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Geschichte über Freundschaft – zum Vorlesen und Anhören

Auf dieser Seite warten fünf eigene Geschichten über Freundschaft für Kinder von etwa drei bis sechs Jahren – jede zum Vorlesen und als Hörfassung. Eine Geschichte über Freundschaft eignet sich gut als Abendritual, weil alle Texte ruhig enden und ohne Angst auskommen. Dazu gibt es Vorlese-Tipps und Antworten auf häufige Fragen.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 18 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Illustration zur Geschichte über Freundschaft: kleine Schnecke und Regenwurm sitzen gemeinsam unter einem Blatt im warmen Abendlicht
Alter
3 bis 6 Jahre
Dauer
3 bis 6 Minuten je Geschichte

Eine Geschichte über Freundschaft passt gut zum Einschlafen: Sie zeigt, wie Nähe entsteht, wie ein Streit endet und wie zwei Wesen zueinanderfinden. Hier warten fünf eigene Geschichten für Kinder von etwa drei bis sechs Jahren, jede drei bis sechs Minuten lang. In diesem Alter werden Spielgefährten besonders wichtig2. Ihr könnt die Texte vorlesen oder die Hörfassung starten. Alle Geschichten enden ruhig, ohne Streit und ohne Angst am Schluss. Weitere Sammlungen findet ihr unter Gute-Nacht-Geschichten für Kinder von 2 bis 6 Jahren.

Alle Geschichten über Freundschaft im Überblick

Fünf eigene Geschichten über Freundschaft, jede mit Altersangabe, Lesezeit und eigener Hörfassung. Alle lassen sich am Bett vorlesen oder gemeinsam anhören.

Geschichte über Freundschaft zum Nachdenken

Manche Geschichten bleiben nach dem Vorlesen noch ein wenig im Kopf. In „Runa und der rote Ball“ streiten sich zwei Freunde um denselben Fund und suchen am Abend einen Weg zurück zueinander. Solche Szenen laden zum Nachdenken ein: Freundschaft heißt nicht, dass alles immer leicht ist.

Wenn Kinder zusammen spielen, kommt es auch zu Streit, und das ist normal2. Dabei lernen sie, einen Platz in der Gruppe zu finden, andere Meinungen auszuhalten und Kompromisse zu suchen2. Deshalb dürfen Kinder ihren Streit möglichst selbst austragen; eingreifen könnt ihr, wenn es nötig wird2.

„Runa und der rote Ball“ ist eine Geschichte über die Freundschaft, die nicht beim Streit endet. Fragt danach zum Beispiel: „Was hättet ihr gemacht?“ oder „Wie war das bei euch?“

Eine kurze Geschichte über Freundschaft

Nicht jeden Abend ist Zeit für eine lange Erzählung. Deshalb gibt es hier auch eine kurze Geschichte über Freundschaft: „Leni, die kleine Schnecke“ ist in gut drei Minuten vorgelesen und passt noch in einen müden Abend.

Die kürzeren Texte ab drei Jahren eignen sich gut als Geschichte über Freundschaft im Kindergarten, weil sie mit einfachen Sätzen und Wiederholungen arbeiten. Für ältere Kinder sind die längeren Erzählungen mit einem kleinen Spannungsbogen gedacht; sie lassen sich auch als Geschichte über Freundschaft in der Grundschule vorlesen.

Wenn ihr noch weniger Zeit habt, findet ihr unter Kurze Gute-Nacht-Geschichte weitere kurze Texte zum Vorlesen und Anhören.

Leni, die kleine Schnecke

Hörfassung · 4 Min.
Leni, die kleine Schnecke
0:003:49
MP3 herunterladen (2,2 MB)

Am Rand der Wiese, unter einem großen Blatt, wohnt eine kleine Schnecke. Ihr Name ist Leni. Jeden Morgen kriecht sie los: langsam, Schritt für Schritt, immer der Nase nach.

