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Münchhausen – die Sage kindgerecht erzählt

Der Baron von Münchhausen hat wirklich gelebt, und seine Lügengeschichten sind bis heute berühmt. Darin reitet er auf einer Kanonenkugel, zieht sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf und lässt eingefrorene Posthorntöne am Kaminfeuer wieder auftauen. Die deutschen Münchhausen-Geschichten erschienen 1786 in der Fassung von Gottfried August Bürger1 und eignen sich gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa sechs Jahren. Hier findet ihr die Sage zum Lesen und Hören, dazu Figuren, Hintergrund und Gesprächsfragen.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 23 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel durch die Luft, im Hintergrund eine belagerte Festung – Titelbild zur Sage
Jahr
1786
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Gottfried August Bürger (Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, nach den Erzählungen des Freiherrn von Münchhausen)

Neu erzählt nach Gottfried August Bürger (1786)

Die Sage von Münchhausen erzählt in bunter Folge, wie der Freiherr von Münchhausen in Russland, im Krieg und daheim die unmöglichsten Abenteuer erlebt – neu erzählt nach der deutschen Ausgabe von 1786.

Münchhausen – die Sage zum Vorlesen

Hörfassung · 15 Min.
Münchhausen – die Sage zum Vorlesen (Hörfassung)
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Manche Geschichten sind so unmöglich, dass sie schon wieder wahr klingen. Sie stammen von einem Mann, den es wirklich gab: Hieronymus Freiherr von Münchhausen, Gutsherr in Bodenwerder an der Weser. Wenn er mit seinen Freunden zusammensaß, erzählte er von seinen Reisen – und mit jeder Geschichte wurde es ein Stück abenteuerlicher. Am Ende wusste niemand mehr so recht, was davon wirklich geschehen war. Hier kommen seine schönsten Abenteuer, neu erzählt zum Vorlesen.

Die Reise nach Russland

Mitten im Winter trat Münchhausen seine Reise nach Russland an. Frost und Schnee, dachte er, machen die Wege schön glatt, und zu Pferde kommt man am besten voran. Unterwegs traf er an der Landstraße einen armen alten Mann, der zitternd unter einem Haselbusch saß und kaum etwas anzuziehen hatte. Münchhausen warf ihm seinen Reisemantel über. Da rief eine Stimme vom Himmel, dieses Liebeswerk solle ihm nicht unvergolten bleiben.

Am Abend wurde es dunkel, und weit und breit war kein Dorf zu sehen. Das ganze Land lag unter Schnee. Müde stieg Münchhausen ab und band sein Pferd an einen spitzen Pfahl, der aus dem Schnee ragte. Dann legte er sich daneben in den Schnee und schlief tief und fest.

Als er aufwachte, war heller Tag – und er lag mitten in einem Dorf auf dem Kirchhof. Sein Pferd war nirgends zu sehen. Da hörte er es über sich wiehern. Das Pferd hing am Wetterhahn des Kirchturms! In der Nacht war der Schnee geschmolzen, und Münchhausen war mit ihm ganz sanft hinuntergesunken. Was er für einen Pfahl gehalten hatte, war die Spitze des Kirchturms gewesen. Er nahm seine Pistole und schoss den Halfter durch. Das Pferd fiel herunter, und die Reise ging weiter.

Ein Pferd hängt am Wetterhahn eines verschneiten Kirchturms – Illustration zur Münchhausen-Sage

Der Wolf im Geschirr

In Russland reist man im Winter nicht zu Pferde, sondern im Schlitten. Münchhausen mietete also einen kleinen Rennschlitten und fuhr durch einen großen Wald. Plötzlich hörte er hinter sich ein Knurren. Ein Wolf! Er kam immer näher, und es war unmöglich, ihm zu entkommen. Kurz entschlossen legte sich Münchhausen platt in den Schlitten und ließ sein Pferd laufen, so schnell es konnte.

Der Wolf kümmerte sich nicht um den Mann im Schlitten. Er sprang über ihn hinweg, fiel über das Pferd her und fraß es von hinten auf. Und weil er so gierig war, fraß er sich mitten in das Pferd hinein – bis er anstelle des Pferdes im Geschirr steckte. Da sprang Münchhausen auf und knallte ihm mit der Peitsche aufs Fell. Erschrocken rannte der Wolf los, zog den Schlitten hinter sich her, und so kamen die beiden im Galopp in St. Petersburg an, gesund und munter und zum Erstaunen aller Leute.

