Alice im Wunderland – kindgerecht nacherzählt

- Jahr
- 1865
- Alter ab
- 5
- Autor/Herkunft
- Lewis Carroll († 1898)
Neu erzählt nach Lewis Carroll (Englisch, 1865)
Ein Mädchen purzelt in einen Kaninchenbau und landet in einer Welt, in der Größen, Zeiten und Gespräche verrücktspielen: „Alice im Wunderland“ ist ein Kinderbuch von Lewis Carroll aus dem Jahr 18651.
Alice im Wunderland – die Geschichte zum Vorlesen
Am Anfang ist alles ganz gewöhnlich: ein heißer Sommertag, ein Flussufer, ein Buch ohne Bilder. Dann hoppelt ein weißes Kaninchen vorbei – und Alices Abenteuer beginnt.
1. Das weiße Kaninchen und der tiefe Fall
Alice sitzt neben ihrer Schwester am Flussufer und langweilt sich. Die Schwester liest in einem Buch, in dem keine Bilder und keine Gespräche stehen. „Wozu liest man ein Buch ohne Bilder?“, denkt Alice und überlegt, ob sie lieber Gänseblümchen pflücken soll.
Da huscht ein weißes Kaninchen mit rosa Augen vorbei und murmelt: „Oh weh, oh weh, ich komme zu spät!“ Alice wundert sich. Noch mehr wundert sie sich, als das Kaninchen eine Uhr aus seiner Westentasche zieht und daraufschaut. Ein Kaninchen mit Westentasche und Uhr – so etwas hat sie noch nie gesehen.
Vor Neugier rennt sie hinterher. Das Kaninchen springt in ein Loch unter der Hecke, und Alice springt ohne nachzudenken hinterher. Der Gang führt erst geradeaus, dann geht es steil abwärts – und Alice fällt, fällt, fällt.
Der Schacht ist so tief, dass sie unterwegs Zeit hat, sich umzuschauen. An den Wänden hängen Schränke und Regale voller Bücher, Landkarten und Bilder. Sie nimmt ein Glas mit der Aufschrift „Orangenmarmelade“ aus einem Regal, aber es ist leer. Weil sie niemanden treffen will, stellt sie es in einen Schrank zurück.
„Wenn ich das überstehe, fürchte ich mich nie wieder vor einer Treppe“, sagt sie zu sich. Sie erzählt sich etwas von ihrer Katze Dinah, wird ganz schläfrig – und plötzlich: bumms! Sie liegt auf einem Haufen trockener Blätter. Der Fall ist vorbei, und Alice ist kein bisschen verletzt.
2. In der Halle mit den vielen Türen
Alice steht auf. Über ihr ist es dunkel, vor ihr liegt ein langer Gang, und in der Ferne hört sie das weiße Kaninchen: „Oh weh, wie spät es schon ist!“ Sie läuft ihm nach, doch das Kaninchen ist verschwunden. Stattdessen steht sie in einer langen Halle, in der Lampen von der Decke leuchten.
Rundherum sind viele Türen, aber alle sind verschlossen. Mitten in der Halle steht ein kleiner Glastisch, und darauf liegt ein winziger goldener Schlüssel. Alice probiert ihn an jeder Tür aus – er ist zu klein, oder die Schlösser sind zu groß. Erst beim zweiten Rundgang entdeckt sie hinter einem Vorhang eine ganz kleine Tür. Da passt der Schlüssel!
Alice kniet sich hin und späht hindurch. Dahinter liegt der schönste Garten, den man sich vorstellen kann: Blumenbeete und kühle Springbrunnen. Aber die Tür ist so niedrig, dass sie nicht einmal ihren Kopf hindurchsteckt.
Da entdeckt sie auf dem Tisch ein Fläschchen mit einem Zettel: „Trink mich!“ Vorsichtig prüft Alice, ob „Gift“ daraufsteht – das steht nicht da – und nippt. Der Trank schmeckt nach Kirschtorte, Vanillepudding, Ananas, Braten, Karamell und warmem Toast. Und Alice schrumpft, bis sie ganz winzig ist.
„Jetzt passe ich durch die Tür“, freut sie sich. Doch die Tür ist wieder verschlossen, und den Schlüssel hat sie oben auf dem Glastisch liegen lassen. Sie klettert am Tischbein hoch, rutscht ab, und dann sitzt sie da und weint.
