Die Bremer Stadtmusikanten – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1857
- Alter ab
- 4
- Autor/Herkunft
- Brüder Grimm – Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand)
Neu erzählt nach den Brüdern Grimm (1857)
Vier alte Tiere, die gemeinsam stärker sind als jeder Einzelne – das Märchen zum Vorlesen und Anhören.
Die Bremer Stadtmusikanten – das Märchen zum Vorlesen
Ein Müller hatte einen Esel. Viele Jahre lang trug der Esel die schweren Getreidesäcke zur Mühle, im Sommer wie im Winter, ohne sich zu beklagen. Doch mit den Jahren wurde er alt, seine Kräfte ließen nach, und für die schwere Arbeit taugte er immer weniger. Der Müller rechnete schon nicht mehr mit ihm. Das merkte der Esel, und weil es für ihn nicht gut aussah, lief er fort. Sein Ziel: Bremen. Dort wollte er Stadtmusikant werden. Musik machen, dachte er, das kann ich auch.
Er war noch nicht weit gegangen, da fand er einen Jagdhund am Weg liegen, der japste wie einer, der sich müde gelaufen hat. „Was jappst du so, Packan?“, fragte der Esel. „Ach“, sagte der Hund, „ich bin alt geworden und werde jeden Tag schwächer. Zur Jagd tauge ich nicht mehr, und mein Herr wollte mich nicht länger behalten. Da habe ich Reißaus genommen. Aber wovon soll ich nun mein Brot verdienen?“ „Weißt du was“, sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant. Komm mit und lass dich auch bei der Musik annehmen! Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken.“ Der Hund war zufrieden, und sie gingen zusammen weiter.
Es dauerte nicht lange, da saß eine Katze am Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?“, fragte der Esel. „Wer kann da lustig sein, wenn es einem an den Kragen geht“, antwortete die Katze. „Ich komme in die Jahre, meine Zähne werden stumpf, und lieber sitze ich hinter dem Ofen und spinne, als nach Mäusen zu jagen. Meine Frau wollte mich nicht mehr behalten. Ich habe mich noch fortgemacht, aber nun weiß ich nicht, wohin.“ „Geh mit uns nach Bremen“, sagte der Esel, „du verstehst dich doch auf die Nachtmusik. Da kannst du Stadtmusikant werden.“ Die Katze hielt das für eine gute Idee und ging mit.

Zu dritt kamen sie an einem Hof vorbei. Auf dem Tor saß ein Haushahn und schrie aus Leibeskräften. „Du schreist einem ja durch Mark und Bein“, sprach der Esel. „Was hast du vor?“ „Ich habe schönes Wetter prophezeit“, sagte der Hahn, „aber morgen kommen Gäste zum Sonntag, und die Hausfrau hat der Köchin gesagt, sie solle mich in die Suppe tun. Heute Abend soll ich mir den Kopf abschneiden lassen. Da schreie ich noch aus vollem Hals, so lange ich kann.“ „Ei was, du Rotkopf“, sagte der Esel, „zieh lieber mit uns fort. Wir gehen nach Bremen, und etwas Besseres als den Tod findest du überall. Du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, muss es eine Art haben.“ Der Hahn ließ sich das nicht zweimal sagen, und so gingen alle vier zusammen weiter: der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn.
Die Stadt Bremen erreichten sie an diesem Tag nicht mehr. Am Abend kamen sie in einen Wald, und weil sie müde waren, wollten sie dort übernachten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn kletterten in die Äste, und der Hahn flog bis in die Spitze, wo es für ihn am sichersten war. Bevor er einschlief, schaute er sich noch einmal nach allen vier Winden um. Da sah er in der Ferne ein Fünkchen brennen. „Nicht weit von hier muss ein Haus sein“, rief er den anderen zu, „ich sehe ein Licht!“ „So müssen wir uns aufmachen und hingehen“, sprach der Esel, „denn hier ist die Herberge schlecht.“ Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch daran täten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg.
Das Licht wurde immer heller, und bald standen sie vor einem hell erleuchteten Haus. Es gehörte Räubern. Der Esel, der größte von ihnen, stellte sich ans Fenster und schaute hinein. „Was siehst du, Grauschimmel?“, fragte der Hahn. „Was ich sehe? Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen es sich wohl sein.“ „Das wäre was für uns“, sprach der Hahn. „Ja, ja, ach, wären wir da!“, seufzte der Esel. Da beratschlagten die Tiere, wie sie die Räuber aus dem Haus jagen könnten, und endlich fanden sie ein Mittel. Der Esel stellte sich mit den Vorderfüßen auf das Fensterbrett, der Hund sprang auf des Esels Rücken, die Katze kletterte auf den Hund, und zuletzt flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf.
Als alle ihren Platz gefunden hatten, gaben sie einander ein Zeichen. Dann machten sie Musik, so laut sie konnten: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte. Im nächsten Augenblick sprangen sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe. Die Räuber meinten nichts anderes, als käme ein Gespenst herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.
Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch. Die vier aßen von dem, was übrig geblieben war, als hätten sie vier Wochen gehungert. Danach löschten sie das Licht aus und suchten sich jeder einen Schlafplatz. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd in die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken. Müde von dem langen Weg schliefen sie bald alle ein.
Als Mitternacht vorüber war, sahen die Räuber von Weitem, dass kein Licht mehr im Haus brannte und alles ruhig schien. „Wir hätten uns doch nicht ins Bockshorn jagen lassen sollen“, sprach der Hauptmann und schickte einen Räuber los, das Haus zu untersuchen. Der Räuber fand alles still. Er ging in die Küche, um ein Licht anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte.
Aber die Katze verstand keinen Spaß. Sie sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Erschrocken lief der Räuber zur Hintertür hinaus, doch da lag der Hund, sprang auf und biss ihn ins Bein. Der Räuber rannte über den Hof, und als er an dem Mist vorbeikam, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Hahn, vom Lärm aus dem Schlaf geweckt, rief vom Balken herab: „Kikeriki!“
Da lief der Räuber, so schnell er konnte, zu seinem Hauptmann zurück. „Ach“, rief er, „in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe! Sie hat mich angehaucht und mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. Und vor der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mir ins Bein gestochen. Und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dach sitzt der Richter, der rief: Bringt mir den Schelm her! Da habe ich mich davongemacht.“
Von da an getrauten sich die Räuber nicht mehr in das Haus. Den vier Bremer Musikanten aber gefiel es dort so gut, dass sie nicht wieder hinauswollten. Die vier hatten ein warmes Dach gefunden, genug zu essen und gute Gesellschaft. Und wenn sie auch nie in Bremen angekommen sind – Stadtmusikanten sind sie trotzdem geworden. Und wer diese Geschichte weitererzählt, dem ist der Mund noch warm.
Die Bremer Stadtmusikanten in Kürze
Vier Tiere werden alt und sollen weichen: der Esel vom Mühlenkarren, der Jagdhund vom Jagen, die Katze vom Mäusefangen, der Hahn aus dem Hühnerhof. Gemeinsam brechen sie nach Bremen auf, um Stadtmusikanten zu werden. Im Wald entdecken sie ein Räuberhaus. Sie stellen sich zu einer Pyramide auf und machen so laute Musik, dass die Räuber glauben, ein Gespenst komme ins Haus, und davonlaufen. Als ein Räuber nachts zurückkehrt, jagen ihn die vier ein zweites Mal fort. Am Ende bleiben sie in dem Haus – und kommen nie in Bremen an.
Die Figuren
- Der Esel: Er hat viele Jahre Säcke zur Mühle getragen, hat die Idee mit Bremen und schaut als Größter zuerst durchs Fenster.
- Der Jagdhund: Er kann nicht mehr jagen, läuft deshalb fort und bellt im Quartett der vier Tiere mit.
- Die Katze: Ihre Zähne werden stumpf, am liebsten sitzt sie am warmen Herd – und in der Küche erschreckt sie den Räuber.
- Der Hahn: Er hat eine gute Stimme, entdeckt nachts das Licht im Wald und kräht am Ende seinen Kikeriki-Ruf.
- Der Müller: Der Herr des Esels lässt ihn jahrelang arbeiten und will ihn loswerden, als er alt ist.
- Die Räuber: Sie sitzen im Waldhaus am gedeckten Tisch, fliehen vor dem lauten Konzert und trauen sich danach nicht mehr in ihr Haus.
- Der Kundschafter: Der Räuber, der nachts zurückgeschickt wird, um das Haus zu untersuchen, und von Katze, Hund, Esel und Hahn vertrieben wird.
Was lernen Kinder daraus?
Die vier Tiere sind alt und werden nicht mehr gebraucht – und geben trotzdem nicht auf. Genau das macht die Geschichte so tröstlich. Mit ihrem Aufbruch, ihrem Zusammenhalt und ihrem Mut schaffen die Tiere das fast Unmögliche: Sie überlisten die Räuber und schaffen sich ein neues Zuhause2. Keines von ihnen hätte das allein geschafft. Erst als Esel, Hund, Katze und Hahn gemeinsam Lärm machen, wird aus vier schwachen Stimmen ein Konzert, vor dem die Räuber davonlaufen.
Die Botschaft ist optimistisch: Auch aus einer aussichtslosen Lage kann etwas Neues werden2. Der Satz „etwas Besseres als den Tod findest du überall“ ist sprichwörtlich geworden und macht Mut, aus einer schwierigen Lage Kraft für einen Neuanfang zu schöpfen2. Und wer alt ist, ist darum noch lange nicht fertig – diese Erfahrung können Kinder aus der Geschichte mitnehmen.
Herkunft und Entstehung
Die Bremer Stadtmusikanten stammen aus der Sammlung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Die beiden wurden 1785 und 1786 in Hanau geboren und veröffentlichten 1812 den ersten Band ihrer Kinder- und Hausmärchen3. Das Märchen von den vier Tieren erschien 1819 in der zweiten Auflage der Sammlung und damit erstmals im Druck – als 27. Märchen, also KHM 272.