Die Entenjagd

Eines Morgens sah Münchhausen aus dem Fenster: Der Teich war voller wilder Enten. Er griff nach seiner Flinte und rannte los – so eilig, dass er mit dem Gesicht gegen die Türpfoste rannte. Feuer und Funken stoben ihm aus den Augen. Unten am Teich merkte er, dass der Feuerstein von seiner Flinte abgesprungen war. Was tun? Da fiel ihm ein, was eben mit seinen Augen geschehen war. Er legte die Flinte an, ballte die Faust und schlug sich selbst kräftig gegen das Auge. Die Funken sprangen, der Schuss ging los, und Münchhausen traf fünf Paar Enten auf einmal.

Ein andermal hatte er nur noch einen Schuss und wollte doch alle Enten haben. Da band er ein Stück Speck an eine lange Schnur und warf es ins Wasser. Die erste Ente verschlang den Speck, die zweite verschlang ihn gleich mit, und so wanderte der Speck durch alle Enten hindurch, ohne dass die Schnur riss. Am Ende hingen sie alle wie Perlen an einer Kette. Münchhausen zog sie ans Ufer und wickelte die Schnur um sich – da flatterten die Enten auf und hoben ihn mit in die Luft. Er ruderte mit den Rockschößen durch die Lüfte, bis er über seinem Haus war, und sank langsam durch den Schornstein mitten auf den Herd seiner Küche.

Fuchs, Keiler und Hirsch

Im Wald stieß Münchhausen auf einen wunderschönen schwarzen Fuchs. Sein Fell sollte kein Loch bekommen. Also zog er die Kugel aus dem Lauf, lud einen Brettnagel hinein und schoss damit so geschickt, dass der Fuchs mit dem Schwanz am Baum festgenagelt war. Dann schnitt er ihm das Fell auf und peitschte ihn so lange, bis der Fuchs herausfuhr und der Pelz unversehrt blieb.

Kurz darauf traf er einen Keiler, einen wilden Eber. Der rannte so wütend gegen ihn an, dass er mit seinen Hauern im Baum stecken blieb. Münchhausen nahm einen Stein, klopfte die Hauer richtig fest, und so konnte der Eber nicht mehr fort. Aus dem nächsten Dorf holte er Wagen und Stricke und brachte ihn lebendig nach Hause.

Auch einer alten blinden Wildsau half er weiter. Sie ließ sich von ihrem Frischling am Schwänzlein führen. Als Münchhausens Kugel die Verbindung durchtrennte, blieb sie stehen, und er führte das Tier am übrig gebliebenen Schwanzende einfach heim.

Und dann war da der Hirsch. Münchhausen hatte kein Blei mehr und lud seine Flinte mit Kirschkernen. Er traf den Hirsch zwischen das Geweih. Zwei Jahre später stand derselbe Hirsch im Wald, und in seinem Geweih wuchs ein Kirschbaum, größer als ein Haus. Münchhausen legte ihn mit einem Schuss nieder und hatte Braten und Kirschtunke zugleich.

Der Bär und der Wolf

Einmal ging Münchhausen im Wald spazieren und hatte kein Pulver mehr dabei. Da kam ihm ein riesiger Bär mit aufgerissenem Rachen entgegen. Münchhausen griff in die Taschen und fand nur zwei Feuersteine. Den ersten warf er dem Bären in den Rachen. Dem wurde es sonderbar zumute, er drehte sich um, und Münchhausen konnte ihm den zweiten Stein hinterherwerfen. Die beiden Steine trafen sich im Bauch des Bären, schlugen Funken, und mit einem lauten Knall flog der Bär auseinander.

Ein andermal ging ein Wolf so nah auf ihn zu, dass nichts anderes übrig blieb, als ihm die Faust in den Rachen zu stecken. Münchhausen griff immer weiter, packte den Wolf von innen und drehte ihn um – wie einen Handschuh, den man umkrempelt. Dann warf er ihn auf die Erde, und der Wolf blieb liegen.