Kurz darauf findet sie unter dem Tisch eine kleine Schachtel mit einem Kuchen, auf dem „Iss mich!“ steht. Sie isst ein Stück – und wächst, und wächst, bis ihr Kopf an die Decke stößt. Nun kann sie den Schlüssel greifen, aber durch die kleine Tür passt sie erst recht nicht mehr. Also weint sie noch mehr, und ihre Tränen werden zu einem ganzen See.
3. Der See aus Tränen und der Wettlauf
Das weiße Kaninchen kommt zurück. Es trägt weiße Handschuhe und einen Fächer und murmelt etwas von der Herzogin, die bestimmt böse wird, wenn es zu spät kommt. Alice will es ansprechen, aber das Kaninchen erschrickt so sehr, dass es Handschuhe und Fächer fallen lässt und davonläuft.
Alice nimmt den Fächer und fächelt sich Luft zu. Da merkt sie, dass sie wieder kleiner wird – so lange, bis sie mit einem Mal bis zum Kinn im Wasser steht. Es ist der See aus ihren eigenen Tränen.
In dem See plantscht noch jemand: eine Maus. Alice versucht, höflich mit ihr zu reden, aber sie erzählt ausgerechnet von ihrer Katze Dinah und von einem Hund, der Mäuse jagt. Die Maus ist empört und schwimmt davon.
Inzwischen ist der See voller Tiere: eine Ente, ein Dodo, ein Papagei namens Lori, ein junges Adlerkind und viele mehr. Gemeinsam schwimmen sie ans Ufer. Dort ist allen kalt und nass. Der Dodo erklärt, das beste Mittel gegen Nässe sei ein „Caucus-Wettlauf“. Wie der aussieht? Alle laufen in einem Kreis, jeder wie er mag, und irgendwann ruft der Dodo: „Das Rennen ist vorbei – alle haben gewonnen!“
Zur Belohnung bekommt jeder ein Bonbon aus Alices Tasche. Alice selbst bekommt einen Fingerhut. Dann will die Maus ihre traurige Geschichte erzählen, aber Alice hört nicht richtig zu und redet schon wieder von Dinah. Da laufen die Maus und alle Vögel empört weg. Alice bleibt allein zurück – und hört plötzlich wieder Schritte.
4. Im Haus des weißen Kaninchens
Es ist das weiße Kaninchen, das aufgeregt nach seinen Handschuhen sucht. Als es Alice sieht, hält es sie für seine Haushälterin Mary Ann und schickt sie sofort nach Hause, um Fächer und Handschuhe zu holen. Alice läuft los, betritt ein kleines Haus und findet oben wirklich einen Fächer und ein paar Handschuhe.
Daneben steht eine Flasche. Alice probiert einen Schluck – und wächst so schnell, dass sie sich kaum noch rühren kann. Ein Arm ragt aus dem Fenster, ein Fuß steckt im Kamin.
Draußen versammeln sich das Kaninchen, ein Gärtner namens Pat und die Eidechse Bill. Sie beraten, was zu tun ist. Zuerst wirft Bill mit Kieselsteinen nach dem Fenster – doch die Steine verwandeln sich in kleine Küchlein. Alice isst eines davon und schrumpft sofort. Endlich kann sie aus dem Haus rennen und in den Wald flüchten.
Im Wald trifft sie einen großen, tollpatschigen Hundewelpen. Für sie ist er riesig wie ein Pferd. Er springt begeistert nach einem Stock und purzelt über seine eigenen Pfoten. Alice spielt ein bisschen mit ihm, bis sie außer Atem ist.
„Zuerst muss ich wieder meine richtige Größe haben“, sagt sie sich, „und dann will ich endlich in den schönen Garten.“
5. Die Raupe auf dem Pilz
Alice entdeckt einen großen Pilz, der genauso hoch ist wie sie. Als sie darüber hinwegschaut, sitzt dort eine große blaue Raupe und raucht aus einer langen Pfeife.
„Wer bist du?“, fragt die Raupe. Alice stutzt: Genau weiß sie das heute nicht mehr zu sagen. So oft ist sie an diesem Tag gewachsen und geschrumpft. Die Raupe widerspricht ihr in einem fort. „Ich finde das nicht verwirrend“, sagt sie. „Doch“, sagt Alice. „Nein“, sagt die Raupe. Und irgendwann sagt sie ganz ruhig: „Bleib nur gelassen.“
Die Raupe verlangt außerdem, dass Alice ein Gedicht aufsagt. Aber die Worte kommen ganz anders heraus als sonst, und die Raupe erklärt streng, es sei von vorne bis hinten falsch.
