Offener Biss durch Schnuller: Was Eltern wissen sollten
Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Offener Biss durch Schnuller: Was steckt dahinter?
Von einem offenen Biss sprechen Zahnärztinnen und Zahnärzte, wenn die Zähne des Oberkiefers beim Zusammenbeißen keinen Kontakt zu den Zähnen des Unterkiefers haben2. Betroffen sind meist die Schneidezähne, deshalb heißt diese Form frontal offener Biss: Zwischen oberer und unterer Zahnreihe bleibt eine sichtbare Lücke2. Weil das Nuckeln am Schnuller zu dieser Fehlstellung beitragen kann, ist im Alltag auch vom Schnullergebiss oder Schnullerbiss die Rede2.
Ist der offene Biss stark ausgeprägt, sieht man eine kreisförmige Öffnung zwischen den Zahnreihen. Leichte Formen fallen dagegen auf den ersten Blick oft nicht auf und machen dem Kind trotzdem zu schaffen2.
Wie häufig ein offener Biss durch Schnuller auftritt, hängt auch von der Form des Saugers ab. In einer zweistufigen Langzeitstudie der Universität Witten/Herdecke wurde die Gebissentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern bis zum 16. und weiter bis zum 27. Lebensmonat beobachtet1. Nach 16 Monaten zeigte sich in der Gruppe mit herkömmlichen Saugern bei 16 von 42 Kindern (38 Prozent) ein frontal offener Biss, in der Gruppe mit einem kiefergerecht geformten Sauger bei zwei von 42 Kindern (fünf Prozent) und in der schnullerfrei aufwachsenden Kontrollgruppe bei keinem der 36 Kinder1.
Offener Biss, Schnuller und Gebiss: Wie der Druck wirkt
Das Nuckeln gehört zu den sogenannten Habits – Angewohnheiten, die auf Zähne und Kiefer wirken2. Daumen, Schnuller oder Zunge behindern das korrekte Aufeinandertreffen der oberen und unteren Zahnreihe2. Fast jeder offene Biss geht mit einer Fehlhaltung der Zunge einher: Liegt sie zwischen den Schneidezähnen oder drückt gegen sie, entsteht zusätzlicher Druck, der die Zahnstellung verschieben kann2.
Auch die Atmung spielt hinein. Ist die Nasenatmung zum Beispiel durch Nasenpolypen, allergische Schwellungen der Schleimhäute oder andere anatomische Blockaden erschwert, atmen betroffene Kinder vermehrt durch den Mund. Bei der Mundatmung ist der Kopf leicht zurückgeneigt und die Zunge liegt tiefer; besteht diese Fehlhaltung über längere Zeit, beeinflusst sie das Kieferwachstum2. Daneben gibt es Fälle, in denen das Kieferwachstum selbst betroffen ist2.
Die Saugerform ist deshalb kein Nebenpunkt. Kiefergerechte Schnuller sind direkt hinter dem Schild dünner geformt, damit sie keinen offenen Biss fördern; der Sauger ist zur Zunge hin abgeflacht oder leicht nach innen gewölbt und zum Gaumen hin gerundet4. Runde Sauger sind nicht geeignet, weil sie der Zunge zu wenig Spielraum geben – Bewegung braucht das Kind aber, um später sprechen zu können und einen richtigen Lippenschluss zu finden4. Welche Unterschiede zwischen den Formen bestehen, erklärt der Ratgeber Schnuller in Kirschform.
Ab wann wird der Schnuller für die Zähne zum Risiko?
Ob ein Schnuller einen offenen Biss begünstigt, hängt vor allem von Dauer und Häufigkeit ab. Angewohnheiten wie das Nuckeln am Daumen oder Schnuller sowie Zungenpressen wirken sich ab einem Alter von etwa drei Jahren negativ auf die Zahnstellung und die Kieferentwicklung aus2.
Für den Anfang gibt es eine praktische Orientierung: Als guter Zeitpunkt für die Einführung des Schnullers gilt etwa nach dem ersten Monat, wenn das Stillen sicher eingeführt ist4. Studien weisen zudem darauf hin, dass der Schnullergebrauch vorbeugend gegen den plötzlichen Kindstod wirkt4. Deshalb geht es weniger um ein Verbot als um das richtige Maß.