Auf der Wiese treffen sich die anderen Tiere. Fips, das Eichhörnchen, springt von Ast zu Ast. Hopp, hopp, hopp. Mia, die Maus, flitzt durch das Gras. Husch, husch, husch. Leni schaut zu und seufzt. „Ich bin zu langsam“, sagt sie. „Niemand wartet auf mich.“

Leni versucht mitzuspielen. Zuerst kriecht sie zum großen Baum. Als sie endlich da ist, sind Fips und Mia schon am Teich. Danach kriecht sie zum Teich. Als sie endlich ankommt, sitzen die beiden schon auf dem Hügel. Leni bleibt auf dem Weg sitzen. Ihre Fühler hängen nach unten.

„Warte!“, ruft sie. Doch Fips und Mia hören es nicht mehr. Die zwei sind schon viel weiter.

„Immer komme ich zu spät“, sagt Leni leise. Dann zieht sie sich in ihr Haus zurück und wird ganz still.

Da raschelt etwas neben ihr im Laub. Ein kleiner Regenwurm schiebt den Kopf heraus. „Hallo“, sagt er. „Ich bin Wilma. Ich bin auch gern langsam.“ Leni schaut ihn an. „Wirklich?“ – „Ja“, sagt Wilma. „Ich mag es, die Erde zu riechen. Ich mag es, mir jedes Blatt genau anzusehen. Alles ist schöner, wenn man langsam macht.“

Wilma kriecht ein Stück. Es dauert eine ganze Weile. Leni gefällt das sehr.

Leni streckt den Kopf wieder heraus. Zusammen kriechen die beiden weiter, Seite an Seite. Leni zeigt Wilma die runden Kieselsteine. Wilma zeigt Leni die weichen Stellen im Moos. Sie bleiben stehen und schauen zu, wie die Sonne durch die Blätter fällt. Über ihnen fliegt ein Schmetterling vorbei, ganz ohne Eile.

Am Abend sitzen die beiden unter dem Blatt. „Kriechen wir morgen wieder zusammen?“, fragt Wilma. Leni nickt. „Gern. Und übermorgen auch. Und dann noch einen Tag.“

Fips und Mia kommen vorbei. „Wo warst du denn?“, fragt Mia. Leni lacht. „Ich habe jemanden gefunden, der genauso langsam ist wie ich.“ Fips kratzt sich am Ohr. „Kommst du morgen mit zum Teich?“ – „Ja“, sagt Leni. „Aber wir gehen langsam. Wilma und ich.“

Und so ist es. Die beiden Freunde kriechen langsam über die Wiese. Die anderen warten auf halbem Weg. Zusammen sitzen alle im Gras, bis der Himmel dunkel wird. Leni schaut nach oben und ist zufrieden. Morgen wird wieder ein langsamer, schöner Tag.

  • Kleine Schnecke kriecht über eine Wiese mit Kleeblättern, Kinderbuchillustration für die Gute-Nacht-Geschichte

    Leni, die kleine Schnecke

    Alter: ab 3 Jahren

    Langsam sein ist kein Hindernis: Leni findet eine Freundin, die genauso gemächlich unterwegs ist.
Diese Geschichte mit dem Namen eures KindesDie Gute-Nacht-Geschichte, in der euer Kind selbst die Hauptrolle spielt – mit ruhigem Tempo und leiser Musik.Jetzt Geschichte erstellen

Runa und der rote Ball

Hörfassung · 4 Min.
Runa und der rote Ball
0:003:58
MP3 herunterladen (2,3 MB)

Auf der Wiese unter der alten Buche treffen sich jeden Nachmittag zwei Freunde: Runa und Juri. Runa ist ein Waschbär mit einer geringelten Schwanzspitze. Juri ist ein Dachs mit weicher Schnauze und kurzen Beinen.

An diesem Tag liegt etwas Rotes im Gras. Ein Ball! Er ist rot-weiß und noch ein bisschen nass vom Morgentau. „Oh“, sagt Runa. „So einen habe ich noch nie gesehen.“ – „Ich auch nicht“, sagt Juri und streckt die Pfote aus.

„Ich habe ihn zuerst gesehen!“, ruft Runa. „Ich habe ihn zuerst angefasst!“, ruft Juri. Beide ziehen an dem Ball. Runa zieht nach links. Juri zieht nach rechts. Der Ball rutscht zwischen den Dornen hindurch und bleibt tief im Busch stecken.