Am Ende kriecht die Raupe davon und verrät Alice noch ein Geheimnis: Die eine Seite des Pilzes lässt sie wachsen, die andere lässt sie schrumpfen. Alice probiert beide Seiten aus. Erst wird ihr Hals so lang, dass ihr Kopf weit über den Bäumen schwebt. Eine Taube fliegt ihr wütend ins Gesicht und schimpft, sie sei eine Schlange und wolle ihre Eier stehlen. Mit viel Geduld knabbert Alice an beiden Pilzseiten, bis sie wieder ihre normale Größe hat.
Dann sieht sie zwischen den Bäumen ein kleines Haus. Vorsichtshalber isst sie noch ein Stück Pilz und schrumpft kleiner, damit sie die Bewohner nicht erschreckt.
6. Pfeffer, Schweinchen und eine Grinsekatze
Vor dem Haus stehen zwei Diener: einer sieht aus wie ein Fisch, der andere wie ein Frosch. Der Fischdiener bringt eine große Einladung für die Herzogin: Sie soll mit der Königin Krocket spielen. Dann geht er, und der Froschdiener setzt sich vor die Tür und schaut in den Himmel.

Alice klopft an, aber der Froschdiener erklärt ihr, Klopfen sei völlig sinnlos: „Wir stehen ja auf derselben Seite, da öffnet die Tür niemand.“ Verdutzt öffnet Alice selbst und tritt ein.
In der Küche ist es voller Rauch, und alle niesen, denn die Köchin hat viel zu viel Pfeffer in die Suppe getan. Die Herzogin sitzt auf einem Hocker und wiegt ein Baby. Auf dem Herd hockt eine Katze, die bis über beide Ohren grinst.
Alice fragt höflich, warum die Katze so grinst. „Es ist eine Grinsekatze“, sagt die Herzogin, „darum.“ Dann wirft die Köchin plötzlich mit Töpfen und Tellern, die Herzogin drückt Alice das Baby in den Arm und geht Krocket spielen.
Draußen stellt Alice fest, dass sich das Baby verwandelt hat: Es ist ein kleines Schwein. Alice setzt es ab, und das Schwein trabt ruhig in den Wald.
Kurz darauf sitzt die Grinsekatze auf einem Ast. Alice fragt sie, welchen Weg sie gehen soll. „Das kommt darauf an, wohin du willst“, sagt die Katze. „Ich weiß es nicht“, gibt Alice zu. „Dann ist es egal, welchen Weg du nimmst.“ Sie verrät ihr auch, dass hier alle ein bisschen verrückt sind, und verschwindet – bis auf ihr Grinsen, das noch eine Weile in der Luft hängt.
7. Die verrückte Teegesellschaft
Vor dem Haus des Märzhasen steht ein langer Tisch unter einem Baum. Dort sitzen der Märzhase und der Hutmacher bei Tee, und zwischen ihnen schläft eine Haselmaus. Die drei sitzen dicht gedrängt an einer Ecke des Tisches. „Kein Platz! Kein Platz!“, rufen sie, als Alice kommt. „Es ist doch genug Platz da!“, sagt Alice und setzt sich ans andere Ende.
„Möchtest du Wein?“, fragt der Märzhase. „Ich sehe keinen Wein“, sagt Alice. „Es gibt auch keinen“, gibt der Märzhase zu. „Dann war es nicht sehr höflich, ihn anzubieten.“ „Es war auch nicht sehr höflich, sich ungefragt zu setzen“, sagt der Märzhase.
Der Hutmacher betrachtet Alice und sagt: „Deine Haare brauchen einen Schnitt.“ Alice findet das unhöflich. Dann stellt er ihr ein Rätsel: „Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“ Alice denkt lange nach. Die Antwort? Der Hutmacher kennt sie selbst nicht.
Er zeigt ihr seine Uhr. Sie zeigt nur den Tag, nicht die Stunde, und geht auch noch falsch. „Butter gehört nicht ins Uhrwerk“, schimpft der Hutmacher. Später erzählt er, dass er sich mit der Zeit zerstritten hat. Seitdem ist bei ihm immer sechs Uhr – also immer Teezeit, und niemand hat Zeit, das Geschirr zu spülen.
