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Das Dschungelbuch – kindgerecht nacherzählt

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling erzählt in sieben Geschichten von Tieren und Menschen in Indien – vor allem von Mogli, dem Menschenjungen, das bei den Wölfen aufwächst. Wir haben die Erzählungen für euch kindgerecht nacherzählt: zum Vorlesen, als Hörfassung und mit Fragen zum Gespräch. Unsere Fassung folgt Kiplings Original von 1894 und kommt ganz ohne Disney-Bezüge aus.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 27 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Mogli sitzt als kleines Kind zwischen den Wolfswelpen vor der Höhle – Titelbild zu Das Dschungelbuch
Jahr
1894
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Rudyard Kipling († 1936), The Jungle Book – Gutenberg #236

Neu erzählt nach Rudyard Kipling (Englisch, 1894)

Sieben Erzählungen aus dem indischen Dschungel, dazu Lieder und Verse – am bekanntesten ist die Geschichte von Mogli, der als kleines Kind zu einem Wolfsrudel kommt.

Mogli aus dem Dschungelbuch – die Geschichten zum Vorlesen

Hörfassung · 21 Min.
Das Dschungelbuch – Hörfassung der Nacherzählung
0:0020:53
MP3 herunterladen (12,0 MB)

Moglis Brüder

Es war sieben Uhr an einem warmen Abend in den Hügeln von Seonee, als Vater Wolf von seinem Tagesschlaf aufwachte. Er gähnte, streckte eine Pfote nach der anderen und schüttelte die Müdigkeit ab. Neben ihm lag Mutter Wolf mit ihren vier tollenden Jungen, und der Mond schien in den Eingang der Höhle. „Es ist Zeit zu jagen“, sagte Vater Wolf.

Da schlüpfte ein kleiner Schatten mit buschigem Schwanz über die Schwelle: Tabaqui, der Schakal. Tabaqui stiftet gern Unruhe, trägt Geschichten weiter und frisst, was andere wegwerfen. Die Wölfe verachten ihn, aber sie fürchten ihn auch, denn er kann tollwütig werden. „Schir Khan, der Große, hat sein Jagdgebiet gewechselt“, sagte Tabaqui. „Einen ganzen Monat will er hier in den Hügeln jagen.“

Vater Wolf wurde zornig. Kein Tier darf sein Gebiet ohne Warnung wechseln, sonst erschrickt alles Wild meilenweit. Mutter Wolf aber blieb ruhig: „Sein Fuß war von Geburt an lahm, darum jagt er am liebsten Rinder. Jetzt sind die Dörfler am Wainganga böse auf ihn, und nun soll unser Dorf böse werden.“

Bald hörten die Wölfe unten im Tal das Knurren des Tigers. In dieser Nacht wollte Schir Khan keine Rinder holen, sondern einen Menschen. Er sprang auf ein Lagerfeuer der Holzfäller zu und verbrannte sich die Pfoten. Heulend humpelte er davon, und Tabaqui lief hinter ihm her.

Kurz darauf raschelte es im Gebüsch. Vater Wolf machte sich zum Sprung bereit und hielt mitten in der Luft inne. Vor ihm, an einem niedrigen Ast festgehalten, stand ein nacktes braunes Baby und lachte ihm ins Gesicht. Behutsam trug Vater Wolf das Kind in die Höhle und legte es neben die Jungen. „So klein, so nackt und so mutig“, flüsterte Mutter Wolf, als das Baby sich zwischen die warmen Fellkinder schob.

In diesem Augenblick schob Schir Khan seinen Kopf in den Eingang. „Gib mir das Menschenkind“, verlangte er. Mutter Wolf stellte sich vor ihre Jungen: „Der Junge ist mein! Er soll mit dem Rudel laufen und jagen, und am Ende wirst du vor ihm fliehen.“ Sie kämpfte so wild, dass der Tiger zurückwich, und Vater Wolf staunte, wie stark sie war.

