Rumpelstilzchen – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1857
- Alter ab
- 4
- Autor/Herkunft
- Brüder Grimm (Kinder- und Haus-Märchen, Band 1, Große Ausgabe)
Neu erzählt nach Jacob und Wilhelm Grimm (Kinder- und Haus-Märchen, Ausgabe 1857)
Ein armer Müller prahlt beim König, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen – und bringt sie damit in große Gefahr.
Rumpelstilzchen-Märchen – zum Vorlesen nacherzählt
Es war einmal ein Müller. Er lebte mit seiner Tochter neben einer alten Mühle an einem rauschenden Bach. Reich war er nicht, aber seine Tochter war schön, klug und fleißig, und er liebte sie über alles.
Eines Tages kam der Müller mit dem König ins Gespräch. Er wollte sich wichtig machen und prahlte: „Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“
Der König horchte auf. „Das ist eine Kunst, die gefällt mir“, sagte er. „Wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, dann bring sie morgen in mein Schloss. Dort will ich sie auf die Probe stellen.“
Der Müller erschrak. Was hatte er da nur gesagt? Seine Worte ließen sich nicht mehr zurücknehmen. Also brachte er am nächsten Morgen seine Tochter ins Schloss.
Der König führte das Mädchen in eine Kammer, in der lag Stroh bis unter die Decke. Er gab ihr ein Spinnrad und eine Haspel und sagte: „Setz dich an die Arbeit. Wenn du dieses Stroh bis morgen früh nicht zu Gold gesponnen hast, dann steht dein Leben auf dem Spiel.“ Dann schloss er die Tür ab und ließ sie allein.
Da saß die arme Müllerstochter nun. Sie wusste nicht, wie man Stroh zu Gold spinnt – das kann kein Mensch. Ihre Angst wurde immer größer, und schließlich fing sie an zu weinen.
Da ging auf einmal die Tür auf, und ein kleines Männchen kam herein. Es war kaum größer als ein Krug und lief auf winzigen Beinen. „Guten Abend, Jungfer Müllerin“, sagte es. „Warum weinst du so sehr?“
„Ach“, antwortete das Mädchen, „ich soll Stroh zu Gold spinnen, und ich weiß nicht, wie das geht.“
„Was gibst du mir, wenn ich es für dich spinne?“, fragte das Männchen.
„Mein Halsband“, sagte das Mädchen und nahm es ab.
Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen – und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, da war die Spule voll. Es steckte eine neue Spule auf: schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, und auch die zweite war voll. So ging es weiter, die ganze Nacht, Spule um Spule. Als draußen die Sonne aufging, war alles Stroh versponnen und glänzte golden.
Bei Sonnenaufgang kam der König schon durch die Tür. Als er das Gold sah, staunte er und freute sich – aber sein Herz wurde nur noch gieriger. Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer bringen, die war noch viel größer und lag ebenfalls voll Stroh. „Das spinnst du mir heute Nacht auch“, befahl er. „Sonst darfst du nicht weiterleben.“
Das Mädchen wusste sich nicht zu helfen und weinte wieder. Es sehnte sich zurück in die Mühle am Bach. Da ging die Tür abermals auf, und das kleine Männchen stand vor ihr. „Was gibst du mir, wenn ich dir auch dieses Stroh zu Gold spinne?“, fragte es.
„Meinen Ring von meinem Finger“, antwortete das Mädchen.
Das Männchen nahm den Ring, setzte sich an das Rad und ließ es die ganze Nacht schnurren. Am Morgen lag alles Stroh als glänzendes Gold. Der König freute sich über die Maßen, aber es war ihm noch immer nicht genug.
Und so kam es ein drittes Mal. Nun war die Kammer so groß wie ein ganzer Saal, und das Stroh reichte bis unter die Decke. „Wenn du das in dieser Nacht schaffst, sollst du meine Frau werden“, sagte der König. Heimlich dachte er: „Auch wenn sie nur eine Müllerstochter ist – eine reichere Frau finde ich auf der ganzen Welt nicht.“
Als das Mädchen allein war, kam das Männchen zum dritten Mal. „Was gibst du mir, wenn ich dir auch diesmal das Stroh spinne?“, fragte es.