Runa schaut in den Busch. Juri schaut in den Busch. Keiner sagt etwas. Dann dreht Runa sich um und geht nach Hause. Juri setzt sich auf einen Stein und schaut in die andere Richtung.

Den ganzen Weg schaut Runa sich noch einmal um. Runa hofft, dass Juri ihr nachruft. Er ruft nicht.

Zu Hause ist es langweilig. Runa schiebt ihr Futter hin und her. Sie denkt an den roten Ball. Sie denkt an Juris Gesicht. Sie denkt daran, wie gerne sie mit ihm lacht.

Auch Juri geht es so. Er holt einen langen Stock und schiebt ihn in den Dornenbusch. Der Stock verhakt sich. Er versucht es noch einmal. Der Ball bewegt sich kein Stück.

Als die Sonne tiefer steht, geht Runa zurück zur Buche. Und da ist Juri. Er hält den Stock immer noch im Busch. „Er ist zu weit drin“, sagt Juri, ohne aufzuschauen. „Zusammen geht es besser“, sagt Runa.

Runa holt einen zweiten Stock. Jetzt schieben beide von zwei Seiten. Der Ball hüpft aus dem Busch und rollt über die Wiese. Runa jubelt, Juri lacht. Dann stehen sie da und wissen nicht recht, was sie mit dem Fund machen sollen.

„Wir rollen ihn hin und her“, sagt Juri. „Immer abwechselnd. Du zuerst.“ Runa rollt den Ball. Juri rollt ihn zurück. Mal rollt er gerade, mal über einen Stein, mal in einen Blätterhaufen. Sie lachen, bis der Ball im Gras liegen bleibt.

„Es tut mir leid, dass ich gezogen habe“, sagt Runa. „Mir auch“, sagt Juri. Beide setzen sich nebeneinander unter die Buche. Runa legt die Pfote auf Juris Pfote. Der Ball liegt zwischen ihnen, rot-weiß im Abendlicht.

„Morgen wieder?“, fragt Juri. „Morgen wieder“, sagt Runa. Sie hören, wie der Wind in der Buche raschelt. Dann wird es dunkel, und der Ball wartet im Gras auf den nächsten Nachmittag.

  • Waschbär und Dachs rollen einen roten Ball über eine Wiese unter einer alten Buche

    Runa und der rote Ball

    Alter: ab 4 Jahren

    Streit um einen Fund und ein gemeinsamer Weg zurück zueinander.

Nika, die neue Katze

Hörfassung · 4 Min.
Nika, die neue Katze
0:003:49
MP3 herunterladen (2,2 MB)

Der Hof hinter dem gelben Haus hat eine Mauer, drei Regentonnen und einen warmen Fleck auf dem Dachboden. Hier wohnen drei Katzen: Ole, Taps und die alte Milla. Alle drei kennen jeden Stein und jede Ritze.

Eines Morgens steht eine neue Katze im Hof. Nika ist klein und grau und hat eine weiße Pfote. „Ich heiße Nika“, sagt sie. „Wir wohnen jetzt hier.“ Ole schaut vom Mäuerchen herunter. Taps versteckt sich hinter der Regentonne. Milla sagt gar nichts und putzt sich die Schnurrhaare.

Nika setzt sich neben die Treppe und wartet. Keiner kommt. Ole und Taps tuscheln: „Die ist von woanders. Die kennt hier nichts.“ Nika hört es. Sie zieht die Pfote ein und sitzt ganz still.

Am Nachmittag rollt Nika einen Tannenzapfen über den Hof. Ole und Taps schauen zu. „Der Zapfen rollt gut“, sagt Taps leise. „Aber wir kennen sie nicht“, sagt Ole. Also schauen sie weiter nur zu.

Am nächsten Tag sitzt Nika wieder allein. Sie beobachtet, wie Ole und Taps Fangen spielen. Am liebsten würde sie mitlaufen. Aber sie bleibt sitzen und schaut zu.

