Robinson Crusoe – kindgerecht nacherzählt

- Jahr
- 1719
- Alter ab
- 8
- Autor/Herkunft
- Daniel Defoe (The Life and Adventures of Robinson Crusoe, Project Gutenberg #521)
Neu erzählt nach Daniel Defoe (Englisch, 1719)
Robinson Crusoe ist der Abenteuerroman von Daniel Defoe aus dem Jahr 17192, hier als kindgerechte Nacherzählung zum Lesen, Hören und Anschauen.
Robinson Crusoe – die Geschichte zum Vorlesen
1. Der Junge, der zur See wollte
Im Jahr 16322 kam in der englischen Stadt York ein Junge zur Welt, der Robinson Crusoe genannt wurde. Sein Vater war ein Kaufmann aus Bremen, der sich in England niedergelassen hatte. Die Familie hieß eigentlich Kreutzner, doch in England wurde mit der Zeit daraus Crusoe.
Robinsons Vater war ein kluger, ruhiger Mann. Er hatte genug Geld, ein schönes Haus und ein gutes Leben. Am liebsten hätte er gesehen, dass sein jüngster Sohn einmal in Ruhe und Sicherheit lebte. „Der Mittelweg ist der glücklichste“, sagte er oft. „Wer zu hoch steigt, stürzt tief, wer zu tief steht, hat zu wenig. Bleib in der Mitte, mein Sohn.“
Aber Robinson wollte davon nichts hören. Ihn zog es aufs Meer hinaus. Wenn er die weißen Segel auf dem Fluss sah, wurde ihm heiß vor Sehnsucht. „Ich will fremde Länder sehen!“, rief er. Sein Vater bat und warnte, seine Mutter redete ihm zu, doch Robinson blieb hartnäckig. Er war damals gerade 18 Jahre alt.
Einmal weinte sein Vater sogar, als er von Robinsons gefallenem Bruder sprach. „Wenn du gehst“, sagte er, „wirst du als der unglücklichste Mensch zurückkommen, den die Welt je gesehen hat.“ Robinson war betroffen – aber nur für ein paar Tage. Dann war der Wunsch wieder da, größer als vorher.
Eines Tages war Robinson in der Hafenstadt Hull. Ein Freund wollte mit dem Schiff seines Vaters nach London fahren. „Komm mit, es kostet dich nichts!“, rief er. Und Robinson tat, was er sich so lange vorgenommen hatte: Er stieg einfach an Bord, ohne Vater und Mutter zu fragen. Es war der erste Tag im September 1651.
Kaum waren sie auf dem Meer, da türmten sich die Wellen. Robinson wurde seekrank und bekam große Angst. Er versprach sich selbst, nie wieder ein Schiff zu betreten, wenn er nur heil an Land käme. Aber als der Sturm vorüber war und die Sonne auf ein stilles Meer schien, vergaß er sein Versprechen schnell.
Wenige Tage später kam ein zweiter Sturm, viel schlimmer als der erste. Das Schiff trieb auf einen Sand, das Ruder brach, das Wasser drang ein. Die Männer stiegen in ein Boot und ruderten, bis sich das Boot an der Küste überschlug. Alle kamen durch, halb ertrunken, aber lebendig an Land. Der Kapitän sah Robinson traurig an: „Junger Mann, du solltest nie wieder zur See fahren. Das war ein deutliches Zeichen.“
Robinson hörte es – und fuhr trotzdem weiter. Er nahm das Geld, das er hatte, und reiste über Land nach London. Dort wartete schon das nächste Schiff.
2. Gefangen in Salé
In London lernte Robinson einen Kapitän kennen, der an der Küste von Guinea Handel trieb. Der Mann lud ihn ein, mitzukommen. Diese Fahrt ging gut aus: Robinson brachte Goldstaub mit und verdiente fast 300 Pfund. Er lernte rechnen und navigieren und fühlte sich bald wie ein richtiger Seemann und Kaufmann.
Nur wenige Tage nach der Rückkehr starb sein Freund. Robinson wollte nicht aufhören und schiffte sich aufs Neue ein. Diesmal fuhr er nicht als Matrose, sondern als zahlender Gast. Und diesmal kam der Überfall. Nahe den Kanarischen Inseln tauchte ein Piratenschiff aus Salé auf. Nach langem Kampf war Robinsons Schiff besiegt, drei Männer waren tot, acht verletzt. Die Überlebenden wurden als Gefangene nach Salé an der Küste von Marokko gebracht.
