Vom Fischer und seiner Frau – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1857
- Alter ab
- 4
- Autor/Herkunft
- Philipp Otto Runge / Brüder Grimm (Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe)
Neu erzählt nach Philipp Otto Runge und den Brüdern Grimm (plattdeutsches Original, 1857)
Diese Nacherzählung folgt der plattdeutschen Fassung von Philipp Otto Runge und den Brüdern Grimm – kindgerecht erzählt und zum Vorlesen gedacht.
Das Märchen vom Fischer und seiner Frau – zum Vorlesen
Es war einmal ein Fischer, der lebte mit seiner Frau Ilsebill in einer kleinen, armseligen Hütte dicht an der See. Der Fischer ging jeden Tag zum Wasser, warf seine Angel aus und wartete. Und er angelte und angelte, oft kam er mit leeren Händen zurück.
Eines Tages saß er wieder am Ufer und sah ins klare Wasser. Da zog die Angel tief hinunter, und als er sie heraufholte, hing ein großer Butt daran. Der Butt sah ihn an und sagte: „Hör mal, Fischer, lass mich leben, ich bitte dich. Ich bin kein gewöhnlicher Butt, ich bin ein verwunschener Prinz. Was hilft es dir, wenn du mich tötest? Setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen.“
„Nun“, sagte der Fischer, „du brauchst nicht so viele Worte zu machen. Einen Butt, der sprechen kann, lasse ich doch schwimmen.“ Er setzte ihn ins klare Wasser zurück. Der Butt tauchte in die Tiefe, ein schmaler Streifen Blut blieb zurück. Dann ging der Fischer zu seiner Frau in die Hütte.
„Mann“, sagte Ilsebill, „hast du heute nichts gefangen?“ – „Nein“, sagte er. „Ich fing einen Butt, der sagte, er sei ein verwunschener Prinz, da habe ich ihn schwimmen lassen.“ – „Und du hast dir nichts gewünscht?“, fragte sie. – „Nein“, sagte er. „Was sollte ich mir wünschen?“ – „Ach“, sagte Ilsebill, „es ist doch übel, immer hier in dieser stinkenden Hütte zu wohnen. Du hättest uns ein Häuschen wünschen können. Geh noch einmal hin und ruf ihn. Sag ihm, wir wollen ein Häuschen haben. Er tut das gewiss.“ – „Ach“, sagte der Fischer, „was soll ich da noch hingehen?“ – „I“, sagte die Frau, „du hattest ihn doch gefangen. Geh gleich hin!“
Der Fischer wollte noch nicht recht. Er wollte seiner Frau aber auch nicht zuwider sein und ging hin zur See.
Als er dort ankam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. Er stellte sich ans Ufer und rief:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
Da kam der Butt angeschwommen: „Na, was will sie denn?“ – „Ach“, sagte der Fischer, „ich hatte dich gefangen. Nun sagt meine Frau, ich hätte mir etwas wünschen sollen. Sie mag nicht mehr in der Hütte wohnen, sie will ein Häuschen.“ – „Geh nur hin“, sagte der Butt, „sie hat es schon.“
Da ging der Fischer nach Hause, und seine Frau saß nicht mehr in der alten Hütte. An ihrer Stelle stand ein kleines, sauberes Haus, und Ilsebill saß vor der Tür auf einer Bank. „Komm herein, sieh, nun ist das viel besser.“ In dem Häuschen gab es eine helle Stube und eine Kammer mit zwei Betten, dazu Küche und Speisekammer, alles fein mit Zinn und Messing eingerichtet. Hinter dem Haus lagen ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein Garten mit Gemüse und Obstbäumen. „Sieh“, sagte die Frau, „ist das nicht nett?“ – „Ja“, sagte der Fischer, „so soll es bleiben. Nun wollen wir vergnügt leben.“ – „Das wollen wir uns bedenken“, sagte Ilsebill.
