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Gullivers Reisen – kindgerecht nacherzählt

Der Klassiker Gullivers Reisen führt in vier großen Abenteuern zu winzigen Menschen, zu Riesen, auf ein fliegendes Eiland und zu sprechenden Pferden. Der Schiffsarzt Lemuel Gulliver erlebt nach einem Schiffbruch unglaubliche Dinge und lernt dabei, dass Größe nichts über den Charakter sagt. Hier findet ihr die Geschichte kindgerecht zum Vorlesen, zum Hören und zum Anschauen – mit Moral und Hintergrund.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 20 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Gullivers Reisen: Gulliver liegt am Strand von Liliput, winzige Menschen klettern über ihn – Illustration zur Nacherzählung
Jahr
1726
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Jonathan Swift (Gulliver's Travels, 1726, Gutenberg #829)

Neu erzählt nach Jonathan Swift (Englisch, 1726)

Der Klassiker Gullivers Reisen von Jonathan Swift aus dem Jahr 1726 erzählt von dem Schiffsarzt Lemuel Gulliver, der auf seinen Reisen unglaubliche Abenteuer erlebt und nach einem Schiffbruch zuerst auf der Zwergeninsel Liliput landet2.

Gullivers Reisen – die Geschichte zum Vorlesen

Hörfassung · 15 Min.
Gullivers Reisen – Hörfassung der Nacherzählung
0:0014:36
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Vier große Reisen hat der Schiffsarzt Lemuel Gulliver hinter sich, als er seine Notizen aufschreibt. Auf der ersten ist er ein Riese unter Winzlingen, auf der zweiten ein Winzling unter Riesen, auf der dritten besucht er ein Eiland in den Wolken, und auf der vierten lebt er bei Pferden, die sprechen können. Hier kommt die ganze Geschichte zum Vorlesen – in neun Kapiteln.

1. Der Schiffsarzt und der Sturm

Lemuel Gulliver war Schiffsarzt. In England warteten seine Frau Mary und die beiden Kinder auf ihn, doch kaum war er wieder zu Hause, zog es ihn erneut aufs Meer3. Im Mai des Jahres 1699 stach er mit dem Schiff Antilope in See, mit Kurs auf Ostindien3. Lange verlief die Fahrt ruhig, dann kam ein Sturm, wie ihn die Mannschaft noch nicht erlebt hatte. Das Schiff wurde auf ein Riff getrieben, Wasser brach herein, und die Antilope sank.

Sechs Männer, Gulliver war einer davon, setzten ein Ruderboot aus und ruderten, bis ihnen die Arme versagten. Dann kenterte das Boot. Gulliver schwamm, so lange seine Kraft reichte. Als er schon aufgeben wollte, spürte er Grund unter den Füßen. Er watete an einen flachen Strand, ließ sich ins kurze Gras fallen und schlief neun Stunden lang.

Als er aufwachte, konnte er sich nicht rühren. Dünne Fäden hielten seine Arme und Beine am Boden, sein langes Haar war festgeknotet. Etwas krabbelte über sein Bein, über die Brust, bis zum Kinn. Gulliver sah nach unten: Auf ihm stand ein winziger Mensch mit Bogen und Pfeil, kaum größer als sein kleiner Finger. Es blieb nicht bei einem. Vierzig kleine Gestalten kletterten an ihm empor3. Vor Schreck brüllte Gulliver so laut, dass die Winzlinge purzelten und davonliefen. Als sie merkten, dass er ihnen nichts tun wollte, kamen sie zurück, brachten ihm Essen und Trinken in fingerhutgroßen Gefäßen und schoben ihn auf einem flachen Wagen in ihre Hauptstadt.

2. Gefangen im Land der Winzlinge

In der Hauptstadt lag Gulliver in einem alten Tempel vor der Stadt, mit einer Kette am linken Bein, die gerade lang genug war, um ein paar Schritte zu gehen. Der Kaiser von Liliput besuchte mit dem Gefolge seines Adels den fremden Riesen2. Gelehrte erhielten den Auftrag, ihn in der Landessprache zu unterrichten2, und Gulliver lernte schnell genug, um um seine Freiheit zu bitten.