Robinson wurde Sklave. Sein Herr war der Kapitän des Piratenschiffs. Zwei lange Jahre musste er im Garten arbeiten und auf das Schiff aufpassen. In all dieser Zeit dachte er nur an eines: Flucht.
Eines Tages fasste er Mut. Robinsons Herr schickte ihn mit dem kleinen Fischerboot aufs Meer, zusammen mit einem jungen Mann namens Xury. Kaum war das Boot draußen, fuhr Robinson weiter und weiter hinaus, nicht um zu fischen, sondern um für immer zu entkommen. Er bat seinen Begleiter, ans Ufer zurückzuschwimmen, er selbst wolle frei sein. Der Mann schaffte es schwimmend an Land. Xury aber blieb bei Robinson und versprach, ihm treu zu sein.
Tagelang segelten die beiden die Küste entlang. Sie fanden Süßwasser, sahen einen Löwen und einen Leoparden und verloren beinahe die Hoffnung. Dann kam ein Segel. Es war ein portugiesisches Schiff. Der Kapitän nahm die beiden auf, behandelte sie freundlich und versprach, Robinson nichts wegzunehmen.
Xury aber durfte nicht bei ihm bleiben. Der Kapitän bot, Xury zu übernehmen und ihn nach zehn Jahren freizulassen, wenn Xury Christ würde. Xury war einverstanden. Die Überfahrt nach Brasilien dauerte etwa 22 Tage.
3. Eine Zuckerplantage und ein gefährliches Angebot
In Brasilien verkaufte Robinson die Schätze, die er aus Afrika mitgebracht hatte, und begann ein neues Leben. Er kaufte Land und legte eine Zuckerplantage an. Nach und nach ging es aufwärts: Erst pflanzte er nur, was er zum Leben brauchte, dann Tabak, dann Zuckerrohr. Nach vier Jahren war Robinson ein angesehener Pflanzer, der schon an ein größeres Haus dachte.
Dann kamen Nachbarn mit einem Angebot. Sie wollten ein Schiff nach Guinea schicken, um dort Sklaven zu holen. Denn damals arbeiteten viele Plantagenbesitzer mit versklavten Menschen, und die meisten fanden das selbstverständlich. Robinson sollte als Aufseher mitfahren. Er sagte zu, obwohl es ihm eigentlich gut ging.
Sein alter portugiesischer Kapitän hatte ihm einen guten Rat gegeben: „Nimm nur die Hälfte deines Geldes mit. Wenn es verloren geht, hast du noch die andere Hälfte.“ Robinson schrieb Briefe, ordnete seine Angelegenheiten und stieg im Herbst 1659 an Bord – genau acht Jahre, nachdem er sein Elternhaus verlassen hatte.
Die Reise begann mit gutem Wetter. Doch dann kam ein Hurrikan. Zwölf Tage lang trieb der Sturm das Schiff vor sich her, ein Mann starb an Fieber, zwei wurden von den Wellen fortgerissen. Als der Wind nachließ, stellte der Kapitän fest, dass sie weit von ihrem Kurs abgekommen und das Schiff leck war.
Sie versuchten, eine englische Insel zu erreichen. Doch ein zweiter Sturm brach los und trieb sie immer weiter hinaus. „Land!“, rief endlich ein Mann. Und im nächsten Augenblick krachte das Schiff auf einen Sand. Die Wellen schlugen darüber hinweg.
Die Männer setzten das Beiboot aus, elf Menschen in einem winzigen Boot auf einem wütenden Meer. Sie ruderten, so gut sie konnten, aber eine hohe Welle rollte heran und kippte das Boot um. Einen Augenblick später war Robinson in der Brandung. Er kämpfte, schluckte Wasser, tauchte auf, wurde nach vorn gespült und wieder gepackt. Als die nächste Welle zurückwich, spürte er festen Boden. Er rannte, so weit ihn die Beine trugen, kletterte über die Klippen und ließ sich im Gras nieder. Er lebte.
Doch als er sich umsah, war niemand sonst da. Kein Kamerad, kein Boot, keine Spur von den Männern. Nur das Wrack, weit draußen im Meer. Robinson war allein.