Sie aßen etwas und gingen zu Bett. So ging es 8 oder 14 Tage. Da sagte die Frau: „Hör, Mann, das Häuschen ist viel zu eng, und der Garten ist so klein. Ich möchte in einem großen, steinernen Schloss wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloss schenken.“ – „Ach, Frau“, sagte der Fischer, „das Häuschen ist doch gut genug. Was wollen wir in einem Schloss?“ – „Geh du nur hin“, sagte sie, „der Butt kann das schon.“ – „Nein, Frau“, sagte er, „der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben. Ich mag nicht schon wieder kommen, es könnte ihn verdrießen.“ – „Geh doch“, sagte die Frau, „er tut es gern.“
Dem Fischer war das Herz schwer. „Das ist nicht recht“, sagte er zu sich selbst. Aber er ging doch hin.
Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau, doch noch still. Er rief:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. – „Ach“, sagte der Fischer, „meine Frau will in einem steinernen Schloss wohnen.“ – „Geh nur hin“, sagte der Butt, „sie steht schon vor der Tür.“
Der Fischer ging heim, und da stand ein großer Palast aus Stein, und Ilsebill stand oben auf der Treppe. „Komm herein.“ Im Schloss war eine weite Diele mit marmornem Boden, und viele Bediente rissen die großen Türen auf. In den Zimmern standen goldene Stühle und Tische, kristallene Kronleuchter hingen von der Decke. Hinter dem Haus lagen ein großer Hof mit Pferde- und Kuhstall, Kutschen und ein herrlicher Garten mit den schönsten Blumen. Ein Park, wohl eine halbe Meile lang, gehörte dazu, darin liefen Hirsche und Rehe. „Na“, sagte die Frau, „ist das nicht schön?“ – „Ach ja“, sagte der Fischer, „nun wollen wir im Schloss wohnen und zufrieden sein.“ – „Das wollen wir uns bedenken“, sagte Ilsebill.

Am anderen Morgen wachte die Frau zuerst auf und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land. Der Fischer reckte sich noch, da stieß sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite: „Mann, steh auf und schau aus dem Fenster. Können wir nicht König werden über all das Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein.“ – „Ach, Frau“, sagte er, „ich mag nicht König sein.“ – „Nun“, sagte sie, „willst du nicht, so will ich König sein. Geh hin zum Butt!“ – „Ach, Frau“, sagte er, „das mag ich ihm nicht sagen.“ – „Warum nicht?“, sagte sie. „Geh stracks hin, ich muss König sein!“
Da ging der Fischer hin und war ganz bedrückt. Er wollte nicht hingehen, ging aber doch.
Als er an die See kam, war sie ganz schwarzgrau, das Wasser wallte von unten auf und stank faul. Er rief:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. – „Ach“, sagte der Fischer, „sie will König werden.“ – „Geh nur hin“, sagte der Butt, „sie ist es schon.“
Als er zum Palast kam, war das Schloss noch größer geworden, mit einem großen Turm. Eine Schildwache stand vor dem Tor, Soldaten marschierten auf, Pauken und Trompeten erklangen. Im Haus war alles aus Marmor und Gold. Die Türen zum Saal gingen auf, und Ilsebill saß auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten. Sie trug eine große goldene Krone und hielt das Zepter in der Hand. Zu beiden Seiten standen sechs Jungfrauen in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. „Bist du nun König?“, fragte der Fischer. – „Ja, nun bin ich König.“ – „Ach Frau, wie schön, dass du König bist! Nun wollen wir uns nichts mehr wünschen.“ – „Nein, Mann“, sagte sie ganz unruhig, „mir wird die Zeit lang. König bin ich, nun muss ich auch Kaiser werden. Geh hin zum Butt.“
