Schnuller und Zähne: Was Eltern wissen sollten
Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Schnuller Zähne: Wann wird das Nuckeln zum Problem?
Das Saugbedürfnis gehört in den ersten Lebensjahren zur normalen Entwicklung. Babys beruhigen sich beim Nuckeln, weil es das Saugen an der Brust imitiert; die orale Lutschphase endet in der Regel nach dem 3. Lebensjahr2. Ein Schnuller ist deshalb nicht grundsätzlich falsch, problematisch wird der dauerhafte und intensive Gebrauch2.
Kieferorthopäden und Logopäden sehen dann ein gestörtes Muskelgleichgewicht im Mundraum. Das kann später die Lautbildung beeinträchtigen, besonders beim Erlernen der S- und Z-Laute2. Das Risiko steigt mit dem Alter des Kindes, der Intensität, der täglichen Lutschdauer und der Art des Lutschkörpers2.
Fehlstellungen entwickeln sich meist in den ersten 18 Lebensmonaten. Begünstigt werden sie durch zu große Saugteile, die über Stunden den Mund komplett ausfüllen und die natürliche Lage der Zunge am Gaumen verdrängen1. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung keinen Schnuller2.
Wie das Nuckeln den Alltag mit Baby begleitet, beschreibt Nuckeln: Was Eltern wissen sollten. Einen Überblick über Nutzung, Hygiene und Abgewöhnung gibt Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Schnuller und schiefe Zähne
Wie häufig Fehlstellungen auftreten, hängt stark vom Zeitpunkt der Abgewöhnung ab. In einer groß angelegten Metastudie zeigten fast 71 % der Kinder Zahnfehlstellungen, die noch nach dem 4. Lebensjahr einen Schnuller nutzten. Von den Kindern, die zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr aufhörten, hatten 36 % Anzeichen, und bei den Kindern, die bis zum 24. Lebensmonat damit aufhörten, waren es 14 %1.
Auch die tägliche Nutzungsdauer zählt: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Zeit mit Schnuller und dem Ausmaß der Zahnfehlstellung3. Alle Schnuller können unabhängig von der Saugerform einen Schnullerbiss begünstigen, entscheidend sind Intensität und Dauer3.
Für die bleibenden Zähne gibt es eine gute Nachricht: Mehrere Studien finden keinen relevanten Zusammenhang zwischen Schnullernutzung und Fehlstellungen der bleibenden Zähne, solange Kinder den Schnuller abgewöhnen, bevor diese durchbrechen3.
Für den Alltag heißt das: Je seltener und kürzer der Schnuller zum Einsatz kommt, desto weniger Druck liegt auf Zähnen und Kiefer.
Schiefe Zähne durch den Schnuller
Zu den bekannten Formen gehört der offene Biss: Die Zähne sind nach außen gewinkelt und berühren sich selbst bei geschlossenem Mund nicht vollständig. Häufig bleiben größere Lücken zwischen den Vorderzähnen. Ein offener Biss kann Lispeln begünstigen und durch die vorstehenden Frontzähne den Mundschluss erschweren, was Mundatmung fördert1.
Beim Überbiss überdecken die oberen Zähne die unteren deutlich stärker, als es von der Natur vorgesehen ist. Beim Kreuzbiss greifen die Zähne ein- oder beidseitig falsch ineinander1.
Der auffälligste Befund nach intensivem Schnullergebrauch ist der lutschoffene Biss: Die Schneidezähne verlieren ihren Kontakt oder können ihn gar nicht erst herstellen. Für Kinder ist das spürbar, denn sie haben erhebliche Probleme bei der Nahrungsaufnahme, besonders beim Kauen und Abbeißen2.
Durch die offene Mundhaltung und die Mundatmung sind Kinder zudem anfälliger für Karies, und auch das Risiko für Atemwegsinfekte steigt2. Deshalb lohnt sich ein früher Blick auf die Zahnstellung, bevor sich eine Gewohnheit festsetzt.