4. Das Wrack und die Festung
In der ersten Nacht kletterte Robinson auf einen dichten, stacheligen Baum, weil er Angst vor wilden Tieren hatte. Am Morgen war die See ruhig. Und welch ein Glück: Die Nacht hatte das Schiff vom Sand gehoben und näher an die Insel getrieben. Es stand fast aufrecht im Wasser, etwa eine Meile vom Ufer.
Robinson zog seine Kleider aus und schwamm hinüber. Er fand ein Seil, kletterte an Bord und sah, dass viele Vorräte noch trocken waren. Also baute er aus Holzstämmen ein Floß und lud es voll: Brot, Reis, Käse, getrocknetes Ziegenfleisch, Rum, Werkzeug, zwei Gewehre, Pulver, Kugeln, Kleidung, Segeltuch und drei Bibeln.
Zwölf Mal fuhr er zum Wrack und zurück. Beim letzten Mal fand er eine Kiste mit Geld. „Was soll ich damit?“, murmelte er und legte sie trotzdem dazu. Dann kam ein Sturm, und als Robinson am nächsten Morgen zum Meer schaute, war das Schiff verschwunden. Es war zerbrochen und versunken.
Nun brauchte Robinson ein Zuhause. Er suchte lange, bis er eine kleine grüne Wiese an einem Felsen fand, geschützt vor der Sonne, mit frischem Wasser in der Nähe. Dort baute er sein Lager: ein Zelt aus Segeltuch, umstellt von einem festen Zaun aus Pfählen, die er mit Tauen zusammenband. Er konnte nur über eine Leiter hinein, und die zog er jede Nacht hinter sich herauf.
Hinter dem Zelt grub er eine Höhle in den Felsen. Erst wurde sie ein Lager, dann eine Küche, dann ein Vorratsraum. Er baute einen Tisch und einen Stuhl aus den Planken des Floßes, stellte Regale auf und hängte seine Sachen an Nägel.
Und er schnitzte ein großes Kreuz aus Holz. „Am 30. September 1659 bin ich an Land gekommen“2, ritzte er hinein. Jeden Tag machte er eine Kerbe in das Kreuz, jeder siebte war doppelt so lang. So zählte er die Wochen und Monate. Bald begann er auch, ein Tagebuch zu schreiben, bis ihm die Tinte ausging.
Manchmal stieg Robinson auf einen Hügel und schaute aufs Meer, ob ein Schiff käme. Er sah keines. Und wenn er nachts im Zelt lag und die Wellen hörte, kam die Einsamkeit über ihn wie eine große dunkle Welle. Aber er stand jeden Morgen wieder auf und arbeitete.
5. Allein mit Mut und Werkzeug
Im dritten Jahr wurde Robinson schwer krank. Fieber schüttelte ihn, seine Zähne klapperten, der Kopf schmerzte. In einer Nacht träumte er, ein Mann steige aus einer schwarzen Wolke in einem Feuer herab und sage ihm, sein Leben habe ihn noch nicht zur Umkehr gebracht. Robinson erwachte mit Herzklopfen.
Er nahm die Bibel zur Hand, die er vom Schiff gerettet hatte, und las. Zum ersten Mal im Leben betete er mit ganzer Seele. In dem Buch fand er den Satz, dass Gott den erhört, der ihn in der Not anruft. Robinson fühlte, wie die Angst von ihm abfiel. Er ruhte sich aus, trank Wasser, aß wenig und wurde langsam wieder gesund.
Danach begann er, sein Leben sorgfältig zu ordnen. Er betete und las, ging morgens mit dem Gewehr auf die Jagd, kochte mittags und arbeitete abends in seiner Werkstatt.
Eines Tages fielen ihm ein paar alte Getreidekörner ein, die er vor Monaten achtlos im Schatten des Felsens ausgeschüttet hatte. Sie waren aufgegangen! Aus den ersten Halmen gewann er 20 Gerstenähren und 30 Reisähren. Er säte sie wieder, verlor die erste Ernte durch die Trockenheit und hatte im vierten Jahr endlich so viel Korn, dass er Brot backen konnte.