Zwischen den Kanonenkugeln

Weil Münchhausen in russischen Diensten stand, zog er in den Krieg. Bei einer Belagerung wollte man wissen, wie es in der feindlichen Festung aussah. Da hatte Münchhausen einen kühnen Einfall: Er sprang auf eine der großen Kanonenkugeln, die gerade in die Festung geschossen wurde. Mitten im Flug dachte er: Hinein kommst du leicht, aber wie willst du wieder herauskommen? Da flog gerade eine Kugel aus der Festung in die andere Richtung, und er sprang hinüber und landete wohlbehalten bei seinen Kameraden.

Noch wilder ging es mit seinem Pferd zu. Als er einmal durch ein Stadttor ritt, wurde das Fallgatter heruntergelassen, und das Pferd war plötzlich in zwei Hälften geteilt. Der hintere Teil blieb draußen stehen, der vordere trabte mit Münchhausen weiter zur Tränke. Der Regimentsschmied aber setzte die beiden Teile wieder zusammen – mit jungen Lorbeersprößlingen, die gerade zur Hand waren. Die Wunde wuchs zu, die Zweige wurzelten, und bald wuchs ein Lorbeerbaum aus dem Pferd, der eine Laube bildete. So ritt Münchhausen noch manchen schönen Ritt im Schatten seines eigenen Lorbeers.

In jener Schlacht hatte er so lange auf den Feind eingehauen, dass sein Arm danach nicht mehr aufhören wollte zu schlagen. Damit er keinen Freund und nicht sich selbst verletzte, band er ihn acht Tage lang in eine Binde.

Im Sumpf und in türkischer Gefangenschaft

Einmal wollte Münchhausen über einen Morast setzen. Der war breiter als gedacht, und er fiel bis an den Hals hinein. Schon sank er immer tiefer. Da packte er sich selbst an seinem Zopf und zog sich samt dem Pferd, das er fest zwischen den Knien hielt, wieder heraus.

In einem anderen Krieg erging es ihm schlechter: Er wurde gefangen genommen und als Sklave verkauft. Nun musste er die Bienen des Sultans auf die Weide treiben. Eines Abends sah er, dass zwei Bären sich über eine Biene hermachten. Er hatte nichts als die silberne Axt der Gärtner des Sultans und warf sie nach den Bären. Die Biene war frei – aber die Axt flog immer höher, bis in den Mond. Wie sollte er sie wiederbekommen? Er pflanzte eine türkische Bohne, die wuchs so schnell, dass sie sich an einem Mondhorn festrank. Münchhausen kletterte hinauf und fand die Axt auf einem Haufen Häckerling. Doch die Sonne hatte inzwischen seine Bohnenranke ausgetrocknet.

Also flocht er aus dem Häckerling ein langes Seil, band es an das Mondhorn und ließ sich hinunter. Immer wenn er ein Stück geglitten war, hieb er das Seil über sich ab und knüpfte es unten wieder an. Zuletzt riss es doch, und er fiel tief in die Erde – neun Klafter tief. Er besann sich nicht lange und grub sich mit seinen Nägeln eine Treppe bis ans Tageslicht.

Damit die Bären nicht wiederkamen, bestrich er eine Wagendeichsel mit Honig und legte sich nachts in den Hinterhalt. Ein Bär leckte so begierig an der Stange, dass er sich der Länge nach hindurchleckte. Als er hinten wieder herauskam, steckte Münchhausen einen Pflock durch das Loch – und der Bär konnte nicht mehr zurück. So saß er fest bis zum Morgen.

Das gefrorene Posthorn

Als Münchhausen wieder heimwärts reiste, fuhr er mit der Post. In einem engen Hohlweg bat er den Postillion, mit dem Horn ein Zeichen zu blasen, damit ihnen kein Wagen entgegenkäme. Der Postillion blies aus Leibeskräften – aber kein einziger Ton war zu hören. Da kam schon eine Kutsche von der anderen Seite. Münchhausen sprang vom Wagen, spannte die Pferde aus, nahm den Wagen mit allen vier Rädern und dem Gepäck auf die Schultern und sprang damit über Hecke und Ufer, gut neun Fuß hoch, auf das Feld.

