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Die Grille und die Ameise – Fabel mit Moral für Kinder

In der Fabel Die Grille und die Ameise musiziert eine Grille den ganzen Sommer, während eine Ameise Körner für den Winter sammelt. Als der Winter kommt und die Grille Hunger leidet, bittet sie um Hilfe. Hier findet ihr die Geschichte als kindgerechte Nacherzählung – mit Zusammenfassung, Moral, Hintergründen zur Herkunft und fünf Fragen zum Gespräch mit eurem Kind.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 13 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Die Grille und die Ameise: Eine Grille sitzt singend auf einem Grashalm, während eine Ameise auf der Sommerwiese ein Korn zu ihrem Bau trägt
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Äsop (altgriechischer Fabeldichter, Antike); Ausgabe: Three Hundred Aesop's Fables, englische Übersetzung von George Fyler Townsend (†1900), Project Gutenberg #21

Neu erzählt nach Äsop (Altgriechisch, Antike)

Eine uralte Tierfabel aus der Antike: Die Grille singt den Sommer über, die Ameisen sammeln Körner – und im Winter zeigt sich, wer vorgesorgt hat.

Die Grille und die Ameise – die Fabel zum Vorlesen

Hörfassung · 6 Min.
Die Grille und die Ameise – Hörfassung der Fabel
0:005:49
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Es war der letzte heiße Tag im Sommer. Über der Wiese flimmerte die Luft, die Gräser dufteten, und zwischen den hohen Halmen saß eine Grille und spielte ihre Melodie. Sie rieb die Flügel aneinander, zirpte und sang, was das Zeug hielt. „Ist das Leben nicht schön?“, rief sie. „Die Sonne scheint, und ich habe den ganzen Tag Zeit für meine Musik.“

Ein Stück weiter unten, direkt auf dem Boden, zog eine Ameisenstraße durch das Gras. Eine Ameise nach der anderen schleppte ein Korn, einen Samen oder ein winziges Krümchen zu ihrem Bau. Ihre Rücken glänzten, ihre Beine liefen unermüdlich, und der Vorratshaufen wuchs und wuchs.

„He, Ameise!“, rief die Grille hinunter. „Warum mühst du dich so? Es ist Sommer, die Wiese hat für uns alle den Tisch gedeckt. Es liegt mehr herum, als wir je essen können. Komm lieber herauf und sing mit!“

Die Ameise blieb stehen, wischte sich den Staub von den Fühlern und sah zur Grille empor. „Ich sammle für den Winter“, sagte sie ruhig. „Jetzt ist das Korn reif. Wer jetzt nicht sammelt, hat später nichts.“

„Winter!“, lachte die Grille. „Bis dahin ist es noch weit. Und wenn es kalt wird, finde ich schon etwas.“ Sie zuckte mit den Flügeln und sang weiter.

„Der Winter kommt bestimmt“, sagte die Ameise noch, dann schüttelte sie den Kopf und lief weiter, den ganzen Tag hin und her.

Die Grille aber setzte sich wieder auf ihren Halm und sang, als wäre nichts gesagt worden. Ihre Melodie klang über die ganze Wiese, bis die Sonne unterging.

So vergingen die Wochen. Die Sonne wanderte tiefer, die Nächte wurden kühl, und die ersten Blätter färbten sich gelb. Der Herbst kam mit Wind und Regen. Die Blüten verwelkten, die Halme wurden dürr und braun.

Die Grille merkte es daran, dass ihr das Singen schwerfiel. „Nur noch ein Lied“, sagte sie sich, „dann sammle ich auch.“ Doch sie sammelte nicht. Sie sang, solange die Sonne warm war, und dachte: Irgendwie wird es schon gehen.

Auch im Herbst liefen die Ameisen weiter. Sie sammelten die letzten trockenen Körner ein, verstopften jede Lücke in ihrem Bau und trugen Blätter und Halme hinein, damit es drinnen warm blieb. Die Grille sah ihnen zu und rief: „Ihr arbeitet und arbeitet. Ich genieße lieber diesen schönen Herbst.“

Die Ameise antwortete nicht. Sie hatte keine Zeit für lange Reden. Und die Grille sang noch ein Lied, ein zweites und ein drittes.

Dann kam der Winter. Über Nacht war die Wiese weiß. Der Frost machte den Boden hart, das Gras lag unter dem Schnee, und von den Blüten war nichts mehr zu sehen. Die Grille zitterte. Ihre Flügel waren steif vor Kälte, und in ihrem Bauch rumorte der Hunger.

Im Schnee bittet die frierende Grille am Eingang des Ameisenhügels um Futter – Illustration zur Fabel Die Grille und die Ameise.

