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Nils Holgersson – kindgerecht nacherzählt

Nils Holgersson ist der Junge, der zur Strafe in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und mit den Wildgänsen durch ganz Schweden reist. Auf dieser Seite findet ihr unsere eigene Nacherzählung in neun kurzen Kapiteln zum Vorlesen und Anhören. Am Ende stellt er sich schützend vor seinen Freund, den Gänserich Martin, und wird in diesem Augenblick wieder ein Mensch.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 21 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Nils Holgersson reitet als kleiner Wichtel auf einer weißen Gans über Felder und Wälder – Titelbild zur kindgerechten Nacherzählung
Jahr
1906/1907
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Selma Lagerlöf (Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen, deutsche Übersetzung von Pauline Klaiber)

Neu erzählt nach Selma Lagerlöf

Selma Lagerlöf schrieb die Reise des kleinen Nils Holgersson als Lesebuch für die Schule, damit Kinder ihr Land kennenlernen – hier erzählen wir sie in neuer Sprache nach.

Nils Holgersson und die Gans – die Geschichte zum Vorlesen

Hörfassung · 14 Min.
Nils Holgersson – Hörfassung der Nacherzählung
0:0014:13
MP3 herunterladen (8,1 MB)

In dieser Nacherzählung reist ihr mit Nils Holgersson einmal quer durch Schweden. Die Geschichte hat Selma Lagerlöf vor über hundert Jahren geschrieben und als Schulbuch für Schwedens Kinder gedacht1; wir erzählen sie in neun kurzen Kapiteln, die ihr an einem Abend oder an mehreren Abenden nacheinander vorlesen könnt.

Der Junge und das Wichtelmännchen

Ganz unten im Süden von Schweden, in der Landschaft Schonen, liegt ein kleiner Bauernhof. Dort lebt Nils Holgersson mit seinen Eltern. Nils ist vierzehn Jahre alt1 und macht seinen Eltern viel Kummer: Er ist faul, und mit den Tieren auf dem Hof geht er unfreundlich um1.

An einem Sonntagmorgen Ende März1 gehen Vater und Mutter zur Kirche. Nils soll daheim bleiben und eine Predigt lesen. Er setzt sich in den großen Lehnstuhl und schläft nach ein paar Zeilen ein. Da weckt ihn ein Geräusch: Auf dem Rand der schweren Truhe seiner Mutter sitzt ein Wichtelmännchen, nicht länger als eine Spanne. Nils fängt es mit einem Fliegennetz. Das Wichtelmännchen bittet um seine Freiheit und verspricht ihm Gold, Silber und eine große Münze. Nils lässt es fast heraus – und schlägt das Netz dann doch wieder zu, weil er mehr haben will. Da trifft ihn eine so harte Ohrfeige, dass er bewusstlos zu Boden fällt.

Als er wieder aufwacht, ist er selbst ein Wichtelmännchen. Die Stube ist riesig, der Tisch ein Berg, und seine eigenen Holzschuhe sind so groß wie Boote. Die Katze, die Kühe und die Hühner haben nichts vergessen: Sie nennen ihn einen Däumling und jagen ihn über den Hof, bis er sich auf das Steinmäuerchen rettet. Dort sitzt er ganz allein und merkt, dass er noch nie wirklich Freundschaft gekannt hat.

Über ihm ruft es: Eine lange Kette von Wildgänsen zieht nach Norden, nach Lappland, wo sie brüten1. Der zahme Gänserich Martin will mitfliegen. Nils klammert sich an ihn – zu spät. Der Gänserich hebt ab und nimmt ihn mit, hoch über den Hof und die Ebene, und unter ihnen wird die Erde zu einem bunten, gewürfelten Tuch aus Äckern und Wäldern.

Bei Akka von Kebnekajse

Am Abend lassen sich die Wildgänse auf dem Eis des Vombsees nieder. Ihre Anführerin heißt Akka von Kebnekajse. Sie ist alt, klug und misstrauisch gegen alles, was Mensch heißt. Martin bürgt mit seinem Wort dafür, dass Nils den Gänsen nichts zuleide tut, und nur deshalb darf der Däumling über Nacht bleiben. Zum Schlafen steckt der große Weiße ihn unter seinen Flügel, wo es warm ist.