Entschieden war damit nichts. Jedes Wolfskind muss dem Rudel gezeigt werden, oben auf dem Rattenfelsen, wo hundert Wölfe Platz finden. Dort saß Akela, der alte Leitwolf, und rief: „Seht gut hin, ihr Wölfe!“ Aus dem Hintergrund brüllte Schir Khan: „Der Menschenjunge gehört mir!“ Da stand der Bär Balu auf, der Lehrer des Gesetzes, und sprach für das Kind. Und der schwarze Panther Baghira kaufte es mit einem frisch erlegten Bullen frei. So durfte der Junge bleiben, und Mutter Wolf nannte ihn Mogli, den Frosch.

Jahre vergingen. Mogli lernte schwimmen, klettern und jedem Laut des Dschungels lauschen. Wenn er schmutzig war, badete er in den Waldteichen; wenn er Honig wollte, kletterte er hinauf, und Baghira zeigte ihm, wie man sich dabei bewegt. Nur eines sagte ihm der Panther immer wieder: „Jage alles, was du besiegen kannst, aber keine Rinder. Ein Bulle hat dich ins Rudel gekauft.“ Daran hielt sich Mogli.

Als Akela alt und schwach wurde, redeten junge Wölfe mit Schir Khan und wollten Mogli nicht mehr dulden. Baghira schickte den Jungen ins Dorf, um die Rote Blume zu holen – das Feuer, das alle Tiere fürchten. Auf dem Rattenfelsen verfehlte Akela seine Beute, und das Rudel verlangte, dass Mogli sterben sollte. Da stand Mogli auf, hielt den Feuertopf in den Händen und verteidigte den alten Leitwolf. Mit einem brennenden Zweig schlug er Schir Khan über den Kopf, dass die Funken flogen, und trieb die Wölfe auseinander. Danach liefen ihm Tränen über das Gesicht. „Das sind Tränen, wie Menschen sie weinen“, sagte Baghira leise. „Nun bist du ein Mensch.“ Mogli nahm Abschied von Mutter Wolf und den vier Brüdern und ging hinunter zu den Menschen.

Kaas Jagd

Zwischen diesen Ereignissen liegt Kaas Jagd. In jenen Tagen war Balu Moglis Lehrer. Der alte Bär brachte ihm das Gesetz des Dschungels bei: wie man die wilden Bienen grüßt, die hoch in den Bäumen wohnen, wie man die Wasserschlangen warnt, bevor man ins Wasser springt, und wie man um Erlaubnis bittet, wenn man in einem fremden Gebiet jagen möchte. Mogli musste dieselben Sätze hundertmal wiederholen, und manchmal wurde er dabei sehr ungeduldig.

Einmal lief er beleidigt davon, weil Balu ihn zurechtgewiesen hatte. Da kamen die Affen aus den Bäumen herab und waren plötzlich sehr freundlich. Die Bandar-Log, so heißen sie, haben kein Gesetz und keine eigenen Wörter; sie sammeln auf, was sie oben in den Wipfeln hören, und vergessen es gleich wieder. Balu warnte: „Die Affen lügen. Wir trinken nicht, wo sie trinken, und wir jagen nicht, wo sie jagen.“

Die Affen aber fanden Mogli herrlich. Weil er Zweige zu kleinen Hütten flechten konnte, beschlossen sie, ihn zu stehlen und sich damit im ganzen Dschungel berühmt zu machen. Als Mogli eines Mittags zwischen Balu und Baghira schlief, packten ihn starke kleine Hände, und ehe er sich wehren konnte, trugen sie ihn durch die Baumkronen davon. Mogli blieb klug: Er rief dem Weihen Rann zu, er solle seinen Freunden sagen, wohin sie ihn brachten.

Die Affen brachten ihn zu den Kalten Lagern, einer verlassenen Stadt mitten im Dschungel. Dort standen zerfallene Paläste, in den Höfen wuchsen Gras und junge Bäume, und über allem lag eine tiefe Stille. Die Affen tanzten und schrien, kletterten über die Mauern und erzählten einander, wie wunderbar sie seien. Mogli war hungrig und müde und wusste: Alles, was Balu über die Affen gesagt hatte, stimmte.