Als Quelle geben die Brüder Grimm zwei Erzählungen aus dem Paderborner Land an. Als Vermittler wird meist Freiherr August Franz von Haxthausen angenommen, obwohl es dafür keinen Beweis gibt2. Eine Variante steuerte Dorothea Viehmann aus dem Dorf Zwehrn bei Kassel bei; in ihrer Fassung treten die Tiere friedlich ins Haus ein und musizieren gegen Essen für die Räuber2. In der Märchenforschung gehört die Geschichte zum Erzähltyp ATU 130 und gilt als Musterbeispiel für „Tiere auf Wanderschaft“2.
Der Name Bremen ist kein Zufall: Die Stadt besaß in der Hansezeit besondere Stadt- und Freiheitsrechte, beschäftigte vom Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts Stadtmusikanten und war ein Ort, über den Auswanderer entlang der Weser nach Übersee gelangten2. Schon 1339 wird dort ein Ratstrompeter urkundlich erwähnt2. Die vier Tiere wurden zu eigenständigen Symbolen – im Jahr 2017 gestaltete man sogar Ampeln im Bremer Innenstadtbereich mit ihnen2.
Wer mag, kann sich den Wortlaut ansehen: Unten stehen Die Bremer Stadtmusikanten als Text zum Ausdrucken – in der Originalschreibweise der Ausgabe von 1857.
Die Bremer Stadtmusikanten – der Text
Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende giengen, so daß er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte daß kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. „Nun, was jappst du so, Packan?“ fragte der Esel. „Ach,“ sagte der Hund, „weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen todt schlagen, da hab ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?“ „Weißt du was,“ sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken.“ Der Hund wars zufrieden, und sie giengen weiter. Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?“ sprach der Esel. „Wer kann da lustig sein, wenns einem an den Kragen geht,“ antwortete die Katze, „weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden, und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herum jage, hat mich meine Frau ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rath theuer: wo soll ich hin?“ „Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.“ Die Katze hielt das für gut und gieng mit. Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Thor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. „Du schreist einem durch Mark und Bein,“ sprach der Esel, „was hast du vor?“ „Da hab ich gut Wetter prophezeit,“ sprach der Hahn, „weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil Morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen, und hat der Köchin gesagt sie wollte mich Morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, so lang ich noch kann.“ „Ei was, du Rothkopf,“ sagte der Esel, „zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musicieren, so muß es eine Art haben.“ Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie giengen alle viere zusammen fort.
Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen Abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da däuchte ihn er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen und rief seinen Gesellen zu es müßte nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel „so müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.“ Der Hund meinte ein paar Knochen und etwas Fleisch dran, thäten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. „Was siehst du, Grauschimmel?“ fragte der Hahn. „Was ich sehe?“ antwortete der Esel, „einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassens sich wohl sein.“ „Das wäre was für uns“ sprach der Hahn. „Ja, ja, ach, wären wir da!“ sagte der Esel. Da rathschlagten die Thiere wie sie es anfangen müßten, um die Räuber hinaus zu jagen und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mußte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf, und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fiengen sie auf ein Zeichen insgesammt an ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein daß die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders als ein Gespenst käme herein und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übrig geblieben war, und aßen als wenn sie vier Wochen hungern sollten.
Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Thüre, die Katze auf den Herd bei die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken: und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war, und die Räuber von weitem sahen daß kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann „wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen,“ und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, gieng in die Küche, ein Licht anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrack er gewaltig, lief und wollte zur Hinterthüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biß ihn ins Bein: und als er über den Hof an dem Miste vorbei rannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß; der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab „kikeriki!“ Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach „ach, in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt: und vor der Thüre steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen: und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungethüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen: und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief bringt mir den Schelm her. Da machte ich daß ich fortkam.“ Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiels aber so wohl darin, daß sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.
Text: Jacob und Wilhelm Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857, KHM 27 – Originalschreibweise der Ausgabe 1857.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Nach dem Vorlesen könnt ihr gemeinsam weitererzählen und überlegen. Diese Fragen passen gut zum Gespräch:
- Was glaubt ihr, warum der Esel nicht allein nach Bremen gegangen ist?
- Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr wie die vier Tiere zu Hause nicht mehr gebraucht würdet?
- Welches von den vier Tieren wäre gern euer Freund – und warum?
- Wie klingt wohl die Musik der vier, wenn Esel, Hund, Katze und Hahn zusammen singen?
- Was hättet ihr gemacht, wenn ihr die vier unterwegs getroffen hättet?
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Häufige Fragen
Welche Tiere sind die Bremer Stadtmusikanten?
Wer hat die Bremer Stadtmusikanten geschrieben?
Wie alt sind die Bremer Stadtmusikanten?
Quellen
- Die Bremer Stadtmusikanten · abgerufen am 11.10.2026
- Die Bremer Stadtmusikanten · abgerufen am 11.10.2026
- Die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten · abgerufen am 11.10.2026
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