Dann holte er die Pferde nach, zwei unter jeden Arm. Eines war jung und wollte nicht recht, da steckte er ihm die Hinterbeine in seine Rocktasche. In der Herberge hängte der Postillion sein Horn neben das Küchenfeuer, und sie setzten sich zum Essen. Auf einmal ging es los: Tereng! Teng! Teng! Die Töne waren in der Kälte im Horn eingefroren. Jetzt tauten sie auf und spielten die schönsten Melodien, ohne dass jemand das Horn an den Mund nahm.

Die Wette mit dem Sultan

In der Türkei wurde Münchhausen dem Großsultan so lieb, dass er täglich bei ihm zu Gast sein durfte. Der Sultan schätzte ihn sehr, und Münchhausen hatte fünf Diener mit wundersamen Künsten. Einer lief so schnell, dass er bleierne Gewichte an die Beine schnallte, um langsamer zu sein. Einer legte sein Ohr auf die Erde und hörte das Gras wachsen. Einer schoss mit seiner Flinte einen Spatzen vom Münsterturm in Straßburg. Einer zog mit einem Strick einen ganzen Zedernwald um. Und einer konnte Wind machen – er brauchte nur ein Nasenloch zuzuhalten.

Einmal prahlte der Sultan mit seinem Tokajer. Münchhausen sagte, in Wien habe er besseren getrunken. Da schlug der Sultan vor: Wenn Münchhausen ihm binnen einer Stunde eine Flasche Tokajer aus dem kaiserlichen Keller in Wien herbeischaffe, habe er gewonnen – wenn nicht, verliere er die Wette. Münchhausen schrieb einen Brief an die Kaiserin Maria Theresia und schickte seinen Läufer damit los. Die Zeit verstrich.

Der Läufer aber war unterwegs eingeschlafen. Der Horcher horchte und hörte ihn schnarchen, der Schütze schoss in die Baumkrone über ihm, und ein Hagel von Eicheln weckte den Schläfer. In allerletzter Minute kam er mit der Flasche an. Der Sultan war so begeistert, dass er sie gleich für sich behielt und Münchhausen aus seiner Schatzkammer so viel Gold mitgeben ließ, wie sein stärkster Diener tragen konnte.

Kaum war Münchhausen mit dem Schiff unterwegs, wurde dem Sultan die Sache leid, und er schickte die ganze Flotte hinter ihm her. Da trat der Windmacher aufs Hinterdeck, hielt ein Nasenloch zu, blies in die Segel der Türken, dass sie in den Hafen zurücktaumelten, und trieb Münchhausens Schiff in wenigen Stunden bis nach Italien. Und wenn der Baron seine Geschichten erzählte, saßen alle still und lauschten – und keiner wusste so recht, ob er lachen oder staunen sollte.

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Baron Münchhausen in Kürze

Der Freiherr von Münchhausen ist ein Mann, der nichts für unmöglich hält. In der Kälte Russlands hängt sein Pferd am Kirchturm, im Schlitten lässt er sich von einem Wolf ziehen, und mit einem Stück Speck fängt er einen ganzen Schwarm Enten, der ihn durch die Luft trägt. Fuchs, Keiler und Hirsch bekommt er mit den verrücktesten Einfällen, auf einer Kanonenkugel reitet er über die belagerte Festung, und im Sumpf zieht er sich am eigenen Zopf heraus. Am Ende gewinnt er sogar eine Wette gegen den Großsultan. Alles ist erfunden – und gerade darum so schön.

