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Aschenputtel – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Das Märchen von Aschenputtel gehört zu den bekanntesten Geschichten der Brüder Grimm. Es erzählt von einem Mädchen, das nach dem Tod der Mutter bei Stiefmutter und Stiefschwestern in der Küche arbeiten muss, von Tauben und einem Vöglein Hilfe bekommt und am Ende den Königssohn heiratet. Auf dieser Seite findet ihr unsere kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen, eine kurze Zusammenfassung, Gesprächsfragen und eine Hörfassung.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 21 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Aschenputtel sitzt in ihrem grauen Kittel neben dem warmen Herd in der Küche – Titelbild zum Märchen zum Vorlesen
Jahr
1857
Alter ab
5
Autor/Herkunft
Brüder Grimm – Kinder- und Haus-Märchen Band 1, 7. Auflage (KHM 21)

Neu erzählt nach Jacob und Wilhelm Grimm (Kinder- und Haus-Märchen, 1857)

Das Märchen von Aschenputtel, das in der Asche schlafen muss und doch den Königssohn heiratet – kindgerecht nacherzählt zum Vorlesen und Anhören.

Aschenputtel-Märchen – zum Vorlesen und Anhören

Hörfassung · 14 Min.
Aschenputtel – Hörfassung der Nacherzählung
0:0014:20
MP3 herunterladen (8,2 MB)

Es war einmal ein reicher Mann. Seine Frau wurde krank, und als sie spürte, dass ihr Ende nahe war, rief sie ihre einzige Tochter an ihr Bett. „Liebes Kind“, sagte sie, „bleib fromm und gut, dann wird Gott dir immer beistehen. Ich will vom Himmel auf dich herabschauen und bei dir sein.“ Dann schloss sie die Augen und starb. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zum Grab der Mutter und weinte. Es blieb fromm und gut. Im Winter lag ein weißes Tuch aus Schnee auf dem Grab, und als die Sonne es im Frühjahr wieder fortzog, nahm der Vater eine andere Frau.

Die neue Frau brachte zwei Töchter mit ins Haus. Die beiden waren schön und weiß im Gesicht, aber garstig und schwarz im Herzen. Für das Stiefkind begann eine schlimme Zeit. „Was soll dieses Geschöpf bei uns in der Stube?“, spotteten die Schwestern. „Wer Brot essen will, muss es erst verdienen. Fort mit der Küchenmagd!“ Sie nahmen dem Mädchen die schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen, alten Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. „Seht nur die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!“, riefen sie und lachten. Dann schickten sie es in die Küche.

Dort musste das Mädchen von morgens bis abends schwer arbeiten. Es stand früh vor Tag auf, trug Wasser, machte Feuer an, kochte und wusch. Die Schwestern neckten und verspotteten es und schütteten ihm Erbsen und Linsen in die Asche, sodass es dasitzen und alles wieder auslesen musste. Am Abend bekam es kein Bett. Es legte sich neben dem Herd in die Asche. Weil es davon immer staubig und schmutzig aussah, nannten die Schwestern es Aschenputtel.

Einmal wollte der Vater in die Messe ziehen. Da fragte er die beiden Stieftöchter, was er ihnen mitbringen solle. „Schöne Kleider“, sagte die eine. „Perlen und Edelsteine“, sagte die andere. „Und du, Aschenputtel, was möchtest du?“, fragte er. „Vater, das erste Reis, das euch auf dem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab.“ So kaufte der Vater Kleider, Perlen und Edelsteine. Auf dem Rückweg ritt er durch einen grünen Busch. Ein Haselreis streifte ihn und stieß ihm den Hut vom Kopf. Er brach das Reis ab und nahm es mit nach Hause.

Die Stieftöchter bekamen, was sie sich gewünscht hatten. Das Mädchen bekam den Zweig vom Haselbusch. Es dankte, ging zum Grab der Mutter und pflanzte ihn in die Erde. Dabei weinte es so sehr, dass die Tränen auf das Reis fielen und es begossen. Der Zweig wuchs und wurde ein schöner Baum. Jeden Tag ging das Mädchen dreimal darunter, weinte und betete. Und jedes Mal kam ein weißes Vöglein auf den Baum. Wenn es einen Wunsch aussprach, warf ihm der Vogel herab, was es sich gewünscht hatte.

Aschenputtel steht unter einem Haselbaum, auf dem ein weißes Vöglein sitzt – Illustration zum Märchen.