Die Haselmaus erzählt im Halbschlaf eine wirre Geschichte von drei Schwestern, die in einem Sirupbrunnen lebten. Als Alice genauer nachfragt, wird sie einfach angeschnauzt. Schließlich steht sie auf und geht. „Das war die dümmste Teegesellschaft, auf der ich je war“, sagt sie. Kaum ist sie im Wald, entdeckt sie einen Baum mit einer Tür – und plötzlich steht sie wieder in der Halle mit dem Glastisch. Diesmal macht sie alles richtig: Sie nimmt den Schlüssel, schrumpft ein Stück und geht endlich in den schönen Garten.
8. Im Garten der Herzkönigin
Im Garten malen drei Gärtner weiße Rosen rot an. „Warum das denn?“, fragt Alice. „Wir haben aus Versehen einen weißen Rosenstock gepflanzt“, flüstert einer. „Wenn die Königin das merkt, verlieren wir alle den Kopf.“
Da kommt ein großer Zug: Soldaten, Hofdamen, Kinder, Gäste – und zuletzt der König und die Königin der Herzen. Die Königin schaut streng. „Wer ist das?“, fragt sie. Alice antwortet höflich, aber die Königin ist schon wütend: „Kopf ab!“ Alice sagt ruhig: „Unsinn!“ Da ist die Königin still – denn so etwas hat ihr noch niemand gesagt.
Die Königin lädt sie zum Krocketspiel ein. Das ist ein sehr seltsames Spiel: Die Schläger sind Flamingos, die Bälle sind Igel, und die Tore sind gebückte Soldaten. Die Flamingos verbiegen die Hälse, die Igel rollen davon, und alle spielen gleichzeitig. Die Königin ruft dabei die ganze Zeit: „Kopf ab!“ Der Greif verrät Alice später, dass sie das nur sagt, um sich wichtig zu machen – passiert ist dabei noch nie etwas.
Mittendrin taucht die Grinsekatze auf, die Katze aus Alice im Wunderland. Ihr Kopf schwebt über Alice und sorgt für Streit: Der König, die Königin und der Henker wissen nicht, wie man einen Kopf abschlägt, der keinen Körper hat. Am Ende löst sich das Problem von selbst – die Katze ist einfach weg.
9. Die Falsche Suppenschildkröte
Der Greif bringt Alice zu einer Klippe am Meer. Dort sitzt die Falsche Suppenschildkröte und seufzt tief. Eigentlich hat sie gar keinen Kummer – aber sie seufzt trotzdem, und der Greif muss sie erst ein bisschen schütteln, bevor sie anfängt zu erzählen. Ihren Namen hat sie, weil man angeblich aus ihr eine Suppe kocht.
„Als ich klein war, ging ich zur Schule – im Meer“, erzählt sie. Der Lehrer war eine alte Schildkröte, und im Stundenplan standen Fächer wie Lesen und Schreiben, Rechnen und Malen. „Zehn Stunden Unterricht am ersten Tag, neun am zweiten, acht am dritten“, sagt sie. „Und am elften Tag war frei.“ Alice findet das merkwürdig, der Greif aber meint: „Darum heißen sie ja Lektionen – sie werden von Tag zu Tag weniger.“
Dann zeigt die Suppenschildkröte die Hummerquadrille: eine Tanzfigur, bei der man sich im Kreis dreht, die Hummer ins Meer wirft und hinterherschwimmt. Sie summt dazu, und der Greif wirbelt mit. Alice darf ihre Abenteuer erzählen, und die beiden hören so aufmerksam zu, dass Alice ganz mutig wird.
Plötzlich ruft jemand: „Der Prozess beginnt!“ Der Greif packt Alice an der Hand, und die beiden laufen zurück zum Schloss.
10. Der Prozess um die Torten
Im Schloss ist ein großer Saal voller Tiere und Spielkarten. In der Mitte steht der Herzbube in Ketten. Man sagt ihm, er habe die Torten der Königin gestohlen. Der König führt den Vorsitz und trägt seine Krone über einer großen Perücke. Zwölf Geschworene schreiben eifrig auf ihre Tafeln – sogar dann, wenn noch gar nichts passiert ist.