Mitten in der Nacht schleicht der Fuchs Smirre über das Eis und schleppt eine Wildgans davon. Nils läuft ihm nach, packt ihn am Schwanz und lässt nicht locker, bis die Gans sich befreien kann. Am nächsten Tag treiben die Wildgänse ihr Spiel mit dem Fuchs: Immer wieder fliegen sie dicht an ihm vorbei, und Smirre springt umsonst, bis er erschöpft im Laub liegen bleibt. Nils merkt, dass er zum ersten Mal im Leben etwas für ein anderes Wesen getan hat – und dass ihm das guttut.

Von dieser Nacht an gehört er zur Schar. Er lernt, die Sprache der Tiere zu verstehen, und bekommt mit, wie die Menschen in Dörfern und Städten leben. Der große weiße Gänserich trägt ihn Tag für Tag über Wälder, Flüsse und Seen, und hier und da kann Nils einem Tier aus einer Not helfen. Aus dem Jungen, der Tiere gequält hat, wird langsam ein Junge, der sich um sie kümmert.

Haus Glimminge und der Kranichtanz

In Schonen steht ein altes, festes Steinhaus: Glimminge. Darin wohnen die letzten schwarzen Ratten des Landes, und von draußen drängen die grauen Ratten Tag für Tag näher heran. Der Storch Ermenrich, der auf dem Dach von Glimminge nistet, erzählt es Akka, und die Wildgänse fliegen hinüber. In der Domkirche zu Lund hat eine Eule ein kleines Horn gefunden, mit dem man Ratten und Mäuse in seinen Bann ziehen kann.

Mitten in der Nacht steht Nils auf dem Hof von Glimminge und bläst auf diesem Horn. Sofort kommen die grauen Ratten aus allen Winkeln gelaufen und folgen ihm, und er führt sie weit weg von dem alten Haus, bis ans Wasser. So sind die schwarzen Ratten gerettet. Vielleicht kennt ihr dieselbe Geschichte als das Märchen vom Rattenfänger von Hameln, bei dem ein Pfeifer die Ratten aus einer Stadt lockt; Selma Lagerlöf hat dieses alte Sagenmotiv für ihr Buch aufgegriffen1.

Wenige Tage später feiern die Tiere auf dem Kullaberg ihr großes Frühlingsfest. Die Kraniche tanzen, und alle Tiere schauen ihnen zu. Nur Smirre, der Fuchs, hält sich nicht an den Frieden dieses Tages: Er schleicht sich an die Wildgänse heran und versucht, eine Gans zu fassen. Die Tiere verurteilen ihn dafür und jagen ihn davon. Von diesem Tag an ist Smirre in Schonen verbannt und muss sich eine neue Heimat suchen.

Daunenfein und der Sturm

Die Reise führt die Gänse über die Ostsee nach Öland. Dort treffen sie auf eine kleine Graugans, die nicht weiterfliegen kann: Ihre Schwestern haben sie im Streit gestoßen, und dabei ist ihr Flügel aus dem Gelenk geraten. Daunenfein heißt sie, und Martin bringt ihr jeden Tag Futter. Nils betrachtet den Flügel genau und drückt ihn vorsichtig an die richtige Stelle zurück. Es tut der kleinen Gans sehr weh, aber am nächsten Morgen ist der Flügel wieder in Ordnung, und Daunenfein kann mitfliegen.

