Guter Mond, du gehst so stille – Liedtext, Herkunft und Bewegungen

Guter Mond, du gehst so stille: der Liedtext
Guter Mond, du gehst so stille
In den Abendwolken hin,
Bist so ruhig, und ich fühle,
Daß ich ohne Ruhe bin!
Traurig folgen meine Blicke
Deiner milden, heitern Bahn;
O wie hart ist das Geschicke,
Daß ich dir nicht folgen kann!
Guter Mond, dir will ich’s klagen,
Was mein banges Herze kränkt,
Und bei allen meinen Plagen
Die betrübte Seele denkt.
Guter Mond, du sollst es wissen,
Weil du so verschwiegen bist,
Warum meine Thränen fließen,
Und mein Herz so traurig ist.
Dort in jenem kleinen Thale,
Wo viel junge Bäumchen stehn,
Und nicht weit vom Wasserfalle
Wirst du eine Hütte sehn.
Geh’ durch Thäler, Feld und Wiesen,
Blicke sanft durch’s Fenster hin;
So erblickest du Elisen,
Aller Mädchen Königinn.
Nicht in Gold, und nicht in Seide
Wirst du dieses Mädchen sehn,
Nur in einem weißen Kleide
Pflegt sie stets einher zu gehn.
Nicht von Adel, nicht vom Stande,
Was man sonst so hoch verehrt;
Nicht in einem Ordensbande
Hat dies Mädchen ihren Werth.
Nur ihr Reiz, ihr gutes Herze
Macht sie liebenswerth bei mir,
Sanft im Ernst, und froh im Scherze,
Jeder Zug ist gut an ihr;
Ausdrucksvoll sind die Geberden
Schön und heiter ist ihr Blick.
Kurz, von ihr geliebt zu werden,
Ist für mich das größte Glück.
Mond, du Freund der keuschen Triebe,
Schleiche in ihr Hüttchen ein,
Sage ihr: daß ich sie liebe
Und sie mein ist ganz allein,
Mein Vergnügen, meine Freude,
Meine Lust, mein Alles ist;
Daß ich gerne um sie leide,
Wenn sie mich zuweilen küßt.
Daß ich aber schon gebunden,
Und auch leider! zu geschwind
Meine süßen Freiheitsstunden
Von mir weggeschwunden sind;
Daß ich aber ohne Sünde
Leben könne in der Welt: –
Geh’ und sag’ dem schönen Kind,
Ob ihr diese Lieb’ gefällt?
Text: unbekannt (Volksgut), Melodie: unbekannt, Quelle: de.wikipedia.org – Fassung nach dem Erstdruck: Vier (Nr. 13) Neue Lieder, Ratibor 1808 (Liedflugschrift)
Herkunft des Liedes
Die Urfassung war ein anonymes, volkstümliches Liebeslied mit sieben Strophen, das ab etwa 1800 in mehreren Liedflugschriften überliefert ist2. Die Entstehungszeit wird gegen Ende des 18. Jahrhunderts vermutet2. Schon diese frühe Textfassung wurde oft variiert2.
Die Melodie wird auf die Zeit um 1800 datiert. Erstmals gedruckt erscheint sie 1838 bei Ludwig Erk, mit dem Vermerk „in ganz Deutschland bekannt“2. Gelegentlich wird sie Anton Neyer zugeschrieben, einem Komponisten, über den sonst nichts bekannt ist2. Der Liedforscher Max Friedlaender rechnet sie zu den typischen sentimentalen Weisen des Biedermeier2. Bis heute ist sie außerdem ein beliebtes Leierkastenstück2.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Text vielfach umgedichtet und parodiert. Der Berliner Humorist Adolf Glaßbrenner nahm das Lied 1845 aufs Korn, Kurt Tucholsky 1920 unter dem Titel „An den deutschen Mond“2. Der Volksliedforscher Franz Magnus Böhme ließ 1895 kaum ein gutes Haar daran2. Trotzdem finden sich im Deutschen Volksliedarchiv viele Belege aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts sowie Drucke in Liederbüchern der Jugendbewegung2.
Bei der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals 1895 spielte eine Marine-Empfangskapelle das Volkslied für ein türkisches Schiff2. Auch Chöre wie die Wiener Sängerknaben haben Guter Mond, du gehst so stille gesungen2. So ist aus einem Liebeslied ein Abendlied geworden, das viele Menschen mit Mondlicht und Ruhe verbinden.
Guter Mond, du gehst so stille: der Originaltext
Die älteste überlieferte Fassung erzählt von einem Liebenden, der sich nach einer verklärten Geliebten verzehrt, die er nicht aufsuchen kann, weil er schon „gebunden“ ist, also verlobt oder verheiratet2.
Der Mond ist in diesem Text der stille Vertraute. Ihm klagt der Sänger, was sein „banges Herze“ kränkt, und bittet ihn, durch „Thäler, Feld und Wiesen“ zu wandern, wo eine kleine Hütte steht. Durchs Fenster soll der Mond blicken und der Geliebten ausrichten, dass der Sänger sie liebt.
Der Schluss bleibt offen und ein wenig traurig: Der Sänger gesteht, dass seine „süßen Freiheitsstunden“ vorbei sind, und lässt den Mond fragen, ob der Geliebten diese Liebe gefällt. Die altertümliche Schreibweise mit „Thränen“ und „Thäler“ zeigt, wie lange der Text schon unterwegs ist.
