Schneewittchen – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1857
- Alter ab
- 4
- Autor/Herkunft
- Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe 1857)
Neu erzählt nach den Brüdern Grimm (Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe 1857)
Ein deutsches Märchen der Brüder Grimm aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen, das hier kindgerecht nacherzählt wird und zum Vorlesen, Hören und Anschauen einlädt.
Schneewittchen und die sieben Zwerge – das Märchen zum Vorlesen
Es war einmal mitten im Winter. Die Schneeflocken fielen dicht und leise vom Himmel, und eine Königin saß an einem Fenster mit einem Rahmen aus tiefschwarzem Ebenholz und nähte. Während sie nach draußen in den Schnee blickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger. Drei Tropfen Blut fielen in das Weiß. So schön sah das aus, dass die Königin vor sich hin träumte: „Hätte ich doch ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an diesem Rahmen.“
Bald darauf bekam sie eine Tochter. Das Kind hatte eine Haut weiß wie Schnee, Lippen rot wie Blut und Haare schwarz wie Ebenholz. Darum nannten sie es Schneewittchen. Und als das Kind geboren war, starb die Königin.
Über ein Jahr später nahm sich der König eine neue Gemahlin. Sie war schön, aber stolz und hochmütig, und sie litt es nicht, dass jemand schöner war als sie. In ihrem Gemach stand ein wunderbarer Spiegel, und wenn sie sich darin betrachtete, fragte sie: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Dann antwortete der Spiegel: „Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“ Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte.
Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner. Als es sieben Jahre alt war, war es so schön wie der klare Tag. Eines Tages fragte die Königin wieder ihren Spiegel, und diesmal antwortete er: „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr.“
Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid. Immer wenn sie das Mädchen sah, kehrte sich ihr das Herz im Leibe um, so sehr hasste sie es. Der Neid wuchs in ihr wie Unkraut und ließ ihr Tag und Nacht keine Ruhe. Schließlich rief sie einen Jäger und befahl ihm: „Bring das Kind hinaus in den Wald. Ich will es nicht mehr vor meinen Augen sehen. Töte es und bring mir ein Wahrzeichen mit.“
Der Jäger führte Schneewittchen in den Wald. Er zog sein Messer, doch als das Mädchen zu weinen begann und bat: „Ach, lieber Jäger, lass mir das Leben. Ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr heimkommen“, da hatte er Mitleid. „So lauf hin, du armes Kind“, sagte er. Weil gerade ein junger Frischling vorbeisprang, tötete er ihn und brachte der Königin ein Wahrzeichen mit. Die Königin glaubte, ihr Wille sei geschehen.
Nun war das Kind mutterseelenallein im großen Wald. Es fürchtete sich so sehr, dass es nicht wusste, wohin. Also lief es los, über spitze Steine und durch Dornen. Die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief, solange die Füße es trugen, bis es Abend wurde. Da entdeckte es ein kleines Häuschen und ging hinein, um sich auszuruhen.
In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, wie man es kaum beschreiben kann. Auf einem weiß gedeckten Tischlein standen sieben Tellerchen, jedes mit seinem Löffelchen, dazu sieben Messerchen, Gäbelchen und Becherlein. An der Wand standen sieben Bettchen nebeneinander, mit schneeweißen Laken. Schneewittchen war hungrig und durstig, darum aß es von jedem Tellerlein ein wenig Gemüse und Brot und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen – denn es wollte keinem alles wegnehmen. Dann probierte es die Bettchen aus. Eines war zu lang, eines zu kurz, bis endlich das siebte passte. Darin schlief es ein.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren des Häuschens nach Hause: die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an und merkten gleich, dass jemand da gewesen war. „Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“, fragte der erste. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“, fragte der zweite. So ging es weiter bis zum siebten: „Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?“
Dann sah der erste Zwerg, dass in seinem Bettchen ein kleiner Abdruck war. „Wer hat in mein Bettchen getreten?“, rief er. Die anderen kamen gelaufen: „In meinem hat auch jemand gelegen!“ Der siebte aber blickte in sein Bett und entdeckte Schneewittchen, das lag darin und schlief. Er rief die anderen herbei. Sie holten ihre Lichtlein und beleuchteten das Kind. „Ei, du mein Gott, was ist das Kind so schön!“, flüsterten sie. Sie freuten sich so sehr, dass sie es nicht aufweckten, sondern weiter schlafen ließen.
