Schnuller: ja oder nein? Was Eltern wissen sollten
Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Schnuller ja oder nein: Die Entscheidung liegt bei euch
Ob ein Baby einen Schnuller bekommt, entscheidet jede Familie für sich5. Bei der Frage Schnuller ja oder nein gibt es kein pauschales Richtig oder Falsch – die Antwort hängt von Alter, Stillen und Alltag ab. Saugen gehört zu den Grundbedürfnissen eines Babys: Es dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern hilft Säuglingen auch, sich zu regulieren, etwa beim Einschlafen oder wenn ihnen etwas zu viel wird2, 5. Dieses non-nutritive Saugen beruhigt, tröstet und erleichtert die Aktivierung des Verdauungssystems3.
Deshalb nuckeln viele Kinder schon im Mutterleib am Daumen und greifen später auf Hände, Kuscheltiere oder Stoffzipfel zurück3. Ein Schnuller ist kein Mittel, um ein Baby ruhigzustellen1. Für Kinder, die mit der Flasche gefüttert werden oder nur selten an die Brust kommen, empfiehlt sich ein Schnuller, weil die Flasche das Saugbedürfnis nicht ausreichend stillt2, 3. Bei gestillten Babys steht dagegen zuerst die gelingende Stillbeziehung im Vordergrund3. Manche Familien entscheiden sich schnell, andere ringen lange mit der Frage Schnuller geben ja oder nein.
Einen Überblick über den Umgang mit Schnullern im Familienalltag gibt der Ratgeber Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Schnuller für Neugeborene: ja oder nein?
Beim Schnuller für Babys ja oder nein kommt es vor allem auf den Zeitpunkt an. In den ersten Wochen hat der Stillstart Vorrang: Möglichst keinen Schnuller in den ersten 4 bis 6 Lebenswochen, solange das Baby das Trinken an der Brust lernt und sich die Milchproduktion etabliert5. Andere Empfehlungen nennen einen früheren Zeitpunkt: frühestens nach der zweiten oder dritten Lebenswoche, wenn sich das Stillen eingespielt hat4. Die Uniklinik Ulm gibt die 6. bis 8. Lebenswoche als frühesten Beginn an und den 12. Lebensmonat als Grenze2.
Der Grund für das Abwarten: Solange die Milchbildung nicht etabliert ist, kann häufiges Saugen am Schnuller dazu führen, dass das Baby seltener non-nutritiv an der Brust saugt – das wirkt sich negativ auf die Milchbildung aus3. Neugeborene lernen zuerst das richtige Saugen an der Brust. Wenn sie häufig und ausgiebig trinken, reicht die Milchmenge aus und sie nehmen gut zu2.
Frühgeborene und kranke Neugeborene sind ein Sonderfall. Bei ihnen kann der Schnuller therapeutisch wirken: Er beruhigt bei einer Trennung von den Eltern, unterstützt die Ernährung und erleichtert den Übergang von der Magensonde zum Saugen an Flasche oder Brust2. Bei Frühgeborenen kann er sich zudem günstig auf Saug- und Schluckreflex auswirken5. Und in jedem Fall gilt: Ein Baby, das den Schnuller verweigert, darf nicht dazu gezwungen werden4.
Schnuller ja oder nein: Was rät die Hebamme?
Beim Thema Schnuller ja nein schauen Hebammen und Stillberaterinnen zuerst auf die Stillbeziehung. In der Stillberatung gilt ein klarer Grundsatz: Der Schnuller soll nicht die erste Beruhigungsmaßnahme für ein unruhiges Baby sein. Vorrang haben Zuwendung, Körperkontakt und Tragen3. Als Alternative zum Schnuller nennen Fachleute Stillen inklusive Nuckeln an der Brust, Haut-zu-Haut-Kontakt, Tragen im Tuch oder auf dem Arm, Kuscheln, Streicheln und Massagen, vertraute Stimmen, Singen, sanfte Musik und vertraute Gerüche2.
Wenn ihr einen Sauger nutzt, gilt: so sparsam wie möglich und so oft wie nötig2, 3. Konkret heißt das, ihn nur einzusetzen, wenn euer Baby schläft, Schmerzen hat oder getröstet werden muss – am besten in Verbindung mit Körperkontakt2. Gestillte Babys dürfen ihr Saugbedürfnis an der Brust stillen, ohne dass die Stillzeit begrenzt wird3. Ein Schnuller, der rund um die Uhr verfügbar ist, kann dagegen den frühen Dialog bremsen: Mit etwa 6 bis 8 Wochen beginnen Säuglinge zu lautieren, und Erwachsene antworten intuitiv darauf3.