Der erste Zeuge ist der Hutmacher. Er hat seine Teetasse mitgebracht und ist so nervös, dass er statt des Butterbrots in die Tasse beißt. Weil er den König damit verärgert, darf er bald nach Hause gehen. Danach ist die Köchin dran, die vor allem nach Pfeffer riecht, aber gar nichts sagen will. Und dann liest das weiße Kaninchen einen Namen vor, mit dem niemand gerechnet hat: „Alice!“
Alice steht auf – und wächst dabei so schnell, dass sie die Geschworenenbank umwirft. Der König verliest eine Regel: „Alle Personen, die größer als eine Meile sind, müssen den Saal verlassen.“ „So eine Regel gibt es nicht“, sagt Alice. „Die habt ihr euch gerade ausgedacht.“
Dann wird ein Gedicht vorgelesen, das ein Beweis sein soll. Niemand versteht es, nicht einmal der König. Die Königin will die Strafe verkünden, bevor das Urteil gesprochen ist. Da reicht es Alice. „Unsinn!“, ruft sie. „Ihr seid doch nichts als ein Kartenspiel!“
Da fliegen alle Karten in die Luft und wirbeln auf Alice herab. Alice schreit, wehrt sich – und liegt plötzlich im Gras. Ihr Kopf ruht im Schoß ihrer Schwester, die ihr gerade welke Blätter aus dem Gesicht streicht. „Wach auf, Alice“, sagt sie. „Du hast aber lange geschlafen.“ Und Alice erzählt ihr von ihrem wunderlichen Traum, während die beiden hineingehen.
Alice im Wunderland in Kürze
An einem heißen Sommertag sitzt Alice am Flussufer, als ein weißes Kaninchen mit Westentasche und Taschenuhr vorbeihuscht. Sie folgt ihm in seinen Bau, fällt tief hinunter und landet in einer Welt, in der sie plötzlich winzig klein oder riesengroß ist. Sie schwimmt in einem See aus ihren eigenen Tränen, begegnet einer Raupe, einer Grinsekatze, einem verrückten Hutmacher und einer Königin, die ständig „Kopf ab!“ ruft. Am Ende steht sie als Zeugin in einem Prozess um gestohlene Torten, nennt den ganzen Hof ein Kartenspiel – und wacht im Gras neben ihrer Schwester auf.
Die Figuren
- Alice – ein neugieriges Mädchen, das dem weißen Kaninchen folgt und im Wunderland eine Größe nach der anderen erlebt.
- Alices Schwester – sie liest am Flussufer in einem Buch und hält am Ende den schlafenden Kopf ihrer Schwester im Schoß.
- Das weiße Kaninchen – es trägt Weste und Taschenuhr, ist immer in Eile und hält Alice für seine Haushälterin Mary Ann.
- Dina – Alices Katze zu Hause; ihr Name erschreckt im Wunderland jedes Tier.
- Die Maus – sie schwimmt im Tränensee, mag Katzen und Hunde nicht und erzählt ihre lange Geschichte nicht zu Ende.
- Der Dodo – er erfindet den Caucus-Wettlauf, bei dem am Ende alle gewinnen und Bonbons bekommen.
- Die Ente, der Lori und das Adlerjunge – drei Vögel aus dem Tränensee, die mit dem Dodo um die Wette laufen.
- Bill, die Eidechse – der unglückliche Helfer des weißen Kaninchens, der durch den Kamin steigen soll und von Alice weggekickt wird.
- Pat – der Gärtner des weißen Kaninchens, der bei der Rettungsaktion mithilft.
- Der Hundewelpe – ein riesiger, tollpatschiger junger Hund, mit dem Alice im Wald spielt.
- Die Raupe – sie sitzt rauchend auf einem Pilz und verrät Alice, dass die eine Pilzseite wachsen und die andere schrumpfen lässt.
- Die Taube – sie hält Alice für eine Schlange und beschuldigt sie, ihre Eier stehlen zu wollen.
- Der Fischdiener und der Froschdiener – die beiden Bediensteten, die sich die Einladung der Königin für die Herzogin weiterreichen.
- Die Herzogin – sie sitzt in einer Küche voller Pfeffer, wiegt ein Baby und drückt es Alice kurzerhand in den Arm.
- Die Köchin – sie wirft mit Pfannen, Tellern und Töpfen, sobald ihr etwas nicht passt.
- Das Baby – es verwandelt sich in Alices Armen in ein kleines Schwein und trabt in den Wald.
