Fantasiereise: Geschichten zum Vorlesen und Anhören

- Alter
- 2 bis 6 Jahre
- Dauer
- 5 bis 8 Minuten je Geschichte
Eine Fantasiereise ist eine langsam erzählte Geschichte, die euer Kind mit geschlossenen Augen mitreist. Auf dieser Seite findet ihr fünf eigene Fantasiereisen für Kinder von etwa 2 bis 6 Jahren, jede zum Vorlesen und als Hörfassung. Vorgelesen dauert eine Geschichte rund 5 bis 8 Minuten. Mehr braucht es nicht: eine Decke, ein Kissen und einen ruhigen Raum. Ihr könnt sie als Abendritual nutzen, als Pause nach dem Toben oder als sanften Weg in den Schlaf.
Alle Geschichten im Überblick
Fünf eigene Geschichten, jede mit einer anderen Landschaft: vom stillen Waldweg über das Wolkenmeer bis zum Sternenhimmel über dem See. Jede Fantasiereise gibt es zum Vorlesen und als Hörfassung, sodass auch Kinder mitmachen können, die noch nicht lesen.
Fantasiereise für Kinder in der Grundschule
Grundschulkinder können einer ruhigen Erzählung schon länger folgen als Kita-Kinder, und sie beschreiben ihre inneren Bilder oft gern. Fantasiereisen werden in Kindergärten und Schulen eingesetzt, damit Kinder zum Beispiel historische Ereignisse oder fremde Kulturen lebendig erleben1. In Kita und Grundschule dienen sie außerdem als Ruheinsel im lauten Alltag, etwa nach dem Toben oder vor dem Wechsel in die nächste Aufgabe4. Für diese Altersgruppe dürft ihr die Landschaft etwas genauer beschreiben: Was wächst am Wegrand, wie riecht die Luft, welche Farbe hat das Wasser? Je konkreter die Bilder sind, desto leichter findet das Kind hinein. Lasst danach ruhig erzählen, was es gesehen hat.
Fantasiereise für den Herbst
Im Herbst liegen draußen Blätter auf dem Weg, und genau diese Bilder tragen eine Fantasiereise im Kopf. Eine Fantasiereise zum Herbstspaziergang braucht keine Vorbereitung: Ihr geht in Gedanken denselben Weg wie nachmittags, nur viel langsamer. Besonders gut passen Bilder aus der Natur – ein Weg, ein Bach, eine Wiese, ein Baum über euch –, denn solche Bilder lassen zur Ruhe kommen und wirken beruhigend2. Wer mag, sammelt vorher mit dem Kind ein paar Blätter und legt sie neben das Bett. Beim Vorlesen dürfen die Blätter dann in der Geschichte wieder auftauchen, und euer Kind weiß genau, wie sie rascheln.
Entspannung mit der Fantasiereise
Bei einer Fantasiereise entsteht Entspannung nicht durch Anstrengung, sondern durch Zuhören. Wer bequem auf dem Rücken liegt und die Augen schließt, erlebt über die ruhige Stimme und die angenehmen Bilder häufig eine körperlich-seelische Entspannung, weil sich die Muskeln lockern1. Im Hauptteil sind Sprechpausen von 10 Sekunden bis zu 2 Minuten üblich, damit Zeit bleibt, sich in die Bilder einzufühlen1. In der Tiefenentspannung sind Anleitungen von 10 bis 12 Minuten verbreitet3. Für Kinder von zwei bis sechs Jahren reichen uns 5 bis 8 Minuten: lieber kurz und ruhig als lang und unruhig. Ein leiser Ausklang gehört dazu, damit die Reise nicht abrupt endet4.
Mila und der Wald der leisen Blätter
Hinter dem Haus, in dem Mila wohnt, beginnt ein Wald. Direkt am Waldrand teilt sich der Weg. Der eine Weg ist breit und hell, auf ihm gehen die Spaziergänger. Der andere ist schmal und ein bisschen moosig, und er führt zwischen den Bäumen hindurch, als wäre er nur für Mila da.
Wenn Mila abends im Bett liegt, schließt sie die Augen und geht diesen schmalen Weg. Sie braucht keine Schuhe, denn der Boden ist weich wie ein Teppich. Über ihr rascheln die Blätter, als würden sie leise miteinander reden. „Komm mit“, flüstern sie. „Komm mit, wir haben etwas für dich.“
Mila geht weiter, Schritt für Schritt. Nach ein paar Metern wird es stiller. Die Geräusche vom Haus bleiben zurück, dann auch die von der Straße. Was bleibt, ist das Rascheln der Blätter, das Knacken kleiner Zweige und ganz weit hinten das Plätschern eines Baches.
