Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell: Was Eltern wissen sollten

Was ist das Berliner Eingewöhnungsmodell?
Die Eingewöhnung in der Kita nach dem Berliner Modell setzt auf Begleitung statt auf einen schnellen Abschied. Eine vertraute Bezugsperson bleibt so lange anwesend, bis zwischen Kind und Fachkraft eine tragfähige Beziehung entstanden ist2. Das Modell geht auf das Institut infans zurück und stützt sich auf die Bindungstheorie von John Bowlby2, 4. Es wurde in den 1980er-Jahren entwickelt und zählt zu den bekanntesten Eingewöhnungsmodellen in Deutschland3, 4.
Das Ziel ist eine Beziehung zwischen Fachkraft und Kind, die dem Kind Sicherheit bietet und während der Anwesenheit der Eltern wachsen darf2. Diese Sicherheit gilt als Grundlage für gelingende Bildungsprozesse in der Kita2. Ihr seid in dieser Zeit der „sichere Hafen“: präsent und aufmerksam, aber im Hintergrund2, 5. Ihr folgt eurem Kind nicht durch den Raum, bleibt aber immer gut erreichbar2. Pflegerische Aufgaben wie Füttern und Wickeln übernehmt in der Grundphase noch ihr3, 4.
Wie lange eine Eingewöhnung dauert, bestimmt das Kind mit seinem Temperament und seinen bisherigen Bindungserfahrungen2. Wenn ihr sehen möchtet, wie andere Familien den Start gestalten, findet ihr einen Überblick unter Eingewöhnung in der Kita.
Ablauf der Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell
Los geht es mit einem Informationsgespräch: Die Kita erklärt euch den geplanten Ablauf und fragt im Gegenzug nach Einschlafgewohnheiten, Allergien und anderen Besonderheiten eures Kindes3. Danach folgen die einzelnen Phasen.
- Grundphase: In den ersten 3 Tagen seid ihr 1 bis 2 Stunden täglich mit eurem Kind im Gruppenraum. Ein Trennungsversuch findet nicht statt, die Fachkraft nimmt vorsichtig Kontakt auf2, 4, 5.
- Erster Trennungsversuch: Am 4. Tag verabschiedet sich die Bezugsperson kurz und bleibt in Rufnähe. Bleibt das Kind ruhig oder lässt es sich schnell beruhigen, sind etwa 30 Minuten möglich; wirkt es verstört, dauert die Trennung nur 2 bis 3 Minuten2, 4, 5.
- Stabilisierungsphase: Die Trennungszeiten werden langsam ausgedehnt, die Fachkraft übernimmt Schritt für Schritt Wickeln, Essen und Einschlafen3, 4.
- Schlussphase: Ihr seid nicht mehr im Raum, aber jederzeit für Notfälle erreichbar. Das Kind lässt sich von der Fachkraft trösten und bleibt mehrere Stunden2, 3.
Bei einer kurzen Eingewöhnung bleibt das Kind am 6. Tag häufig schon mehrere Stunden ohne Begleitung in der Einrichtung2. In der langen Form schläft es erstmals am 9. Tag in der Kita2.

Eingewöhnung in der Kita nach dem Berliner Modell: Tabelle
Die folgende Übersicht fasst den typischen Verlauf zusammen. Sie ist eine Orientierung, keine Frist: Jede Kita passt die Schritte an das einzelne Kind an2, 4.
