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Schildbürger – die Sage kindgerecht erzählt

Die Schildbürger sind die Bewohner des erfundenen Städtchens Schilda, die einst als weise Ratgeber berühmt waren und sich dann aus List dumm stellten2, 4. Ihre Streiche – vom dreieckigen Rathaus ohne Fenster bis zum Salz, das sie auf dem Acker säen – gehören zu den bekanntesten deutschen Schwänken2. Unsere Nacherzählung folgt dem Volksbuch in der Fassung von Gustav Schwab und lässt sich gut vorlesen, anhören und besprechen.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 17 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Illustration: Schildbürger tragen das Sonnenlicht in Säcken in ihr dreieckiges Rathaus ohne Fenster
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Gustav Schwab (Bearbeiter), Die Deutschen Volksbücher VII: Die Schildbürger

Neu erzählt nach Gustav Schwab

Eine Sage von den Bewohnerinnen und Bewohnern Schildas, die lieber für Narren gehalten werden wollten als für weise Ratgeber.

Schildbürger – die Sage zum Vorlesen

Hörfassung · 12 Min.
Die Schildbürger – Hörfassung
0:0011:49
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Wie die klugen Ratgeber Narren wurden

Im Königreich Utopien, weit hinter Kalekutta, liegt das Städtchen Schilda. Seine Bewohner waren einst so klug, dass Kaiser und Könige Boten schickten, um sich Rat zu holen. Bald begehrte jeder Fürst einen Schildbürger an seinem Hof, und einer nach dem anderen zog fort. Zu Hause blieben die Frauen mit Feld, Vieh, Haus und Kindern allein.

Die Frauen arbeiteten, bis ihnen die Kräfte ausgingen. Das Korn verdorrte, das Vieh verwilderte, die Werkzeuge zerbrachen, und die Kinder wurden ungehorsam. Da schrieben sie einen Brief an ihre Männer: Sie sollten heimkommen, denn daheim brauche man sie dringend. Und sie erinnerten daran, dass ein Fürst sich von einem alten Jagdhund trennt, wenn er nicht mehr jagen kann.

Die Männer nahmen Urlaub und kehrten heim. Sie erschraken, wie sehr sich Schilda verändert hatte. Unter der Linde hielten sie Rat: Wie konnten sie verhindern, wieder abgeholt zu werden? Ein alter Schildbürger sagte, ihre Klugheit sei an allem schuld. Stellten sie sich dumm, ließe man sie in Ruhe. Alle waren einverstanden – Frauen, Kinder, Junge und Alte.

Das dreieckige Rathaus

Zuerst wollten sie ein neues Rathaus bauen, und weil sie etwas Besonderes wollten, sollte es dreieckig werden. Sie zogen in den Wald, fällten Bauholz und schleppten die Stämme über den Berg. Der letzte Stamm rutschte ihnen aus den Seilen und rollte von selbst ins Tal. Staunend sahen sie zu. „Das hätten wir uns sparen können“, sagte einer. „Aber schön war es anzusehen.“ Also trugen sie alle Stämme wieder hinauf, um sie noch einmal hinunterrollen zu lassen.

Die Mauern wuchsen schnell. Neben dem großen Tor, durch das später das Heu kommen sollte, ließen sie eine Lücke. Das Dach deckten sie in langer Reihe: Jeder Ziegel ging von Hand zu Hand, vom Haufen bis aufs Dach. Als die Glocke zum Ausruhen läutete, ließ jeder fallen, was er gerade hielt, und lief zum Wirtshaus.

Dann wollten sie ihr Rathaus einweihen – und standen in völliger Finsternis. Draußen schien die Sonne, drinnen war es Nacht. Sie gingen hinaus, sie gingen hinein, sie fanden den Fehler nicht. Da erzählte ein Ratsherr von den Rebhühnern: Wer sie nie gegessen hat, weiß trotzdem, dass sie gut schmecken. Vielleicht ließe sich das Licht tragen wie Wasser im Eimer.

Am nächsten Mittag, als die Sonne am höchsten stand, kam die ganze Gemeinde mit Säcken, Kesseln, Körben, Schaufeln und Gabeln. Sie schöpften das Tageslicht ein und schütteten es im Rathaus aus. Einer versuchte es sogar mit einer Mausefalle. Am Abend war es drinnen so dunkel wie am Morgen.