Am Wegrand liegt ein großer Stein. Er ist noch warm von der Sonne, obwohl die Sonne schon hinter den Bäumen steht. Mila setzt sich darauf und lässt die Beine baumeln. Ihre Hände liegen flach auf dem Stein, und die Wärme kriecht langsam bis in ihre Schultern.
In der alten Buche neben ihr gibt es ein Loch. Darin wohnt eine kleine Maus mit runden Ohren. Sie schaut heraus, wackelt mit der Nase und verschwindet wieder im Dunkeln. Mila lacht ganz leise. Lachen darf man im leisen Wald, solange es leise bleibt.
Dann kommt ein Reh den Weg entlang. Es bleibt stehen und schaut Mila an. Mila sitzt ganz still und zählt, wie oft das Reh blinzelt: einmal, zweimal, dreimal. Beim vierten Mal dreht das Reh den Kopf, geht gemächlich weiter und verschwindet zwischen den Stämmen.
Oben in den Zweigen hüpft ein Eichhörnchen von Ast zu Ast. Es hat eine Eichel im Maul und einen buschigen Schwanz, der aussieht wie eine kleine Federwolke. Mila schaut ihm nach, bis es hoch oben in seinem Nest verschwindet. Dann wird der Wald noch ein wenig stiller.
Mila atmet tief ein. Sie riecht feuchtes Laub, Moos und ein bisschen Harz. Sie atmet langsam aus. Ihre Schultern werden schwer, ihre Beine werden schwer, und alles fühlt sich warm und sicher an. Der Stein trägt sie, der Wald trägt sie, und die Dunkelheit legt sich über sie wie eine Decke.
Als Mila die Augen wieder öffnet, liegt sie in ihrem Bett. Vom Wald ist nur noch ein leises Rascheln in ihrem Kopf übrig. Sie dreht sich auf die Seite und kuschelt sich in ihre Decke. Der schmale Weg ist immer da, sie kann ihn morgen wieder gehen.

Mila und der Wald der leisen Blätter
Alter: ab 4 Jahren
Ein Abendspaziergang über einen weichen Waldweg mit Maus, Reh und raschelnden Blättern.
Jonas und das Wolkenmeer
Jonas liegt auf der Wiese hinter dem Haus. Über ihm ist der Himmel, und im Himmel ziehen Wolken. Eine Wolke sieht aus wie ein Schiff, eine zweite wie ein großer, weicher Berg. Jonas schaut so lange hinauf, bis ihm die Augen zufallen.
Als er sie wieder aufmacht, sitzt er in einem Boot. Das Boot ist weich wie ein Kissen und schaukelt ganz sacht. Es schwebt zwischen den Wolken hindurch, hoch über den Dächern und den Bäumen. Unter ihm wird die Welt klein wie eine Spielzeuglandschaft.
Die erste Wolke, an der Jonas vorbeifährt, sieht aus wie eine Katze. Die zweite sieht aus wie ein Segel. Er legt sich in sein weiches Boot und schaut zu, wie sie gemächlich vorbeiziehen. Keine Wolke eilt, keine drängelt, alle haben Zeit.
Über ihm wölbt sich der Himmel, blau und groß. Ein Vogel fliegt neben dem Boot her. Er schlägt dreimal mit den Flügeln und segelt dann ruhig weiter. Jonas winkt ihm zu. Der Vogel dreht eine kleine Runde und bleibt in seiner Nähe.
Weit unten sieht Jonas einen Fluss. Er glitzert zwischen grünen Wiesen. Neben dem Fluss steht ein Kirchturm, und daneben leuchten Felder, die aussehen wie ein bunter Flickenteppich. Jonas kann sogar einen kleinen Hund erkennen, der über die Wiese läuft.
Nun wird das Boot langsamer. Eine große graue Wolke kommt von der Seite und legt sich wie eine Decke über den Himmel. Es wird ein wenig kühler, aber nicht kalt. Jonas zieht die Knie an und rollt sich in dem weichen Boot zusammen. Es fühlt sich an wie in einem Nest.
Ganz leise fängt es an zu tröpfeln. Die Tropfen klingen auf dem Boot wie ein Klopfen: tipp, tipp, tipp. Jonas hört ihnen zu. Tipp, tipp, tipp. Das Klopfen wird langsamer, und mit ihm wird auch Jonas langsamer. Seine Hände werden schwer, seine Füße werden schwer.