Unsicherheit ist normal. Fachpersonal wie Hebammen und Stillberaterinnen begleitet euch dabei, eine gut informierte Entscheidung zu treffen3.
Kirsch-Schnuller: ja oder nein – Form und Größe richtig wählen
Saugteile bestehen heute meist aus transparentem Silikon oder Latex. Entscheidend sind jedoch Form und Größe1. Die Oldenburger Kinderzahnärztin Johanna Kant rät, bei der kleinsten Größe zu bleiben und den Schnuller nicht mitwachsen zu lassen – für sie zählt, dass der Sauger möglichst wenig Platz im Mund beansprucht1. Flache Modelle sind runden vorzuziehen, denn der Schnuller beeinflusst die Lage der Zunge im Mund1.
Dieser Einfluss ist kein Nebenaspekt: Eine unnatürliche Zungenlage kann den Schluckvorgang stören und die Ausbildung des Kiefers beeinträchtigen1. Ein rund geformter Kirsch-Schnuller beansprucht mehr Platz als ein flacher Sauger – wer ihm den Vorzug gibt, setzt ihn deshalb besser nur kurzzeitig ein.

Welches Material für euch passt, lest ihr im Beitrag Kautschuk-Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Wie lange Schnuller geben? Wann die Abgewöhnung sinnvoll ist
Irgendwann kommt die Frage, wie lange der Schnuller bleiben darf. Der Kinder- und Jugendarzt Steffen Büchner empfiehlt, ihn nach dem ersten Geburtstag nur noch selten zu nutzen, etwa zum Einschlafen oder in Ausnahmesituationen; ab dem zweiten Geburtstag sollte der Nuckel weg sein1. Nach dem ersten Lebensjahr sollte der Schnuller möglichst nicht mehr zum Einsatz kommen, weil ein zu langer Gebrauch Fehlstellungen des Gebisses zur Folge haben kann4. Die Uniklinik Ulm nennt den 12. Lebensmonat als äußerste Grenze2.
Die Sorge dahinter ist berechtigt: Häufiger Gebrauch und eine lange Nutzungsdauer können Kiefer- und Zahnverschiebungen oder Sprachstörungen begünstigen, weil die Zunge nicht in ihrer natürlichen Position liegt2. Ein intensiver Gebrauch bis ins Kleinkindalter wirkt sich negativ auf Kieferstellung und Sprachentwicklung aus3. Wie ein offener Biss entsteht und was ihn begünstigt, lest ihr im Beitrag Offener Biss durch Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Die gute Nachricht: Wurde die Zungenfunktion nicht beeinträchtigt, bildet sich eine Zahnfehlstellung oft innerhalb weniger Monate von selbst zurück1. Den passenden Zeitpunkt muss trotzdem jede Familie für sich finden; wichtig ist, dass euer Kind bis dahin andere Wege gefunden hat, sich zu beruhigen1.
Was für den Schnuller spricht – und welche Nachteile bekannt sind
Der Schnuller hat handfeste Vorteile: Er beruhigt Säuglinge und kann bei kleinen Eingriffen wie einer Impfung oder einer Blutabnahme als alternatives Schmerzmittel dienen2. Auch die Entlastung der Eltern in anstrengenden Situationen wird als Vorteil genannt2. Non-nutritives Saugen wirkt schmerzlindernd, tröstet und hilft beim Einschlafen3.
Am meisten diskutiert wird der Zusammenhang mit dem Plötzlichen Kindstod. Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein Schnuller das Risiko senken kann, wenn er speziell zum Einschlafen gegeben wird4. Dann sollte er bei jedem Einschlafen zum Einsatz kommen, auch beim Mittagsschlaf, und nicht wieder hineingesteckt werden, wenn er herausfällt4. Die schützende Wirkung ist an das Einschlafen gebunden und gilt nicht für den Gebrauch tagsüber3. Umgekehrt bedeutet es kein höheres Risiko, wenn ein Kind ohne Schnuller einschläft4. Warum der Effekt auftritt, ist wissenschaftlich nicht geklärt; diskutiert wird, dass schnullernde Kinder weniger tief schlafen und einen höheren Atemantrieb haben4.
Auf der anderen Seite steigt durch den Schnuller die Wahrscheinlichkeit von Mittelohrentzündungen1, und bei Kindern, die ihn nach dem 12. Lebensmonat nutzen, treten sie vermehrt auf2. Außerdem sollte der Mund eines wachen, interessierten Babys frei bleiben, damit es die Hand-Mund-Koordination übt, lautiert und seine Umwelt entdeckt2. Und weil das Saugen am Schnuller mit anderen Bewegungen abläuft als an der Brust, kann es beim Trinken zu Irritationen kommen5.