Balu und Baghira liefen unterdessen durch den Dschungel und suchten Hilfe. Sie gingen zu Kaa, dem Felsenpython, der gerade seine Haut gewechselt hatte und hungrig war. Kaa bewegt sich lautlos durch die Bäume und ist der Einzige, vor dem die Affen wirklich Angst haben. Die drei zogen zu den Kalten Lagern.

Bei Einbruch der Dunkelheit fing Baghira an zu kämpfen. Er sprang mitten unter die Affen, und Balu keuchte hinter ihm her, doch es waren viel zu viele. Sie hätten verloren, wenn Kaa nicht gekommen wäre. Wie eine Ramme fuhr sein Kopf in die Menge, und die Affen flohen schreiend auf die Mauern. In der Aufregung hatten sie Mogli in ein halb verfallenes Sommerhaus geworfen. Dort lebten Kobras; Mogli sprach den Schlangenruf, und die Schlangen ließen ihn in Ruhe. Kaa schlug mit voller Wucht eine Mauer ein und befreite ihn.

Dann tanzte Kaa seinen Hungertanz, und alle Affen auf den Mauern konnten sich nicht mehr rühren. Baloo, Baghira und Mogli schlichen davon. Zuhause bekam Mogli eine kleine Strafe, und weil das Gesetz des Dschungels sagt, dass mit der Strafe alles abgetan ist, wurde nicht mehr darüber geredet. Auf Baghiras Rücken schlief Mogli auf dem Heimweg ein.

Tiger! Tiger!

Nach dem Rat auf dem Rattenfelsen wanderte Mogli zu den Menschen. Er lief viele Meilen durch das Tal, bis er zu einem Dorf kam. Weil er aussah, als könnte er der verlorene Sohn einer Frau namens Messua sein, nahm sie ihn bei sich auf. Sie gab ihm Milch und Brot, und Mogli lernte, Kleidung zu tragen, Wasser zu holen und die Sprache der Menschen. Über das Geld und das Pflügen dachte er lange nach; beides erschien ihm seltsam.

Am Abend saßen die Männer unter dem Feigenbaum und erzählten Geschichten. Der Jäger Buldeo brüstete sich mit Abenteuern, die er nie erlebt hatte. Mogli hörte zu und musste lachen, denn er kannte den Dschungel besser als der Jäger. Das gefiel den Männern nicht, und so wurde Mogli zum Hirten gemacht. Von da an zog er jeden Morgen mit den Büffeln auf die Weide. Grauer Bruder, der älteste seiner Wolfsbrüder, kam zu ihm und brachte Nachrichten, und eines Tages war auch Akela wieder da.

Balu, der braune Bär, und Baghira, der schwarze Panther, gehen neben Mogli durch den Dschungel

Schir Khan war zurückgekehrt und wartete am Dorf auf Mogli. Der Tiger hatte gefressen und getrunken und lag nun träge in einer Schlucht. Mogli aber war nicht allein: Mit Akela und Grauem Bruder teilte er die Herde. Die Kühe und Kälber trieben sie zum unteren Ende der Schlucht, die Bullen zum oberen. Dann ließ Mogli die Büffel den Hang hinabstürmen. Wie Felsbrocken rollten die Tiere in die Schlucht, und Schir Khan, schwer von der Mahlzeit, konnte nicht mehr entkommen.

So endete der alte Streit. Mogli zog dem Tiger das Fell ab und behielt es. Als er mit der Herde ins Dorf zurückkam, empfingen ihn die Leute mit Steinen. „Zauberer!“, schrien sie, „er kann sich in ein Tier verwandeln!“ Buldeo schoss mit seiner alten Flinte, und Messua rief: „Geh fort, mein Sohn, sonst töten sie dich.“ Da drehte Mogli sich um und ging. Mit dem Fell auf dem Kopf kehrte er zum Rattenfelsen zurück und legte es auf den Stein, auf dem Akela immer gesessen hatte. Die Wölfe kamen, sahen es und heulten. Von da an jagte Mogli mit seinen vier Wolfsbrüdern durch den Dschungel. Später, heißt es, wurde er ein Mann und heiratete – aber das ist eine Geschichte für Erwachsene.