Die Wolke trägt das Boot weiter, ganz sacht. Jonas hört noch das Klopfen, dann hört er es leiser, dann nur noch sein eigenes Atmen. Ein, aus. Ein, aus. Die Wolken um ihn herum sind warm wie eine Wolldecke, und das Boot schaukelt ihn hin und her.
Als Jonas wieder aufwacht, liegt er auf der Wiese hinter dem Haus. Über ihm ist der Himmel, und die Wolken ziehen weiter. Eine sieht aus wie ein Boot. Jonas lächelt, steckt die Hände unter den Kopf und bleibt noch ein bisschen liegen.

Jonas und das Wolkenmeer
Alter: ab 3 Jahren
Eine Fahrt im weichen Wolkenboot hoch über Wiesen, Dörfern und Flüssen.
Frieda und das Lied des Baches
Hinter dem Garten von Friedas Großmutter fließt ein Bach. Er ist nicht breit, man kann fast darüber springen. Frieda geht jeden Tag hin und setzt sich ans Ufer. Sie mag das Geräusch, das der Bach macht: Es klingt wie ein Lied, das nie aufhört.
Wenn Frieda abends im Bett liegt, hört sie das Lied noch. Sie schließt die Augen und ist wieder am Ufer. Das Gras ist kühl und weich. Kleine Blumen nicken im Wind. Frieda zieht die Schuhe aus und steckt die Zehen ins Wasser.
Das Wasser ist kalt und klar. Frieda sieht die runden Kieselsteine auf dem Grund: grau, weiß und einer mit einem braunen Punkt. Ein kleiner Fisch schwimmt vorbei. Er ist nicht größer als ein Finger, und er bleibt stehen, als würde er Frieda anschauen. Dann schwimmt er weiter, und Frieda sieht nur noch sein Schwänzchen zwischen den Steinen verschwinden.
Frieda sitzt ganz still. Da kommen noch mehr Fische, vier oder fünf, und sie schwimmen im Kreis, als würden sie tanzen. Das Wasser glitzert in der Sonne. Über Friedas Füßen bildet sich ein kleiner Ring, der immer größer wird, bis er im Wasser verschwindet.
Neben ihr steht eine Weide. Ihre Zweige hängen bis ins Wasser und streicheln die Oberfläche. Wenn der Wind kommt, schwimmen die Zweige hin und her wie lange Haare. Frieda legt sich ins Gras und schaut hinauf in die Blätter.
Zwischen den Zweigen sieht sie den Himmel. Eine Libelle fliegt vorbei, mit Flügeln, die durchsichtig sind wie Fensterglas. Sie bleibt auf einem Stein sitzen und putzt sich. Frieda schaut ihr zu und atmet dabei ganz langsam.
Frieda streckt die Hand ins Wasser und lässt es durch die Finger laufen. Es ist weich wie Seide. Ein Blatt treibt vorbei, dreht sich einmal im Kreis und verschwindet unter der Weide. Frieda schaut ihm nach, bis nur noch kleine Ringe auf dem Wasser bleiben. Dann legt sie die Hand zurück ins Gras und spürt, wie warm die Sonne auf ihrem Arm liegt.
Dann wird es Abend. Der Bach wird dunkler, und das Lied wird leiser. Frieda spürt die kühle Luft an den Armen und die Wärme der Sonne, die noch in ihren Schultern steckt. Sie gähnt einmal, ganz tief. Ihre Augen werden schwer.
Sie bleibt noch ein bisschen am Ufer sitzen. Der Bach singt weiter, immer leiser: plitsch, platsch, plitsch. Frieda hört zu, bis das Lied ganz weich wird. Dann trägt sie es mit sich nach Hause, hinein in ihr Bett, hinein in ihren Schlaf.
Am nächsten Morgen fragt ihre Großmutter, ob sie wieder am Bach war. Frieda nickt. Immer wenn sie das Plätschern hört, wird sie ruhig, und das bleibt dann den ganzen Tag. Am Abend darauf geht sie wieder zum Bach, setzt sich auf denselben Platz und wartet, bis das Lied ganz leise wird. Danach geht sie nach Hause und schläft ein, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Frieda und das Lied des Baches
Alter: ab 3 Jahren
Am Bachufer sitzen, dem Wasser zuhören und die Zehen in die Kühle strecken.
Emil auf der Bergwiese
Emil wandert mit seiner Familie auf einen Berg. Der Weg ist lang und wird immer steiler. Emil hat schon dreimal gefragt, wie weit es noch ist. Seine Beine werden müde, und in seinem Bauch kribbelt es ein bisschen. Hohe Wege mag er nicht so gern.