„Ich habe nichts mehr, das ich dir geben könnte“, antwortete das Mädchen traurig.
„Dann versprich mir, dass du mir dein erstes Kind schenkst, wenn du Königin wirst.“
„Wer weiß, wie das noch geht“, dachte die Müllerstochter. Sie wusste sich in ihrer Not nicht anders zu helfen und versprach es ihm. Da setzte sich das Männchen vor das Rad, und wieder schnurrte es die ganze Nacht, bis alles Stroh zu Gold geworden war.
Am Morgen kam der König, fand alles so, wie er es sich gewünscht hatte, und hielt Hochzeit mit der Müllerstochter. Nun war sie eine Königin.
Über ein Jahr verging, da brachte sie ein Kind zur Welt, ein gesundes, fröhliches Kind. Sie war so glücklich, dass sie das Männchen und ihr Versprechen völlig vergaß. Da trat es eines Abends plötzlich in ihre Kammer und sagte: „Jetzt gib mir, was du mir versprochen hast.“
Die Königin erschrak bis ins Herz. Sie bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind ließe. Aber das Männchen sagte: „Nein. Etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“
Da jammerte und weinte die Königin so sehr, dass das Männchen Mitleid bekam. „Drei Tage will ich dir Zeit lassen“, sagte es. „Wenn du bis dahin meinen Namen weißt, sollst du dein Kind behalten.“
In dieser Nacht lag die Königin wach und grübelte. Sie dachte an alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten durch das Land. Der sollte weit und breit herumfragen, welche Namen es sonst noch gab.

Am nächsten Tag kam das Männchen, und die Königin zählte auf: Kaspar, Melchior, Balzer – und danach alle Namen, die ihr noch einfielen. Bei jedem sagte das Männchen: „So heiße ich nicht.“
Am zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herumfragen, wie die Leute dort hießen, und nannte die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen: „Heißt du vielleicht Rippenbiest? Oder Hammelswade? Oder Schnürbein?“ Doch das Männchen antwortete immer: „So heiße ich nicht.“
Am dritten Tag kehrte der Bote zurück. „Neue Namen habe ich keinen einzigen gefunden“, erzählte er. „Aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, da sah ich ein kleines Haus. Vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen. Es hüpfte auf einem Bein und schrie:
„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.
Ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
Da könnt ihr euch denken, wie froh die Königin war, als sie den Namen hörte. Als bald darauf das Männchen hereinkam und fragte: „Nun, Frau Königin, wie heiße ich?“, da fragte sie zuerst: „Heißt du Kunz?“ – „Nein.“ – „Heißt du Heinz?“ – „Nein.“ – „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“
„Das hat dir der Teufel gesagt! Das hat dir der Teufel gesagt!“, schrie das Männchen. Vor Zorn stampfte es mit dem rechten Fuß so tief in die Erde, dass es bis zum Leib darin versank. Dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riss sich selbst mitten entzwei.
Die Königin aber durfte ihr Kind behalten. Sie nahm es in die Arme und war so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben.
Rumpelstilzchen in Kürze
Ein armer Müller prahlt beim König, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Der König sperrt das Mädchen ein und droht ihm mit dem Leben. Ein kleines Männchen hilft ihr dreimal – für ein Halsband, einen Ring und das Versprechen, ihm ihr erstes Kind zu schenken. Als sie Königin wird und ein Kind bekommt, fordert das Männchen seinen Lohn und gibt ihr drei Tage, seinen Namen zu erraten. Ein Bote belauscht es im Wald und hört den Namen: Rumpelstilzchen. So behält die Königin ihr Kind, und das Männchen zerreißt sich vor Wut.
Die Figuren
- Der Müller: Er ist arm und prahlt beim König mit einer Kunst, die seine Tochter gar nicht beherrscht.
- Die Müllerstochter: Sie gerät durch die Worte ihres Vaters in Lebensgefahr, verspricht aus Not dem Männchen ihr erstes Kind und wird später Königin.
- Der König: Er ist goldgierig, lässt die Müllerstochter drei Nächte lang Stroh spinnen und nimmt sie zur Frau, weil er sich davon Reichtum erhofft.