Die weiße Robbe

Weit im Norden, in der Beringsee, liegt eine Insel namens St. Paul. Dort kommen jeden Sommer Hunderttausende von Robben zusammen, um zu kämpfen und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Auch Sea Catch und seine Frau Matkah sind dort. Sea Catch ist ein riesiger alter Robbenbulle, der sein Revier in vielen Kämpfen verteidigt, und Matkah ist schlank und ruhig.

In all dem Lärm wird ihr Baby geboren, und es hat ein weißes Fell – so etwas hat es auf dieser Insel noch nie gegeben. Sie nennen es Kotick. Die kleine Robbe lernt schwimmen, tauchen und Fische fangen, und weil sie so schnell ist, darf sie bald mit den jungen Robben ins Landesinnere laufen.

Dort sieht Kotick etwas Schreckliches. Männer treiben die jungen Robben zusammen und machen sie nieder. Kotick flieht ins Meer und erzählt alles dem alten Seelöwen. „Wenn ihr Robben immer wiederkommt, geht es immer weiter“, sagt der Seelöwe. „Such eine Insel, an die kein Mensch kommt.“ Kotick fragt auch das große Walross Sea Vitch, und der brummt: „Frag die Seekuh – wenn es sie noch gibt.“

Fünf Sommer lang durchschwimmt Kotick den Ozean und sucht ein sicheres Land. Er kommt an heiße Inseln und an kalte, an Klippen und an flache Strände. Überall entdeckt er Spuren von Menschen, und überall erzählen ihm die Meerestiere, dass dort früher Robben lebten. Fast gibt er auf.

Da trifft er eine alte Robbe, die sagt: „In alten Tagen hieß es, ein weißer Robbe würde die Robben einmal an einen sicheren Ort führen. Ich werde das nicht mehr erleben. Versuch es noch einmal.“ Also sucht Kotick weiter, bis er die Seekühe findet – die einzigen Meerestiere, die noch schwerer und ruhiger sind als das Walross. Er folgt ihnen durch einen langen dunklen Tunnel tief unter dem Meer, und als er wieder auftaucht, liegt vor ihm eine stille Lagune mit weichen Stränden. Vor der Küste liegen Untiefen, an denen kein Schiff vorbeikommt, und die Klippen sind zu steil für Menschen.

Kotick schwimmt zurück und erzählt es allen. Die Robben lachen ihn aus, also kämpft er mit den stärksten Bullen, bis sie ihm folgen. Fast zehntausend Robben zogen mit ihm in die neue Lagune, und dort leben sie bis heute in Ruhe.

Rikki-Tikki-Tavi

In einem Garten in Segowlee spielt eine ganz andere Geschichte. Ein Hochwasser spülte einen kleinen Mungo aus seiner Höhle und schwemmte ihn bis vor ein Haus, in dem ein Junge namens Teddy mit seinen Eltern wohnt. Die Familie wärmt das durchnässte Tier, und der Mungo bleibt. Sein Name: Rikki-Tikki-Tavi.

Mungos sind neugierig und sehr schnell. Rikki läuft durch das ganze Haus, steckt seine Nase in Töpfe und Tintenfässer und lernt jeden Winkel kennen. Im Garten besucht er Darzee, den Schneidervogel, dessen Nest in einem Dornbusch hängt. „Eines unserer Babys ist aus dem Nest gefallen, und Nag hat es gefressen“, klagt Darzee. Da hebt Nag, die große Brillenschlange, seinen Kopf aus dem Gras. „Ich bin Nag“, zischt er und breitet seinen Nackenschild aus. Im selben Moment schießt Nagaina, seine Frau, von hinten heran. Rikki springt hoch in die Luft, und der Biss geht ins Leere.