Da kommt eine Bank am Wegrand. Emil setzt sich hin. Er schaut auf seine Schuhe und atmet einmal tief ein, dann noch einmal. Seine Mutter setzt sich neben ihn und sagt nichts. Gemeinsam schauen sie auf die Wiese, die den Hang hinauf wächst.
Auf der Wiese stehen Gräser, die sich im Wind bewegen. Zwischen den Gräsern leuchten kleine blaue Blumen. Ein Schmetterling taumelt von Blüte zu Blüte. Emil schaut ihm zu, und das Kribbeln in seinem Bauch wird ein bisschen kleiner.
Emil schaut sich genauer um. Neben seinen Schuhen wächst ein kleines Grasbüschel, und darauf sitzt ein Käfer mit glänzendem Panzer. Er krabbelt langsam über einen Halm, bleibt stehen und lässt sich dann einfach weitertragen, als wäre nichts. Emil muss lächeln. Dann fliegt der Käfer doch noch auf, surrt einmal um Emils Kopf und landet auf einem Stein am Wegrand. Emil schaut ihm nach, bis er wieder still sitzt.
Dann sieht Emil etwas neben der Bank. Eine Ameisenstraße zieht über den Weg. Jede Ameise trägt etwas: ein Blattstück, ein Krümel, eine winzige Feder. Sie laufen in einer langen Reihe, immer geradeaus, und keine bleibt stehen. Emil zählt bis zehn und schaut, wo sie hingehen.
Am Ende der Reihe ist ein kleiner Hügel aus Sand. Dort verschwinden alle Ameisen. Emil denkt: Die müssen auch einen weiten Weg gehen, und sie machen es Schritt für Schritt. Er steht auf. Links, rechts, links. Immer weiter, ohne Eile.
Nach einer Weile wird der Weg flacher. Auf einmal ist Emil oben. Vor ihm liegt die Wiese, und dahinter, ganz weit, liegen Täler, Wälder und ein Fluss. Er sieht kleine Dörfer und einen See, der wie ein runder Spiegel zwischen den Hügeln liegt.
Emil setzt sich ins Gras und lehnt sich zurück. Die Luft ist kühl und riecht nach Heu. Über ihm ziehen Wolken, gemächlich wie große Schiffe. Drei Vögel kreisen hoch über dem Tal, ganz langsam, ohne einen Flügelschlag zu viel. Emil breitet die Arme aus und lässt sie im Gras liegen. Er ist schwer und leicht zugleich.
Seine Beine sind müde von der Wanderung, und das ist in Ordnung. Emil schließt die Augen. Die Sonne wärmt sein Gesicht, der Wind streicht über seine Arme, und die Gräser rascheln neben seinem Ohr. Ganz langsam wird sein Atem ruhig.
Als seine Familie weitergehen will, steht Emil auf und geht mit. Diesmal schaut er auf die Wiese neben dem Weg, nicht auf den steilen Teil. So findet er Schritt für Schritt nach Hause und schläft abends sofort ein. Vor dem Einschlafen denkt er noch an die Ameisen und an den Käfer, und daran, wie gut eine Pause tut.

Emil auf der Bergwiese
Alter: ab 5 Jahren
Eine Wanderung mit müden Beinen, einer Ameisenstraße und einem weiten Blick ins Tal.
Sofia und die Sterne über dem See
Sofia sitzt abends am Fenster. Draußen wird es dunkel, und über den Dächern erscheint der erste Stern. Sofia schaut hinauf und wünscht sich, einmal ganz nah an die Sterne zu kommen. Sie schließt die Augen und stellt sich vor, wie das wäre.
Da steht sie an einem See. Das Wasser ist so ruhig, dass es aussieht wie Glas. Am Ufer liegt ein kleines Boot mit zwei Rudern. Sofia steigt ein, und das Boot legt ganz von selbst ab. Es gleitet über das Wasser, ohne eine einzige Welle zu machen.
In der Mitte des Sees bleibt das Boot stehen. Sofia legt sich auf den Rücken und schaut nach oben. Der Himmel ist voller Sterne. Manche sind groß und hell, andere klein und zart. Zwischen ihnen zieht ein helles Band, als hätte jemand Sternenstaub verstreut.
Sofia liegt ganz still im Boot. Sie zählt die Sterne nicht, sie schaut nur. Manchmal verschwindet einer hinter einer Wolke, dann kommt er wieder zum Vorschein, genauso hell wie vorher. Sofia gefällt das. Nichts muss bleiben, nichts muss verschwinden, alles darf einfach da sein.