Sie suchte nach Futter: unter Blättern, zwischen Steinen, an den Stellen, wo im Sommer die süßen Samen gelegen hatten. Nichts. Alles war erfroren, vermodert oder tief in der Erde verschwunden.

Da entdeckte sie die Ameisen. Auch im Winter waren sie unterwegs. Vor ihrem Bau lagen Körner, Samen und Krümel in der bleichen Wintersonne. Es war ein schöner, klarer Wintertag, und die Ameisen trockneten das Getreide, das sie im Sommer gesammelt hatten.

Die Grille schleppte sich hin. Ihre Stimme war nur noch ein Krächzen. „Bitte“, sagte sie, „gebt mir ein wenig von eurem Essen. Ich habe so großen Hunger, ich halte es nicht mehr aus.“

Die Ameisen hielten inne. Eine von ihnen kam näher und fragte: „Warum hast du dir im Sommer keine Vorräte angelegt? Du hattest doch jeden Tag Zeit.“

Die Grille senkte den Kopf. „Ich hatte keine Muße“, sagte sie leise. „Ich habe die Tage mit Singen verbracht. Es war so schön, und der Winter kam mir so fern.“

Da sahen die Ameisen einander an. „Wenn du den ganzen Sommer gesungen und gepfiffen hast“, sagten sie, „dann kannst du jetzt im Winter tanzen und mit leerem Magen ins Bett gehen. Denn vom Faulenzen kommt kein Brot ins Haus.“

Sie trugen ihre Körner weiter in den warmen Bau und ließen die Grille draußen stehen. Die Grille sah ihnen nach, während der Schnee auf ihre Flügel fiel. Sie hatte den ganzen Sommer gesungen – und nun blieb ihr nichts als der Tanz, ohne Abendessen.

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Die Grille und die Ameise in Kürze

Die Grille singt den ganzen Sommer auf einem Halm. Eine Ameise dagegen sammelt unermüdlich Körner und Samen und schleppt sie in ihren Bau. Die Grille lacht über die viele Arbeit: Im Sommer sei doch genug für alle da. Dann kommt der Herbst, und schließlich wird die Wiese weiß. Alles Essbare ist erfroren oder verschwunden, und die Grille leidet Hunger. An einem schönen Wintertag findet sie die Ameisen, die ihr Getreide in der Sonne trocknen. Sie bittet um ein wenig Nahrung. Die Ameisen fragen, warum sie im Sommer nichts gesammelt hat. Die Grille antwortet, sie habe gesungen. Da spotten die Ameisen: Wer im Sommer singt, muss im Winter ohne Abendessen tanzen. Die Grille bleibt hungrig zurück.

Die Figuren

  • Die Ameisen – fleißige Sammlerinnen, die den Sommer über Körner, Samen und Krümel in ihren Bau tragen und deshalb auch im Winter genug zu essen haben.
  • Die Grille – eine fröhliche Musikantin, die den Sommer und den Herbst mit Singen verbringt und erst im Winter merkt, dass sie nichts vorgesorgt hat.

Was lernen Kinder daraus?

Die Fabel ist uralt, und doch versteht jedes Kind sofort, worum es geht: Die Ameisen denken an morgen und tragen zusammen, solange es etwas zu sammeln gibt. Die Grille lebt im Augenblick und merkt zu spät, dass der Winter länger dauert als der Sommer.

Zwei Gedanken lassen sich daraus mitnehmen. Erstens: Wer gut leben will, muss vorsorgen1. Zweitens: Kunst und Musik sind schön und wichtig, aber sie füllen nicht immer den Magen1. Dabei geht es nicht darum, das Singen zu verbieten. Der klügste Weg liegt in der Mitte – erst ein paar Körner sammeln, dann singen.

Für Gespräche mit Kindern ist die Fabel dankbar, weil beide Seiten etwas Richtiges sehen: die Grille den Genuss, die Ameise die Vorsorge. So könnt ihr gemeinsam überlegen, was euer Kind gern aufschiebt – und was es sich damit für später verbaut.

Herkunft und Entstehung

Die Fabel geht auf den altgriechischen Fabeldichter Äsop zurück und gehört damit zu den ältesten Tiergeschichten, die wir kennen3. Die Ameise aus dieser Fabel hat ihren Ruf über die Jahrtausende nicht verloren4.

Später griff der französische Fabeldichter Jean de La Fontaine den Stoff auf. Seine Fassung heißt La Cigale et la Fourmi – auf Deutsch Die Grille und die Ameise – und erzählt dieselbe Handlung mit derselben Pointe3.

Wie alt der Stoff genau ist, lässt sich nicht sicher sagen; eine Datierung nennt das Jahr 600 vor Christus2.