Fehlstellung der Zähne durch den Schnuller
Auch andere Gewohnheiten wirken auf die Zahnstellung. Zwischen Flaschennutzung und Zahnstellung besteht ein enger Zusammenhang: Je länger ein Kind eine Flasche nutzt, desto wahrscheinlicher wirkt sich das auf die Zähne aus1. Daumenlutschen kann ebenfalls Fehlstellungen verursachen, vor allem wenn über 4 bis 6 Stunden innerhalb von 24 Stunden gelutscht wird. Hört ein Kind damit auf, bewegen sich die Zähne häufig auf natürliche Weise in ihre normale Position zurück1.
Der Schnuller ist dem Daumen trotzdem vorzuziehen: Er ist nicht jederzeit verfügbar, lässt sich zeitlich begrenzen und einfacher abgewöhnen2. Die Bundeszahnärztekammer rät, daumenlutschende Babys möglichst früh auf den Schnuller umzugewöhnen, um Zungenfehlfunktionen und Zahnfehlstellungen vorzubeugen5. Auch die American Academy of Pediatrics empfiehlt den Schnuller als Alternative zum Daumen3.
Eine weitere Ursache ist die Mundatmung: Kinder, die regelmäßig durch den Mund atmen, entwickeln eher Veränderungen im Gesicht, im Kiefer und in der Zahnstellung1. Karies an den Milchzähnen gehört ebenfalls zu den Risikofaktoren; Kinder, die mit der Flasche trinken, sind besonders anfällig, teils schon mit 6 Monaten1.
Schnuller abgewöhnen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Am günstigsten ist der Zeitpunkt, an dem euer Kind zu sprechen beginnt. Spätestens mit 3 Jahren sollte der Schnuller der Vergangenheit angehören2. Konkreter formuliert: Nach dem 24. Lebensmonat, auf jeden Fall aber vor dem 36. Lebensmonat, sollte der Schnuller abgesetzt werden, um das Risiko von Zahnproblemen und einer möglichen kieferorthopädischen Behandlung zu verringern1.
Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt, das Nuckeln am Schnuller ab dem 2. Geburtstag zu beenden5. Die American Academy of Pediatric Dentistry rät, nicht-nahrhaftes Saugen spätestens mit 3 Jahren zu beenden, damit sich die Zahnstellung normalisiert, bevor die bleibenden Zähne durchbrechen. Die American Academy of Pediatrics nennt keinen festen Zeitpunkt, empfiehlt aber, die Nutzung zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr zu beenden3.

Bis zum 2. Lebensjahr hat der Kiefer noch Zeit: Ein durch den Schnuller verformter Kiefer bildet sich in dieser Phase von selbst wieder zurück. Brechen die ersten Milchzähne durch, kann der Schnuller zu bleibenden Gebissschäden und Zahnfehlstellungen führen4.
Wichtig ist, den Schnuller nicht einfach wegzunehmen. Kinder lutschen sonst am Daumen weiter, und der Finger ist für das Gebiss noch schädlicher. Tagsüber fällt der Verzicht leichter als in der Nacht, deshalb hilft ein langsamer Beginn4.
Welcher Schnuller ist schonender für die Zähne?
Ganz gleich, für welches Modell ihr euch entscheidet: Der Lutschkörper sollte möglichst klein, weich, elastisch und flexibel sein und einen flachen Schaft haben2. Ein Saugteil, das nach oben abgewinkelt ist und am Gaumen anliegt, führt die Zunge in den hinteren Mundraum. Ein zu großer Sauger verdrängt dagegen die natürliche Lage der Zunge1.
Der Abschnitt zwischen Sauger und Mundschild sollte so dünn wie möglich sein, am besten mit einer Dentalstufe. Ein zu dicker Schaft verhindert, dass die oberen und unteren Frontzähne zusammenbeißen können, und fördert einen frontal offenen Biss1. Von Beginn an passt die kleinste Schnullergröße, und dabei bleibt es bis zur Abgewöhnung1.
Runde Sauger ähneln in Form und Größe der Brustwarze und fördern eine ähnliche Zungenhaltung und Saugtechnik wie beim Stillen. Kiefergerechte Sauger sind unten flach und oben leicht rund; sie sollen den Druck auf Zähne und Kiefer verringern. Hersteller bewerben solche Modelle als zahnfreundlich oder kiefergerecht, doch die Studienlage zeigt keinen eindeutigen Vorteil gegenüber herkömmlichen Formen3.