Für das Singen mit kleinen Kindern ist diese lange Fassung nicht gedacht. Wer die Herkunft des Liedes kennenlernen möchte, findet hier aber den Kern, aus dem alles Weitere entstanden ist.
Guter Mond, du gehst so stille als Kinderlied
Der Schulmeister und Dichter Karl Enslin schuf 1851 eine dreistrophige Fassung mit christlich-erbaulicher Tendenz, die den Liebeskonflikt ausspart2. Dieses Andachtslied herrschte in der Wirkungsgeschichte des Liedes lange vor2. Engelbert Humperdinck vertonte 1909 in einer Bearbeitung für Singstimme und Klavier Enslins Text2.
Statt von Liebesleid erzählen die Strophen von Gottes Wille, von Frieden im stillen Kämmerlein und von einem Mond, der als treuer Menschenhüter über die Erde blickt2. Solche Bilder lassen sich gut am Abend singen, und sie sind für Kinder leichter zu verstehen als die Klage der Urfassung.
Bis heute wird Enslins Text vorzugsweise in Kinderliederbüchern abgedruckt2. Die Melodie bleibt in einem ruhigen, wiegenden Ton und passt gut zu Kinderstimmen. Für das erste Mitsingen reicht die erste Strophe, später können weitere dazukommen.
Für das Einschlafen ist die kurze Fassung besonders geeignet: Nach der ersten Strophe könnt ihr einfach leiser werden und den Rest summen.
Bewegungen zum Lied
Der Liedtext fließt ruhig und lässt sich gut mit langsamen Gesten begleiten. Singt leise und führt die Bewegungen nur andeutungsweise aus, dann bleibt das Lied ein Abendlied.
- Erste Strophe – „Abendwolken“: Mit beiden Händen einen großen Bogen über dem Kopf nachzeichnen, als wandere eine Wolke vorbei, und die Hände zum Mond hin öffnen.
- Zweite Strophe – „verschwiegen“: Den Zeigefinger sanft vor die Lippen legen und dabei leise weitersummen.
- Dritte Strophe – „kleinen Thale“: Beide Hände zu einer Mulde formen und mit den Fingerspitzen ein paar kleine Bäumchen andeuten.
- Vierte Strophe – „weißen Kleide“: Mit der flachen Hand über den eigenen Ärmel streichen, als glätte man den weißen Stoff.
- Fünfte Strophe – „gutes Herze“: Die Hand auf das Herz legen und dort einen Moment ruhig liegen lassen.
- Sechste Strophe – „Hüttchen“: Mit beiden Händen ein spitzes Dach über dem Kopf formen und darunter hervorschauen.
- Siebte Strophe – „gebunden“: Die Hände vor der Brust verschränken und sie langsam wieder öffnen.
Spielideen
Das Lied passt überall dort, wo es ruhiger werden soll.
- Sucht am Abend gemeinsam den Mond am Himmel und singt dabei die erste Strophe. Wer ihn zuerst entdeckt, darf die nächste Strophe anstimmen.
- Als letztes Lied im Bett singt ihr nur die ersten beiden Zeilen und summt den Rest. Die Stimme wird dabei immer leiser, und das Einschlafen fällt oft leichter als nach einem lauten Finale.
- Nach wildem Toben kann das Lied ein Signal sein, dass es jetzt ruhiger wird: erst singen, dann Licht dimmen, dann noch eine Geschichte.
- Unterwegs lässt sich das Lied leise summen, etwa im Auto, im Zug oder auf dem Heimweg vom Abendspaziergang.
- Wenn ihr eine Spieluhr habt, lasst sie leise klingen und summt Guter Mond, du gehst so stille dazu: Die Spieluhr trägt den Klang, ihr die Worte.
- In einer Singrunde mit mehreren Kindern könnt ihr die Strophen aufteilen. Jedes Kind übernimmt eine Strophe, die letzte singen alle gemeinsam.
- In der Kita oder in der Musikgruppe lässt sich das Lied als festes Abschlusslied einbauen; Kinder merken sich den ruhigen Ton schnell.
- Wenn nach dem Singen noch jemand wach ist, passt Stille Post als leises Anschlussspiel: Geflüstertes wandert von Ohr zu Ohr, und danach ist die Stimme ruhig genug für die letzte Strophe.
Liedblatt zum Ausdrucken
Das Liedblatt sammelt alle Strophen von Guter Mond, du gehst so stille auf einer A4-Seite, dazu eine KI-Illustration mit Mond, Wolken und Abendlicht. Ihr könnt die Seite als PDF ausdrucken und mit an das Bett nehmen.
Liedblatt: Guter Mond, du gehst so stille7 Strophen mit Illustration
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Ausmalbild zum Lied
Zum Ausmalen gibt es eine Schwarz-Weiß-Vorlage mit Mondsichel, Sternen und einer kleinen Hütte im Tal. Sie passt gut als ruhige Beschäftigung am Abend oder für die Wartezeit vor dem Zubettgehen.
Ausmalbild zum AusdruckenMondsichel mit Sternen und kleiner Hütte als Schwarz-Weiß-Malvorlage, Ausmalbild zum Kinderlied
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Quellen
- Guter Mond, du gehst so stille · abgerufen am 11.10.2026
- Guter Mond, du gehst so stille · abgerufen am 11.10.2026
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