Und das war eine Kunst für sich. Er musste den Boden mit einer hölzernen Schaufel umgraben, die Ähren einzeln abschneiden, die Körner mit den Händen ausreiben, in einem hohlen Holzblock zerstoßen und in selbst gebrannten Tontöpfen backen. Für eine einzige Planke brauchte er Monate, für einen Topf ganze Tage. „Es ist eine Arbeit für Riesen“, seufzte er. Aber Robinson wurde ein Meister im Erfinden.
Er zähmte wilde Ziegen, bis er eine kleine Herde hatte. Er trank ihre Milch und machte daraus sogar Butter und Käse. Er flocht Körbe, flickte Kleidung aus Fellen, goss Kerzen aus Ziegenfett und baute sich einen Regenschirm aus Häuten.
Einmal baute er ein großes Kanu aus einem Zedernstamm, so groß, dass 26 Männer darin Platz gehabt hätten. Aber er hatte nicht bedacht, dass er es allein unmöglich zum Wasser bewegen konnte. Das Kanu blieb liegen. Ein zweites, kleineres brachte er mühsam ins Meer. Bei einer Rundfahrt um die Insel geriet er in eine starke Strömung und trieb weit hinaus. Nur mit Mühe und einem günstigen Wind kam er zurück und beschloss, seine Insel nie wieder mit einem Boot zu verlassen. Sein Papagei Poll saß auf seiner Schulter und rief: „Robinson Crusoe, armer Robinson Crusoe!“
6. Die Fußspur im Sand
So vergingen die Jahre, und Robinson richtete sich immer behaglicher ein. Dann machte er eines Tages einen Fund, der ihm den Atem nahm: Im Sand am Strand war der Abdruck eines nackten Fußes. Nur ein einziger, aber ganz deutlich. Robinson starrte darauf wie auf ein Gespenst. Er lief hin und her und suchte den Strand ab – es war nur die eine Spur.
Von da an schlief er schlecht. Er vergrößerte Zaun und Mauer, versteckte eine Höhle als geheimen Zufluchtsort und teilte seine Ziegenherde auf zwei Weiden auf. Nachts hörte er jedes knackende Holz und jedes Blatt.
Zwei Jahre später fand er am anderen Ende der Insel eine Stelle mit Knochen, Asche und einem Feuerplatz. Robinson erschauerte. Die Insel wurde von Zeit zu Zeit von Booten besucht, deren Mannschaft auf der Durchfahrt ein fürchterliches Mahl hielt. Er selbst war nichts weiter als ein Zufallsgast auf einer Insel, an der man ihn nie gesucht hatte.
Monatelang dachte Robinson darüber nach, ob er eingreifen sollte. Einmal stellte er sich vor, er würde die Fremden angreifen, um die Gefangenen zu retten. Doch dann dachte er weiter: Diese Menschen hielten ihr Tun für in Ordnung, und ihm selbst hatten sie nichts getan. „Bin ich ihr Richter?“, fragte er sich. „Nein. Ich will mich verstecken und in Frieden leben.“
Und doch ließ ihn die Sache nicht los. Er träumte, dass ein Gefangener entkommen und bei ihm Schutz suchen würde. Als er erwachte, war sein Entschluss klar: Wenn sich eine Gelegenheit zeigte, wollte er einen Menschen retten. Wochenlang beobachtete er den Strand, mit dem Fernrohr und dem Gewehr. Dann kamen sie wirklich.

7. Freitag
Fünf Kanus lagen am Strand, und die Besucher waren zahlreich. Robinson blieb in seiner Festung und wartete. Zwei Gefangene wurden herbeigeführt. Da riss sich einer los und rannte, schnell wie der Wind, direkt auf Robinsons Versteck zu. Robinson beschloss zu handeln. Er lief ihm entgegen, rief ihm zu und streckte einen Verfolger mit dem Kolben seines Gewehrs nieder. Der zweite schoss mit Pfeil und Bogen, Robinson musste ihn erschießen. Dann blieb der Gerettete stehen, zitternd, und kniete nieder. Er legte Robinsons Fuß auf seinen Kopf, als Zeichen, dass er von nun an bei ihm bleiben wollte.
Robinson wählte ihm einen Namen: Freitag. „Zur Erinnerung an den Tag, an dem ich dir das Leben gerettet habe.“
Freitag war etwa 26 Jahre alt, hochgewachsen und freundlich. Er lernte schnell. Erst zeigte Robinson ihm Kleidung, dann Brot, dann Wörter. Sie sagten einander ihre Namen, dann „ja“ und „nein“, dann Brot, Wasser, Feuer. Freitag war der gelehrigste Schüler, den man sich denken kann.