Nun trug es sich zu, dass der König ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte. Alle schönen Jungfrauen im Land waren eingeladen, denn sein Sohn wollte sich eine Braut aussuchen. Die beiden Stiefschwestern freuten sich sehr. Sie riefen Aschenputtel und befahlen: „Kämm uns die Haare, putz uns die Schuhe und mach uns die Schnallen fest. Wir gehen zum Fest auf des Königs Schloss.“ Das Mädchen gehorchte. Dabei weinte es, denn es wäre so gern mitgegangen und hätte gern getanzt. Es bat die Stiefmutter, es ihm zu erlauben. „Du bist voll Staub und Schmutz und willst zum Fest?“, spottete sie. „Du hast keine Kleider und keine Schuhe und willst tanzen!“ Als das Mädchen immer weiter bat, sagte sie endlich: „Ich schütte dir eine Schüssel Linsen in die Asche. Wenn du sie in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, darfst du mitgehen.“

Das Mädchen ging durch die Hintertür in den Garten und rief: „Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.“ Da kamen zwei weiße Täubchen zum Küchenfenster herein, danach die Turteltäubchen, und schließlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herbei. Sie ließen sich um die Asche nieder und pickten: pik, pik, pik. Bald waren alle guten Körner ausgelesen. Kaum war eine Stunde vergangen, da waren die Vögel fertig und flogen wieder hinaus.

Das Mädchen brachte die Schüssel der Stiefmutter und glaubte, nun mitgehen zu dürfen. Aber die Stiefmutter sagte: „Nein, du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen. Du würdest nur ausgelacht.“ Als das Mädchen weinte, sprach sie: „Wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche liest, darfst du mitgehen.“ Dabei dachte sie: Das schafft es niemals. Doch das Mädchen rief wieder die Vögel, und sie halfen ihm. Sie lasen alle guten Körner in die Schüsseln, und ehe eine halbe Stunde vergangen war, waren sie fertig. Da trug das Mädchen die Schüsseln zur Stiefmutter. Aber sie sagte: „Es hilft dir alles nichts. Du kommst nicht mit, wir müssten uns deiner schämen.“ Dann drehte sie ihm den Rücken zu und eilte mit ihren Töchtern fort.

Als niemand mehr im Haus war, ging Aschenputtel zum Grab der Mutter unter den Haselbaum und rief: „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich.“ Da warf der Vogel ein goldenes und silbernes Kleid herab und dazu Pantoffeln, mit Seide und Silber bestickt. Eilig zog das Mädchen das Kleid an und ging zum Fest. Die Stiefmutter und die Schwestern erkannten es nicht. Sie dachten, es müsse eine fremde Königstochter sein, so schön sah es aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht. Sie glaubten, es sitze daheim im Schmutz und lese Linsen aus der Asche. Der Königssohn aber kam dem Mädchen entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte mit keiner anderen tanzen. Wenn jemand es auffordern wollte, sagte er: „Das ist meine Tänzerin.“

Als es Abend wurde, wollte das Mädchen nach Hause. Der Königssohn sagte: „Ich gehe mit und begleite dich.“ Denn er wollte wissen, wem das schöne Mädchen gehörte. Doch es entwischte ihm und sprang in das Taubenhaus. Der Königssohn wartete, bis der Vater kam, und erzählte ihm alles. Der Vater dachte: Sollte es Aschenputtel sein? Er ließ Axt und Hacken bringen und schlug das Taubenhaus entzwei. Aber es war niemand darin. Das Mädchen war schnell hinten hinabgesprungen, zum Haselbäumchen gelaufen und hatte die schönen Kleider abgelegt. Der Vogel nahm sie wieder mit, und Aschenputtel setzte sich in seinem grauen Kittelchen in die Asche.