Die Figuren

  • Münchhausen – der Freiherr, der jedes Abenteuer selbst erlebt haben will und jede Gefahr mit Witz und Mut übersteht.
  • Sein Pferd – hängt am Kirchturm, wird vom Wolf gefressen und mit Lorbeerzweigen wieder zusammengeflickt.
  • Der Wolf – frisst sich mitten ins Pferd hinein und zieht so den Schlitten bis St. Petersburg.
  • Die wilden Enten – hängen am Speckfaden und tragen den Baron durch die Luft nach Hause.
  • Der Fuchs – wird am Baum festgenagelt, damit sein kostbares Fell heil bleibt.
  • Der Keiler – bleibt mit seinen Hauern im Baum stecken und wird lebendig heimgebracht.
  • Die blinde Wildsau – lässt sich von ihrem Frischling am Schwänzlein führen.
  • Der Hirsch – trägt zwei Jahre später einen Kirschbaum im Geweih.
  • Der Bär – will Münchhausen verschlingen und bekommt zwei Feuersteine zu spüren.
  • Der Postillion – sein Horn ist eingefroren und spielt später am Kamin von selbst.
  • Der Großsultan – wettet mit Münchhausen um eine Flasche Tokajer.
  • Die Kaiserin Maria Theresia – schickt auf einen Brief hin eine Flasche Tokajer aus dem kaiserlichen Keller.
  • Der Läufer – so schnell, dass er Gewichte an die Beine schnallt, um langsamer zu sein.
  • Der Horcher – hört das Gras wachsen und den Läufer schnarchen.
  • Der Schütze – trifft einen Spatzen vom Münsterturm in Straßburg.
  • Der Starke – zieht mit einem Strick einen ganzen Zedernwald hinter sich her.
  • Der Windmacher – bläst mit einem Nasenloch die türkische Flotte zurück in den Hafen.

Was lernen Kinder daraus?

Wer die Geschichten hört, merkt schnell: Münchhausen gibt nie auf. Fällt er in den Sumpf, zieht er sich am eigenen Zopf heraus; steht er vor einem Bären, greift er zu Feuersteinen statt zur Flinte. Darin steckt eine ermunternde Botschaft, die schon junge Zuhörer verstehen: Mit Fantasie, Mut und guter Laune findet sich fast für jedes Problem eine Lösung. In Bodenwerder fasst man das in den Satz, dass man sich nur zu helfen wissen muss2.

Zugleich zeigen die Geschichten, wie unterschiedlich Erzählen wirken kann. Den Freunden machte das Fabulieren Freude, Münchhausen selbst aber fühlte sich durch den Spottnamen Lügenbaron verletzt1, 4. Kinder können daraus mitnehmen: Übertreiben und Erfinden dürfen Spaß machen, solange alle wissen, dass es gespielt ist. Und wer jemanden zum Gespött macht, nimmt ihm die Freude an der Geschichte.

Herkunft und Entstehung

Hinter den Geschichten steht ein Mann aus Fleisch und Blut. Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder an der Weser geboren und starb dort am 22. Februar 17971. Er war eines von acht Kindern einer Offiziers- und Gutsbesitzerfamilie; sein Vater starb, als er vier Jahre alt war1, 3, 4. Mit 13 Jahren ging er zur Ausbildung an den braunschweigischen Hof, und 1737 reiste er als Page des Herzogs Anton Ulrich nach St. Petersburg1, 4.

In russischen Diensten wurde er 1739 Fähnrich, 1740 Leutnant und später Rittmeister1, 2. Im Baltikum lernte er Jacobine von Dunten kennen, die er 1744 heiratete1, 4. 1750 nahm er seinen Abschied und kehrte mit ihr nach Bodenwerder zurück, wo er als Landedelmann lebte und in geselliger Runde erzählte1, 4, 5. Für diese Abende ließ er 1763 eigens einen Pavillon bauen, die Münchhausen-Grotte, die es noch heute gibt4, 5.

Gedruckt wurden seine Geschichten ohne sein Zutun. 1761 veröffentlichte Graf Rochus zu Lynar drei davon, 1781 erschienen anonym sechzehn Anekdoten im Vademecum für lustige Leute, 1783 um zwei ergänzt1. Der Gelehrte Rudolf Erich Raspe, der nach England geflohen war, machte 1785 ein englisches Buch daraus1, 4. 1786 erschien die deutsche Fassung – die Wunderbaren Reisen des Freiherrn von Münchhausen, übersetzt und um viele Abenteuer erweitert von Gottfried August Bürger1, 3.

Berühmt wurde Münchhausen dadurch in der ganzen Welt – und litt zugleich darunter. Den Spottnamen Lügenbaron empfand er als Kränkung, und er überlegte sogar zu klagen1, 4. Auch sein spätes Leben war schwer: Seine Frau starb 1790, die zweite Ehe endete im Streit, und ein jahrelanger Scheidungsprozess kostete ihn fast sein Vermögen1, 4.