Im Wald schoss Robinson einen jungen Ziegenbock und briet das Fleisch. Freitag erschrak beim Knall des Gewehrs so sehr, dass er glaubte, Robinson wolle ihn töten. Als er aber sah, wie das Tier fiel, staunte er noch viel mehr. Bald aß er mit Freude gebratenes Fleisch und sagte, er wolle nie wieder Menschenfleisch essen.
Robinson erzählte Freitag vom christlichen Glauben. Freitag hörte aufmerksam zu und stellte Fragen, die Robinson selbst zum Nachdenken brachten. „Warum tötet der große Gott das Böse nicht einfach?“, fragte er einmal. Robinson musste lange überlegen. So wurde Freitag nicht nur sein Gefährte, sondern sein Freund, sein Gesprächspartner und manchmal sein Lehrer.
Drei Jahre lebten sie zusammen. Robinson sagte später, es seien die glücklichsten Jahre auf der Insel gewesen.
8. Freitags Vater und ein englisches Schiff
Eines Morgens kam Freitag atemlos angelaufen: „Herr! Herr! Viele Boote!“ Wieder einmal waren Fremde auf die Insel gekommen, und wieder brachten sie Gefangene mit. Robinson und Freitag griffen die Gruppe an und befreiten zwei Männer. Der eine war ein Spanier, der andere Freitags Vater! Freitag weinte und lachte und tanzte vor Glück. Er nahm seinen Vater auf den Rücken und trug ihn bis zu Robinsons Höhle.
Der Spanier erzählte, dass noch weitere Europäer an der Küste lebten. Sie hatten ein Schiff verloren und waren auf einer Nachbarinsel gestrandet. Robinson fasste einen Plan: Die Spanier sollten herüberkommen, und gemeinsam wollten sie ein großes Boot bauen und nach Europa segeln.
Freitags Vater und der Spanier fuhren los, um die anderen zu holen. Robinson gab ihnen Vorräte mit und wartete. Doch statt ihrer Freunde kam ein englisches Schiff vor der Insel vor Anker. Elf Männer stiegen an Land, und drei von ihnen wurden festgehalten und bedroht. Es waren der Kapitän des Schiffes, sein Steuermann und ein Passagier. Die übrigen Männer hatten sich gegen den Kapitän verschworen und wollten ihn auf der Insel aussetzen.
Robinson beobachtete alles von seinem Hügel aus. Am Abend schlich er zu den drei Gefangenen. „Fürchtet euch nicht“, sagte er. „Vielleicht ist ein Freund in der Nähe.“ Der Kapitän hielt ihn zuerst für ein Gespenst. Dann erzählte Robinson ihm, wer er war.
Sie beschlossen, gemeinsam die Meuterer zu überwältigen. Robinson gab dem Kapitän und den beiden anderen Männern Gewehre und Pistolen. Zwei Meuterer wurden überrascht und besiegt, die anderen flohen. Robinson und der Kapitän hatten nun genug Verbündete, um das Schiff zurückzugewinnen.
9. Das Schiff wird zurückerobert
Robinson ließ das Beiboot der Meuterer unbrauchbar machen, damit niemand fliehen konnte. Dann kam eine zweite Gruppe vom Schiff, um nach den anderen zu suchen. Robinson stellte ihnen eine Falle. Freitag und der Steuermann lockten sie mit Rufen tief in den Wald, immer weiter auf die andere Seite der Insel. Als die Verfolger erschöpft zurückkamen, waren die beiden, die im Boot geblieben waren, längst gefangen.
In der Nacht überwältigte Robinsons kleine Schar die Meuterer. Ein Mann namens Atkins, der Anführer des Aufruhrs, bat um Verzeihung. Der Kapitän wollte ihn töten lassen, doch Robinson hatte Mitleid. „Lass die Männer auf der Insel bleiben, wenn sie das lieber wollen, als in England vor Gericht zu kommen“, sagte er.