Am zweiten Tag, als alle fort waren, ging das Mädchen wieder zum Haselbaum und rief den Vers. Da warf der Vogel ein noch viel schöneres Kleid herab. Als es damit zum Fest kam, staunten alle über seine Schönheit. Der Königssohn hatte schon auf es gewartet. Er nahm es bei der Hand und tanzte nur mit ihm. „Das ist meine Tänzerin“, sagte er zu jedem, der es auffordern wollte. Am Abend wollte das Mädchen fort, und der Königssohn ging ihm nach. Doch es sprang in den Garten hinter dem Haus. Dort stand ein großer Birnbaum mit den herrlichsten Früchten. Das Mädchen kletterte behend wie ein Eichhörnchen zwischen die Äste. Der Königssohn wusste nicht, wohin es verschwunden war. Er wartete auf den Vater und sagte: „Das fremde Mädchen ist mir entwischt. Ich glaube, es ist auf den Birnbaum gesprungen.“ Der Vater dachte: Sollte es Aschenputtel sein? Er ließ die Axt holen und hieb den Baum um. Aber es war niemand darauf. In der Küche lag das Mädchen wie sonst in der Asche, denn es war auf der anderen Seite hinabgesprungen und hatte die Kleider zurückgegeben.

Am dritten Tag ging die Tochter wieder zum Grab der Mutter und sprach den Vers zum Bäumchen. Nun warf der Vogel ein Kleid herab, so prächtig und glänzend wie noch keins zuvor. Die Pantoffeln waren ganz golden. Als das Mädchen damit zum Fest kam, wussten alle nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte wieder nur mit ihm. Am Abend wollte es fort, doch diesmal hatte er eine List. Er hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen. Als das Mädchen hinabsprang, blieb der linke Pantoffel im Pech hängen. Der Königssohn hob ihn auf. Der Schuh war klein, zierlich und ganz golden.

Am nächsten Morgen ging der Königssohn zu dem Mann und sagte: „Keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh passt.“ Die beiden Schwestern freuten sich, denn sie hatten schöne Füße. Die älteste ging mit dem Schuh in die Kammer, und die Mutter stand dabei. Aber sie kam mit der großen Zehe nicht hinein, der Schuh war zu klein. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und flüsterte: „Wenn du Königin bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen. Mach den Fuß passend.“ Das Mädchen tat es, obwohl es weh tat, und zwängte den Fuß in den Schuh. Dann ging sie hinaus zum Königssohn, und er hob sie als seine Braut aufs Pferd.

Sie mussten aber am Grab der Mutter vorbei. Da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen und riefen: „Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck: der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“ Der Königssohn blickte auf den Fuß und sah das Blut. Da wendete er sein Pferd, brachte die falsche Braut zurück und sagte: „Das ist nicht die rechte. Die andere Schwester soll den Schuh anziehen.“

Nun ging die jüngere Schwester in die Kammer. Mit den Zehen kam sie in den Schuh, aber die Ferse war zu groß. Wieder reichte die Mutter das Messer und flüsterte, sie brauche als Königin nicht mehr zu Fuß zu gehen. Das Mädchen machte den Fuß passend, verbiss den Schmerz und ging hinaus. Der Königssohn nahm sie aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Doch am Haselbäumchen riefen die Täubchen wieder: „Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck: der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“ Er sah das Blut an den weißen Strümpfen und brachte auch diese Braut zurück. „Das ist sie auch nicht“, sagte er. „Habt ihr keine andere Tochter?“ „Nein“, sagte der Vater. „Nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines Aschenputtel da. Das kann unmöglich die Braut sein.“ Die Mutter aber rief: „Ach nein, das ist viel zu schmutzig. Das darf sich nicht sehen lassen.“

Der Königssohn wollte das Mädchen aber sehen. Also musste Aschenputtel gerufen werden. Es wusch sich Hände und Gesicht sauber, ging hinaus und neigte sich vor dem Königssohn. Er reichte ihm den goldenen Schuh. Das Mädchen setzte sich auf einen Schemel, zog den schweren Holzschuh aus und steckte den Fuß in den Pantoffel. Der Schuh passte, als wäre er ihm angegossen. Als es sich aufrichtete und der Königssohn ihm ins Gesicht sah, erkannte er das schöne Mädchen, das mit ihm getanzt hatte. „Das ist die rechte Braut!“, rief er. Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich vor Ärger.

Er nahm Aschenputtel auf sein Pferd und ritt mit ihm fort. Am Haselbäumchen riefen die zwei weißen Täubchen: „Rucke di guck, rucke di guck, kein Blut im Schuck: der Schuck ist nicht zu klein, die rechte Braut, die führt er heim.“ Dann flogen sie herab und setzten sich dem Mädchen auf die Schultern, eine rechts, die andere links, und blieben dort sitzen.

Bald darauf wurde die Hochzeit gefeiert. Die falschen Schwestern kamen auch und wollten sich einschmeicheln und ein wenig von dem Glück abbekommen. Als die Brautleute zur Kirche gingen, wurden die beiden für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit geschlagen. Von diesem Tag an konnten sie nichts mehr sehen.