Am Abend kommt Regen. Dicke Tropfen fallen auf die Mauer und auf das Blechdach. Ole, Taps und Milla sitzen unter dem Vordach. Der Wind schiebt den Regen seitlich herein. Alle drei werden nass und frieren.

Da kommt Nika um die Ecke. „Ich weiß ein trockenes Plätzchen“, sagt sie. „Auf dem Dachboden, hinter dem Balken. Da ist es warm.“ Milla steht langsam auf. „Zeig es uns“, sagt sie.

Nika läuft voran. Über die Regentonne, über den schmalen Balken, hinter das Holz. Dort ist ein Hohlraum, warm und trocken. Der Regen trommelt auf das Dach. Drinnen riechen alle nach Holz und Fell.

Milla legt sich zuerst hin. Ole rollt sich daneben. Taps drückt sich an Nikas Seite. „Du kennst hier ja doch etwas“, sagt Taps. Nika schnurrt. Es klingt wie ein kleiner Motor.

Die ganze Nacht bleibt der Regen. Drinnen ist es still und warm. Am Morgen scheint die Sonne durch eine Ritze und malt einen goldenen Streifen auf den Boden. Die vier Katzen liegen in einer Reihe und schlafen weiter.

Später zeigt Nika den anderen noch zwei Plätze: den warmen Stein hinter der Tonne und die Stelle an der Mauer, wo die Sonne am längsten bleibt. „Die Plätze sind jetzt unsere“, sagt Ole. „Unsere“, sagt Nika. Dann gehen sie zusammen zum Futternapf.

  • Vier Katzen liegen in einer Reihe auf einem warmen, trockenen Dachboden, während draußen der Regen fällt

    Nika, die neue Katze

    Alter: ab 4 Jahren

    Neu im Hof: Aus Fremden werden Nachbarn und Freunde.

Fenna Frosch und der heiße Tag

Hörfassung · 4 Min.
Fenna Frosch und der heiße Tag
0:004:04
MP3 herunterladen (2,3 MB)

Hinter dem Hügel liegt ein Teich. Dort wohnt Fenna Frosch. Morgens sitzt sie auf dem flachen Stein, mittags im Schatten der Weide, abends singt sie mit den anderen Fröschen. So war es jeden Tag.

An diesem Morgen ist alles anders. Die Sonne steht hoch und heiß. Der Teich ist klein geworden. Die Blumen am Ufer lassen die Köpfe hängen, und ihre Blätter sind weich wie Papier.

Fenna hüpft zu den Blumen. „Habt ihr Durst?“, fragt sie. Die Blumen antworten nicht, sie haben keine Stimme. Fenna überlegt lange. „Ich hole Wasser“, sagt sie. „In einem Blatt. Ganz vorsichtig.“ Sie pflückt ein Blatt, füllt es am Teich und hüpft los.

Das Blatt ist schwer. Das Wasser schwappt über den Rand. Als Fenna bei der ersten Blume ankommt, ist fast nichts mehr übrig. Dann versucht sie es noch einmal. Und noch einmal. Es klappt nicht.

„Allein schaffe ich das nicht“, sagt Fenna. Sie setzt sich auf den Stein und schaut über den Teich. Fenna schaut auf ihre kleinen Füße, dann zu den Blumen und wieder über das Wasser. Es ist viel zu viel für einen Frosch allein. Dann steht sie wieder auf. „Ich muss jemanden fragen.“

Zuerst fragt sie die Libelle Lilo. „Hilfst du mir?“ Lilo klappt ihre Flügel auf. „Ich bin schnell“, sagt sie. „Aber ich kann kein Wasser tragen.“ – „Dann suchst du Blätter“, sagt Fenna. „Große und feste.“

Dann fragt sie den Käfer Kim. „Hilfst du mir?“ Kim krabbelt aus dem Moos. „Ich kann nicht weit tragen“, sagt er. „Aber ich kann gut schieben.“ – „Dann schiebst du die Blätter“, sagt Fenna.

Und dann kommt noch die Maus Mia dazu. Mia hat kleine Pfoten und großen Durst. „Ich trage auch mit“, sagt sie. Nun sind sie zu viert. Lilo sucht drei große Blätter. Kim schiebt sie bis zum Wasser. Mia und Fenna füllen sie und tragen sie zu den Blumen.