- Das Männchen (Rumpelstilzchen): Es spinnt dreimal Stroh zu Gold, verlangt dafür immer wertvollere Gaben und zerreißt sich vor Wut, als die Königin seinen Namen nennt.
- Der Bote: Er zieht durch das Land, findet keinen neuen Namen, belauscht aber im Wald das tanzende Männchen und bringt der Königin den Namen Rumpelstilzchen.
Was lernen Kinder daraus?
Märchen regen die Fantasie der Kinder an und erzählen spannende Geschichten, die moralische Botschaften vermitteln4. Beim Rumpelstilzchen können Kinder drei Dinge mitnehmen. Erstens: Worte haben Folgen. Der Müller prahlt, und schon gerät seine Tochter in Gefahr. Zweitens: Gier macht nicht glücklich. Der König bekommt immer mehr Gold und will trotzdem noch mehr. Drittens: Hilfe ist selten umsonst – das Männchen arbeitet, verlangt aber einen Preis, der fast zu hoch ist.
Die wichtigste Botschaft steckt im Namen. Solange die Königin nicht weiß, wie das Männchen heißt, ist sie hilflos. Sobald sie den Namen ausspricht, löst sich der böse Zauber auf5. Kinder kennen dieses Gefühl: Was einen Namen hat, wird kleiner und fassbarer – auch die eigene Angst.
Und dann ist da noch der Zorn. Rumpelstilzchen tobt so sehr, dass er sich selbst zerreißt. Ein starkes Bild dafür, was passiert, wenn Wut einen Menschen ganz beherrscht.
Herkunft und Entstehung
Jacob Grimm schickte das Märchen schon 1808 zusammen mit anderen Texten an Savigny, für dessen Tochter1. Wilhelm Grimms handschriftliche Urfassung von 1810 trug noch den Titel „Rumpenstünzchen“ und entspricht weitgehend dieser frühesten erhaltenen Fassung1. Zum Titel notierte Jacob einen Hinweis auf Fischarts Geschichtsklitterung, in der ein Spiel mit dem Namen „Rumpele stilt, oder der Poppart“ aufgezählt wird1.
Der Erstdruck von 1812 beruhte inhaltlich auf Erzählungen aus der Familie Hassenpflug und von Dortchen Wild; Wilhelm Grimm notierte dazu in sein Handexemplar: „Dortchen 10 März 1811. Hassenpflugs“1. Seine Ergänzung, dass sich das Männchen zum Schluss zerreißt, und Jacobs Namensvorschläge „Cunz oder Hinz“ wurden in die zweite Auflage von 1819 übernommen1. Deren lebendige Dialoge prägen die bekannte Wendung vom Stroh zu Gold, und die Namenssuche passt nun zur Dreigliederung der Handlung1.
In der sechsten und siebten Auflage wird die Geldgier des Königs noch stärker betont1. Unsere Nacherzählung folgt der Ausgabe von 1857, der siebten Auflage und Ausgabe letzter Hand.
Die Geschichte ist aber deutlich älter als ihre Grimmsche Fassung. Sie geht auf ältere Volksmärchen zurück; die älteste literarische Fassung ist die Märchennovelle Ricdin Ricdon aus La Tour ténébreuse von Marie-Jeanne Lhéritier de Villandon aus dem Jahr 17051. Der schwedische Folklorist Waldemar Liungman schätzte den zeitlichen Ursprung auf die Mitte des 16. Jahrhunderts, und in weiten Teilen Europas ist der Stoff in unterschiedlicher Form bekannt1.
Ein anderes Kapitel der Wirkungsgeschichte ist unschön: In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Märchen zu antisemitischer Propaganda verwendet1. Wer sich mit Fragen von Recht und Unrecht in den Grimmschen Märchen beschäftigen möchte, findet in der Ausstellung „Akte Rumpelstilzchen“ in der GRIMMWELT Kassel Anregungen; sie wird für Kinder ab 12 Jahren empfohlen, der Märchen-Teil eignet sich schon für jüngere Kinder3.
