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Wiegenlied von Brahms – Liedtext, Herkunft und Bewegungen

Das Wiegenlied von Brahms vertont das Abendgedicht Guten Abend, gut’ Nacht, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts überliefert ist1. Hier findet ihr den vollständigen Liedtext mit beiden Strophen, die Herkunft des Liedes, Bewegungen zum Mitsingen sowie Liedblatt und Ausmalbild zum Ausdrucken. Bis heute singen Eltern das Lied vielen Kindern zum Schlafengehen vor3.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 7 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Wiegenlied von Brahms: Kind schläft in einem Bettchen unter einem Rosenbogen, daneben steht eine kleine Spieluhr

Wiegenlied von Brahms: der Liedtext

Guten Abend, gute Nacht,
Mit Rosen bedacht,
Mit Näglein besteckt,
Schlupf’ unter die Deck’,
Morgen früh, wenns Gott will,
wirst du wieder geweckt.

Guten Abend, gute Nacht,
Von Englein bewacht!
Die zeigen im Traum
Dir den Christkindleinsbaum
Droben im Paradies –
Schlaf’ nun selig und süß!

Text: unbekannt (Volksgut), Strophe 1 nach Des Knaben Wunderhorn (1808), Strophe 2 nach Georg Scherer, Alte und neue Kinderlieder (1849), Vertonung: Johannes Brahms (1868), Quelle: Wikipedia – Fassung nach dem Erstdruck

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Herkunft des Liedes

Das Gedicht gehört zur deutschsprachigen Volkspoesie und ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts bekannt; in der Vertonung von Johannes Brahms wurde es unter dem Titel Wiegenlied zu einem der bekanntesten deutschen Schlaflieder1. Die erste Strophe erschien 1808 unter dem Titel Gute Nacht, mein Kind! im dritten Band der Sammlung Des Knaben Wunderhorn, die Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgaben1, 2. Den hochdeutschen Text verfasste Brentano; Vorlage war eine niederdeutsche Fassung, die acht Jahre zuvor in Johann Friedrich Schützes Holsteinischem Idiotikon abgedruckt war1.

Die zweite Strophe stammt von dem Philologen und Volksliedsammler Georg Scherer, der das Lied 1849 in seine Sammlung Alte und neue Kinderlieder aufnahm; dadurch erhielt es einen weihnachtlichen Charakter1.

Brahms komponierte das Wiegenlied im Juli 1868 in Bonn und widmete es Bertha Faber zur Geburt ihres zweiten Sohnes1. Es erschien noch im selben Jahr als Nummer 4 seiner Sammlung Fünf Lieder für eine Stimme op. 49, zunächst nur mit der ersten Strophe; ab 1874 war es mit beiden Strophen gedruckt1, 2. Öffentlich aufgeführt wurde es erstmals am 22. Dezember 1869 in Wien durch Marie Louise Dustmann-Meyer und Clara Schumann1. Die Melodie gilt als volksliedhaft schlicht und geht vermutlich auf eine Volksweise zurück; in der Klavierbegleitung zitiert Brahms anfangs fast notengetreu einen Ländler1.

Johannes Brahms und das Wiegenlied

Brahms lernte Bertha Porubszky 1859 kennen, als die aus Wien stammende Siebzehnjährige während eines Aufenthalts in Hamburg Mitglied in dem von ihm geleiteten Frauenchor wurde1. Damals sang sie ihm mehrere Lieder aus ihrer österreichischen Heimat vor, darunter einen Ländler aus Alexander Baumanns Sammlung Gebirgs-Bleamln von 18441.

Im Begleitschreiben vom 15. Juli 1868 schilderte Brahms, wie er sich das Singen im Haus der Fabers vorstellte: Während die Mutter den kleinen Hans in den Schlaf singt, singt der Mann sie an und murmelt ein Liebeslied1. Ob sich aus der Freundschaft mehr hätte entwickeln können, lässt sich aus den erhaltenen Briefen nicht mehr klären1.

Als Textvorlage diente Brahms der Abdruck im Deutschen Kinderbuch von 1848, das Karl Simrock herausgegeben hatte1. Weil dort keine Quelle genannt war, wusste Brahms zunächst nicht, dass das Gedicht auch in Des Knaben Wunderhorn steht1. Erst 1892 bat er seinen Verleger, die Quellenangaben im Druck zu ergänzen1.

Brahms’ Wiegenlied in der Spieluhr

Ungezählt sind die Verwendungen des Wiegenlieds in Spieluhren, die wohl zahllosen Kleinkindern weltweit zu einer ihrer ersten musikalischen Erfahrungen verhalfen1. Eine Spieluhr mit dem Wiegenlied von Brahms begleitet viele Kinder also schon im Kinderzimmer, lange bevor sie den Text verstehen.

Zum Einschlafen kann die Spieluhr das Singen ergänzen: Erst singt ihr das Lied mit ruhiger Stimme, dann darf die Spieluhr als leises Nachspiel laufen, bis der Atem ruhiger wird. Achtet darauf, dass die Melodie langsam abläuft und nicht lauter ist als eure Stimme.