Wildgänse fliegen in Keilformation über einen stillen See in Schweden – Illustration zum Nacherzählen von Nils Holgersson

Kurz darauf geraten die Gänse über dem Meer in einen schweren Sturm. Sie lassen sich auf den Wellen treiben und suchen Schutz in einer Höhle auf einer kleinen Felseninsel. Dort lebt eine Herde Schafe, die von Füchsen bedroht wird. In dieser Nacht hält Nils Wache, und als die Füchse über den Felsen klettern, führt er sie listig auf einen schmalen Grat über eine tiefe Spalte, die die Menschen das Höllenloch nennen. Die Füchse stürzen hinein und können nicht mehr heraus, und das Schafvolk ist gerettet. Der Leuchtturmwärter auf der Nachbarinsel findet am nächsten Morgen eine Nachricht und holt sie ab.

Die versunkene Stadt Vineta

Eines Nachts trägt der Storch Ermenrich den Däumling über das Meer bis an eine fremde Küste. Dort liegt auf dem Grund des Wassers eine versunkene Stadt: Vineta. Sie war einst reich und prächtig, aber ihre Bewohner wurden übermütig, und zur Strafe versank die Stadt im Meer. Nur alle hundert Jahre darf sie für eine einzige Stunde wieder auftauchen.

Nils darf sie sehen: Gassen, Giebelhäuser und Türme, alles funkelt im Licht. Die Kaufleute legen ihm Seide, Samt und Silber vor und wollen für ihren ganzen Reichtum nur ein einziges Geldstück. Nils hat keines. Als die Stunde vorüber ist, sinkt Vineta wieder hinab ins Meer, und Nils ist tieftraurig.

Später versteht er, dass es gut so ist. Auf Gotland besuchen die Gänse die alte Stadt Visby mit ihren Mauern und Kirchen. Was einmal versunken ist, gehört der Vergangenheit; was geblieben ist, hat seine eigene, lebendige Schönheit. Nils lernt an diesem Tag, dass man das Verlorene nicht festhalten kann und das Gegenwärtige deshalb nicht gering schätzen muss.

Am Tåkern

Weiter geht es über Schwedens Wälder und Seen. Am Tåkern, einem großen Vogelsee mit weiten Schilfflächen, wohnt der Wildenten-Erpel Jarro. Jäger haben ihn angeschossen, und die Leute eines Hofes haben ihn gesund gepflegt. Zum Dank binden sie ihn aber am Ufer fest, damit er die anderen Enten herbeilockt – ein Lockvogel, auf den geschossen wird. Jarro leidet sehr darunter.

Nils fährt in einem kleinen Nest über den See, schneidet die Schnur durch und ruft ihm zu, dass er fliegen soll. Von da an warnt Jarro seine Artgenossen jeden Tag, und kein Jäger bekommt mehr ein Tier zu fassen. Als später der kleine Per Ola vom Hof mit einem alten Boot im See in Not gerät, bringen Jarro und Nils ihn zu einem Sumpfholm in Sicherheit. Per Olas Mutter denkt danach zum ersten Mal darüber nach, ob der See wirklich trockengelegt werden muss und ob die vielen Vögel nicht ein Recht auf ihre Heimat haben.

Gefangen in Stockholm

Auf dem Weg nach Norden gerät Nils in Gefahr: Eine Wildgans lässt ihn über dem Meer fallen, ein Fischer zieht ihn aus dem Wasser und verkauft ihn an einen Spielmann in Stockholm. Der bringt ihn in das Freiluftmuseum Skansen, wo er in einem kleinen Häuschen untergebracht wird. Der Spielmann hat Mitleid mit ihm, will ihn aber nicht gleich gehen lassen, und so verspricht Nils, zu bleiben, bis er ihn freigibt.

Im Museum leben viele Tiere in Gehegen. Auch Gorgo, ein junger Adler, sitzt dort eingesperrt, und er wird von Tag zu Tag stiller und trauriger. In der Nacht feilt Nils die Drähte durch und lässt ihn frei. Gorgo ist Akkas Pflegesohn: Sie hat ihn einst als hilfloses Junges gefunden und großgezogen, bis er als Adler leben wollte. Zum Dank trägt der Adler den Däumling hoch über Gästrikland, Hälsingeland und Medelpad bis in den Norden, wo die Wildgänse in einem Felsental auf ihn warten.