Tropfen für Tropfen, Blatt für Blatt. Erst zu einer Blume, dann zu einer zweiten, dann zu allen. Es dauert lange. Keiner redet viel. Nur das Wasser plätschert, und die Blätter rascheln im trockenen Gras.

Als der Abend kommt, stehen die Blumen wieder gerade. Ihre Blüten sind offen. Fenna sitzt auf dem Stein und schaut über den Teich. Neben ihr sitzen Lilo, Kim und Mia. Keiner hüpft weg.

„Morgen gießen wir wieder“, sagt Mia. „Ja“, sagt Fenna. „Aber heute ruhen wir.“ Der Himmel wird rot. Ein leichter Wind kommt über den Hügel. Die vier Freunde bleiben sitzen und sehen zu, wie die ersten Sterne kommen.

  • Frosch trägt mit Freunden ein Blatt voll Wasser zu durstigen Blumen am Teich

    Fenna Frosch und der heiße Tag

    Alter: ab 5 Jahren

    Zusammen gießen: Freunde tragen Wasser zu den durstigen Blumen.

Nuri und das Nachtlicht

Hörfassung · 4 Min.
Nuri und das Nachtlicht
0:003:40
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Ein Nachtfalter fliegt jede Nacht am Teich entlang. Sein Name ist Nuri. Seine Flügel sind grau-braun und weich wie Staub. Jeden Abend, wenn in den Häusern die Lampen ausgehen, beginnt er seine Runde. Immer dieselbe. Immer allein.

Über dem Wasser tanzen die Glühwürmchen. Die kleinen Lichter leuchten grün und gelb, ziehen Kreise, finden sich und verlieren sich wieder. Nuri sitzt am Rand der Weide und schaut zu. Er traut sich nicht näher heran. „Ich leuchte nicht“, denkt er. „Ich bin wie ein trockenes Blatt.“

In dieser Nacht versucht er es trotzdem. Er fliegt mitten in den Tanz. Die Glühwürmchen kreisen so schnell, dass er den Weg verliert. Er stößt gegen ein Schilfblatt und landet weich im Gras. Keiner merkt es. Nuri bleibt liegen und schaut nach oben.

Da bleibt ein Glühwürmchen neben ihm in der Luft stehen. Es ist kleiner als die anderen. „Warum fliegst du immer allein?“, fragt es. Nuri rührt sich nicht. „Weil ich nichts zu zeigen habe“, sagt er. Das Glühwürmchen setzt sich neben ihn ins Gras. „Ich heiße Lumi“, sagt es. „Und ich glaube, du irrst dich.“

„Du fliegst so ruhig“, sagt Lumi. „Die anderen flitzen und kreisen. Du weißt, wohin du willst. Das ist auch etwas.“ Nuri schaut auf seine Flügel. Darüber hat er noch nie nachgedacht.

In dieser Nacht fliegen sie zusammen. Lumi leuchtet voraus. Nuri fliegt hinterher und kennt den Weg: an der Weide vorbei, über die Steine, am Schilf entlang bis zur alten Bank. „Woher weißt du das alles?“, fragt Lumi. „Ich bin hier schon oft geflogen“, sagt Nuri. „Nur immer allein.“

„Weißt du, was ein Freund ist?“, fragt Lumi später. Beide sitzen auf einem Blatt und schauen in den Himmel. Nuri denkt lange nach. Er denkt an die vielen Nächte allein. Er denkt an heute. Dann sagt er: „Jemand, der neben dir fliegt. Auch wenn du nicht leuchtest.“

Lumi nickt. „Und jemand, dem du den Weg zeigst, auch wenn du selbst nichts zu leuchten hast.“ Dann schweigen beide. Der Mond steht über dem Teich und macht das Wasser hell.

Als der Morgen kommt, verkriechen sie sich unter ein breites Blatt. „Kommst du heute Nacht wieder?“, fragt Nuri. „Jede Nacht“, sagt Lumi. „Ich leuchte den Anfang, du kennst den Weg.“

Nuri klappt die Flügel zu. Zum ersten Mal seit langer Zeit schläft er sofort ein. Er träumt von einem Weg über dem Wasser, auf dem ein kleines grünes Licht neben einem grauen Schatten fliegt. Immer zusammen. Runde für Runde.