Heute gehört Münchhausen zur Weltliteratur. Zu den Auflagen gibt es unterschiedliche Angaben: rund 4.000 Ausgaben in etwa 100 Sprachen1 beziehungsweise mehr als tausend Auflagen in 70 Sprachen2 – genannt werden jeweils rund sechs Millionen Exemplare1, 2. In Bodenwerder erinnern das Münchhausen-Museum und die Grotte an ihn, sein Grab liegt in der Klosterkirche St. Marien in Kemnade4, 5.

Der Originaltext

Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.

Überschriebene „e“ über den Vokalen „a“, „o“ und „u“ wurden als moderne Umlaute transkribiert.

Gesperrter Text wird kursiv wiedergegeben.

Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.

Die Fußnoten der Vorlage sind mit "A" und fortlaufender Nummerierung gekennzeichnet und folgen am Schluß des Textes.

Alle redaktionellen Texte dieses Projektes stehen unter der Lizenz CC-BY-SA 2.0 deutsch

Entstehung und Publikationsgeschichte

Bürgers „Münchhausen“ erschien erstmals (anonym) 1786 als Übersetzung aus dem Englischen. 1785 war in London Baron Munchausens Narrative of his Marvellous Travels and Campaigns in Russia erschienen. Autor war der etwas zwielichtige Rudolf Erich Raspe. Das Werk Raspes ging wiederum auf einen deutschen Text zurück, eine Anfang der 1780er Jahre herausgegebene Sammlung von Anekdoten unter dem Titel Vade Mecum für lustige Leute. Diese Sammlung enthielt 18 Münchhausen-Geschichten eines unbekannten Autors. Raspe hatte die Geschichten nicht nur übersetzt, sondern sie auch durch eine Rahmenhandlungen verbunden und mehrere Seegeschichten hinzugefügt. …

Text: Gottfried August Bürger, Quelle: Wikisource: Des Freyherrn von Münchhausen Wunderbare Reisen (1786). Lange Sammlung: Auswahl einzelner Abenteuer; hier stehen die ersten 150 Wörter.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was würdest du tun, wenn dein Pferd plötzlich am Kirchturm hängen würde?
  2. Welches Abenteuer würdest du am liebsten selbst erleben – und warum?
  3. Münchhausen fällt immer etwas ein, wie er sich selbst helfen kann. Fällt dir eine Geschichte ein, in der du dir selbst geholfen hast?
  4. Wenn du eine eigene Lügengeschichte erfinden dürftest: Was wäre darin das Unglaublichste?
  5. Warum, glaubst du, hat Münchhausen sich über den Namen Lügenbaron geärgert?

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Häufige Fragen

Wer hat Münchhausen geschrieben?
Die berühmten Münchhausen-Geschichten haben mehrere Verfasser. Zuerst veröffentlichte 1781 ein unbekannter Autor Anekdoten im Vademecum für lustige Leute, und schon 1761 waren drei Erzählungen von Graf Rochus zu Lynar erschienen1. 1785 schrieb Rudolf Erich Raspe daraus in London ein englisches Buch, das Gottfried August Bürger 1786 ins Deutsche übersetzte und um viele Abenteuer ergänzte1, 3. Der Baron selbst trug seine Geschichten vor allem in geselliger Runde vor4.
Wer ist Baron Münchhausen?
Baron Münchhausen ist kein Märchen, sondern eine historische Person: Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder an der Weser geboren und starb dort am 22. Februar 17971. Er diente als Offizier in russischen Diensten und lebte später als Landedelmann auf seinem Gut1, 4. Dort wurde er als Erzähler so berühmt, dass Gäste von weit her kamen1. Den Spitznamen Lügenbaron bekam er erst durch die Veröffentlichungen, und er ärgerte sich darüber4.

Quellen

  1. Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen · Stand 01.04.2005
  2. Münchhausen-Museum Bodenwerder: Wer war Hieronymus von Münchhausen wirklich? · abgerufen am 11.10.2026
  3. Der „Lügenbaron“ kommt auf die Welt · abgerufen am 10.10.2026
  4. Baron von Münchhausen: Wie ein Page zum „Lügenbaron“ wurde · Stand 11.05.2025
  5. Münchhausen · abgerufen am 11.10.2026
  6. Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abentheuer des Freyherrn von Münchhausen · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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