Sommer in Lappland

Endlich ist Nils wieder bei seinen Freunden. Im Felsental in Lappland herrscht Hochsommer. Martin und Daunenfein haben Junge bekommen, die jungen Gänse lernen fliegen und schwimmen, und die Nächte sind so hell, dass die Sonne kaum untergeht. Nils genießt die weiten Berge, die Seen und die Stille, und abends sitzt er bei Akka und dem Adler Gorgo, die ihm von früher erzählen.

In diesem Sommer kreuzen sich zwei Wege. Das Gänsemädchen Åsa und ihr Bruder Klein-Mats wandern zu Fuß durch Schweden, um ihren Vater zu suchen. Ihre Mutter und ihre Geschwister sind gestorben, und in ihrem Dorf glaubten alle an einen Fluch. In einer Schule erfahren die Kinder, dass es keine Verhexung war, sondern eine ansteckende Krankheit, gegen die man sich schützen kann1. Von da an erzählen sie überall, was sie gehört haben, und klären die Menschen auf.

Als sie endlich im Norden ankommen, stirbt Klein-Mats bei einem Unglück im Erzbergwerk1. Åsa lässt ihm ein würdiges Begräbnis richten und sucht danach weiter. Am Ende findet sie ihren Vater, der so lange unterwegs war wie sie selbst.

Heimkehr und Abschied

Im Herbst fliegen die Wildgänse wieder nach Süden. Auf dem Weg bieten sie Nils das Gold an, das sie auf einer Schäre im Meer gefunden haben: Er soll es mit nach Hause nehmen und damit zeigen, dass er bei ordentlichen Leuten gewesen ist. Doch Nils kann das Geschenk nicht annehmen. Das Wichtelmännchen hatte ihm eine schwere Bedingung gestellt, und Akka hatte ihm diese Bedingung lange verschwiegen: Er wird nur dann wieder ein Mensch, wenn der Gänserich Martin mit auf den Hof kommt – und dort sollte Martin geschlachtet werden.

In einer Nacht schleichen sich die beiden auf den Hof von Nils' Eltern. Vater und Mutter sind vom Kummer grau geworden; zwei Kühe mussten sie schon verkaufen, und sie wollen den Hof verlassen. Den Gänserich fangen sie und wollen ihn schlachten. Da überwindet Nils seine Scham: Er läuft ins Haus, stellt sich zwischen seine Eltern und seinen Freund – und in diesem Augenblick wird er wieder ein Mensch.

Die Eltern schließen ihn in die Arme, und der Gänserich darf leben. Am nächsten Morgen geht Nils an den Strand, um sich von den Wildgänsen zu verabschieden. Sie kommen noch einmal zu ihm, drängen sich um ihn und reiben ihre Schnäbel an ihm. Dann fliegen sie über das Meer davon, und Nils kann sie nicht mehr rufen. Er ist wieder ein Menschenkind – und die Reise, die ihn verändert hat, wird er sein Leben lang nicht vergessen.

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Nils Holgersson in Kürze

Nils ist ein fauler, unfreundlicher Bauernjunge, der die Tiere des Hofes quält. Als er ein Wichtelmännchen ärgert, wird er selbst verwandelt und reist mit einem Schwarm Wildgänse durch ganz Schweden1. Martin, die Gans Nils Holgerssons, wird dabei sein bester Freund, und Nils lernt, anderen zu helfen und Verantwortung zu tragen. Im Herbst kehrt er heim; seine Eltern wollen den Gänserich schlachten. Nils stellt sich dazwischen und wird im selben Augenblick wieder ein Mensch. Selma Lagerlöf schrieb die Geschichte 1906/1907 als Lesebuch für Schwedens Schulen1.

