • Der Bauer – ihm gehört der Käse; er schimpft den Raben einen Dieb und jagt ihn von seinem Hof davon3.

Was lernen Kinder daraus?

Die Fabel gilt als Warnung vor Schmeichlern5. Kinder merken schnell, worum es hier geht: Der Fuchs sagt nicht die Wahrheit. Er lobt den Raben nur, weil er dessen Käse haben will2, 4. Der Rabe hört dagegen nur das Schöne und vergisst alles andere. Daraus lässt sich zweierlei lernen. Erstens: Lob kann ehrlich gemeint sein, aber nicht jedes Lob ist ehrlich4. Zweitens: Wer zu stolz auf sich ist, wird leicht gestürzt, denn Hochmut kommt vor dem Fall2. Am besten fragt ihr euer Kind nicht nach der Moral, sondern nach der Geschichte: Warum hat der Fuchs so übertrieben geschmeichelt? Was hätte der Rabe tun können? So entdeckt euer Kind die Lehre selbst.

Herkunft und Entstehung

Die Geschichte gehört zu den bekanntesten Fabeln, die dem griechischen Dichter Äsop zugeschrieben werden5. Schon in der Antike wurde sie erzählt, später schuf der römische Dichter Phaedrus eine lateinische Fassung5. Im 17. Jahrhundert nahm Jean de La Fontaine den Stoff auf und veröffentlichte 1668 seine poetische Bearbeitung5. Gut hundert Jahre später, 1759, schrieb Gotthold Ephraim Lessing unter dem Titel Der Rabe und der Fuchs eine eigene, ironische Abwandlung5. Seitdem ist die Fabel in ganz Europa verbreitet: Sie taucht in zahlreichen Dichtungen und Kunstwerken auf, und in der Randborte des Teppichs von Bayeux ist genau der Augenblick dargestellt, in dem der Rabe den Schnabel öffnet und der Käse herausfällt5. Unsere Nacherzählung folgt der bekannten Handlung und erzählt sie in einfacher Sprache für Kinder nach.

Die Fabel vom Raben und vom Fuchs

Erzählt wird die Fabel vom Raben und vom Fuchs in vielen Ländern und in vielen Fassungen. Aus Äthiopien ist sie als Geschichte vom Schakal und vom Raben bekannt5. Der Gelehrte Odo von Cheriton deutete sie im Mittelalter religiös: Der Käse steht für die Nahrung der Seele, der Fuchs für eine Versuchung und das Singen für eitlen Ruhm5. Gotthold Ephraim Lessing drehte die Handlung in seiner Fassung um, bei ihm wird die Schmeichelei nicht belohnt, sondern bestraft5. Für Kinder ist dieser Ausgang zu traurig, deshalb bleibt unsere Nacherzählung bei der bekannten Version: Der Fuchs gewinnt den Käse, und der Rabe kommt mit einer Lehre davon1, 5.

Der Rabe und der Fuchs – Fabeltext in vielen Fassungen

In deutschen Nacherzählungen trägt der Rabe meist ein Stück Käse im Schnabel1, 2, 3, 4. Manche Fassungen beginnen damit, dass er den Käse aus der Küche eines Bauernhofs stibitzt und der Bauer ihn einen Dieb schimpft3. Auch die Schlusssätze klingen unterschiedlich: Einmal mahnt die Geschichte, sich vor Schmeicheleien zu hüten1, ein anderes Mal heißt es, der Stolze werde gestürzt, denn Hochmut kommt vor dem Fall2. Fabeltext und Moral sind also seit Jahrhunderten im Fluss, und jede Zeit findet ihre eigenen Worte dafür. Für Kinder ist das ein Glücksfall: Die kurze Handlung lässt sich in wenigen Minuten vorlesen und danach leicht mit eigenen Worten nacherzählen.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was hat der Fuchs dem Raben alles vorgeschwärmt, bevor er ihn zum Singen brachte?
  2. Warum fällt der Käse aus dem Schnabel, sobald der Rabe singen will?
  3. Hätte der Rabe den Käse behalten können? Was hätte er anders machen können?
  4. Woran merkt man, dass ein Kompliment nicht ehrlich gemeint ist?
  5. Wie würdest du dich fühlen, wenn dir jemand schöne Worte sagt, weil er etwas von dir haben will?

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Häufige Fragen

Wie heißt der Fuchs in der Fabel?
In der Fabel trägt der Fuchs keinen eigenen Namen, er heißt einfach der Fuchs1, 3. Bekannt ist er vor allem für seine Schläue: Er überlegt lange, wie er an den Käse kommen könnte, und hat schließlich eine hinterlistige Idee2, 4. Auch der Rabe und der Bauer bleiben namenlos3. Genau das macht die Fabel so wandelbar: Ihre Lehre passt auf jede Zeit und jeden Ort.

Quellen

  1. Der Rabe und der Fuchs / Deutschland-Lese · abgerufen am 10.10.2026
  2. Fabel: Der Rabe und der Fuchs · abgerufen am 11.10.2026
  3. 18623 s 1 3kl fuchsundrabe · abgerufen am 11.10.2026
  4. Deutsch Fabel Rabe und Fuchs und ABs · abgerufen am 11.10.2026
  5. Vom Fuchs und Raben · abgerufen am 11.10.2026
  6. Der Fuchs und der Rabe · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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