Für die Entwöhnung nennen die Empfehlungen unterschiedliche Grenzen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät für Säuglinge, die nicht nach Bedarf gestillt werden, spätestens mit sieben Monaten zum Schluss mit dem Schnuller; Frühgeborene mit besonders hohem Saugbedürfnis dürfen bis zum 1. Geburtstag nuckeln3. Nach der Empfehlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sollte der Schnuller spätestens im dritten Lebensjahr abgewöhnt werden, möglichst aber schon, wenn das Kind zu sprechen anfängt5.
Feste Termine gibt es für die Kontrolle: Die erste zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung ist zwischen dem 6. und dem vollendeten 9. Lebensmonat vorgesehen, die zweite zwischen dem 10. und dem vollendeten 20. und die dritte zwischen dem 21. und dem vollendeten 33. Lebensmonat5. Ab dem 12. Lebensmonat sind die Frontzähne des Milchgebisses in der Regel durchgebrochen, bis zum 30. Lebensmonat vervollständigt sich das Milchgebiss meist5. Ob euer Kind überhaupt einen Schnuller braucht, ordnet Schnuller: ja oder nein? ein.
Behandlung und Rückbildung: Was den offenen Biss korrigiert
Ein unbehandelter offener Biss verschwindet nicht von selbst – behandeln lässt er sich aber gut2. Die Diagnose stellt eine kieferorthopädische Praxis: Dort wird ein Abdruck der Zähne mit einer gummiartigen Masse genommen, aus dem ein Modell des Gebisses entsteht, und es werden Röntgenbilder angefertigt2.
Für die Korrektur arbeiten Kieferorthopädie und Logopädie zusammen. Die Zahnspange richtet Kiefer und Zähne aus; in der logopädischen Therapie wird die Zungenruhelage korrigiert und die Schluckbewegung normalisiert, weil an den Symptomen meist auch eine Fehlhaltung der Zunge beteiligt ist2. Ist eine Korrektur nach dem Abgewöhnen der Habits und mit einer Zahnspange nicht mehr möglich, kann eine Operation nötig sein; über die Risiken berät eine kieferorthopädische Praxis2.
Ob sich ein offener Biss zurückbildet, hängt vom Zeitpunkt ab. Von allein entwickelt er sich nicht zurück2. Bis zum 1. Geburtstag können sich bereits eingetretene Schäden nach Einschätzung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte jedoch noch von allein zurückbilden; Fehlstellungen, die durch Nuckelgewohnheiten nach dem 1. Lebensjahr entstehen, müssen später meist kieferorthopädisch behandelt werden3.
Ist ein offener Biss bereits festgestellt, kann eine Mundvorhofplatte als Schnullerersatz die Fehlstellung noch zurückbilden. Nach dem vierten Geburtstag lässt sich der Tausch Schnuller gegen Mundvorhofplatte anbieten, um weitere Fehlstellungen zu stoppen und den Lippenschluss zu trainieren3.
Schnullergebiss: Welche Anzeichen Eltern kennen sollten
Ein offener Biss macht sich auf verschiedene Weise bemerkbar. Zu den typischen Beschwerden zählen Kaubeschwerden, Störungen der Lautbildung, unkontrollierbarer Speichelfluss und Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen2. Weil die Öffnung der Zahnreihe die Kontrolle über den Speichel erschwert und die Lippen sich nicht vollständig schließen lassen, entstehen Probleme mit der Aussprache; schiebt sich die Zunge beim Sprechen zwischen die Zähne, lispeln Kinder2. Auch die Mundhygiene ist dann erschwert2.
Da die Schneidezähne nicht richtig verzahnen, fällt das Abbeißen schwer, während die Backenzähne übermäßig beansprucht werden und schneller abnutzen2. Zeigt sich ein offener Biss, ist der Schnuller als Ursache für die Zähne ein naheliegender Verdacht – klären lässt sich das in der kieferorthopädischen Praxis2.