Die Figuren

  • Nils Holgersson – ein vierzehnjähriger Bauernjunge, der in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und auf der Reise hilfsbereit und mutig wird.
  • Martin – der zahme weiße Gänserich; er schließt sich den Wildgänsen an und wird Nils' treuester Freund.
  • Akka von Kebnekajse – die alte, kluge Anführerin der Wildgänse; sie ist zuerst misstrauisch und beschützt Nils später wie ein eigenes Kind.
  • Smirre – der Fuchs, der die Wildgänse verfolgt und dafür aus dem Land verbannt wird.
  • Daunenfein – die kleine Graugans mit dem verletzten Flügel, die später Martins Frau wird.
  • Gorgo – der Adler, den Akka aufgezogen hat und den Nils aus dem Käfig befreit.
  • Das Wichtelmännchen – verwandelt Nils zur Strafe in einen Wichtel und stellt ihm eine Bedingung.
  • Ermenrich – der Storch auf dem Dach von Glimminge, der die Wildgänse um Hilfe bittet.
  • Åsa – das Gänsemädchen, das mit ihrem Bruder durch Schweden wandert, um den Vater zu suchen.
  • Klein-Mats – Åsas kleiner Bruder, der tapfer für sich selbst sorgt und im Norden stirbt.
  • Jarro – der Wildenten-Erpel, der als Lockvogel missbraucht und von Nils befreit wird.
  • Klement Larsson – der Spielmann auf Skansen, der Nils kauft und ihn an ein Versprechen bindet.

Was lernen Kinder daraus?

Die Geschichte ist ein großes Abenteuer und erzählt zugleich, wie ein Junge ein anderer Mensch wird. Nils ist zu Beginn faul und grob zu den Tieren. Erst als er klein und schutzlos ist, merkt er, wie sehr alles Lebendige auf Freundlichkeit angewiesen ist. Er lernt, anderen zu helfen, ohne an sich zu denken, und erlebt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotzdem das Richtige zu tun.

Die Wildgänse zeigen, was eine Gemeinschaft leisten kann. Sie fliegen in einer Formation, bei der jeder Flügelschlag dem nächsten Vogel Kraft spart; so kommen sie bis zu 70 Prozent weiter, als ein Vogel allein schaffen würde, und geschwächte Tiere werden begleitet, bis sie wieder mithalten können2.

Selma Lagerlöf hat das Buch bewusst ohne erhobenen Zeigefinger geschrieben: Die Werte stecken in der Handlung, nicht in Belehrungen1. Genau deshalb ist Nils Holgersson bis heute eine Geschichte, die Kinder gern hören und Eltern gern vorlesen.

Herkunft und Entstehung

Die Geschichte stammt von der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, die von 1858 bis 1940 lebte2. Um 1900 gab der Verband der schwedischen Volksschullehrer neue Lesebücher für die Schule in Auftrag, und den Band über Land und Leute Schwedens sollte Selma Lagerlöf schreiben1. Über den Auftrag freute sie sich sehr; vorher musste sie aber noch den zweiten Band ihres Romans Jerusalem fertigstellen, und so begann sie erst 1902 mit der Arbeit an Nils Holgersson1.

Erschienen ist das Buch 1906/19071. Die Autorin wollte Schweden aus der Vogelperspektive zeigen und ließ ihre Hauptfigur dafür in ein Wichtelmännchen verwandeln und auf dem Rücken einer Gans über das Land fliegen1. Neben der Landeskunde ging es ihr um Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Versöhnung1. Der Roman wurde ein großer Erfolg: Schon im ersten Jahr wurden neben den Schulausgaben 100.000 Exemplare verkauft1. Kritik kam von der Schulbehörde, der das Buch zu märchenhaft erschien, und von der Kirche, der ausdrücklich christliche Inhalte fehlten1.

Die Idee zu dem zahmen Gänserich stammt aus einem echten Erlebnis. Auf dem Gut Mårbacka, wo Selma Lagerlöf aufwuchs, hatte sich zur Zeit ihres Urgroßvaters ein zahmer weißer Gänserich im Frühling den Wildgänsen angeschlossen und war im Herbst mit Frau und sieben Kindern zurückgekehrt. In Wirklichkeit wurden alle neun Gänse geschlachtet; in der Geschichte ändert die Autorin diesen Ausgang1.