Kurz darauf rettet Rikki den kleinen Teddy vor Karait, einer winzigen braunen Schlange, deren Biss genauso gefährlich ist wie der einer Kobra. Danach bleibt Rikki immer in der Nähe des Jungen. In der Nacht hört er, wie Nag und Nagaina im Bad planen, die Menschen im Haus zu töten, damit der Garten ihnen allein gehört. Rikki klettert hinterher und wartet, bis Nag eingeschlafen ist. Dann springt er der Schlange auf den Kopf und beißt sich fest. Nag schleudert den Mungo durch den ganzen Raum, doch Rikki lässt nicht los, bis der Hausherr mit der Flinte kommt.

Nagaina aber lebt noch, und im Melonenbeet liegen ihre Eier. Rikki zerbricht Ei um Ei – es sind 25. Dann lockt er Nagaina mit dem letzten Ei, und als sie es packt und in ihr Erdloch flieht, folgt der Mungo ihr in die Dunkelheit. Als er wieder herauskriecht, ist die Gefahr vorbei. Darzee singt ein Lied auf ihn, und die ganze Gartenschaft atmet auf.

Von da an bewacht Rikki das Haus und den Garten, mit Zahn, Sprung und Biss. Keine Kobra wagt sich mehr über die Mauer.

Toomai und die Elefanten

In den Garo-Bergen lebt der zehnjährige Toomai, der Sohn eines Elefantentreibers. Er ist mit dem Elefanten Kala Nag aufgewachsen, der seit vielen Jahren für die Regierung arbeitet und die schwersten Lasten trägt. Kala Nag lässt sich vom kleinen Jungen führen, und Toomai kennt kaum etwas Schöneres, als auf seinem Nacken durch den Dschungel zu reiten.

Einmal im Jahr werden wilde Elefanten in einen großen Kral getrieben. In so einer Nacht ist alles voller Lärm, Fackelschein und Staub. Toomai schleicht sich zwischen die Tiere und wirft einem Treiber ein Seil zu, das dieser nicht erreichen konnte. Petersen Sahib, der Leiter der Elefantenjagd, sieht es, ruft den Jungen zu sich und gibt ihm Geld für Süßigkeiten. „In den Kral darfst du, wenn du den Tanz der Elefanten gesehen hast“, sagt er im Scherz, denn diesen Tanz hat noch nie ein Mensch gesehen.

Wenige Nächte später löst Kala Nag seine Fessel und trägt Toomai in den Dschungel. Sie waten durch einen Fluss, klettern bergan, und auf einer versteckten Lichtung stehen Elefanten aus allen Richtungen. Toomai sitzt ganz still auf dem Nacken und sieht zu, wie die Herde stampft und tanzt, bis der Boden bebt und der Tau von den Bäumen fällt. Als der Morgen kommt, ist kein Elefant mehr zu sehen – nur die Lichtung, die in der Nacht größer geworden ist.

Petersen Sahib und der alte Fährtensucher Machua Appa folgen den Spuren und finden die vielen Fährten. „Das Kind sagt die Wahrheit“, sagt Machua Appa. Am Abend feiern die Männer im Lager, und der Junge wird feierlich „Toomai von den Elefanten“ genannt.

Die Diener Ihrer Majestät

Die letzte Geschichte spielt in einem großen Heerlager bei Rawal Pindi, in dem dreißigtausend Männer auf eine Parade warten. In der Nacht vor dem Aufmarsch kann ein Soldat hören, wie die Tiere des Lagers miteinander sprechen: ein Lastkamel, das aus schlechten Träumen aufgeschreckt ist, das Maultier Billy, ein Pferd der Lanzenreiter, zwei Ochsen vom Geschütz und der Elefant Two Tails.