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Aschenputtel in Kürze

Ein reiches Mädchen verliert seine Mutter und muss nach der neuen Heirat des Vaters als Küchenmagd leben. Stiefmutter und Stiefschwestern verspotten es und schütten ihm Linsen in die Asche. Auf dem Grab der Mutter wächst aus einem Haselreis ein Baum, und ein weißes Vöglein erfüllt dem Mädchen jeden Wunsch. Als der König zu einem dreitägigen Fest lädt, darf es nicht mit. Heimlich kommt es doch, in wunderbaren Kleidern, und der Königssohn tanzt nur mit ihm. Am dritten Abend verliert es im Pech der Treppe einen goldenen Schuh. Der passt allein Aschenputtel – so erkennt der Königssohn seine Braut.

Die Figuren

  • Aschenputtel – die Tochter des reichen Mannes, die in der Küche arbeiten muss und in der Asche schläft.
  • Die Mutter – sie stirbt, segnet ihre Tochter und wünscht, dass sie fromm und gut bleibt.
  • Der Vater – ein reicher Mann, der wieder heiratet und seiner Tochter das Haselreis mitbringt.
  • Die Stiefmutter – sie bringt zwei Töchter mit und behandelt das Stiefkind hart.
  • Die ältere Stiefschwester – sie macht ihren Fuß passend, damit ihr der goldene Schuh passt.
  • Die jüngere Stiefschwester – sie versucht es mit der Ferse und wird ebenfalls als falsche Braut entlarvt.
  • Der Königssohn – er tanzt nur mit Aschenputtel und sucht sie mit dem goldenen Schuh.
  • Der König – er richtet das dreitägige Fest aus, damit sein Sohn eine Braut findet.
  • Die Tauben und das weiße Vöglein – sie helfen beim Linsenlesen und verraten den Betrug mit ihrem Vers.
  • Die Vöglein unter dem Himmel – sie kommen zum Küchenfenster, wenn das Mädchen sie ruft.

Was lernen Kinder daraus?

Im Märchen geht es um ein Mädchen, das ungerecht behandelt wird und trotzdem freundlich bleibt. Kinder erleben mit, dass Not nicht das Ende bedeutet: Der Baum auf dem Grab der Mutter und die Vögel helfen, wenn niemand sonst da ist. Das macht Mut, wenn eine Situation aussichtslos wirkt.

Aschenputtel lässt sich auf keine Gemeinheit ein. Es bleibt geduldig und höflich, und am Ende wird es belohnt. Zugleich zeigt die Geschichte, dass Täuschung auffliegt: Die Stiefschwestern tricksen, um Königin zu werden, und werden entlarvt.

Märchen regen die Fantasie an und vermitteln moralische Botschaften5. Sie können die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern fördern, weil sie zum Nachdenken über verschiedene Denk- und Handlungsweisen einladen5.

Herkunft und Entstehung

Aschenputtel steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 21 (KHM 21)1. Die Fassung, die ihr hier kennt, erschien 1857 in der siebten Auflage, der Ausgabe letzter Hand.

Das Märchen geht zum Teil auf Charles Perraults „Cendrillon ou la Petite Pantoufle de verre“ von 1697 zurück1. Ludwig Bechstein übernahm den Stoff als „Aschenbrödel“ in sein Deutsches Märchenbuch (1845 Nr. 70, 1853 Nr. 62)1. Ein früheres Märchen ähnlichen Typs ist „Die Aschenkatze“ in Giambattista Basiles Pentameron1. Die Brüder Grimm wählten die niederdeutsche Namensform Aschenputtel, wohl in Abgrenzung zu früheren Fassungen aus dem Französischen1.

Von Auflage zu Auflage wurde der Text umgebaut. Erst ab der Fassung von 1819 pflanzt das Mädchen das Haselnussbäumchen auf das Grab der Mutter, und das Vöglein erfüllt seine Wünsche1. Auch die drei Festtage mit immer schöneren Kleidern, die Pechfalle auf der Treppe und die Strafe der Tauben kamen in dieser Fassung hinzu1. Die erste Auflage von 1812 endete noch mit dem Erkennen der richtigen Braut1. Nach den Recherchen des Grimm-Forschers Holger Erhardt stammt die Version der Brüder von der Erzählerin Elisabeth Schellenberg aus Marburg1.