Hygiene und Sicherheit: Schnuller richtig reinigen und nutzen
Sauberkeit ist bei jedem Sauger wichtig. Vor dem ersten Gebrauch sollte der Schnuller abgekocht werden und danach regelmäßig gereinigt werden2. Im Alltag spült ihr ihn mehrmals täglich ab, besonders wenn er auf den Boden gefallen ist, und sterilisiert oder kocht ihn alle zwei Tage aus; je kleiner das Kind, desto genauer sollte die Hygiene sein1. Praktisch ist außerdem, täglich auszukochen und immer einen Ersatz für verschmutzte Schnuller dabeizuhaben5. Ist der Sauger oder das Schild beschädigt, gehört ein neuer Schnuller her1; achtet darauf, dass keine losen Teile verschluckt werden können5.
Beim Schnuller ablecken ja oder nein ist die Antwort eindeutig – nein. Über den Speichel können Kariesbakterien übertragen werden5. Deshalb gilt: nicht ablecken, nicht süßen und nicht zwischen Geschwistern weitergeben2. Versüßt ihn nie mit Honig oder Zucker4.
Zur Sicherheit gehört außerdem: Befestigt den Schnuller nie am Hals oder an der Kleidung eures Babys; sonst besteht Strangulationsgefahr4. Bei größeren Babys sind Klipsbänder eine geeignete Alternative5. Und der Schnuller sollte nicht als Ersatz dienen, um das Stillen oder die Flasche hinauszuzögern4.
Praxis-Tipps: Schnuller ja oder nein
- Stillstart abwarten: In den ersten Wochen noch keinen Schnuller anbieten, solange sich das Stillen nicht eingespielt hat5, 4. Stillt ihr nicht, ist ein Schnuller sinnvoll, sobald euer Baby ihn annimmt3.
- Situativ einsetzen: Gebt den Schnuller nur zum Schlafen, bei Schmerzen oder zum Trösten in Verbindung mit Körperkontakt2. Spuckt euer Baby ihn aus, steckt ihn nicht wieder hinein2, 4.
- Klein und flach wählen: Bleibt bei der kleinsten Größe und bei flachen Modellen, statt den Schnuller mitwachsen zu lassen1. Der Sauger sollte weich sein und einen kleinen Durchmesser mit flachem Schaft haben2.
- Leicht und ohne Kette: Achtet auf ein möglichst geringes Gesamtgewicht eures Schnullers; Schnullerketten sind nicht empfehlenswert2.
- Hygiene einplanen: Kocht den Schnuller vor der ersten Nutzung ab, spült ihn mehrmals täglich ab und sterilisiert oder kocht ihn alle zwei Tage aus2, 1. Ein Ersatz für verschmutzte Schnuller gehört in die Wickeltasche5.
- Nicht ablecken, nicht süßen: Verzichtet darauf, den Schnuller abzulecken, zu süßen oder mit Geschwistern zu teilen – über den Speichel werden Kariesbakterien übertragen5, 2, 4.
- Sicher befestigen: Hängt den Schnuller nie mit einem Band um den Hals, für größere Babys eignen sich Klipsbänder4, 5. Kaputte Schnuller ersetzt ihr sofort1.
- Alternativen aufbauen: Kuscheln, Tragen, Singen oder ein Kuscheltier helfen eurem Kind, sich auch ohne Schnuller zu beruhigen2, 1.
- Abgewöhnen mit Ritual: Viele Familien legen die Schnuller abends auf die Fensterbank, wo die Schnullerfee sie über Nacht gegen ein Geschenk tauscht, oder hängen sie an einen Schnullerbaum1. Lasst keine Nuckel herumliegen und schmust häufiger – viele Kinder verlangen dann von allein seltener danach1.
Häufige Fragen
Wieso gibt man einem Baby überhaupt einen Schnuller?
Wie unterscheidet sich das Saugen an der Brust von dem am Schnuller?
Schnullerdschungel: Welcher ist der richtige Schnuller?
Braucht das Baby einen Beruhigungsnuckel?
Saugverwirrung – gibt es sie wirklich?
Quellen
- Schnuller · Stand 13.07.2020
- 2024 06 20 Flyer Schnuller · abgerufen am 11.10.2026
- Schnuller · abgerufen am 10.10.2026
- FAQ Einzelansicht · abgerufen am 10.10.2026
- 20120303130141 das baby · Stand 10/2010
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