Ein Ventil im Sauger trägt dazu bei, dass sich der Sauger der Form von Mund, Zunge und Gaumen eures Babys anpasst. Tauscht Schnuller alle 4 bis 6 Wochen aus und entsorgt sie bei den ersten Anzeichen einer Beschädigung. Zucker oder Honig gehören nicht auf den Schnuller3.
Welche Modelle es gibt, lest ihr im Überblick BIBS-Schnuller: Was Eltern wissen sollten. Praktisches Zubehör für unterwegs und die Aufbewahrung findet ihr unter Schnullerbox: Was Eltern wissen sollten.
Zähneputzen: Was die ersten Zähne brauchen
Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns, etwa im 6. Lebensmonat, putzt ihr die Zähne zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid5. Vom 2. bis zum 6. Geburtstag ist eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid passend, nach dem 6. Geburtstag darf es eine Zahncreme mit rund 1.450 ppm sein5.
Etwa ab 2 Jahren könnt ihr euer Kind an eine selbstständige Zahnpflege heranführen. Verantwortlich für saubere Zähne bleibt ihr aber bis zum Ende der zweiten Klasse und putzt nach5.
Auch die Trinkgewohnheit gehört dazu: Auf Nuckelflaschen verzichtet ihr am besten ganz, beim gestillten Kind ohnehin, ansonsten so früh wie möglich. Die Flasche dient der Nahrungsaufnahme oder dem Durstlöschen, nicht dem Nuckeln5. Sobald euer Kind frei sitzen kann, trinkt es aus dem offenen Becher, ein Trinklerngefäß ist nicht nötig5.
Nach dem abendlichen Zähneputzen gibt es nichts mehr zu essen und nur noch stilles Wasser5. Wasser und ungesüßte Kräutertees sind die passenden Getränke, Süßigkeiten und salzige Snacks bleiben die Ausnahme5.
Die erste Beurteilung der Zahngesundheit sollte in den ersten 12 Monaten erfolgen, danach sind zweimal jährliche zahnärztliche Kontrollen empfohlen5.
Praxis-Tipps: Schnuller und Zähne
- Bedürfnisse zuerst prüfen: Gebt den Schnuller erst, wenn Hunger, Durst und Nähe geklärt sind. So bleibt er ein Beruhigungsmittel und wird nicht zur Gewohnheit1.
- Nicht beim Spielen und Sprechen: Beim Spielen und besonders beim Sprechen sollte der Schnuller nicht im Mund sein, weil das den Austausch stört1.
- Tagsüber anfangen: Beginnt die Entwöhnung tagsüber, denn dort fällt der Verzicht leichter als in der Nacht4.
- Nicht abrupt wegnehmen: Nehmt den Schnuller nicht einfach weg, sonst lutscht euer Kind am Daumen weiter – der Finger ist fürs Gebiss schädlicher4.
- Loch in den Schnuller stechen: Durch eine Nadelspitze entweicht Luft, das Nuckeln wird anstrengender und der Schnuller weniger attraktiv4.
- Lutschkalender führen: Markiert jeden Tag ohne Schnuller und belohnt einen längeren Zeitraum besonders4.
- Ritual statt Streit: Schnullerfee oder Schnullerbaum sind bewährte Rituale, die das Abgewöhnen begleiten2.
- Umfeld reduzieren: Lasst nach und nach keine Schnuller mehr in der Wohnung liegen, damit sie nicht ständig in Sichtweite sind1.
- Ersatz schaffen: Ein Kuscheltier oder ein neues Ritual füllt die Lücke, die der fehlende Schnuller hinterlässt1.
Häufige Fragen
Welcher Schnuller ist der beste für die Zähne?
Was spricht für Schnuller?
Quellen
- Kann der Schnuller wirklich Zahnfehlstellungen auslösen? · Stand 03.08.2026
- Schnuller: Eine Gefahr für den Kinderkiefer? · Stand 04.11.2025
- Schnuller und Zähne · abgerufen am 11.10.2026
- Schnullerentwöhnung: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
- Hinweise fuer Eltern ecc · abgerufen am 11.10.2026
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