Am nächsten Morgen wurde das Schiff zurückerobert. Kurz vor Mitternacht hörte Robinson das verabredete Signal: sieben Schüsse. Am nächsten Tag ruderte der Kapitän an Land und umarmte ihn. „Mein lieber Freund und Retter, da liegt dein Schiff! Es gehört dir, und wir alle gehören dir.“
Robinson war so ergriffen, dass er kein Wort herausbrachte. Er kleidete sich zum ersten Mal wieder in moderne Kleidung: Hemd, Hut, Schuhe. Es fühlte sich fremd an. Dann stieg er am 19. Dezember 1686 an Bord. Er hatte 28 Jahre, zwei Monate und 19 Tage auf der Insel gelebt2.
In England kam er am 11. Juni 1687 an, nach 35 Jahren Abwesenheit2. Seine Eltern lebten nicht mehr. Doch aus Brasilien erreichte ihn die Nachricht, dass seine Zuckerplantage in der Zwischenzeit viel Geld eingebracht hatte. Robinson war ein reicher Mann.
Er heiratete und bekam Kinder. Doch das Reisen ließ ihn nicht los. Einmal fuhr er über Land quer durch Europa, dabei jagten Wölfe und ein Bär die Reisegesellschaft, und Freitag rettete mit Mut und List. Später besuchte Robinson seine Insel wieder. Die Männer, die dort geblieben waren, lebten inzwischen miteinander ausgesöhnt, und aus der kleinen Gemeinschaft war eine Kolonie geworden. Robinson brachte Saatgut, Werkzeug, Tiere und neue Siedler mit.
Und wenn wir heute jemanden bewundern, der allein zurechtkommt, sagen wir: „Er ist ein kleiner Robinson.“ Genauso wie Robinson Crusoe, den ein Sturm auf eine Insel warf und der dort Arbeit, Mut und Freundschaft lernte.
Robinson Crusoe in Kürze
Ein Junge aus York will zur See, gegen den Willen seiner Eltern – so beginnt die Robinson-Crusoe-Zusammenfassung in wenigen Sätzen.
Robinson Crusoe gerät in Gefangenschaft, wird Pflanzer in Brasilien und strandet nach einem Schiffbruch als Einziger auf einer einsamen Insel2. Dort baut er sich mit dem, was er aus dem Wrack rettet, ein neues Leben auf: Festung, Ziegenherde, Getreide und selbst gebackenes Brot2, 4. Jahre später rettet er Freitag, der sein Freund und Gefährte wird2. Als ein englisches Schiff vor der Insel ankommt, gelingt die Rückkehr nach England – und seine Plantage in Brasilien hat ihn in der Zwischenzeit reich gemacht2.
Die Figuren
- Robinson Crusoe: Ein Seemann aus York, der gegen den Willen seiner Eltern zur See fährt und als Einziger einen Schiffbruch überlebt.
- Robinsons Vater: Ein Bremer Kaufmann in York, der seinem Sohn rät, im Mittelstand zu bleiben, und ihn vor der Seefahrt warnt.
- Robinsons Mutter: Sie bittet ihren Mann vergeblich, dem Sohn die Fahrt zu erlauben.
- Xury: Der versklavte Junge, der mit Robinson aus Salé flieht und ihm treu bleibt.
- Der portugiesische Kapitän: Er nimmt Robinson und Xury auf See auf und bringt sie nach Brasilien.
- Freitag: Ein Gefangener, den Robinson rettet und der sein Freund und Gefährte auf der Insel wird.
- Freitags Vater: Er wird zusammen mit einem Spanier aus der Gewalt der Fremden befreit.
- Der Spanier: Ein Schiffbrüchiger, der Robinson von weiteren Europäern auf der Nachbarinsel erzählt.
- Der englische Kapitän: Sein Schiff wird von Meuterern übernommen, mit Robinsons Hilfe gewinnt er es zurück.
- Will Atkins: Der Anführer der Meuterei, der auf der Insel bleiben darf.
- Poll: Der Papagei, der Robinsons Namen ruft und ihm jahrelang Gesellschaft leistet.
- Robinsons Hund und seine Katzen: Sie kommen vom Schiff mit und werden seine Begleiter.
Was lernen Kinder daraus?
Robinson Crusoe ist ein Held der Arbeit. Am Anfang kann er fast nichts, und dann lernt er alles: graben, backen, nähen, töpfern, bauen. Wer ihm dabei zusieht, merkt, dass sich fast jedes Problem in kleine Schritte zerlegen lässt2.