Jedes Tier erzählt, wie es seinen Dienst tut. „Wir setzen uns im Viereck hin“, sagt das Kamel, „und die Männer feuern über unsere Rücken.“ Die Ochsen brüllen: „Wir ziehen die großen Kanonen, zwanzig Joch auf einmal, quer über die Ebene.“ Billy trägt die kleinen Geschütze über Bergpfade, auf denen kaum ein Weg zu sehen ist, und das Pferd trägt seinen Reiter in den Angriff.

Der Elefant Two Tails ist der stärkste und zugleich der vorsichtigste von allen. Er weiß genau, was geschehen kann, und schon ein kleiner Hund kann ihn erschrecken. Am Morgen ziehen alle auf den Paradeplatz, und es zeigt sich, dass jedes Tier seinen Platz in der langen Reihe hat.

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Das Dschungelbuch in Kürze

Im Mittelpunkt stehen Mogli und sein Leben bei den Tieren des indischen Dschungels. Als kleines Kind kommt er zu einem Wolfsrudel, wird auf Fürsprache von Balu und Baghira aufgenommen und lernt das Gesetz des Dschungels. Als der Leitwolf Akela zu schwach wird, muss Mogli gehen; er besiegt seinen Feind Schir Khan, lebt eine Zeit lang bei den Menschen und wird auch dort fortgeschickt. Am Ende jagt er mit seinen Wolfsbrüdern. Die übrigen Erzählungen des Bandes handeln von der weißen Robbe Kotick, vom Mungo Rikki-Tikki-Tavi, vom Jungen Toomai und den Elefanten und von den Tieren eines Heerlagers.

Die Figuren

  • Mogli – das Menschenjunge, das bei einem Wolfsrudel aufwächst und seinen Platz zwischen Dschungel und Menschen sucht.
  • Vater Wolf – der Wolf, der das Menschenkind im Dickicht findet und zu seinen Jungen in die Höhle legt.
  • Mutter Wolf (Rakscha) – Moglis Wolfsmutter, die ihn gegen Schir Khan verteidigt und nie aufgibt.
  • Tabaqui – der Schakal, der Unruhe stiftet und Schir Khan Neuigkeiten zuträgt.
  • Schir Khan – der lahme Tiger, der Mogli verfolgt und am Ende von einer Büffelherde besiegt wird.
  • Akela – der alte Leitwolf, der Mogli aufnimmt und später für ihn eintritt.
  • Balu – der Bär, Lehrer des Gesetzes, der im Rat für Mogli spricht und ihn unterrichtet.
  • Baghira – der schwarze Panther, der Mogli mit dem Preis eines Bullen freikauft und ihn begleitet.
  • Die Bandar-Log – die Affenbande ohne Gesetz, die Mogli in die verlassene Stadt verschleppt.
  • Kaa – der alte Felsenpython, der Mogli aus den Händen der Affen befreit.
  • Grauer Bruder – einer von Moglis Wolfsbrüdern, der ihm im Dorf Nachrichten bringt.
  • Messua – die Dorffrau, die Mogli aufnimmt und ihm später zur Flucht rät.
  • Buldeo – der großsprecherische Dorfjäger, der Mogli als Zauberer beschuldigt.
  • Rama – der Leitbulle der Dorfherde, mit dem Mogli den Tiger in die Enge treibt.
  • Kotick – die weiße Robbe, die für ihre Art eine sichere Insel sucht.
  • Sea Catch und Matkah – die Robbeneltern auf der Insel St. Paul.
  • Sea Vitch – das alte Walross, das Kotick an die Seekühe weiterverweist.
  • Die Seekühe – die ruhigen Meerestiere, die Kotick den Weg durch den Tunnel zeigen.
  • Rikki-Tikki-Tavi – der Mungo, der in einem Hausgarten gegen zwei Kobras kämpft.
  • Darzee – der Schneidervogel, der Rikki vor dem Kobrapaar warnt.
  • Nag und Nagaina – das Kobrapaar, das den Garten für sich allein haben will.
  • Karait – die kleine braune Schlange, die den Jungen Teddy bedroht.
  • Teddy und seine Eltern – die Familie, die den durchnässten Mungo aufnimmt.
  • Toomai – der zehnjährige Junge, der als Einziger den Tanz der Elefanten sieht.
  • Kala Nag – der alte Arbeitselefant, der den Jungen in der Nacht mitnimmt.
  • Petersen Sahib – der Leiter der Elefantenjagd, der Toomai bemerkt.
  • Machua Appa – der erfahrene Fährtensucher, der Toomai zum „Toomai von den Elefanten“ erklärt.
  • Two Tails – der Elefant im Heerlager, der viel weiß und darum vorsichtig ist.
  • Billy und die anderen Zugtiere – das Maultier, das Kamel, das Pferd und die Ochsen, die im Heerlager von ihrem Dienst erzählen.