Das Märchen gehört bis heute zu den bekanntesten überhaupt. Es wurde in viele Sprachen übertragen; in Deutschland entstand sogar eine aramäische Fassung, in der auch der Vers vom Bäumchen vorkommt4.

Der Originaltext

Einem reichen Manne dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte daß ihr Ende heran kam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach „liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um dich sein.“ Darauf that sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen gieng jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte, und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau.

Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da gieng eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. „Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!“ …

Text: Jacob und Wilhelm Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, 7. Auflage 1857 (KHM 21) – Fassung: Originalschreibweise der Ausgabe 1857.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

Nach dem Vorlesen bleiben oft kleine Fragen offen. Diese fünf Fragen könnt ihr gemeinsam besprechen:

  1. Warum dürfen die Stiefschwestern zum Fest gehen und Aschenputtel nicht – und wie fühlt sich das an?
  2. Die Tauben und das Vöglein helfen dem Mädchen. Wer hilft dir, wenn dir etwas schwerfällt?
  3. Aschenputtel bleibt freundlich, obwohl die Schwestern gemein sind. Warum ist das schwer, und warum lohnt es sich?
  4. Die Stiefschwestern machen ihre Füße passend, damit der Schuh passt. Warum ist Ehrlichkeit besser, auch wenn sie länger dauert?
  5. Am Ende erkennen alle, wie besonders das Mädchen ist. Woran merkt man, dass ein Mensch ein gutes Herz hat?

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Häufige Fragen

Wer hat Aschenputtel geschrieben?
Das Märchen steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 21 (KHM 21); Jacob und Wilhelm Grimm haben es gesammelt und aufgeschrieben1. Es geht zum Teil auf Charles Perraults „Cendrillon ou la Petite Pantoufle de verre“ von 1697 zurück1. Später übernahm Ludwig Bechstein den Stoff als „Aschenbrödel“ in sein Deutsches Märchenbuch (1845 Nr. 70, 1853 Nr. 62)1.
Wie alt ist Aschenputtel?
Eine genaue Altersangabe macht das Märchen nicht. Erzählt wird von einem jungen Mädchen, das nach dem Tod der Mutter bei Stiefmutter und Stiefschwestern lebt. Der Vater heiratet zwei Jahre nach dem Tod der Mutter wieder1. Wie alt Aschenputtel genau ist, bleibt offen – die Geschichte begleitet es vom Kind im Vaterhaus bis zur Braut des Königssohns.
Was bedeutet Aschenputtel?
Der Name kommt von der Asche. Weil das Mädchen neben dem Herd in der Asche schlafen muss, nennen es die Stiefschwestern Aschenputtel1. In Grimms Wörterbuch steht Aschenputtel als „der hessische Name“ für Aschenbrödel, einen in der Asche „brodelnden“ Küchenjungen1. Der Name beschreibt also jemanden, der rußig und staubig bei der Asche arbeitet.
Was ist der Unterschied zwischen Aschenbrödel und Aschenputtel?
Es ist dasselbe Märchen mit zwei Namen. Ludwig Bechstein übernahm den Stoff als „Aschenbrödel“ in sein Deutsches Märchenbuch (1845 Nr. 70, 1853 Nr. 62)1. Die Brüder Grimm wählten die niederdeutsche Namensform Aschenputtel, wohl in Abgrenzung zu früheren Fassungen aus dem Französischen1. Schon eine frühe Perrault-Übersetzung hieß um 1760 „Aschen-Brodel“1.
Was sortiert Aschenputtel?
Aschenputtel liest Linsen aus der Asche. Die Stiefmutter schüttet ihm eine Schüssel Linsen hinein und verlangt, dass sie in zwei Stunden wieder ausgelesen sind2, 3. Dabei helfen ihm zwei weiße Täubchen und alle Vöglein unter dem Himmel: „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“2. Später kommt noch eine zweite Aufgabe mit zwei Schüsseln Linsen dazu2.

Quellen

  1. Aschenputtel · abgerufen am 11.10.2026
  2. Aschenputtel · abgerufen am 10.10.2026
  3. Aschenputtel (1819) · abgerufen am 11.10.2026
  4. „Aschenputtel“ auf Aramäisch · abgerufen am 11.10.2026
  5. Märchen und Sagen in der Grundschule · Stand 05.08.2026
  6. Aschenputtel (1857) · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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