Unsere Fassung folgt der deutschen Übersetzung von Pauline Klaiber, die 1907/08 als einzige berechtigte Übertragung aus dem Schwedischen erschien1; wir haben dieselbe Handlung in heutiger, kürzerer Sprache neu erzählt. Weil das Buch vor über hundert Jahren entstand, wirken manche Szenen und Vorstellungen fremd – etwa der Aberglaube rund um Fluch und Krankheit1. Solche Stellen lassen sich gut im Gespräch mit den Kindern einordnen.

Der Originaltext

Selma Lagerlöf

Wunderbare Reise
des kleinen Nils Holgersson
mit den Wildgänsen

Ein Kinderbuch

Einzige berechtigte Übersetzung aus dem Schwedischen
von
Pauline Klaiber

Ausgabe in einem Bande

Zehntes bis fünfzehntes Tausend

Mit 95 Textillustrationen und 8 farbigen Vollbildern
von
Wilhelm Schulz

sowie einer Übersichtskarte von Schweden

Albert Langen, München 1920

Druck von Hesse & Becker in Leipzig
Einbände von E. A. Enders in Leipzig

Inhalt

Seite

1 Der Junge 1
2 Akka von Kebnekajse 15
3 Das Leben der Wildvögel 29
4 Haus Glimminge 39
5 Der große Kranichtanz auf dem Kullaberg 50
6 Im Regenwetter 58
7 Die Treppe mit den drei Stufen 63
8 Am Ronnebyfluß 67
9 Karlskrona 75
10 Die Reise nach Öland 83
11 Die Südspitze von Öland 87
12 Der große Schmetterling 94
13 Die Kleine Karlsinsel 98
14 Zwei Städte 109
15 Die Sage von Småland 119
16 Die Krähen 124
17 Die alte Bauernfrau 139 …

Text: Selma Lagerlöf, Übersetzung: Pauline Klaiber, Quelle: Project Gutenberg #31114. Illustrationen Wilhelm Schulz (†1952) gemeinfrei.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Warum wird Nils am Anfang der Geschichte in ein Wichtelmännchen verwandelt?
  2. Welches Tier auf der Reise wäre euer liebster Reisegefährte, und warum?
  3. Akka traut Nils zuerst nicht. Woran merkt man, dass sie ihm nach und nach vertraut?
  4. Am Ende steht Nils zwischen seinen Eltern und dem Gänserich Martin. Wie hättet ihr euch in diesem Augenblick entschieden?
  5. Wenn ihr mit den Wildgänsen über Schweden fliegen könntet – was möchtet ihr von oben sehen?

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Häufige Fragen

Wie heißt die Gans von Nils Holgersson?
Die Gans an Nils' Seite heißt Martin. Aus der schwedischen Erzählung ist sie als der weiße Gänserich bekannt, der sich im Frühling den vorbeiziehenden Wildgänsen anschließt und Nils auf seinem Rücken durch Schweden trägt1. Geführt wird der Schwarm von der alten Wildgans Akka von Kebnekajse; später wird Daunenfein Martins Frau.
Wer hat Nils Holgersson geschrieben?
Die Geschichte stammt von der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, die von 1858 bis 1940 lebte2. Sie schrieb das Buch um 1900 im Auftrag des Verbands der schwedischen Volksschullehrer als Lesebuch für die Schule1, erschienen ist es 1906/19071. Übersetzt wurde es von Pauline Klaiber1.
Warum ist Nils Holgersson so klein?
Nils ist klein, weil er selbst in ein Wichtelmännchen verwandelt wurde. Zur Strafe dafür, dass er einem Wichtelmännchen einen hinterhältigen Streich gespielt hat, wird er in einen Wichtel verwandelt und dadurch winzig1. Erst als er sich am Ende schützend vor seinen Freund, den Gänserich Martin, stellt, wird er wieder ein Mensch1.

Quellen

  1. Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen · abgerufen am 11.10.2026
  2. Die wunderbare Reise: Der kleine Nils Holgersson und die Wildgänse · Stand 11.12.2023
  3. Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen (dt., Gutenberg #31114) · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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