Die Heinzelmännchen – die Sage kindgerecht erzählt

- Jahr
- 1836
- Alter ab
- 5
- Autor/Herkunft
- August Kopisch (Gedichte, 1. Auflage 1836)
Neu erzählt nach August Kopisch (1836)
Diese Kölner Sage erzählt von fleißigen Hausgeistern, die nur nachts arbeiten – eine Geschichte zum Vorlesen, Zuhören und Staunen.
Die Heinzelmännchen von Köln – die Sage zum Vorlesen
Es ist lange her, da ging es in Köln bequem zu. In der Stadt lebten die Heinzelmännchen: kleine Männlein, kaum größer als eine Hand, mit langen weißen Bärten und flinken Füßen. Gesehen hat sie nie jemand, denn sie kamen nur bei Nacht. Sie huschten durch die Häuser, arbeiteten leise vor sich hin und waren wieder verschwunden, lange bevor der Morgen graute.
Die Handwerker in Köln hatten es gut. Wenn ein Zimmermann keine Lust auf seine Arbeit hatte, legte er sich auf die Späne und ruhte sich aus. Wenn ein Bäcker lieber weiterschlafen wollte, blieb der Teig einfach stehen. Niemand musste sich sorgen, denn in der Nacht kamen die kleinen Männer, klopften, sägten, kneteten und backten, und am nächsten Morgen war alles fertig. Kein Wunder, dass die Kölner sich schnell an dieses bequeme Leben gewöhnten.
Am meisten staunten die Zimmerleute. Sie streckten sich auf ihren Spänen aus, während draußen schon die Schar der kleinen Männer herbeieilte. Die Heinzelmännchen schauten sich genau an, was zu tun war, griffen nach Meißel, Beil und Säge und legten los. Sie sägten und stachen, hieben und brachen, hoben die schweren Balken hoch und setzten sie sorgfältig aufeinander. Und während der Zimmermann selig weiterschlief, wuchs draußen sein Haus. Als er am Morgen die Augen aufschlug, stand es fertig da, mit Wänden und Dach.
Beim Bäcker lief es genauso. Die Gesellen schliefen in ihren Kammern, und die schweren Mehlsäcke standen unberührt in der Ecke. In der Nacht kamen die Männlein, wuchteten die Säcke auf ihre Schultern, kneteten den Teig tüchtig durch, wogen ihn richtig ab und schoben die runden Laibe in den heißen Ofen. Die Bäckergesellen schnarchten noch, da roch die ganze Gasse schon nach frischem Brot.
Der Fleischer hatte ebenso viel Glück. Gesellen und Lehrlinge lagen in der Ruhe, während die kleinen Männer in der Werkstatt zugange waren. Sie zerlegten das Fleisch, schnitzten an den Spießen, spülten und wischten, mengten und mischten, und das ging so schnell wie eine Mühle im Wind. Als der Geselle endlich aufwachte, hingen die Würste schon an der Stange, bereit für den Verkauf.
Auch der Küfer musste kaum noch arbeiten. Er trank seinen Wein, bis ihm die Augen zufielen, und schlief schließlich auf einem leeren Fass ein. In der Nacht kümmerten sich die Männlein um den Keller. Sie schwefelten die Fässer, rollten und hoben sie mit Winden und Kloben, schwenkten und senkten sie, gossen und mischten, bis der Wein klar und fein war. Als der Küfer erwachte, war alles erledigt, und niemand hatte ihn geweckt.
In vielen Häusern halfen die Heinzelmännchen auch beim Waschen und Putzen. Sie machten den Mägden die Arbeit, noch ehe diese richtig wach waren, und vor Festen glänzten Kupfer und Zinn, als wären sie neu. Vom Dachboden bis in den Keller war alles sauber, und die Leute in Köln wunderten sich jeden Tag aufs Neue.
Wenn die kleinen Männer an der Arbeit waren, wurde es lebendig in den Werkstätten. Man hörte sie klopfen und hämmern, sägen und schaben, hoben und schieben, doch wer nachsehen wollte, fand nichts als fertige Arbeit vor. So blieb es ein Geheimnis, und die Stadt lebte gut damit.
Noch etwas war merkwürdig: Die Heinzelmännchen wollten keinen Lohn. Sie kamen, arbeiteten und verschwanden, ohne ein Wort zu sagen. Niemand wusste, wo sie wohnten oder wie sie aussahen. Manche behaupteten, sie hätten ein Reich unter der Erde, andere sagten, sie seien einfach schon immer da gewesen. Fragen konnte man sie nicht, denn zu Gesicht bekam sie keiner.
Am liebsten mochten die kleinen Männer einen Schneider, der in der Nähe des Marktes wohnte. Als er heiratete, fand er am Hochzeitstag einen festlich gedeckten Tisch und die schönsten Geräte in seiner Wohnung. Später, als seine Familie größer wurde, halfen sie seiner Frau beim Waschen und Scheuern und räumten das ganze Haus auf. Hatte der Schneider eine dringende Arbeit, brauchte er nur schlafen zu gehen – am Morgen lag alles fertig auf dem Tisch.