„Ach Frau“, sagte er, „warum willst du Kaiser werden?“ – „Geh zum Butt, ich will Kaiser sein!“ – „Aber Kaiser ist nur einmal im Reich, das kann der Butt nicht.“ – „Was“, sagte die Frau, „ich bin König, und du bist mein Mann. Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen. Geh gleich hin!“
Da musste er hingehen. Ihm war bang, und unterwegs dachte er: „Das geht nicht gut. Der Butt wird am Ende müde.“
Als er an die See kam, war das Wasser noch ganz schwarz und dick, es warf Blasen, und ein Wirbelwind fegte darüber hin. Er rief:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. – „Ach Butt, meine Frau will Kaiser werden.“ – „Geh nur hin, sie ist es schon.“
Als er ankam, war das Schloss von poliertem Marmor mit Figuren aus Alabaster und goldenem Zierat. Soldaten marschierten auf und schlugen Pauken und Trommeln. Im Haus gingen Barone, Grafen und Herzöge umher wie Bediente. Ilsebill saß auf einem Thron aus einem Stück Gold, wohl 2 Meilen hoch, und trug eine goldene Krone, 3 Ellen hoch, mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hielt sie das Zepter, in der anderen den Reichsapfel. Neben ihr standen Trabanten in zwei Reihen, vom allergrößten Riesen bis zum winzigsten Zwerg. „Bist du nun Kaiser?“ – „Ja, ich bin Kaiser.“ – „Wie steht dir das schön!“ – „Mann, was stehst du da?“, sagte sie. „Ich bin nun Kaiser, nun will ich auch Papst werden. Geh hin zum Butt.“
„Ach Frau“, sagte er, „Papst kannst du nicht werden. Papst ist nur einmal in der Christenheit, das kann er nicht machen.“ – „Ich will Papst werden“, sagte sie, „geh gleich hin!“ – „Nein, Frau, das mag ich ihm nicht sagen, das ist zu viel verlangt.“ – „Mann, schwatz kein dummes Zeug! Kann er Kaiser machen, so kann er auch einen Papst machen. Geh sofort hin!“
Da wurde ihm bang, und er ging. Er zitterte und bebte, und die Knie schlotterten ihm. Ein Wind strich über das Land, die Wolken flogen, und es wurde düster wie gegen Abend. Die Blätter wehten von den Bäumen, das Wasser brauste wie kochend und platschte ans Ufer. In der Ferne sahen die Schiffe in Not, und an den Seiten zog rotes Gewitter auf. Ganz verzagt stand er da und rief:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. – „Ach, sie will Papst werden.“ – „Geh nur hin, sie ist es schon.“
Als er ankam, stand da eine große Kirche, umgeben von lauter Palästen. Innen war alles mit vielen tausend Lichtern erleuchtet. Ilsebill war ganz in Gold gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron. Sie trug drei große goldene Kronen, und zu beiden Seiten standen zwei Reihen Lichter, vom allergrößten Turm bis zum allerkleinsten Küchenlicht. Alle Kaiser und Könige lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantoffel. „Bist du nun Papst?“ – „Ja, ich bin Papst.“ Dem Fischer war, als sähe er in die helle Sonne. „Nun sei zufrieden, du kannst doch nichts mehr werden.“ – „Das will ich mir bedenken“, sagte sie.