| Zeitpunkt | Was passiert | Dauer |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 3 | Grundphase mit Bezugsperson, Eltern im Hintergrund, kein Trennungsversuch | 1 bis 2 Stunden täglich2, 4, 5 |
| Tag 4 | Erster Trennungsversuch mit kurzer Verabschiedung | etwa 30 Minuten oder nur 2 bis 3 Minuten2, 4 |
| ab Tag 5 | Schlafen in der Kita wird möglich, die Trennungszeiten wachsen | je nach Reaktion des Kindes2, 3 |
| Tag 6 | Bei kurzer Eingewöhnung bleibt das Kind mehrere Stunden ohne Begleitung | mehrere Stunden2 |
| Tag 9 | In der langen Eingewöhnung erster Mittagsschlaf in der Kita | mit Begleitung der Fachkraft2 |
| Tag 10 und 11 | Lässt sich das Kind trösten, gilt der 11. Tag als Stabilisierungstag | danach ist die Eingewöhnung abgeschlossen2 |
| Woche 3 | Bei anhaltender Verunsicherung Verlängerung um eine Woche | Ablauf wie in Woche 22 |
Wichtig ist der Blick aufs Kind, nicht auf den Kalender: Beobachtet die Fachkraft täglich und passt die Trennungszeiten an, bleibt der Verlauf stimmig2, 4.
Wie lange dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?
Eine feste Zahl gibt es nicht: In der Regel dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell 1 bis 3 Wochen, mindestens aber 3 Tage2, 4. Ein Fachtext nennt als durchschnittliche Planung etwa 2 Wochen und eine Spanne von 6 Tagen bis 3 Wochen1. Entscheidend sind Temperament und bisherige Bindungserfahrungen des Kindes, deshalb beobachtet die Fachkraft täglich neu2.
Nach dem infans-Konzept brauchen sicher gebundene Kinder eher 2 bis 3 Wochen, unsicher gebundene kommen häufiger mit 1 bis 1,5 Wochen aus2. Auch bei einer kurzen Eingewöhnung solltet ihr mit mindestens 1 Woche rechnen2. Für die Familie heißt das: 2 bis 4 Wochen einplanen, in denen ihr keine Umzüge, Urlaube oder andere Belastungen legt und in Kita-Nähe erreichbar bleibt2, 3.
Wenn sich euer Kind nach 3 Wochen noch nicht nachhaltig von der Fachkraft trösten lässt, sucht das Gespräch mit der Kita2. Wie ihr die Dauer einschätzt, lest ihr unter Kita-Eingewöhnung: Wie lange?.
Kritik an der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell
Das Modell hat Grenzen. Es ist vor allem auf Kinder ausgerichtet, die mindestens 3 bis 5 Tage pro Woche in die Kita gehen; bei weniger Betreuungstagen entstehen Lücken, und es braucht deutlich mehr Eingewöhnungszeit3. Auch die zeitlichen Vorgaben sind in manchen Kitas sehr starr3.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Bedingungen vor Ort: Für eine betreuungsintensive, individuelle Begleitung fehlen häufig die Kapazitäten3. Die Schwächen liegen damit weniger im Modell als in der Umsetzung3.
Gleichzeitig bleibt die Grundidee stark: Der behutsame Beziehungsaufbau schützt Kleinkinder im U3-Bereich vor Stress und Trauer, weil Trennungen nicht abrupt passieren1. Kinder, die ohne Begleitung ihrer Eltern in die Kita kamen, waren in den ersten 7 Monaten bis zu viermal so lange krank und zeigten häufiger ängstliches Verhalten2. Deshalb lohnt es sich, auf ausreichend Zeit und Personal zu achten2.
Berliner oder Münchener Modell: Was ist der Unterschied?
Beide Modelle gehen davon aus, dass Kinder Zeit brauchen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte3. Das Berliner Modell stellt die Bindung zu einer festen Bezugsperson in den Mittelpunkt und arbeitet mit einer klaren Zeitstruktur1, 4. Das Münchener Modell sieht die Integration in die Gruppe als zentralen Bildungsprozess und plant meist einen längeren Zeitraum von 4 bis 5 Wochen ein1, 4.
Beim Tübinger Modell gibt es keine festen Phasen, sondern ein flexibles Rahmenkonzept: Etwa 3 bis 5 Kinder werden von 2 Fachkräften und je einer familiären Bezugsperson begleitet, rund 1 bis 2 Stunden täglich4. Der Fokus liegt auf der Gruppe der Gleichaltrigen, nicht auf einer einzelnen Bindungsperson4.