Ein fremder Wandersmann sah dem Treiben zu und lachte. Sein Rat: Sie sollten das Dach abdecken. Das taten sie, und nun war es hell im Rathaus. Den ganzen Sommer über hielten sie ihre Sitzungen unter freiem Himmel. Im Winter wurde es zu kalt, sie deckten das Dach wieder zu – und es war wieder finster. Erst da entdeckte einer den Fehler: „Wir haben die Fenster vergessen!“ Sofort schlugen sie Löcher in die Mauern, und weil jeder sein eigenes Fenster wollte, wurde das Rathaus ringsum durchbrochen. Der fremde Baumeister ließ sich fürstlich bezahlen und war bald verschwunden.

Der vergessene Ofen und der Salzacker

Beim Innenausbau richteten sie Witzstube, Schwitzstube und Badestube ein, nur den Ofen vergaßen sie. Als im Winter der erste Ratstag kam, brachte jeder sein Scheit Holz mit, doch es gab nichts, worin das Feuer brennen konnte. Einer schlug vor, den Ofen draußen vor das Fenster zu stellen, damit er in die Stube schauen kann. Ein anderer wollte die Wärme mit einem alten Hasengarn im Ofen festbinden. So blieb es kalt.

Als im Krieg das Salz knapp wurde, beschlossen sie, es selbst anzubauen. Der Zucker sieht dem Salz ähnlich und wächst auf dem Feld – also musste Salz das auch können. Sie brachen ein Stück Gemeindeland um und säten ihr letztes Salz aus. Der Acker grünte prächtig, Hüter mit Blasrohren vertrieben die Vögel, und alle freuten sich schon auf eine reiche Ernte. Beim Ernten brannten die Pflanzen auf den Händen, und es waren Brennnesseln. Nun hatten sie weniger Salz als zuvor.

Der Kaiser kommt

Der Kaiser von Utopien kündigte seinen Besuch an. Er wollte sehen, ob die Gerüchte stimmten. Halb geritten und halb zu Fuß sollten sie ihm entgegenkommen, und die Antwort auf seinen Gruß sollte sich reimen. Wer am besten reimte, sollte Schultheiß werden. Die Ratsherren reimten die ganze Nacht, doch am nächsten Tag fehlte den meisten das letzte Wort. Zuletzt kam die Reihe an den Schweinehirten. Seine Frau hatte ihm einen Vers beigebracht, und der saß. Er nannte sein Weib Kathrein, verglich sie mit seinem schönsten Ferkel und trank dazu Most. „Das klingt nach etwas“, riefen die Ratsherren, und der Schweinehirt wurde Schultheiß.

Seine Frau wünschte sich nun einen Pelz. In der Stadt schickte ihn ein Handwerker zum nächsten, bis ein Lebküchner ihm einen Pelz aus Lebkuchen anbot. Am Ende fand er doch einen Kürschner und kaufte einen prächtigen Pelz. Am Sonntag trug seine Frau ihn zur Kirche, kam aber erst, als die Predigt vorbei war. Weil alle aufstanden, glaubte sie, das gelte ihrem neuen Pelz, und bat die Nachbarn freundlich, wieder Platz zu nehmen.

Illustration: Die Schildbürger empfangen den Kaiser von Utopien auf Steckenpferden

Dann ritt der Kaiser heran. Die Gemeinde sprengte ihm auf Steckenpferden entgegen, der Schultheiß voran. Er sprang von seinem hölzernen Pferd auf einen Misthaufen und band es vorsichtig an einen Baum. Weil er beide Hände brauchte, nahm er den Hut zwischen die Zähne und konnte kaum verständlich grüßen. Statt des eingeübten Reims rief einer aus der Menge, der Schultheiß sei ein Narr. Der Kaiser lachte und blieb ein paar Tage. Er besichtigte den Salzacker, aß saure Buttermilch mit ihnen und ließ ihnen zum Abschied einen Freiheitsbrief ausstellen: Für ihre Narrheit durfte sie niemand bestrafen.

