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Der Fuchs und die Trauben – Fabel mit Moral für Kinder

Ein hungriger Fuchs, ein Weinstock voller reifer Trauben und eine spitze Bemerkung am Ende: Der Fuchs und die Trauben ist eine Fabel, die dem griechischen Fabeldichter Äsop zugeschrieben wird2. Sie erzählt von einem Fuchs, der die Trauben trotz aller Sprünge nicht erreicht und sie dann für sauer erklärt2. Die Geschichte gibt es hier als kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen und als Hörfassung – mit Zusammenfassung, Figuren, Moral und Fragen fürs Gespräch mit eurem Kind.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 10 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Illustration für Kinder: Ein Fuchs streckt sich nach dunklen Trauben am Rankgerüst – Titelbild zur Fabel Der Fuchs und die Trauben
Jahr
Antike
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Äsop (Three Hundred Aesop's Fables, englische Übersetzung von George Fyler Townsend, Gutenberg #21)

Neu erzählt nach Äsop (Griechisch, Antike)

Eine kurze Fabel über einen hungrigen Fuchs, der die reifen Trauben nicht erreicht und sie deshalb schlechtredet – neu erzählt zum Vorlesen und Anhören2.

Fabel: Der Fuchs und die Trauben

Hörfassung · 4 Min.
Der Fuchs und die Trauben – Hörfassung
0:004:19
MP3 herunterladen (2,5 MB)

Der Fuchs hatte großen Hunger. Seit dem frühen Morgen lief er durch die Felder, und sein Magen knurrte bei jedem Schritt. Er schnupperte in den Wind, ob irgendwo etwas zu fressen zu riechen war.

Da blieb er stehen. Am Wegrand wuchs ein Weinstock an einem hohen Rankgerüst empor, und daran hingen Trauben. Dunkle, fast schwarze, reife Trauben, die in der Sonne glänzten. Dem Fuchs lief das Wasser im Maul zusammen.

Er stellte sich auf die Hinterbeine, reckte sich, so weit er konnte, und streckte beide Vorderpfoten nach oben. Seine Pfoten griffen ins Leere. Die Trauben hingen ein gutes Stück über ihm – hoch genug, dass er sie nicht erreichte.

Zwischen den Reben summten Bienen, und irgendwo sang ein Vogel. Der Fuchs hörte nicht hin. Er dachte nur an die Trauben, an ihren süßen Saft und daran, wie gut sie seinen knurrenden Magen füllen würden.

Er trat zwei Schritte zurück, nahm Anlauf und sprang. Sein Körper flog nach oben, sein Maul schnappte zu – und schloss sich um nichts. Nur ein Blatt bewegte sich im Wind.

Er sprang ein zweites Mal, höher als vorher. Beim dritten Versuch probierte er einen Trick: Er stemmte die Vorderpfoten gegen den Pfahl des Rankgerüsts und schob sich daran empor. Einen Herzschlag lang hing er schief in der Luft. Dann rutschten seine Pfoten ab, und er purzelte auf den Boden zurück.

So probierte er alles, was einem hungrigen Fuchs einfällt. Er sprang von der Seite, er sprang von vorn, er nahm Anlauf und sprang mit aller Kraft. Er schnappte nach den Trauben, bis ihm die Zähne klapperten und die Zunge trocken wurde. Nichts half: Die Trauben hingen zu hoch, und kein Trick brachte ihn auch nur eine Pfotenlänge näher heran2.

Dann versuchte er es von der anderen Seite. Vielleicht hingen die Trauben dort tiefer? Er lief um das Rankgerüst herum, drückte sich zwischen die Reben und langte durch die Lücken. Doch auch dort bekam er nur Blätter zu fassen, und keine einzige Traube fiel ihm in die Pfoten2.

Der Fuchs sitzt unter dem Weinstock und schaut zu den unerreichbaren Trauben hinauf, warmes Abendlicht über dem Weinberg

Über ihm wanderte die Sonne weiter, und der Schatten des Weinstocks wurde länger. Der Fuchs stand immer noch da und schaute nach oben. Er stemmte sich sogar mit dem ganzen Körper gegen das Gerüst, um es zu schütteln. Es bewegte sich kein bisschen: Der Weinstock stand fest wie eine Mauer, und die Trauben hingen ruhig, als hätten sie alle Zeit der Welt.

Mit der Zeit wurde der Fuchs müde. Seine Beine zitterten, sein Fell war staubig, und bei jedem neuen Sprung tat ihm der Rücken weh. Er setzte sich unter den Weinstock. Die Trauben waren prall und reif, genau so, wie er sie am liebsten mochte2.

Da stand er auf. Er wollte nicht, dass jemand sah, wie sehr er sich über sich selbst ärgerte. Er schüttelte den Staub aus dem Fell, hob den Kopf und sagte laut: „Die Trauben sind sauer und noch nicht reif, wie ich dachte.“ Dann drehte er sich um und ging mit erhobenem Kopf zurück in den Wald2.