Am Morgen erwachte Schneewittchen und erschrak, als es die sieben Zwerge sah. Die aber waren freundlich und fragten: „Wie heißt du?“ – „Ich heiße Schneewittchen“, antwortete es. „Wie bist du in unser Haus gekommen?“ Da erzählte es alles: dass die Stiefmutter es hatte umbringen lassen wollen, dass der Jäger ihm das Leben geschenkt hatte und dass es den ganzen Tag gelaufen war, bis es das Häuschen fand.
Die Zwerge sprachen: „Willst du unseren Haushalt versorgen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken und alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“ – „Ja“, sagte Schneewittchen, „von Herzen gern.“ Und es blieb bei ihnen.
Morgens gingen die Zwerge in die Berge, suchten Erz und Gold, und abends kamen sie zurück. Dann musste das Essen bereit sein. Den Tag über war das Mädchen allein. Da warnten die guten Zwerglein es und sprachen: „Hüte dich vor deiner Stiefmutter. Sie wird bald wissen, dass du hier bist. Lass ja niemanden herein.“
Die Königin aber glaubte, Schneewittchen sei tot. Sie trat vor ihren Spiegel und fragte: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Da antwortete er: „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.“
Da erschrak die Königin, denn der Spiegel sprach keine Unwahrheit. Sie merkte, dass der Jäger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch lebte. Von da an sann sie Tag und Nacht, wie sie das Mädchen umbringen könnte. Schließlich färbte sie sich das Gesicht, kleidete sich wie eine alte Krämerin und ging über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an die Tür und rief: „Schöne Ware feil! Feil!“
Schneewittchen schaute zum Fenster heraus. „Guten Tag, liebe Frau, was habt ihr zu verkaufen?“ – „Gute Ware, schöne Ware“, antwortete die Alte, „Schnürriemen von allen Farben.“ Und sie holte einen Riemen aus bunter Seide hervor. „Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen“, dachte Schneewittchen, öffnete die Tür und kaufte den Riemen. „Kind, wie du aussiehst“, sprach die Alte, „komm, ich will dich ordentlich schnüren.“ Schneewittchen ließ sich schnüren, doch die Alte zog den Riemen so fest zu, dass ihm der Atem verging und es wie tot zu Boden fiel. „Nun bist du die Schönste gewesen“, sagte sie und eilte davon.
Am Abend kamen die Zwerge heim und erschraken sehr, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen. Sie hoben es auf, schnitten den Schnürriemen entzwei, und nach und nach kam das Mädchen wieder zu Atem und wurde lebendig. Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sprachen sie: „Die alte Krämerfrau war niemand als die gottlose Königin. Hüte dich und lass keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“
Die Königin aber ging nach Hause, trat vor den Spiegel und hörte, dass Schneewittchen noch lebte. Da sann sie auf etwas Neues. Mit ihren Hexenkünsten machte sie einen giftigen Kamm, verkleidete sich wieder und ging über die sieben Berge. „Gute Ware feil! Feil!“ rief sie. Schneewittchen schaute heraus: „Geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen.“ – „Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein“, sprach die Alte und hielt den giftigen Kamm in die Höhe. Der Kamm gefiel dem Kind so gut, dass es sich betören ließ und die Tür öffnete. Kaum hatte die Alte den Kamm in seine Haare gesteckt, fiel Schneewittchen ohne Besinnung nieder. „Du Ausbund von Schönheit, jetzt ist es um dich geschehen“, sprach sie und ging fort.