Als Vorlage für unsere Nacherzählung dient die englische Übertragung in Three Hundred Aesop's Fables von George Fyler Townsend (†1900), die Project Gutenberg als E-Book Nummer 21 veröffentlicht hat.

Die Grille und die Ameise – der Fabeltext

Eine Fabel ist kurz. Sie braucht zwei Figuren, ein paar Sätze und eine Pointe, die hängen bleibt. Genau das macht diesen Fabeltext so wirksam.

Über die Jahrhunderte entstanden viele Fassungen. In einer Version für Kinder heißt die Fabel Die Ameise und die Grille und geht gut aus: Die Ameise lässt die Grille mitessen2. Der russische Fabeldichter Iwan Krylow machte aus der Grille eine Libelle; in seiner Version wird sie abgewiesen und muss am Ende sterben3.

Andere Erzähler drehen die Moral um. Bei Leo Lionni bringt eine Maus ihre Artgenossen mit Geschichten und Liedern durch den Winter, obwohl sie keine Vorräte gesammelt hat3. Auch im Film wurde der Stoff mehrfach erzählt: 1934 entstand ein Zeichentrick-Kurzfilm nach der Fabel3, 2023 griff ein kroatischer Animationsfilm sie auf3.

Unsere Nacherzählung bleibt dicht an der antiken Vorlage. Sie behält die klare Pointe und erzählt sie in ruhigen, kurzen Sätzen, die sich gut vorlesen lassen.

Die Grille und die Ameise im Original

Wer heute die Fabel liest, liest fast immer eine Übersetzung. Der antike Originaltext war griechisch, und darin ist das singende Insekt keine Heuschrecke und keine Grille, sondern eine Zikade, wie sie im Mittelmeerraum lebt3. Erst die englischen und deutschen Übertragungen machten daraus eine Heuschrecke3.

Einen deutschen Originaltext gibt es deshalb nicht; wir erzählen Die Grille und die Ameise neu nach Äsop. Als Vorlage dient die englische Fassung in Three Hundred Aesop's Fables, übersetzt von George Fyler Townsend (†1900), die Project Gutenberg veröffentlicht hat. Sie ist nur ein kurzer Absatz lang: kein Wetter, keine Landschaft, keine Nebenfiguren – nur die Bitte um Nahrung, die Frage nach den Vorräten und eine spöttische Antwort.

Für Kinder ist es deshalb hilfreich, aus den knappen Sätzen eine Szene zu machen, in der man die sommerliche Wiese, den ersten Schnee und den Hunger richtig sehen kann. Unsere Nacherzählung tut genau das, ohne etwas an der Handlung zu ändern.

Die Ameise und die Grille bei Äsop

Bei Äsop ist die Ameise mehr als ein fleißiges Tier. Sie steht für ein ganzes Lebensprinzip. Schon in den biblischen Sprüchen Salomos heißt es, der Mensch solle das Tun der Ameise ansehen und daraus lernen; sie zähle zu den Kleinsten auf Erden und sei doch klüger als die Weisen4.

Bis heute wird die Fabel deshalb zitiert, wenn es ums Vorsorgen geht. In der Presse stand sie für den Unterschied zwischen umlagefinanzierter Rente und privater Vorsorge4. Während der Corona-Pandemie tauchte sie in der Frage auf, ob Musik und Kunst nicht doch wichtig für die Gesellschaft sind4.

Auffällig ist: Die Fabel Die Grille und die Ameise lässt sehr unterschiedliche, ja gegensätzliche Deutungen zu4. Mal gilt die Ameise als Vorbild, mal als geizige Figur, die von ihrem Vorrat nichts abgibt. Genau diese Offenheit macht sie für Gespräche mit Kindern so brauchbar – eine einzige richtige Antwort gibt es nicht.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Warum sammelt die Ameise im Sommer Körner, obwohl es genug zu essen gibt?
  2. Was würdest du anstelle der Grille tun?
  3. Wie geht es der Grille, als sie im Winter um Essen bittet?
  4. Was ist dir lieber: den ganzen Tag singen oder erst arbeiten und dann feiern?
  5. Wie könnte die Geschichte weitergehen, wenn die Grille im nächsten Sommer mithilft?

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Quellen

  1. Die Grille und die Ameise / Deutschland-Lese · abgerufen am 10.10.2026
  2. Die Ameise und die Grille · abgerufen am 10.10.2026
  3. Die Ameise und die Heuschrecke · abgerufen am 11.10.2026
  4. Von der Fabel zur Selbstbeschreibungsformel ... · abgerufen am 11.10.2026
  5. Die Grille und die Ameise (Three Hundred Aesop’s Fables, engl. Übers. George Fyler Townsend †1900, Gutenberg #21) · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
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