Die Trauben blieben hängen, wo sie hingen. Sie waren reif und süß – nur eben zu hoch für einen Fuchs, der nicht zugeben wollte, dass er sie nicht erreichen konnte2.

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Der Fuchs und die Trauben – Text in Kürze

Ein hungriger Fuchs entdeckt reife, dunkle Trauben, die an einem Weinstock über ihm hängen2. Er versucht alles: Er reckt sich, springt mit aller Kraft und probiert jeden Trick, den ein Fuchs kennt. Die Trauben bleiben außer Reichweite, und der Fuchs ermüdet bei seinen vergeblichen Versuchen2. Als er aufgeben muss, dreht er sich um und behauptet, die Trauben seien sauer und noch nicht reif2. Dabei hängen sie prall und reif am Stock. Statt seinen Misserfolg zuzugeben, macht er die Trauben schlecht – darum geht es in dieser kurzen Fabel2.

Die Figuren

In dieser Fabel treten nur zwei Beteiligte auf:

  • Der Fuchs: Er ist die einzige Figur, die handelt und spricht – ein hungriger Fuchs, der alles versucht, um an die Trauben zu kommen, und sie am Ende schlechtredet, statt seinen Misserfolg zuzugeben2.
  • Die Trauben am Weinstock: Sie hängen hoch an einem Rankgerüst, sind reif und prall und bleiben für den Fuchs unerreichbar – kein Tier mit Stimme, sondern das Ziel, an dem er scheitert2.

Der Fuchs und die Trauben – die Moral

Die Lehre, die in der Fabel vom Fuchs und den Trauben steckt, passt in einen Satz: Wer etwas nicht erreichen kann, macht es gern mit Worten schlecht, statt ehrlich zu sagen, dass er es nicht geschafft hat. Genau das wirft die Fabel dem Fuchs vor. Die Geschichte selbst zieht daraus den Schluss, dass sich jeder, der sein eigenes Unvermögen mit Worten kleinredet, dieses Beispiel merken sollte2.

In der Psychologie heißt dieses Schönreden einer Niederlage Rationalisierung oder Reduktion kognitiver Dissonanz: Ein unangenehmes Gefühl wird nachträglich mit einer Erklärung zugedeckt, die vernünftig klingt2.

Kinder kennen diesen Moment. Beim Klettern, beim Puzzle oder beim Fahrradfahren klappt etwas nicht, und schnell heißt es: „Das ist doch blöd.“ Die Fabel lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: Waren wirklich die Trauben sauer – oder waren sie einfach zu hoch? Wer das unterscheidet, kann beim nächsten Mal etwas ändern: länger üben, jemanden um Hilfe bitten oder einen anderen Weg suchen. Und manchmal ist es völlig in Ordnung zu sagen: Das war mir zu hoch. Dann bleibt der Kopf frei für den nächsten Versuch.

Herkunft und Entstehung

Die Fabel „Der Fuchs und die Trauben“ wird dem griechischen Fabeldichter Äsop zugeschrieben, der in der Antike lebte. Ihr griechischer Titel lautet Ἀλώπηξ καὶ βότρυς2.

Später dichtete Phaedrus eine lateinische Fassung: De vulpe et uva, die Fabel 4, 3 seiner Fabeln, im Versmaß des jambischen Senars2. In Frankreich griff Jean de La Fontaine den Stoff auf und brachte ihn in Band 2 seiner Fables Choisies (1764) in Versform2. Auch der deutsche Dichter und Philosoph Karl Wilhelm Ramler erzählte die Geschichte in seiner Fabellese als Gedicht nach2.

Aus der Fabel ist eine Redewendung geworden: Wenn jemand ein Ziel nicht erreicht, heißt es, die Trauben seien zu sauer oder die Trauben hängen zu hoch3.

Textgrundlage für die Nacherzählung auf dieser Seite ist die englische Fassung in der Sammlung Three Hundred Aesop's Fables von George Fyler Townsend (Project Gutenberg #21). Die kurze Geschichte wurde dafür neu ins Deutsche übertragen und kindgerecht erzählt, damit sie sich gut vorlesen lässt.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

Nach dem Vorlesen müsst ihr nichts erklären. Viele Kinder merken von selbst, dass mit dem Fuchs etwas nicht stimmt, und sagen es oft ganz genau: Er hat es ja nicht geschafft und tut jetzt so, als hätte er es nie gewollt. An diesem Satz könnt ihr anknüpfen – mit Fragen wie diesen:

  • Was versucht der Fuchs, um an die Trauben zu kommen?
  • Warum sagt er am Ende, die Trauben seien sauer?
  • Kennst du ein Gefühl wie das vom Fuchs – etwas klappt einfach nicht, obwohl du es versuchst?
  • Was könnte der Fuchs sagen, wenn er ehrlich wäre?
  • Was würdest du ihm raten, wenn du neben dem Weinstock stehen würdest?

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Quellen

  1. Der Fuchs und die Trauben · abgerufen am 11.10.2026
  2. Der Fuchs und die Trauben · abgerufen am 11.10.2026
  3. Der Fuchs und die Trauben / Deutschland-Lese · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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