Zum Glück wurde es bald Abend. Die Zwerge kamen heim, sahen das Mädchen auf der Erde liegen, suchten nach und fanden den Kamm. Kaum hatten sie ihn herausgezogen, kam Schneewittchen wieder zu sich und erzählte, was geschehen war. Noch einmal warnten sie es, auf der Hut zu sein und niemandem die Tür zu öffnen.
Daheim trat die Königin vor den Spiegel und hörte wieder: „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.“ Zitternd vor Zorn rief sie: „Schneewittchen soll sterben, und wenn es mein eigenes Leben kostet.“
Sie ging in eine verborgene, einsame Kammer, in die niemand kam, und machte dort einen giftigen Apfel. Von außen sah er wunderschön aus, weiß mit roten Backen. Wer aber ein Stück davon aß, dem musste es das Leben nehmen. Dann färbte sie ihr Gesicht, verkleidete sich als Bäuerin und ging über die sieben Berge zu den sieben Zwergen.
Schneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus: „Ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben es mir verboten.“ – „Mir auch recht“, antwortete die Bäuerin, „meine Äpfel will ich schon loswerden. Da, einen schenke ich dir.“ – „Nein“, sprach Schneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“ – „Fürchtest du dich vor Gift?“, fragte die Alte. „Siehst du, ich schneide den Apfel in zwei Teile. Den roten Backen iss du, den weißen esse ich.“ Der Apfel war aber so künstlich gemacht, dass nur der rote Backen vergiftet war. Schneewittchen sah den schönen Apfel an, und weil die Bäuerin davon aß, konnte es nicht widerstehen. Es streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum hatte es einen Bissen im Mund, fiel es tot zur Erde.
Die Königin betrachtete es, lachte laut und sprach: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz! Diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.“ Daheim fragte sie den Spiegel, und der antwortete wieder: „Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“ Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe.
Als die Zwerge am Abend heimkamen, fanden sie Schneewittchen auf der Erde. Kein Atem ging mehr aus seinem Mund, es war tot. Sie hoben es auf, suchten nach Gift, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein – aber nichts half. Drei Tage lang saßen sie um das Kind und weinten. Sie wollten es begraben, doch es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch und hatte noch seine roten Backen. „Das können wir nicht in die schwarze Erde versenken“, sprachen sie und ließen einen durchsichtigen Sarg aus Glas machen. Sie legten Schneewittchen hinein und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und dass es eine Königstochter war. Den Sarg stellten sie draußen auf den Berg, und immer einer von ihnen blieb bei ihm und bewachte ihn. Auch die Tiere des Waldes kamen und trauerten: erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.
Lange, lange Zeit lag Schneewittchen in dem Sarg und verweste nicht. Es sah aus, als schliefe es, denn es war noch so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Da geschah es, dass ein Königssohn in den Wald ritt und zum Zwergenhaus kam. Er sah den Sarg auf dem Berg und das schöne Mädchen darin und las, was mit goldenen Buchstaben darauf stand. Er bat die Zwerge: „Lasst mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.“ Die Zwerge antworteten: „Wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt.“ Da sprach er: „So schenkt mir ihn. Ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen. Ich will es ehren und achten wie mein Liebstes.“ Da empfanden die guten Zwerglein Mitleid und gaben ihm den Sarg.
Der Königssohn ließ ihn von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Unterwegs stolperten sie über einen Strauch, und vom Rütteln fuhr das giftige Apfelstück, das Schneewittchen abgebissen hatte, aus seinem Hals. Nicht lange, so öffnete es die Augen, hob den Deckel hoch und richtete sich auf. Es war wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“, rief es. Der Königssohn sagte voll Freude: „Du bist bei mir“, erzählte alles, was geschehen war, und sprach: „Ich habe dich lieber als alles auf der Welt. Komm mit mir in das Schloss meines Vaters, du sollst meine Gemahlin werden.“ Da war Schneewittchen ihm gut, ging mit ihm, und die Hochzeit wurde mit großer Pracht vorbereitet.