Eines Tages kam ein besonders wichtiger Auftrag ins Haus: Der Bürgermeister wollte einen neuen Staatsrock haben, und zwar bald. Dem Schneider wurde heiß und bang. Er drehte den Stoff hin und her, seufzte, warf alles in die Ecke und legte sich schlafen. Da schlüpften die Heinzelmännchen in die Schneiderei, schnitten und rückten, nähten und stickten, fassten und passten, strichen die Nähte glatt und zupften hier und dort. Als der Schneider erwachte, hing der Rock des Bürgermeisters fertig auf dem Bügel.
Nur die Frau des Schneiders war nicht zufrieden. Sie konnte kaum glauben, dass jede Nacht jemand die Arbeit tat, und sie wollte die Helfer unbedingt mit eigenen Augen sehen. Sie stellte sich an, wo sie nur konnte, doch es gelang ihr nie. Da fasste sie einen Plan. In der nächsten Nacht streute sie Erbsen auf die Treppe. Wenn jemand darüber lief, musste es poltern, und dann wollte sie schnell mit dem Licht hinunterlaufen.
Und wirklich: In dieser Nacht kamen die Heinzelmännchen sacht die Stufen herauf. Eines trat auf die Erbsen, rutschte aus und schlug hin. Die anderen stolperten hinterher, glitten die Stufen hinunter und purzelten übereinander. Es lärmte und schallte durch das ganze Haus, die kleinen Männer schrien und schimpften. Sofort griff die Schneiderin nach ihrem Licht und rannte die Treppe hinunter. Da – husch, husch, husch! – huschten die Heinzelmännchen davon, und keines war mehr zu sehen.
Am nächsten Morgen blieb die Werkstatt still, und auch in den anderen Häusern rührte sich nichts. Die Heinzelmännchen kamen nicht wieder. Andere Erzählungen berichten, sie seien mit klingendem Spiel aus der Stadt gezogen und mit einem Schiff davongefahren; man habe nur die Musik gehört, denn sehen konnte sie niemand4.
Seitdem müssen die Kölner ihre Arbeit selbst tun. Niemand kann mehr auf der Bank liegen und sich ausruhen. Jeder muss fleißig sein: hobeln, backen, nähen und waschen, jeden Tag aufs Neue. Die alten Leute sagten traurig: Wie schön wäre es, wenn diese Zeit zurückkäme! Doch sie kam nicht wieder.
Die Heinzelmännchen in Kürze
In Köln, so erzählt die Sage, lebten einst die Heinzelmännchen. Die kleinen Hausgeister kamen jede Nacht und erledigten heimlich die Arbeit der Handwerker: Sie bauten Häuser, backten Brot, machten Wurst, pflegten den Wein und nähten sogar den Staatsrock des Bürgermeisters. Die Menschen in Köln genossen das bequeme Leben, denn gesehen hatte die Männlein noch keiner. Nur die Frau des Schneiders war zu neugierig: Sie streute Erbsen auf die Treppe, damit die kleinen Helfer stolperten. Als sie mit dem Licht hinunterlief, verschwanden die Heinzelmännchen für immer. Seitdem müssen die Kölner ihre Arbeit selbst tun2.
Die Figuren
- Die Heinzelmännchen – kleine Hausgeister, die nachts heimlich die Arbeit der Kölner Handwerker erledigen und dabei nie gesehen werden wollen.
- Die Zimmerleute – sie legen sich auf ihre Späne und überlassen den Heinzelmännchen den Hausbau.
- Der Bäckermeister – er schläft, während die Männlein sein Brot backen.
- Der Fleischergeselle – er ruht sich aus, und die kleine Schar macht aus dem Fleisch Würste.
- Der Küfer – er trinkt Wein und schläft am Fass ein, während die Männlein den Keller versorgen.
- Der Schneider – er näht den Staatsrock für den Bürgermeister nicht selbst und verdankt ihn den Heinzelmännchen.
- Die Frau des Schneiders – ihre Neugier vertreibt die Heinzelmännchen für immer aus Köln.
- Der Bürgermeister – er braucht einen neuen Staatsrock, der über Nacht fertig wird.
- Die Kölner – sie verlieren mit den Heinzelmännchen ihr bequemes Leben und müssen seitdem selbst arbeiten.
Was lernen Kinder daraus?
Die Sage erzählt von Helfern, die im Verborgenen wirken – und davon, was passiert, wenn man sie mit Gewalt entdecken will. Kinder merken schnell: Die Heinzelmännchen helfen gern, aber sie möchten nicht angestarrt werden. Wer anderen hilft, darf selbst entscheiden, ob er dabei gesehen werden möchte.
Ein zweiter Gedanke steckt in der Geschichte: Arbeit, die viele Hände teilen, geht leichter. Solange die kleinen Männer mitanpackten, ging es allen gut; seit sie fort sind, muss jeder selbst zupacken. Die Sage lädt zum Gespräch ein: Wer hilft bei euch zu Hause im Hintergrund, ohne dass es auffällt? Und wann ist Neugier etwas Schönes, wann stört sie?