Für euch ist vor allem wichtig, welches Konzept eure Kita nutzt und wie sie es im Alltag umsetzt. Fragt im Aufnahmegespräch nach dem Ablauf und nach der geplanten Dauer3.
Was tun, wenn die Eingewöhnung nicht klappt?
Rückschläge gehören dazu und sind kein Grund zur Sorge. Wenn die Trennung schwerfällt, hilft ein Schritt zurück in die Grundphase: kürzere Trennungszeiten, mehr Nähe, weniger Programm1. Ein neuer Trennungsversuch sollte frühestens in der zweiten Woche starten4.
Zeigt das Kind am 10. Tag noch deutliche Verunsicherung, wird die Eingewöhnung um eine weitere Woche verlängert; die dritte Woche läuft dann im gleichen Aufbau ab wie die zweite2. Wichtig ist, dass immer eine Fachkraft als Bindungsperson verfügbar ist, auch in stressigen Momenten2.
Beim Abschied hilft Klarheit: einmal verabschieden, dann gehen, nicht mehrfach zurückkommen5. Lässt sich euer Kind nach wenigen Minuten beruhigen, ist das ein gutes Zeichen1. Wenn die Begleitung dauerhaft schwerfällt, findet ihr weitere Ideen unter Kita-Eingewöhnung klappt nicht.
Praxis-Tipps: Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell
Diese Schritte haben sich im Alltag bewährt:
- Legt eine feste Bezugsperson fest, die die gesamte Eingewöhnung begleitet – das erleichtert dem Kind die Orientierung3.
- Verabschiedet euch kurz und bewusst: einmal liebevoll, dann wirklich gehen. Mehrfaches Zurückkommen verlängert den Abschied und belastet das Kind zusätzlich5.
- Gebt ein Übergangsobjekt mit: Ein Schnuffeltuch oder ein getragenes T-Shirt riecht nach Zuhause und hilft besonders beim ersten Schlafversuch2.
- Nehmt euch in der Grundphase zurück: Aufmerksamkeit ja, Zeitunglesen oder Spielen mit anderen Kindern ist in dieser Zeit kontraproduktiv2.
- Übernehmt Füttern und Wickeln zunächst selbst und lasst die Fachkraft diese Aufgaben schrittweise übernehmen3, 4.
- Plant in der Eingewöhnungszeit keine Ausflüge oder Feste; ein vorhersehbarer Tagesablauf gibt Sicherheit2.
- Haltet 2 bis 4 Wochen frei und bleibt in dieser Zeit in der Nähe und telefonisch erreichbar2, 3.
- Sprecht nach jedem Tag kurz mit der Fachkraft darüber, ob die Trennungszeit verlängert oder verkürzt wird4.
- Freut euch über kleine Fortschritte und vergleicht die Dauer nicht mit anderen Familien – das Tempo bestimmt euer Kind2.
Häufige Fragen
Wie gewöhne ich mein Kind an die Kita?
Wie lange dauert die Eingewöhnung im Kindergarten?
Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Krippe?
Was kennzeichnet das Berliner Eingewöhnungsmodell?
Wann gilt die Eingewöhnung nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell als gelungen?
Quellen
- Berliner Modell Eingewöhnung: Phasen, Tipps & Praxis · abgerufen am 11.10.2026
- KiTaFT Braukhane Knobeloch 2011 · abgerufen am 11.10.2026
- Berliner Eingewöhnungsmodell: Ein guter Kita-Start in 5 Phasen 🔸PRO Kita · Stand 10.09.2026
- VKMK- Der Berliner Kitaverband · abgerufen am 11.10.2026
- Merkblatt Das Berliner Eingewöhnungsmodell · abgerufen am 11.10.2026
Alle Seiten zu diesem Thema findet ihr in der Übersicht Eingewöhnung in der Kita.
- Kita-Eingewöhnung: Wie lange?
- Kita-Eingewöhnung klappt nicht
- Trennungsangst beim Kind
- Spiele für Kinder
Begriffe aus dem Baby-Lexikon: Berliner Modell (Lexikon), Eingewöhnung (Lexikon)