Zu dem Fest wurde auch Schneewittchens Stiefmutter eingeladen. Sie kleidete sich schön an und trat vor ihren Spiegel: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Der Spiegel antwortete: „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber die junge Königin ist tausendmal schöner als ihr.“ Da erschrak das böse Weib so sehr, dass es sich kaum zu fassen wusste. Sie wollte erst gar nicht zur Hochzeit kommen, doch es ließ ihr keine Ruhe. Sie musste fort und die junge Königin sehen. Als sie eintrat, erkannte sie Schneewittchen. Vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Da wurden glühend heiße eiserne Schuhe hereingetragen und vor sie hingestellt. Sie musste hineinsteigen und so lange tanzen, bis sie zur Erde fiel und nicht wieder aufstand.
So endet das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen.
Schneewittchen in Kürze
Eine eitle Königin kann es nicht ertragen, dass ihre Stieftochter schöner ist als sie. Als der Spiegel Schneewittchen für die Schönste erklärt, befiehlt sie einem Jäger, das Kind im Wald zu töten. Der Jäger lässt es laufen. Schneewittchen findet das Häuschen der sieben Zwerge und darf bleiben, wenn es ihnen den Haushalt führt. Dreimal kommt die verkleidete Königin zurück – mit einem Schnürriemen, einem Kamm und einem vergifteten Apfel. Die ersten beiden Anschläge übersteht Schneewittchen, beim dritten fällt es wie tot um. Im gläsernen Sarg liegt es auf dem Berg, bis ein Königssohn kommt und ein Stolpern das Apfelstück aus seinem Hals löst. Schneewittchen erwacht, und beide feiern Hochzeit.
Die Figuren
- Schneewittchen – die Königstochter, weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz, die bei den sieben Zwergen im Wald lebt.
- Die Königin, ihre Mutter – sie wünscht sich am Fenster ein Kind wie Schnee, Blut und Ebenholz und stirbt kurz nach der Geburt ihrer Tochter.
- Der König – Schneewittchens Vater, der nach dem Tod seiner ersten Frau eine neue Gemahlin nimmt.
- Die Stiefmutter, die böse Königin – schön, stolz und eitel; sie verfolgt Schneewittchen mit drei Anschlägen, weil der Spiegel das Mädchen für schöner erklärt.
- Der Spiegel – der sprechende Spiegel der Königin, der immer die Wahrheit sagt und ihr verrät, dass Schneewittchen schöner ist.
- Der Jäger – er soll Schneewittchen töten, hat aber Mitleid und lässt es im Wald laufen.
- Die sieben Zwerge – sie graben in den Bergen nach Erz und Gold und nehmen Schneewittchen auf, wenn es ihnen den Haushalt führt.
- Der Frischling – ein junges Wildschwein, das der Jäger statt Schneewittchen tötet und der Königin als Wahrzeichen bringt.
- Der Koch – er bereitet das mitgebrachte Wahrzeichen zu, das die Königin für den Beweis hält.
- Der Königssohn – er findet den gläsernen Sarg, bittet die Zwerge um Schneewittchen und wird ihr Gemahl.
- Die Diener des Königssohns – sie tragen den Sarg fort und stolpern über einen Strauch, wodurch das Apfelstück aus Schneewittchens Hals fährt.
- Die Tiere des Waldes – Eule, Rabe und Täubchen kommen zum Sarg und trauern mit den Zwergen um Schneewittchen.
Was lernen Kinder daraus?
Die Geschichte erzählt von Neid. Die Königin hat alles, was sie braucht, und kann trotzdem nicht ertragen, dass ein Kind schöner ist als sie. Kinder erleben beim Zuhören, wie sich Mitgefühl anfühlt: Der Jäger lässt Schneewittchen laufen, die Zwerge nehmen es auf, der Königssohn kann den Sarg nicht einfach stehen lassen. Märchen sprechen das Gefühlsleben von Kindern an und fördern die Empathie, also das Mitfühlen mit anderen3.