- Die Grinsekatze – sie erscheint und verschwindet, wie sie will, und lässt manchmal nur ihr Grinsen zurück.
- Der Märzhase – er feiert mit dem Hutmacher und der Haselmaus eine Teegesellschaft, die nie endet.
- Der Hutmacher – der verrückte Hutmacher stellt Rätsel ohne Antwort und schimpft über Butter im Uhrwerk.
- Die Haselmaus – sie verschläft fast die ganze Teegesellschaft und erzählt im Halbschlaf von drei Schwestern im Sirupbrunnen.
- Die Herzkönigin – sie herrscht im Garten und ruft bei jeder Gelegenheit „Kopf ab!“, ohne dass jemand es ernst nimmt.
- Der Herzkönig – er führt den Vorsitz im Prozess, trägt die Krone über der Perücke und spricht am Ende alle frei.
- Der Herzbube – er steht angeklagt vor Gericht, weil er die Torten der Königin gestohlen haben soll.
- Die drei Gärtner Zwei, Fünf und Sieben – sie malen weiße Rosen rot an, damit die Königin ihren Fehler nicht bemerkt.
- Der Greif – er bringt Alice zur Falschen Suppenschildkröte und tanzt mit ihr die Hummerquadrille.
- Die Falsche Suppenschildkröte – sie seufzt tief und erzählt von ihrer Schulzeit im Meer.
- Die zwölf Geschworenen – Tiere und Vögel, die eifrig auf ihre Tafeln schreiben, auch wenn es nichts zu schreiben gibt.
Was lernen Kinder daraus?
Alice erlebt einen Tag, an dem nichts mehr stimmt: Sie ist mal winzig, mal riesengroß, und alle reden in Rätseln. Trotzdem macht sie weiter, fragt nach und lässt sich nicht einschüchtern.
Ihr Mut steckt an: Als die Herzkönigin „Kopf ab!“ ruft, sagt Alice ruhig „Unsinn!“. Am Ende traut sie sich sogar, den ganzen Hof ein Kartenspiel zu nennen. Kinder sehen daran, dass man auch Großen widersprechen darf, wenn etwas ungerecht ist.
Die Geschichte fragt außerdem nach der eigenen Identität. In den Alice-Büchern geht es immer wieder darum, wer man eigentlich ist und wie die Welt aus der Perspektive eines Kindes aussieht2.
Und sie macht Lust auf Sprache: Die Figuren verdrehen Wörter, erfinden Regeln und stellen Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Genau dieser Nonsens hat den Geschichten ihren unverändert großen kulturellen Einfluss gesichert1.
Herkunft und Entstehung
Hinter dem Namen Lewis Carroll steckt Charles Lutwidge Dodgson, geboren 1832 in der nordenglischen Grafschaft Cheshire2. Er studierte Mathematik und Theologie und arbeitete danach als Mathematikdozent am Christ Church College in Oxford2. Er starb 18982.
Die Geschichte entstand bei einer Bootsfahrt: Am 4. Juli 1862 erzählte Dodgson den Töchtern seines Dekans von den Abenteuern eines Mädchens3. Die zehnjährige Alice Liddell bat ihn, die Erzählung aufzuschreiben – daraus wurde ein Manuskript mit 37 eigenen Zeichnungen2. 1865 erschien das Buch unter dem Titel „Alice’s Adventures in Wonderland“ und dem Pseudonym Lewis Carroll1, 3.
Von der ersten Auflage haben sich nur 22 Exemplare erhalten; eine Erstausgabe wurde 1998 für 1.500.000 US-Dollar versteigert und gilt damit als teuerstes Kinderbuch1. Die Illustrationen der ersten Ausgaben stammen von John Tenniel1. 1890 erschien „The Nursery Alice“, eine vom Autor selbst verkürzte Fassung für Kinder bis zu fünf Jahren1.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war es etwas Neues, dass ein Kinderbuch vor allem unterhaltsam war: Carroll parodiert die braven Lehrgedichte seiner Zeit und macht sich über sie lustig2. Heute gilt Alice im Wunderland als eines der hervorragenden Werke des literarischen Nonsens und als Klassiker der Weltliteratur1.
Der Hutmacher in Alice im Wunderland
Kaum eine Figur im Wunderland ist so schrullig wie er: der verrückte Hutmacher1. Er sitzt mit dem Märzhasen und der schlafenden Haselmaus an einem Tisch, an dem die Teezeit nie endet.