Der Originaltext
Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu ihm „ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“ Der König sprach zum Müller „das ist eine Kunst, die mir wohl gefällt, wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring sie Morgen in mein Schloß, da will ich sie auf die Probe stellen.“ Als nun das Mädchen zu ihm gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach „jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.“ Darauf schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin.
Da saß nun die arme Müllerstochter und wußte um ihr Leben keinen Rath: sie verstand gar nichts davon, wie man Stroh zu Gold spinnen konnte, und ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfieng. Da gieng auf einmal die Thüre auf, und trat ein kleines Männchen herein und sprach „guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?“ „Ach,“ antwortete das Mädchen, „ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht.“ Sprach das Männchen „was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?“ „Mein Halsband“ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so giengs fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Bei Sonnenaufgang kam schon der König und als er das Gold erblickte, erstaunte er und freute sich, aber sein Herz ward nur noch goldgieriger. Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und weinte, da gieng abermals die Thüre auf, und das kleine Männchen erschien und sprach „was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“ „Meinen Ring von dem Finger“ antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring, fieng wieder an zu schnurren mit dem Rade und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach „die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen: gelingt dirs aber, so sollst du meine Gemahlin werden.“ „Wenns auch eine Müllerstochter ist,“ dachte er, „eine reichere Frau finde ich in der ganzen Welt nicht.“ Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal wieder und sprach „was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?“ „Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte“ antwortete das Mädchen. „So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind.“ „Wer weiß wie das noch geht“ dachte die Müllerstochter und wußte sich auch in der Noth nicht anders zu helfen; sie versprach also dem Männchen was es verlangte, und das Männchen spann dafür noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam und alles fand wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.
Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen: da trat es plötzlich in ihre Kammer und sprach „nun gib mir was du versprochen hast.“ Die Königin erschrack und bot dem Männchen alle Reichthümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte: aber das Männchen sprach „nein, etwas lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“ Da fieng die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte: „drei Tage will ich dir Zeit lassen,“ sprach er, „wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.“
Nun besann sich die Königin die ganze Nacht über auf alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit was es sonst noch für Namen gäbe. Als am andern Tag das Männchen kam, fieng sie an mit Caspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein „so heiß ich nicht.“ Den zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herumfragen wie die Leute da genannt würden, und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen vor, „heißt du vielleicht Rippenbiest oder Hammelswade oder Schnürbein?“ aber es antwortete immer „so heiß ich nicht.“ Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück und erzählte „neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie
„heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“
Da könnt ihr denken wie die Königin froh war, als sie den Namen hörte, und als bald hernach das Männlein herein trat und fragte „nun, Frau Königin, wie heiß ich?“ fragte sie erst „heißest du Kunz?“ „Nein.“ „Heißest du Heinz?“ „Nein.“
„Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“
„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wuth den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.
Text: Jacob und Wilhelm Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, S. 281–284, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857, KHM 55. Fassung: Originalschreibweise der Ausgabe 1857.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Fünf Fragen, die sich gut nach dem Vorlesen oder beim Kuscheln stellen lassen:
- Was hättet ihr an der Stelle der Müllerstochter dem Männchen versprochen?
- Warum will der König immer mehr Gold, obwohl er schon so reich ist?
- Wie hätte die Geschichte geendet, wenn der Bote den Namen nicht gehört hätte?
- Wie fühlt sich das Männchen wohl, als die Königin seinen Namen ausspricht?
- Wenn ihr selbst ein kleines Männchen erfinden würdet: Welchen Namen würdet ihr ihm geben?
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Häufige Fragen
Wie endet Rumpelstilzchen?
Was bedeutet Rumpelstilzchen?
Was ist Rumpelstilzchen?
Was ist Rumpelstilzchen für ein Wesen?
Quellen
- Rumpelstilzchen · abgerufen am 11.10.2026
- Rumpelstilzchen Maerchen ohne Regietipps · abgerufen am 11.10.2026
- Ausstellung in der GRIMMWELT Kassel: Akte Rumpelstilzchen · abgerufen am 11.10.2026
- Märchen und Sagen in der Grundschule · Stand 05.08.2026
- 1989 12 01 EPA Psychologie · abgerufen am 11.10.2026
- Rumpelstilzchen · abgerufen am 11.10.2026
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