Manche Szenen sind hart: die drei Anschläge, der gläserne Sarg, die Strafe am Ende. Kleine Kinder brauchen dabei eure Begleitung. „Schneewittchen“ gilt für Kindergartenkinder als problemlos, grausamere Märchen sollten Eltern vor dem Vorlesen prüfen und abwägen, ob sie zum eigenen Kind passen3. Sprecht danach darüber, was euer Kind beschäftigt hat.
Herkunft und Entstehung
Schneewittchen ist ein deutsches Märchen, das in der Sammlung Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 53 steht und dort Sneewittchen heißt1. Der Name kommt aus dem Niederdeutschen: Snee bedeutet Schnee, witt bedeutet weiß; in der Erstausgabe von 1812 war daneben die hochdeutsche Form Schneeweißchen angegeben, die später wohl wegen der Ähnlichkeit zu Schneeweißchen und Rosenrot geändert wurde1. Landläufig hat sich der Titel Schneewittchen durchgesetzt1. Unsere Fassung folgt dem Text von 1857 aus der siebten Auflage, der Ausgabe letzter Hand.
Zwischen den Ausgaben hat sich die Geschichte verändert: In der Fassung von 1812 ist die leibliche Mutter die böse Figur, in der Ausgabe von 1857 ist es die Stiefmutter1. Die Brüder Grimm haben mehrere Versionen zusammengestellt, den Wortlaut verbunden und ihn teilweise verkürzt1. Als eine Quelle wird Marie Hassenpflug vermutet1. Auch Ludwig Bechstein nahm das Märchen in sein Deutsches Märchenbuch auf, dort als Nummer 51 unter dem Titel Schneeweißchen1.
Das Märchen ist in ganz Europa verbreitet, außerdem in Afrika, Arabien, im Kaukasus und in der Türkei1. In der Märchenforschung trägt es die Nummer ATU 7091. Auffällig sind seine Bilder: der vergiftete Apfel, der Spiegel, die Zahl Sieben, die Farben Schwarz, Rot und Weiß1. Die Sieben verbindet Schneewittchen mit anderen Grimm-Märchen wie Die sieben Raben und Der Wolf und die sieben jungen Geißlein1.
Immer wieder wird gefragt, ob es ein echtes Vorbild gab. Eine eindeutig belegte wahre Geschichte gibt es nicht2. Bekannt ist die Theorie um Margaretha von Waldeck, geboren 1533, die 1554 mit 21 Jahren starb und möglicherweise vergiftet wurde2. Auch Maria Sophia von Erthal aus Lohr am Main wird als mögliches Vorbild genannt2. Bewiesen ist keine der beiden Erzählungen2. In späteren Bearbeitungen weckt ein Kuss Schneewittchen; bei Grimm löst ein Stolpern der Diener das Apfelstück2.
Der Originaltext
Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rothe im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich „hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.
Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermüthig, und konnte nicht leiden daß sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. …
Text: Brüder Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857. KHM 53. Fassung: Originalschreibweise der Ausgabe 1857.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Diese Fragen könnt ihr nach dem Vorlesen aufgreifen – richtige Antworten gibt es nicht.
- Warum ist die Königin so neidisch auf Schneewittchen, und wie fühlt sich Neid an?
- Was würdest du tun, wenn du wie Schneewittchen allein im Wald wärst?
- Warum lassen die sieben Zwerge Schneewittchen bei sich wohnen?
- Warum lässt sich Schneewittchen dreimal von der fremden Frau täuschen?
- Was hättest du an Schneewittchens Stelle getan, als der Spiegel sprach?
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Häufige Fragen
Wie alt ist Schneewittchen?
Wie sieht Schneewittchen aus?
Wer hat Schneewittchen geschrieben?
Wo lebte Schneewittchen?
Schneewittchen: wahre Geschichte oder Legende?
Quellen
- Schneewittchen · abgerufen am 11.10.2026
- Schneewittchen: Gab es sie wirklich? Die wahre Geschichte · Stand 08/2026
- Märchen fördern Einfühlungsvermögen bei Kindern: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
- Sneewittchen · abgerufen am 11.10.2026
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