Sein großer Auftritt ist die Teegesellschaft. Dort mustert er Alice und sagt ihr ungefragt, ihre Haare brauchten einen Schnitt. Dann fragt er: „Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“ – ein Rätsel, dessen Antwort er selbst nicht kennt.
Seine Uhr geht falsch. Schuld daran ist seiner Meinung nach die Butter, mit der der Märzhase das Uhrwerk geschmiert hat. Weil er sich außerdem mit der Zeit zerstritten hat, zeigt seine Uhr nur den Tag, nie die Stunde – bei ihm ist es immer sechs Uhr, also immer Teezeit.
Im Prozess um die gestohlenen Torten ist er der erste Zeuge. Er kommt mit Teetasse und Butterbrot, wird vor Aufregung immer wirrer und beißt am Ende aus Versehen in seine Tasse statt ins Brot. Den Hut, nach dem der König fragt, hat er nicht gestohlen: „Ich verkaufe Hüte“, sagt er, „ich habe selbst keinen.“
Der Hase in Alice im Wunderland
Am Anfang der Geschichte steht ein Tier, das es immer eilig hat: das weiße Kaninchen mit den rosa Augen3. Es läuft an Alice vorbei und murmelt vor sich hin, dass es zu spät komme.
Besonders wird es dadurch, dass es eine Uhr aus der Westentasche zieht und daraufschaut – erst da springt Alice auf und folgt ihm3. Ohne dieses Kaninchen gäbe es die ganze Geschichte nicht.
Später begegnet Alice ihm noch mehrfach: Es sucht panisch nach Fächer und Handschuhen und schickt Alice in sein Haus, weil es sie für seine Haushälterin Mary Ann hält. Im Prozess ist es der Herold, der mit einer Trompete bläst, die Anklage verliest und am Ende Alice als Zeugin aufruft.
Wer vom Hasen in Alice im Wunderland spricht, meint meistens dieses weiße Kaninchen. Daneben gibt es noch den Märzhasen, ein eigenes Tier, das an der Teegesellschaft teilnimmt1.
Hinter den Spiegeln mit Alice im Wunderland
Wenige Jahre später erschien die Fortsetzung: „Through the Looking-Glass, and What Alice Found There“ (deutscher Titel: „Alice hinter den Spiegeln“)1. Statt mit Spielkarten wird die Handlung dort mit Schachpartien ausgeschmückt1.
Die beiden Bücher werden meist als Einheit gesehen und gemeinsam zu den Klassikern der Weltliteratur gezählt1.
Der zweite Band ist noch stärker philosophisch: Er fragt, wie wir die Welt wahrnehmen und was passiert, wenn plötzlich alles verdreht ist2. Naturwissenschaftler zitieren ihn bis heute, um paradoxe Ideen zur Relativitätstheorie oder zur Quantenphysik verständlich zu machen2.
Wer nach der Geschichte von Alice im Wunderland weiterlesen oder vorlesen möchte, findet in der Fortsetzung also noch mehr Rätsel, Spiegelbilder und Sprachspiele.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Fünf Fragen, die ihr beim Vorlesen oder danach in Ruhe besprechen könnt:
- Wie würde es dir gehen, wenn du plötzlich ganz klein oder riesengroß wärst wie Alice?
- Welche Figur aus dem Wunderland würdest du am liebsten treffen – und was würdest du sie fragen?
- Die Herzkönigin ruft immer „Kopf ab!“. Warum haben ihre Untertanen trotzdem keine Angst?
- Alice widerspricht der Königin. Wann fällt es dir leicht, „Nein“ zu sagen?
- Wenn du Alice einen Brief ins Wunderland schreiben könntest – was würde darin stehen?
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Häufige Fragen
Wie heißt der Hase bei Alice im Wunderland?
Wie heißt die Katze von Alice im Wunderland?
Wer hat Alice im Wunderland geschrieben?
Wie ist der Hutmacher aus Alice im Wunderland?
Quellen
- Alice im Wunderland · abgerufen am 11.10.2026
- "Alice"-Schöpfer Lewis Carroll · abgerufen am 10.10.2026
- Lewis Carroll : Alice im Wunderland · abgerufen am 11.10.2026
- Alice im Wunderland · abgerufen am 11.10.2026
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