Zweitens: Robinson war nicht gern allein. Erst als Freitag bei ihm ist, hat er wieder jemanden zum Reden, und die Geschichte wird heller. Diesen Gedanken greifen auch heutige Texte auf: „Niemand lebt als Robinson Crusoe“5, denn Arbeit und Leben gelingen nur mit anderen. Freiheit ohne Menschen macht einsam und unglücklich6.
Drittens: Robinson war nicht immer ein Vorbild. Im Roman wird die Sklaverei als völlig in Ordnung dargestellt, solange die Weißen die Herren sind4. Das sehen wir heute anders, und auch darüber lässt sich mit Kindern gut reden.
Herkunft und Entstehung
Der Roman erschien am 25. April 1719 in England2. Schon im selben Jahr kamen drei weitere Auflagen heraus, und bereits am 20. August 1719 folgte die Fortsetzung, der am 6. August 1720 ein dritter Band nachgereicht wurde2.
Der volle Titel verrät beinahe die ganze Handlung: Er erzählt von einem Seemann aus York, der achtundzwanzig Jahre allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste Amerikas lebt2. Nach dem Roman heißt die ganze Gattung bis heute Robinsonade2.
Vier deutsche Übersetzungen gab es bereits im Jahr nach dem Erscheinen, ab 1722 folgten zahlreiche Bearbeitungen2. Am erfolgreichsten wurde „Robinson der Jüngere“ von Joachim Heinrich Campe (1779/80), das als erste spezifische deutsche Jugendschrift gilt2.
Autor von Robinson Crusoe
Der Autor von Robinson Crusoe kam aus einfachen Verhältnissen: Daniel Defoe war der Sohn eines Kerzenmachers aus London3. Er wurde Kaufmann und probierte vieles aus – er gründete Firmen als Strumpf- und Ziegelfabrikant, als Parfümhersteller, Zeitungsverleger, Geheimagent und Steuereintreiber3. Von sich selbst sagte er, er sei „13-mal reich und wieder arm“ gewesen3.
Vor dem Schreiben war Defoe viele Jahre als Kaufmann unterwegs und reiste durch Europa4. Er verfasste Hunderte Schriften, oft unter einem seiner vielen Pseudonyme3. Als er Robinson Crusoe schrieb, war er alt und pleite3 – und landete damit den größten Erfolg seines Lebens. Seine weiteren Bücher wurden deutlich weniger bekannt4.
Daniel Defoe – Robinson Crusoe
Die Geschichte der Insel hat Daniel Defoe frei erfunden: Robinson, Freitag und das Leben auf der einsamen Insel stammen aus seiner Fantasie3. Ein echtes Vorbild gab es trotzdem – den Schotten Alexander Selkirk, der von seiner Mannschaft auf einer Insel ausgesetzt wurde und dort über vier Jahre um sein Überleben kämpfte3. Seine Insel trägt heute den Namen Robinson-Crusoe-Insel und gehört zu Chile4.
Vermutlich las Defoe den Bericht über Selkirk und ließ sich davon zu seinem Roman anregen2. Angeblich soll er Selkirk sogar in einem Pub in Bristol getroffen haben2.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
- Was würdest du mitnehmen, wenn du von einem Schiff nur retten könntest, was in einen Rucksack passt?
- Robinson lernt auf der Insel viele Handwerke. Welche Arbeit würdest du gern lernen, und warum?
- Wie hat sich Robinson wohl gefühlt, als er die Fußspur im Sand entdeckte?
- Freitag und Robinson können sich am Anfang nicht verstehen. Wie kann man sich mit jemandem verständigen, dessen Sprache man nicht spricht?
- Stell dir vor, du darfst die Insel nach vielen Jahren besuchen. Was würdest du den Menschen dort mitbringen?
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Häufige Fragen
Wer schrieb Robinson Crusoe?
Wer ist Robinson Crusoe?
Wie lange war Robinson Crusoe auf der Insel?
Was erzählt die Geschichte?
Wie kam der Roman zustande?
Quellen
- Robinson Crusoe · abgerufen am 11.10.2026
- Robinson Crusoe · abgerufen am 11.10.2026
- Die wahre Geschichte des Robinson Crusoe · Stand 09.11.2017
- Robinson Crusoe · abgerufen am 11.10.2026
- Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt · abgerufen am 11.10.2026
- Evangelische Freiheit · abgerufen am 11.10.2026
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