Brahms’ Wiegenlied – Text und Bedeutung

Einige Wendungen klingen heute fremd. Die Näglein im Text sind keine Nägel, sondern eine veraltete Bezeichnung für Gewürznelken; ihre ätherischen Öle sollten geliebte Menschen vor Ungeziefer und Krankheitserregern schützen1, 2, 3. Die Rosen bilden nach dieser Lesart ein schützendes Dach über dem Kind1.

Auch die Zeile Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt drückt keine Willkür aus, sondern die damals übliche Demutshaltung: Die Zukunft liegt in Gottes Hand1, 2, 3. Manche Hörer, besonders Kinder, deuten die Stelle heute anders, deshalb hilft eine kurze Erklärung beim Zubettgehen.

Der Wunderhorn-Forscher Heinz Rölleke ordnet das Lied ohnehin als Liebeslied ein, das erst durch Überschrift und Zusammenstellung zum Kinderlied wurde1.

Bewegungen zum Lied

Erste Strophe

  • „Rosen“: Mit beiden Händen einen Bogen über dem Kind formen, als würdet ihr ein schützendes Dach aufbauen.
  • „Näglein“: Mit den Fingerspitzen kleine Pünktchen in die Luft tippen.
  • „unter die Deck“: Die flache Hand sinkt sanft in Richtung Bettdecke.
  • „Gott will“: Beide Hände öffnen sich nach oben.

Zweite Strophe

  • „Englein“: Mit den Zeigefingern zwei kleine Flügel neben dem Kopf zeichnen.
  • „im Traum“: Hände an die Wange legen und den Kopf leicht neigen.
  • „Christkindleinsbaum“: Mit den Armen einen Baum formen, darüber schweben die Finger wie Lichter.
  • „Paradies“: Die Arme weit öffnen und am Ende beide Hände aufs Herz legen.

Spielideen

  • Als letztes Lied am Abend: Nach dem Zähneputzen wird das Licht gedimmt, ihr singt beide Strophen langsam und zeigt die Bewegungen mit den Händen.
  • Beim Einschlafen: Singt mit dem Kind auf dem Schoß oder neben dem Bettchen und werdet mit jeder Zeile ein wenig leiser.
  • Im Kindergarten: Als ruhiger Abschluss des Morgenkreises oder vor der Ruhephase – erst summt ihr die Melodie, dann singt ihr den Text dazu.
  • Als Trostlied: Wenn ein Kind nach einem Traum aufwacht, hilft die vertraute Melodie oft schneller als viele Worte.
  • Im Advent: Die zweite Strophe erzählt vom Christkindleinsbaum, deshalb passt das Lied gut in die Weihnachtszeit, wenn der Baum schon im Zimmer steht.
  • Mit größeren Kindern: Ab etwa drei Jahren singen viele Kinder die zweite Zeilenhälfte mit; ein Kind fängt an, die anderen antworten.
  • Am Telefon: Als Gutenachtgruß für Oma, Opa oder die Paten – eine Strophe reicht und lässt sich leicht vorsingen.

Liedblatt zum Ausdrucken

Das Liedblatt zum Ausdrucken enthält beide Strophen und eine Illustration, sodass ihr den Text jederzeit griffbereit neben dem Bett oder am Wickelplatz hängen könnt.

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Ausmalbild zum Lied

Zum Lied gibt es ein Ausmalbild zum Herunterladen, das ihr gemeinsam mit eurem Kind bunt gestalten könnt.

  • Vorschau: Ausmalbild zum Ausdrucken
    Ausmalbild zum Ausdrucken

    Schlafendes Kind unter einem Rosenbogen mit Sternen und einer kleinen Spieluhr als Umrisszeichnung

    PDF herunterladen (646 KB)

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Häufige Fragen

Und wenn Gott nicht will?
Die Zeile ist kein Drohwort, sondern ein alter Demutsgestus: Sie sagt, dass die Zukunft in Gottes Hand liegt – vergleichbar mit dem bis heute üblichen So Gott will1. Für das Kind bedeutet sie einfach: Morgen früh darfst du wieder aufwachen und weiterspielen. Wenn ein Kind nachfragt, reicht meist eine kurze, ruhige Antwort; wichtig ist, dass eure Stimme beim Singen warm und gelassen bleibt.
Was bedeutet der Text von Guten Abend, gute Nacht?
Der Text ist ein alter Gutenachtwunsch, der seit dem 15. Jahrhundert in Liebesbriefen überliefert ist und erst später zum Kinderlied wurde1. Die Rosen und die Gewürznelken waren als Schutz gedacht, die Zeile Morgen früh, wenn Gott will als Demutsbekundung1, 2, 3. Die zweite Strophe erzählt von Englein, Christkindleinsbaum und Paradies und gab dem Lied seinen weihnachtlichen Ton1, 2. Viele heutige Missverständnisse lösen sich auf, wenn man die Bilder als liebevollen Segenswunsch liest2, 3.

Quellen

  1. Guten Abend, gut’ Nacht · abgerufen am 11.10.2026
  2. Brahms Wiegenlied "Guten Abend, gut' Nacht" · Stand 24.04.2026
  3. Guten Abend, Gute Nacht · Stand 29.01.2023
  4. Wiegenlied von Brahms · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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