Auch Dankbarkeit spielt eine Rolle: Wer Hilfe bekommt, sollte sie bemerken und sich bedanken. Ängstlich muss bei der Geschichte niemand werden – es gibt keine Strafe und kein Blut, nur stille, fleißige Helfer, die plötzlich weg sind.
Herkunft und Entstehung
Die Heinzelmännchen gehören zu den bekanntesten Sagen aus Köln; woher die Erzählung ursprünglich stammt, ist nicht überliefert2. Möglicherweise standen die Penaten Pate, die Hausgeister im alten Rom2. Bekannt wurde der Stoff durch Dichter des 19. Jahrhunderts: Am berühmtesten ist die Ballade von August Kopisch, die 1836 in einem Gedichtband erschien2, 3; Carl Spitzweg soll sie illustriert haben3. Der Originaltext unten stammt aus dieser Ausgabe von 1836 (Gedichte, 1. Auflage, Seite 98 bis 102).
Eine andere Darstellung führt die Verserzählung auf Ernst Weyden (1805–1869) zurück, der sie 1826 veröffentlicht haben soll4. In Vorlese- und Schulbüchern steht das Märchen von den Heinzelmännchen bis heute in unterschiedlichen Textvarianten, mal mit Cölln, mal mit Köln5.
In Köln begegnen euch die Kölner Heinzelmännchen bis heute auf Brunnen, Souvenirs und in Geschichten3. Ein Brunnen erinnert an sie, der 1899 gebaut wurde – hundert Jahre nach der Geburt von August Kopisch2. Vermutlich standen sie mit ihren Zipfelmützen Pate für die Gartenzwerge2. Und im Zweiten Deutschen Fernsehen treten seit Jahrzehnten die Mainzelmännchen auf, deren Name ein Wortspiel mit der Stadt Mainz ist2.
Die Heinzelmännchen zu Köln – als PDF zum Ausdrucken
Ein fertiges PDF zum Herunterladen gibt es hier nicht. Ausdrucken lassen sich die Sage und das Gedicht aber leicht: Öffnet die Seite am Computer oder Tablet und wählt im Browser die Druckfunktion. Wenn ihr nur das Gedicht braucht, druckt den Abschnitt mit dem Originaltext – so habt ihr den Wortlaut als eigenes Blatt zur Hand.
Für eine Vorlesestunde lohnt es sich, die Nacherzählung auszudrucken und die Stellen, die eurem Kind gefallen, mit einem Stift zu markieren. Wer mag, bastelt dazu kleine Heinzelmännchen: Die Teile werden auf Tonkarton übertragen, ausgeschnitten und zusammengeklebt; ein Bart aus gerolltem Papier und eine Holzperle als Nase machen sie lebendig6.
Die Heinzelmännchen von Köln – der Text
Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul: .... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten .....
Und eh ein Faulpelz noch erwacht, ...
War all sein Tagewerk ..... bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich;
Indessen kam die Geisterschaar
Und sah was da zu zimmern war:
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg’ in Eil:
Sie sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visirten wie Falken
Und setzten die Balken .....
Eh sich’s der Zimmermann versah .....
Klapp, stand das ganze Haus ... schon fertig da!
Beim Bäckermeister war nicht Noth,
Die Heinzelmännchen backten Brodt.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig
Und hoben
Und schoben
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brodt, ... das neue, vor!
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind,
Wie die Mühl’ im Wind:
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
That der Gesell die Augen auf:
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!
Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht:
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!
Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Und schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht;
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch, husch, husch, husch! – verschwinden All!
O weh nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh’n,
Man muß nun Alles selber thun!
Ein Jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!
Text: August Kopisch, Quelle: Die Heinzelmännchen. In: Gedichte, S. 98–102, 1. Auflage 1836 (Wikisource). Gedicht als Originaltext, Sage als Nacherzählung.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
- Was würdet ihr tun, wenn nachts kleine Helfer für euch arbeiten würden?
- Warum wollte die Frau des Schneiders die Heinzelmännchen unbedingt sehen?
- Wie fühlt sich der Schneider am Morgen, als der Rock fertig ist?
- Welche Arbeit würdet ihr den Heinzelmännchen heute geben?
- Was hättet ihr anstelle der Schneiderin gemacht?
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Häufige Fragen
Wie heißen die Heinzelmännchen?
Woher kommen die Heinzelmännchen?
Was wurde aus der Sage?
Warum faszinieren uns die Heinzelmännchen bis heute?
Woher kommt die Sage?
Quellen
- Die Heinzelmännchen · abgerufen am 11.10.2026
- Heinzelmännchen · abgerufen am 11.10.2026
- Die Heinzelmännchen zu Köln · Stand 31.07.2020
- Die Heinzelmännchen · abgerufen am 11.10.2026
- 978 3 14 124701 5 Sagen Endfassung 9704 · abgerufen am 11.10.2026
- Märchen: Die Heinzelmännchen · abgerufen am 11.10.2026
- „Die Heinzelmännchen" kurz und knapp · Stand 28.09.2015
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