Was lernen Kinder daraus?

Mogli wächst zwischen zwei Welten auf: bei den Wölfen, die ihn aufgenommen haben, und bei den Menschen, zu denen er gehört. Er muss lernen, dass die Gesetze der Natur hart sind und ein hohes Maß an Verantwortung verlangen1. Genau darum geht es in diesen Geschichten: um Regeln, die Halt geben, und um Freundschaft, die trägt, wenn es gefährlich wird. Balu und Baghira zeigen Mogli, was es heißt, für ein Kind einzustehen, ohne es festzuhalten. Auch die anderen Helden machen Mut: Rikki-Tikki-Tavi stellt sich einer Gefahr, die viel größer ist als er, Kotick sucht so lange, bis er einen sicheren Ort findet, und Toomai hält an dem fest, was er gesehen hat, auch als ihm niemand glauben will. Beim Vorlesen könnt ihr mit eurem Kind darüber sprechen, wann Gehorsam wichtig ist und wann Mut bedeutet, den eigenen Weg zu gehen.

Herkunft und Entstehung

Das Dschungelbuch stammt von dem britischen Schriftsteller Rudyard Kipling1. Der erste Band erschien 1894, der zweite Band folgte 1895 unter dem Titel The Second Jungle Book; seither werden die Erzählungen beider Bände meist gemeinsam veröffentlicht, oft als The Jungle Books1.

Die Sammlung umfasst sieben Erzählungen. Jeder ist ein kurzer Liedtext vorangestellt, und ein längerer Text mit eigener Überschrift folgt ihr nach1. Die drei ersten Erzählungen gehören zu Mogli, die übrigen handeln von einzelnen Tieren und stehen in keinem Zusammenhang mit seiner Geschichte1. Die Mogli-Erzählungen nähern sich dem Entwicklungsroman, weil sie sein Erwachsenwerden und seine Bewusstwerdung zeigen1.

Viele Namen stammen aus indischen Sprachen: Balu geht auf das Hindi-Wort für Bär zurück, Hathi bedeutet Elefant, und Shere Khan setzt sich aus dem Wort für Tiger und dem Herrschertitel Khan zusammen1. Der Name Mogli ist dagegen erfunden; Kipling schrieb selbst, er bedeute in keiner ihm bekannten Sprache Frosch1. In deutschen Übersetzungen finden sich die Schreibweisen Maugli und Mogli1.

Der Begründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, nutzte das Buch für die jüngste Altersstufe; Begriffe wie Wölfling, Rudel und Akela gehen darauf zurück1. Später wurde der Stoff oft für Kino, Fernsehen und Bühne bearbeitet1. Unsere Nacherzählung folgt allein dem gemeinfreien Original von 1894.

Der Bär aus dem Dschungelbuch

Balu ist im Buch der Bär, der die jungen Wölfe das Gesetz des Dschungels lehrt und darum „Lehrer der Gesetze“ genannt wird1. Als Mogli zum Rat der Wölfe gebracht wird, spricht er als einer von zwei Fürsprechern für das Menschenkind1. Sein Name kommt vom Hindi-Wort für Bär1.