Sofia streckt die Hand aus. Es ist, als könnte sie die Sterne fast berühren. Sie sucht Bilder am Himmel: einen Wagen, einen Bogen, einen großen Löffel. Sie blinzelt langsam, und die Sterne blinzeln zurück, ganz sacht wie Glühwürmchen.
Unter dem Boot ist das Wasser dunkel und still. Sofia hört es leise an den Bootsrand klopfen. Sie hört auch die Gräser am Ufer und einen Vogel, der noch einmal ruft und dann schweigt. Alles wird leiser, alles wird ruhig.
Über dem Wasser liegt eine dünne Spur Nebel. Sofia schaut, wie er sich langsam hebt und wieder senkt. Ganz in der Nähe raschelt etwas im Schilf, einmal, zweimal, dann ist es wieder still. Sofia lauscht. Sie muss nichts tun, nur da sein und atmen.
Sofia zieht die Jacke fester um sich. Ihr ist nicht kalt. Das Boot schaukelt sacht, als würde der See atmen: ein, aus, ein, aus. Ihre Arme werden schwer, ihre Beine werden schwer, und ihre Augen fallen von selbst zu.
Sie stellt sich vor, wie ein Stern langsam näher kommt. Er wird zu einem kleinen Licht, das über dem Boot schwebt. Es leuchtet warm, nicht grell. Sofia schaut es an, bis ihre Gedanken ganz weich werden wie Wolken.
Dann trägt der See das Boot zurück ans Ufer. Ganz leise. Sofia steigt aus, geht über den weichen Boden und legt sich in ihr Bett. Das Licht bleibt noch ein bisschen über ihr stehen und passt auf, bis sie schläft.
Am Morgen weiß Sofia noch genau, wie die Sterne ausgesehen haben. Sie malt sie mit Kreide auf die Straße: Punkte, Striche, Kreise. Und abends, wenn sie im Bett liegt, findet sie den See wieder, ganz einfach, indem sie die Augen schließt. Dann hört sie in ihrer Erinnerung noch das leise Klopfen am Bootsrand und wird ganz ruhig.

Sofia und die Sterne über dem See
Alter: ab 5 Jahren
Eine stille Bootsfahrt über einen gläsernen See unter einem vollen Sternenhimmel.
Vorlese-Tipps
Vorlesen ist mehr als lautes Lesen. Bei einer Fantasiereise darf es ruhig, langsam und ein bisschen schläfrig zugehen – die Tipps gelten genauso, wenn ihr die Hörfassung startet.
- Langsam sprechen und Pausen lassen. Im Hauptteil sind Sprechpausen von 10 Sekunden bis zu 2 Minuten üblich, damit euer Kind die Bilder innerlich ausmalen kann1.
- Kurze Einstimmung. Setzt euch neben das Kind und sagt zwei, drei ruhige Sätze, bevor die Geschichte beginnt; so findet es leichter hinein4.
- Dunkel und bequem. Ein abgedunkelter Raum, gedämpftes Licht und weiche Unterlagen wie Kissen oder Decken machen es Kindern leichter, loszulassen4.
- Nicht unterbrechen. Störungen von außen holen ein Kind schnell aus der Reise; schaltet das Telefon stumm und lasst die Tür zu4.
- Stimme als Werkzeug. Sprecht etwas langsamer als im Alltag und lasst die Stimme zum Ende hin leiser werden4.
- Augen zu beim Hören. Wer zuhört statt selbst zu lesen, kann die Augen schließen – das unterstützt die Vorstellungsentwicklung2.
- Sanft zurückholen. Beendet die Reise mit Strecken, Räkeln und tiefem Durchatmen, statt abrupt aufzuhören1, 4.
- Danach erzählen oder malen. Fragt, was euer Kind gesehen hat, oder legt Stifte und Papier bereit; so klingt die Geschichte nach4.
Wenn ihr eine Fantasiereise zum Einschlafen sucht, werdet ihr bei der Traumreise für Kinder fündig; dort gibt es weitere Geschichten zum Vorlesen und Anhören. Am Abend passen außerdem unsere Gute-Nacht-Geschichten für Kinder von 2 bis 6 Jahren.
Häufige Fragen
Was ist eine Fantasiereise?
Was sind Fantasiereisen?
Quellen
- Fantasiereise · abgerufen am 11.10.2026
- Fantasiereisen für Jugendliche und Erwachsene · Stand 23.08.2026
- Yoga Vidya: Fantasiereise · abgerufen am 11.10.2026
- Fantasiereisen für Kinder · Stand 09.03.2025
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