Sie gingen zu Bett, aber die Frau war nicht zufrieden. Die Gier ließ sie nicht schlafen, sie dachte immer, was sie noch werden könnte. Der Fischer schlief fest, er war am Tag viel gelaufen. Die Frau aber warf sich die ganze Nacht hin und her. Als das Morgenrot kam, setzte sie sich im Bett auf und sah zum Fenster hinaus. Die Sonne ging auf. „Ha“, dachte sie, „kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?“
„Mann“, sagte sie und stieß ihn in die Rippen, „wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott.“ Der Fischer erschrak so, dass er aus dem Bett fiel. „Ach Frau, was sagst du?“ – „Wenn ich die Sonne und den Mond nicht selbst kann aufgehen lassen, habe ich keine ruhige Stunde mehr. Gleich geh hin!“ Sie sah ihn so böse an, dass ihn ein Schauder überlief. Er kniete vor ihr nieder: „Ach Frau, das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen. Ich bitte dich, bleib Papst.“ Da wurde sie zornig, die Haare flogen ihr wild um den Kopf, und sie trat nach ihm. „Ich halte das nicht länger aus! Willst du hingehen?“
Da zog er sich die Hosen an und lief fort wie unsinnig. Draußen aber ging der Sturm, dass er kaum auf den Füßen stehen konnte. Häuser und Bäume bogen sich, die Berge bebten, Felsenstücke rollten in die See. Der Himmel war pechschwarz, es donnerte und blitzte, und die See türmte sich in schwarzen Wogen wie Kirchtürme, oben mit weißen Schaumkronen. Er schrie, konnte aber seine eigenen Worte nicht hören:
„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. – „Ach, sie will werden wie der liebe Gott.“ – „Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Hütte.“
Da ging der Fischer zurück, und tatsächlich: Ilsebill saß nicht mehr im Palast, nicht im Schloss und nicht im Häuschen. Sie saß in der alten, armseligen Hütte, genau wie am ersten Tag. Dort sitzen sie noch heute.
Die Geschichte vom Fischer und seiner Frau in Kürze
Ein armer Fischer lebt mit seiner Frau Ilsebill in einer baufälligen Hütte am Meer. Eines Tages fängt er einen Butt, der ein verwunschener Prinz ist; weil der Fisch so bittet, lässt er ihn frei. Ilsebill ist empört: Er hätte sich doch etwas wünschen können! Also geht er zum Meer zurück und wünscht ein Häuschen. Der Butt erfüllt es sofort. Doch Ilsebill will mehr: ein Schloss, dann will sie König, Kaiser und Papst werden. Mit jedem Wunsch wird die See wilder. Zuletzt verlangt sie, wie Gott zu sein. Da schickt der Butt den Fischer nach Hause – und Ilsebill sitzt wieder in der alten Hütte.
Die Figuren
- Der Fischer: Er lebt mit seiner Frau in einer armseligen Hütte, angelt jeden Tag am Meer und lässt den sprechenden Butt frei, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
- Ilsebill: Die Frau des Fischers ist mit dem Leben in der Hütte unzufrieden und schickt ihren Mann immer wieder zum Meer, weil sie ein Häuschen, ein Schloss und schließlich König-, Kaiser- und Papstwürde haben will.
- Der Butt: Ein verwunschener Prinz in Fischgestalt, der dem Fischer aus Dankbarkeit jeden Wunsch erfüllt, den dieser ihm vorträgt.
- Der Hofstaat: Bediente, Soldaten, Jungfrauen, Trabanten und Geistliche, die den Reichtum und die Macht sichtbar machen, die Ilsebill sich wünscht.
Was lernen Kinder daraus?
Der Fischer wäre mit dem zufrieden gewesen, was er hatte – er lässt den Butt frei, ohne einen Wunsch dafür einzufordern5. Ilsebill dagegen findet ihr Leben nicht gut genug und wird nie satt5. Je maßloser ihre Wünsche werden, desto wilder wird die See: Erst ist das Wasser grün und gelb, dann violett und grau, später schwarz und stürmisch2, 3. Am Ende ist alles wieder weg. Die Geschichte stellt eine Frage, die auch heute noch passt: Wird das Leben besser, wenn man immer mehr besitzt und immer mehr bestimmen kann?4 Kinder können daraus mitnehmen, dass Besitz und Macht nicht automatisch glücklich machen. Der Butt steht für die Erfüllung, der Fischer für die Genügsamkeit und Ilsebill für die Maßlosigkeit, die am Ende bestraft wird5.