Die Namen der beiden Hauptfiguren wirken bis heute: Das Mentoringprogramm „Balu und Du“ bringt Studierende und Grundschulkinder zusammen. Die Kinder heißen dort Moglis, die Paten Balus, und eine Patenschaft läuft mindestens ein Jahr2.

Die Schlange aus dem Dschungelbuch

Die Schlange aus dem Dschungelbuch, die Mogli zu Hilfe kommt, ist Kaa, ein Felsenpython. Als die Affen der Bandar-Log den Jungen in eine verlassene Stadt verschleppen, können Balu und Baghira allein nichts ausrichten – erst die Unterstützung des Pythons Kaa wendet die Lage1. Kaa jagt die Affen in die Flucht und befreit Mogli aus dem halb verfallenen Sommerhaus.

Anders als die Kobras im Garten von Rikki-Tikki-Tavi ist Kaa keine Giftschlange; seine Stärke ist die Umschlingung. Im Buch ist er vor allem sehr alt und sehr listig, und die Affen fürchten ihn mehr als jedes andere Tier.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Warum, glaubst du, hat Mutter Wolf den kleinen Mogli behalten, obwohl Schir Khan so gefährlich war?
  2. Mogli darf alles jagen außer Rindern – welche Regel ist bei euch zu Hause besonders wichtig?
  3. Balu und Baghira beschützen Mogli. Wer ist da, wenn du Angst hast?
  4. Kaa hilft Mogli, obwohl er nicht zu den Wölfen gehört. Wann hat dir schon einmal jemand geholfen, den du gar nicht kanntest?
  5. Toomai sieht nachts etwas, das ihm niemand glauben will. Was würdest du tun, wenn dir das passiert?

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Häufige Fragen

Wer schrieb Das Dschungelbuch?
Das Dschungelbuch stammt von dem britischen Schriftsteller Rudyard Kipling1. Er veröffentlichte den ersten Band 1894 und den zweiten 1895 als The Second Jungle Book1. Am bekanntesten sind die Erzählungen um Mogli, ein Findelkind, das bei Tieren im indischen Dschungel aufwächst1. Kipling starb 1936; sein Dschungelbuch gilt bis heute als eines der bekanntesten Jugendbücher der Welt1.
Wann kam Das Dschungelbuch heraus?
Der erste Band erschien 1894, der zweite folgte 1895 unter dem Titel The Second Jungle Book1. Seither werden die Erzählungen beider Bände meist gemeinsam veröffentlicht, oft als The Jungle Books1. Die Geschichten um Mogli gehen auf die Erzählung In the Rukh zurück, die Kipling bereits 1893 verfasst hatte1. Unsere Nacherzählung hält sich an das gemeinfreie Original.
Wann wurde Das Dschungelbuch geschrieben?
Kipling verfasste 1893 die Erzählung In the Rukh, und ihr Erfolg brachte ihn dazu, eine Vorgeschichte zum Leben seines Helden zu schreiben1. Daraus entstanden die Erzählungen der Dschungelbücher, die 1894 und 1895 erschienen1. Die Arbeit fällt also in die erste Hälfte der 1890er-Jahre; ein genaues Anfangsdatum ist nicht überliefert.
Warum ist Das Dschungelbuch problematisch?
Kritisiert wird vor allem die Haltung des Buches zum Kolonialismus: In der Darstellung der Figuren und in der Betonung des Gesetzes des Dschungels ist Kiplings positive Stellung zur britischen Herrschaft in Indien erkennbar1. Deshalb wird das Werk bis heute auch kritisch betrachtet1. Zugleich gilt es als eines der bekanntesten und erfolgreichsten Jugendbücher der Welt1. Beim gemeinsamen Lesen lassen sich solche Stellen gut besprechen und einordnen.

Quellen

  1. Das Dschungelbuch · abgerufen am 11.10.2026
  2. „Von dem Mentoring profitieren beide Seiten.“ · Stand 12.08.2021
  3. Das Dschungelbuch · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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