Die Narrenzeit

Bei einem Fest saßen sie mit gleichfarbigen Hosen im Gras und hatten die Beine verschränkt. Als sie heimgehen wollten, fand keiner seine eigenen Beine wieder. Ein vorbeireitender Fremder half mit einem Prügel nach, und im Nu hatte jeder seine Beine zurück.

Zwei Schildbürger tauschten ihre Häuser. Damit der Tausch richtig vollzogen war, brachen beide ihre Häuser ab und trugen sie Stück für Stück an den Platz des anderen. Auf einer alten Mauer wuchs saftiges Gras, das dort oben zu verwelken drohte. Der Schultheiß riet, seine Kuh als Erste hinaufzulassen. Sie zogen die Kuh an einem Seil über die Mauer. Die Kuh streckte die Zunge heraus, und alle riefen begeistert, sie recke sich schon nach dem Gras. Als sie sie wieder herunterließen, war sie tot.

Am Schildberg brachen sie einen Mühlstein. Unten im Tal fiel ihnen ein, dass der Stein von selbst hätte rollen können. Also trugen sie ihn wieder hinauf. Einer musste den Kopf durch das Loch stecken und mitrollen, damit man wisse, wo der Stein liegen bleibt. Beide landeten im Weiher. Weil der Stein nicht zurückkam, hielten sie den Mann für einen Dieb und ließen überall Steckbriefe aufhängen.

Am Fluss beugte ein Nussbaum einen Ast zum Wasser. Die Schildbürger hatten Mitleid mit dem durstigen Baum, banden ein Seil daran und zogen ihn zum Ufer. Das Seil riss, der Ast schnellte zurück, und der Helfer wurde so getroffen, dass er ins Wasser fiel und nicht mehr aufstand. Später fragten sie seine Frau, ob er am Morgen einen Kopf gehabt habe. Sie wusste es nicht; sein Hut hing an der Wand, und ob der Kopf darin steckte, konnte sie nicht sagen.

Als ein Krieg drohte, versenkten sie ihre Glocke im See. Damit sie die Stelle wiederfanden, schnitten sie eine Kerbe in den Bootsrand. Nach dem Krieg fanden sie die Kerbe genau wieder – nur die Glocke nicht. Wütend schnitten sie die Kerbe größer, was ihnen auch nicht half.

Ein verirrter Krebs kam ins Dorf. Wegen seiner Scheren hielten sie ihn für einen Schneider, legten ihm feines Tuch vor und schnitten jede seiner Bahnen nach. Das Tuch war ruiniert, und als der Krebs einen zwickte, war für die Gemeinde klar: Ertränken. Der Krebs aber schwamm vergnügt davon, und die Schildbürger weinten, weil er ihrer Meinung nach so litt.

In Kriegszeiten zog einer von ihnen zur Besatzung in eine fremde Stadt. Als ihn dort eine Kuh mit dem Horn anstieß, zog er seinen Dolch und forderte sie auf, es noch einmal zu wagen. Später fand er ein Panzerstück und ließ es sich ins Wams nähen. Der Schneider setzte es hinten in die Hose. Als ihn ein Bauer über den Zaun jagte, blieb die Hose an einem Stecken hängen, und er dankte Gott und dem Schneider, dass das Herz so gut geschützt war.

Gegen die Mäuse half ihnen ein Wanderer mit einem Tier, das er Maushund nannte. Es war eine Katze, und die Schildbürger hatten noch nie eine gesehen. Sie kauften sie teuer und fragten erst danach, was der Maushund fresse. Der Fremde rief etwas zurück, und sie verstanden: Vieh und Leute. Nun fürchteten sie, das Tier werde sie selbst verspeisen, sobald keine Mäuse mehr übrig wären. Sie zündeten ein Haus nach dem anderen an, doch die Katze sprang immer rechtzeitig aufs nächste Dach. Am Ende brannte ganz Schilda nieder.

Da zogen die Schildbürger mit Weib und Kind in alle Welt. Seit dieser Zeit gibt es überall Menschen, die sich genauso verhalten – einen Schildbürgerstreich erkennt man bis heute.