Herkunft und Entstehung
Philipp Otto Runge schickte das Märchen am 24. Januar 1806 in einem Brief an Johann Georg Zimmer, den Verleger von Achim von Arnims „Des Knaben Wunderhorn“, zusammen mit einem weiteren Märchen, das später als „Von dem Machandelboom“ in Grimms Sammlung einging3. Er gab an, sich an die mündliche Überlieferung gehalten zu haben, und fand die Geschichte erhaben – die Kümmerlichkeit und Gleichgültigkeit des Fischers hebe sie noch3. Über Achim von Arnim gelangte der Text an die Brüder Grimm, die ihn als KHM 19 in ihre Kinder- und Hausmärchen aufnahmen; bis zur 4. Auflage trug er wechselnde Titel3. Runge schrieb später mindestens drei weitere, veränderte Fassungen, von denen eine 1812 in einer Abschrift Friedrich Heinrich von der Hagens durch Johann Gustav Gottlieb Büsching veröffentlicht wurde3. Die Brüder Grimm erhielten ihre Fassung in vorpommerscher Mundart; Runge siedelte die Handlung in seiner Heimat um Wolgast an, möglicherweise am Achterwasser3. In Stade erinnert ein Brunnen an den Fischer mit dem Butt3.
Die Erzählung ist auch in ungarischen, estnischen, litauischen, russischen, serbischen, isländischen und französischen Fassungen bekannt; in Ulrich Jahns „Volksmärchen aus Pommern und Rügen“ steht sie als Nr. 423. Einige Interpreten deuten sie als Allegorie geistiger Prozesse, der Psychotherapeut Jobst Finke liest sie als verbreiteten Paarkonflikt3. In dieser Nacherzählung folgen wir der plattdeutschen Fassung, die 1857 in der Großen Ausgabe der Kinder- und Haus-Märchen erschien.
Vom Fischer und seiner Frau – der plattdeutsche Text
Zum Vergleich steht hier der Anfang im plattdeutschen Original:
Dar wöör maal eens en Fischer un syne Fru, de waanden tosamen in’n Pißputt, dicht an der See, un de Fischer güng alle Dage hen un angeld: un he angeld un angeld.
So seet he ook eens by de Angel un seeg jümmer in dat blanke Water henin: un he seet un seet.
Do güng de Angel to Grund, deep ünner, un as he se heruphaald, so haald he enen grooten Butt heruut. Do säd de Butt to em „hör mal, Fischer, ik bidd dy, laat my lewen, ik bün keen rechten Butt, ik bün’n verwünschten Prins. Wat helpt dy dat, dat du my doot maakst? ik würr dy doch nich recht smecken: sett my wedder in dat Water un laat my swemmen.“ „Nu,“ säd de Mann, „du bruukst nich so veel Wöörd to maken, eenen Butt, de spreken kann, hadd ik doch wol swemmen laten.“ Mit des sett’t he em wedder in dat blanke Water, do güng de Butt to Grund un leet enen langen Strypen Bloot achter sik. …
Text: Philipp Otto Runge / Brüder Grimm, Quelle: Von dem Fischer un syner Fru, Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, S. 100–108, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857 (de.wikisource.org). Fassung: Das Original ist plattdeutsch und wird hier als kurzer Auszug gezeigt; unsere Nacherzählung ist hochdeutsch.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
- Wenn du den Butt gefangen hättest: Hättest du dir etwas gewünscht oder ihn einfach schwimmen lassen?
- Ilsebill hat ein Häuschen, ein Schloss und ein ganzes Reich – warum ist sie trotzdem nicht zufrieden?
- Wie verändert sich das Meer im Laufe der Geschichte, und was könnte das über die Wünsche verraten?
- Worin unterscheiden sich der Fischer und Ilsebill? Wem von beiden fühlst du dich ähnlicher?
- Was könnten die beiden am Ende in ihrer Hütte zueinander sagen?
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Quellen
- Von dem Fischer un syner Fru · abgerufen am 11.10.2026
- Von dem Fischer und seiner Frau · abgerufen am 10.10.2026
- Vom Fischer und seiner Frau · abgerufen am 11.10.2026
- Vom Fischer und seiner Frau · abgerufen am 11.10.2026
- Vom Fischer und seiner Frau (Gebrüder Grimm) + Übungen · abgerufen am 11.10.2026
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