  • Nachtfalter und Glühwürmchen fliegen gemeinsam über einen Teich im Mondlicht

    Nuri und das Nachtlicht

    Alter: ab 6 Jahren

    Ein ruhiger Nachtfalter und ein Glühwürmchen denken darüber nach, was Freundschaft ausmacht.

Vorlese-Tipps

Sechs kleine Hinweise für den Abend:

  • Tempo: Lest langsamer, als ihr im Alltag sprecht, und lasst nach jedem Satz eine kurze Pause. Gerade die kurzen Geschichten werden dadurch ruhig.
  • Stimme: Gebt jeder Figur eine eigene, leise Stimme. Lauter werdet ihr nur bei Freude, nicht beim Streit.
  • Ritual: Gleiche Zeit, gleicher Platz, gedimmtes Licht. Immer dieselbe Reihenfolge: Zähne putzen, Geschichte, Licht aus.
  • Fragen: Stellt nach dem Vorlesen eine offene Frage, etwa: „Was hat Leni geholfen?“ So erzählt euer Kind weiter, ohne dass ihr es ausfragen müsst.
  • Streit-Szenen: Haltet bei einem Streit in der Geschichte kurz inne und lasst euer Kind erzählen, wie sich das anfühlt.
  • Hörfassung: Startet die Tonfassung leise, bleibt die ersten Minuten im Zimmer und lasst das Ende allein laufen. So schläft euer Kind mit einer bekannten Stimme ein.
Diese Geschichte mit dem Namen eures KindesDie Gute-Nacht-Geschichte, in der euer Kind selbst die Hauptrolle spielt – mit ruhigem Tempo und leiser Musik.Jetzt Geschichte erstellen

Häufige Fragen

Wie sprechen wir mit Kindern über Freundschaft?
Am besten knüpft ihr an etwas an, das euer Kind gerade erlebt oder in einer Geschichte gehört hat. Ab etwa drei Jahren interessieren sich Kinder dafür, was andere zu einem Verhalten bewegt – sie fragen zum Beispiel: „Warum weint das Kind?“2. Nehmt so eine Frage auf und erzählt eine kurze eigene Erinnerung dazu. Auch beim Spielen entstehen solche Momente ganz nebenbei, denn Kinder beobachten sich gegenseitig und lernen voneinander2.
Was denkt ihr über Freundschaft?
Gebt die Frage gern an euer Kind weiter und hört zu, was es antwortet. Für Kinder zählen zuerst kleine Dinge: teilen, zusammen lachen, sich nach einem Streit wieder vertragen. Eine Untersuchung mit 171 Jugendlichen deutet darauf hin, dass die Qualität enger Freundschaften im Jugendalter die Gesundheit im Erwachsenenalter beeinflussen kann1. Erzählt ruhig von euren eigenen Freunden, dann wird die Frage greifbar und das Gespräch bleibt in Bewegung.
Welche Hörmedien passen?
Zum Einschlafen passen ruhige Hörgeschichten mit gleichmäßiger Stimme; viele Kinder nutzen Hörmedien genau dafür3. Wählt Angebote, die zu Alter und Entwicklung eures Kindes passen, denn nicht altersgemäße Hörspiele können erschrecken oder ängstigen3. Achtet darauf, dass Ton und Geschichte nicht zur dauerhaften Geräuschkulisse im Kinderzimmer werden3. Wenn euer Kind ein Hörspiel mehrfach anhört, kann das außerdem Sprache, Fantasie und konzentriertes Zuhören unterstützen3.

Quellen

  1. Enge Freundschaften im Jugendalter wirken sich positiv auf die Gesundheit aus: Kinderaerzte-im-Netz · Stand 11.10.2026
  2. Spielgefährten: wichtig wie nie zuvor · Stand 10.12.2025
  3. Die "Klassiker": Hörmedien für Kinder · Stand 26.04.2025
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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