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Die Geschichte der Schildbürger

Schilda war einst für seine klugen Ratgeber berühmt. Weil die Männer an fremden Höfen gebraucht wurden und zu Hause alles liegen blieb, holten die Frauen sie mit einem Brief zurück. Damit man sie nicht wieder abholte, stellten sich die Schildbürger von nun an dumm. Sie bauten ein dreieckiges Rathaus ohne Fenster, trugen Sonnenlicht in Säcken hinein, säten Salz auf den Acker, wählten einen Schweinehirten zum Schultheißen und sprengten dem Kaiser auf Steckenpferden entgegen. Zum Schluss kauften sie eine Katze als Maushund, brannten dabei ihr ganzes Dorf nieder und zogen in alle Welt.

Die Figuren

  • Die Schildbürger – die Bewohner von Schilda, die sich aus List dumm stellen und damit weltberühmt werden.
  • Die Frauen von Schilda – sie halten Haus, Feld und Vieh am Leben und holen ihre Männer mit einem Brief zurück.
  • Der alte Schildbürger – er rät der Gemeinde, künftig Narren zu spielen, damit man sie in Ruhe lässt.
  • Der Schweinehirt – er gewinnt die Schultheißenwahl mit einem Reim und führt die Gemeinde durch die Narrenzeit.
  • Kathrein – die Frau des Schultheißen bekommt ihren Pelz und genießt das neue Ansehen.
  • Der Kaiser von Utopien – er besucht Schilda, lacht über die Streiche und stellt einen Freiheitsbrief für die Narrheit aus.
  • Der fremde Wandersmann – er lässt das Rathausdach abdecken, nimmt seinen Lohn und verschwindet.
  • Der fremde Reiter – er hilft den Schildbürgern mit kräftigen Schlägen, ihre Beine wiederzufinden.
  • Der Wanderer mit dem Maushund – er verkauft der Gemeinde eine Katze und eilt mit dem Geld davon.
  • Der Bannwart – er soll den Salzacker bewachen und wird auf einer Truhe über das Feld getragen.

Was lernen Kinder daraus?

Die Schildbürger sind keine Toren, sondern schlaue Leute, die sich absichtlich dumm stellen. Ihre Streiche zeigen, dass genaues Hinschauen und Vorausdenken sich lohnt: Wer beim Bauen an Fenster und Ofen denkt, muss später kein Licht in Säcken tragen. Zugleich steckt in jeder Geschichte eine Einladung zum Lachen, auch über die eigene Bequemlichkeit. Ein Lehrer in einer Kinderfassung warnt allerdings: Wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm5. Und wenn heute von einem Schildbürgerstreich die Rede ist, dann meist von Regelungen, die unnötig umständlich sind2. Am schönsten ist es, wenn Kinder beim Vorlesen selbst merken, was die Schildbürger hätten besser machen können.

Herkunft und Entstehung

Unsere Nacherzählung folgt der Fassung von Gustav Schwab, der die alten Volksbücher für Jung und Alt neu erzählte. Das Volksbuch selbst erschien 1597 erstmals unter dem Titel Das Lalen-Buch, anonym in Straßburg gedruckt; vier Exemplare sind noch erhalten2. Bekannt wurde die zweite Ausgabe von 1598 mit dem Titel Die Schiltbürger2. Als Urheber sind mehrere Autoren im Gespräch, unter anderem Friedrich von Schönberg; eine eindeutige Lösung des Autorrätsels gibt es bis heute nicht2.

Die Geschichten der Schildbürger zählen neben Till Eulenspiegel zu den bekanntesten deutschen Schelmen-Erzählungen in Romanform2. Anders als viele Stoffe der Zeit gehen sie nicht auf eine fremdsprachige Vorlage zurück, sondern verarbeiten Schwänke, die im Umlauf waren2. Mehrere Orte sehen sich als Schauplatz der Handlung, darunter Schilda in Brandenburg und Schildau bei Torgau2. Die Schildauer verstehen sich als Nachfahren der Schildbürger und halten die Streiche auf einem Wanderweg lebendig3. Erich Kästner hat die Geschichten ebenfalls nacherzählt2, und im Deutschunterricht sind sie bis heute ein beliebtes Thema4.

Der Originaltext

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
~so markiert~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
Buches.