Für den Alltag hilft ein einfacher Blick: Beim Zähneputzen oder beim Lächeln könnt ihr sehen, ob sich obere und untere Schneidezähne beim Zusammenbeißen berühren. Fällt euch eine Lücke auf, sprecht den nächsten Zahnarzttermin darauf an. Die Grundlagen rund um das Thema findet ihr in Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Schnuller abgewöhnen: Was den Zähnen hilft
Beim Thema offener Biss, Schnuller und Abgewöhnen geht es fast immer um die Dauer: Je kürzer und seltener euer Kind nuckelt, desto weniger Druck lastet auf Zähnen und Kiefer. Für eine gesunde Kieferentwicklung eignet sich der Schnuller besser als der eigene Daumen4. Er sollte spätestens im dritten Lebensjahr abgewöhnt werden, möglichst schon, wenn das Kind zu sprechen anfängt5.
Bewährt hat sich ein schrittweises Vorgehen. Ein Trick aus der kinderärztlichen Praxis: in den Schnuller einstechen, sodass er schlaff wird, und den Nuckel wöchentlich etwa um einen Millimeter mit der Schere abschneiden, bis nichts mehr davon übrig ist; gleichzeitige Zuwendung erleichtert das Abgewöhnen3. Ein Tauschgeschäft hilft ebenfalls: Der Schnuller wird gegen ein Geschenk getauscht, kleine Rituale wie das gemeinsame Wegwerfen oder die Schnullerfee erleichtern die Akzeptanz3. Meist dauert es nicht länger als drei Tage, bis sich das Kind an das Leben ohne Schnuller gewöhnt hat3.
Fällt die Entwöhnung schwer, kann eine Mundvorhofplatte als Schnullerersatz infrage kommen; sie wird nach dem vierten Geburtstag als Tausch angeboten, um weitere Fehlstellungen zu stoppen und den Lippenschluss zu trainieren3. Wichtig ist, den Schnuller nicht aufzuzwingen und ihn nicht einzusetzen, wenn das Baby hungrig ist4.
Praxis-Tipps: Offener Biss und Schnuller
- Bedürfnisse zuerst prüfen: Bevor der Schnuller zum Einsatz kommt, schaut, ob euer Kind Hunger, Durst oder Nähe braucht. Nach Einschätzung der Kinder- und Jugendärzte ist der beruhigende Effekt der einzige Vorteil des Schnullers3.
- Form bewusst wählen: Kiefergerechte Schnuller sind hinter dem Schild dünner geformt, zur Zunge hin abgeflacht und zum Gaumen gerundet; runde Sauger geben der Zunge zu wenig Spielraum4.
- Auf Schild und Größe achten: Das Schild sollte größer als der Mund eures Kindes sein und mindestens 2,6 cm Durchmesser haben, mit zwei oder mehr Lüftungslöchern. Bei Unsicherheit passt die kleinere Saugergröße besser4.
- Hygiene einplanen: Reinigt den Schnuller durch Abkochen oder in der Spülmaschine. Etwa alle ein bis zwei Monate oder bei Verfärbung und Beschädigung gehört ein neuer Sauger her4.
- Nach dem Einschlafen entfernen: Legt euer Kind mit Schnuller hin; fällt er heraus, steckt ihn nicht wieder in den Mund4.
- Rechtzeitig abgewöhnen: Spätestens im dritten Lebensjahr, möglichst schon, wenn euer Kind zu sprechen anfängt, sollte Schluss sein5.
- Sanft begleiten: Einstechen und wöchentliches Kürzen, ein Tauschgeschenk und Rituale wie die Schnullerfee erleichtern den Abschied; meist ist die Umstellung nach drei Tagen geschafft3.
- Untersuchungen nutzen: Die zahnärztlichen Früherkennungstermine sind zwischen dem 6. und dem vollendeten 9., dem 10. und dem vollendeten 20. sowie dem 21. und dem vollendeten 33. Lebensmonat vorgesehen5.
Häufige Fragen
Was ist ein offener Biss?
Kann sich ein offener Biss zurückbilden?
Quellen
- Der „offene Biss“ kann vermieden werden · abgerufen am 10.10.2026
- Offener Biss: Ursachen und Symptome · Stand 14.08.2023
- Nuckeln macht Zähne und Kiefer krank: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
- Schnuller: Schild muss Verschlucken verhindern: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
- KZBV2021 ECC Praktischer Ratgeber 2 2021 07 · abgerufen am 11.10.2026
Alle Seiten zu diesem Thema findet ihr in der Übersicht Schnuller.
Begriffe aus dem Baby-Lexikon: Offener Biss (Lexikon)