Die Deutschen Volksbücher

Für Jung und Alt wiedererzählt

von

Gustav Schwab

Siebenter Band:

Die Schildbürger · Doktor Faustus

Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig

Vgl. die Einleitung im ersten Heft der Deutschen Volksbücher. (Univ.-Bibl. Nr. 1424.)

Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig

~Printed in Germany~

Die Schildbürger

In dem großmächtigen Königreich Utopien, hinter Kalekutta, liegt ein Dorf oder Bauernstädtchen, Schilda genannt, von welchem mit allem Fug das alte Sprichwort gerühmt werden konnte:

Wie die Eltern geartet sind,
So sind gemeiniglich die Kind'.

Denn auch die Schildbürger waren in ihrer Voreltern Fußstapfen getreten und darin verharrt, wenn sie nicht die Not, der kein Gesetz vorgeschrieben ist, oder die Förderung des lieben Vaterlandes nötigte, einen andern Weg zu treten. …

Text: Gustav Schwab (Bearbeiter), Quelle: Die Deutschen Volksbücher VII: Die Schildbürger, Project Gutenberg #59265. Fassung: Originalschreibweise der Ausgabe.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Warum beschlossen die Schildbürger, sich dumm zu stellen?
  2. Welcher Streich gefällt dir am besten, und warum?
  3. Die Schildbürger tragen das Sonnenlicht in Säcken ins Rathaus. Warum wird es darin trotzdem nicht hell?
  4. Wo hättest du den Schildbürgern beim Bau des Rathauses geholfen?
  5. Fällt dir eine Regel ein, die dir wie ein Schildbürgerstreich vorkommt?

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Häufige Fragen

Was ist ein Schildbürger?
Ein Schildbürger ist eine Figur aus den Schildbürgerstreichen: Die Schildbürger wohnen im erfundenen Städtchen Schilda und sind die Hauptakteure einer ganzen Reihe kurzer Erzählungen2. Diese Schwänke gehören neben denen zu Till Eulenspiegel zu den bekanntesten deutschen Schelmen-Geschichten in Romanform2. In unserer Nacherzählung erlebt ihr die berühmtesten Streiche in der Reihenfolge des Volksbuchs – vom Rathaus ohne Fenster bis zum Salzacker.
Was bedeutet Schildbürger?
Mit Schildbürger ist heute jemand gemeint, der sich unnötig umständlich oder töricht verhält. Der Begriff geht darauf zurück, dass sich die Bewohner von Schilda absichtlich dumm stellten, um nicht länger als Ratgeber abgeholt zu werden2, 4. Als Schildbürgerstreich bezeichnet man umgangssprachlich auch aberwitzige Regelungen und Auswüchse der Bürokratie2. Wer die Geschichten kennt, ahnt, dass hinter der Torheit oft eine List steckt.
Wer schrieb die Schildbürger?
Das älteste bekannte Volksbuch mit diesen Schwänken erschien 1597 anonym in Straßburg unter dem Titel Das Lalen-Buch2. Die zweite Ausgabe von 1598 trug den Titel Die Schiltbürger; als Urheber sind mehrere Autoren im Gespräch, unter anderem Friedrich von Schönberg2. Eine eindeutige Lösung des Autorrätsels gibt es bis heute nicht2. Unsere Nacherzählung folgt der Fassung von Gustav Schwab aus seinen Deutschen Volksbüchern.
Wer waren die Schildbürger?
Die Schildbürger waren ursprünglich kluge Ratgeber, die von Kaisern und Königen an ihre Höfe geholt wurden2, 4. Weil dadurch immer weniger Männer in Schilda blieben und zu Hause viel liegen blieb, verlegten sie sich auf eine List: Sie stellten sich allmählich dumm und wurden dafür genauso bekannt wie zuvor für ihre Klugheit2. Ihre Streiche gibt es seit 1597 als Buch und bis heute als Vorlesegeschichte2, 4.

Quellen

  1. Die Deutschen Volksbücher VII: Die Schildbürger (Gutenberg #59265) · abgerufen am 11.10.2026
  2. Schildbürger · abgerufen am 11.10.2026
  3. Schildbürger-Streiche · abgerufen am 11.10.2026
  4. Was sind die Schildbürger? · abgerufen am 11.10.2026
  5. Die Geschichte von den Schildbürgern I · Stand 28.09.2015
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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