Die kleinen Leute waren neugierig und geschickt. Sie durchsuchten seine Taschen und machten eine lange Liste, vom Kamm bis zur silbernen Uhr, die sie für ein geheimnisvolles Tier mit gleichmäßigem Herzschlag hielten. Als Gulliver seine Pistole in die Luft abfeuerte, fielen Hunderte vor Schreck um, und selbst der Kaiser brauchte eine Weile, bis er sich wieder fasste. Gulliver musste versprechen, vorsichtig zu sein, niemanden zu zertreten und dem Kaiser im Krieg zu helfen. Dann durften die Fesseln fallen.

Von da an war Gulliver fast wie ein Gast. Die Kinder versteckten sich in seinem Haar, die Handwerker bauten ihm eine Bank aus den größten Bäumen des Parkes, und weil er beim Steineheben half, wurde er bald beliebt. Nur eines störte ihn: Er musste aufpassen, wohin er trat, denn die Häuser der Stadt reichten ihm gerade einmal bis zur Kniekehle3.

3. Der Streit um das Ei

Eines Tages kam der Staatssekretär Reldresal zu Besuch und erzählte ihm ein Geheimnis. Im Land stritten sich zwei Gruppen, die hohe und die niedrige Absätze an den Schuhen trugen, und noch schlimmer war der Zwist mit der Nachbarinsel Blefuscu. Dabei ging es um eine einzige Frage: an welcher Seite man ein Ei aufschlägt, an der spitzen oder an der breiten3. Aus diesem Streit war ein richtiger Krieg geworden.

Die Kriegsschiffe der Nachbarinsel lagen im Hafen und warteten auf günstigen Wind. Gulliver watete durch das Meer, das ihm nur bis an die Knie ging, schnitt mit seinem Taschenmesser die Taue der Anker durch und zog die ganze Flotte hinter sich her in den Hafen von Liliput3. Der Kaiser war außer sich vor Freude und verlieh ihm den höchsten Titel des Landes.

Doch dann verlangte er, Gulliver solle auch die restlichen Schiffe holen und das Nachbarland unterwerfen. Gulliver sagte Nein. Er wollte nicht helfen, ein freies Volk zu knechten, nur weil sich zwei Herrscher über die richtige Seite eines Eis stritten. Da wurde der Kaiser still und kalt, und einige am Hof sahen Gulliver von diesem Tag an als Feind.

4. Feuer in der Nacht

In einer Nacht brannte der Palast der Kaiserin. Die kleinen Leute liefen mit fingerhutgroßen Eimern durch die Gänge, doch das Feuer wurde immer größer3. Gulliver hatte am Abend viel Wein getrunken und musste dringend. Er tat, was kleine Jungen tun, wenn es pressiert, und im nächsten Augenblick war das Feuer aus3. Die Kaiserin fand das so empörend, dass sie ihm nie wieder freundlich begegnete.

Von da an hatte Gulliver mächtige Gegner. Der Admiral und der Schatzmeister redeten gegen ihn, und plötzlich hieß es, er müsse sich vor dem Hof verantworten. Ein Freund warnte ihn mitten in der Nacht. So ging Gulliver über das seichte Wasser zur Insel Blefuscu, wo man ihn freundlich aufnahm. Dort fand er am Strand ein kleines Boot, flickte es, lud Vorräte ein und stach in See. Nach einigen Tagen nahm ihn ein englisches Schiff auf, und nach fast neun Monaten war er wieder zu Hause in England.

5. Im Land der Riesen

Zu Hause hielt es Gulliver nicht lange. Schon zwei Monate später segelte er wieder los, diesmal nach Indien. Ein Sturm trieb das Schiff weit vom Kurs ab, und als die Männer an einer fremden Küste Wasser holen wollten, entdeckten sie einen riesigen Fuß. Die Matrosen sprangen ins Boot und ruderten davon, Gulliver blieb allein zurück3.

Er floh in ein Feld, das ihm zuerst wie ein Wald vorkam. Dann merkte er: Es war ein Kornfeld, und die Halme waren höher als ein Haus. Als ein Riese mit einer Sense auf ihn zukam, kletterte Gulliver auf einen Halm und schrie, so laut er konnte3. Der Mann hob ihn auf, sah ihn lange an und trug ihn zu seinem Hof. Dort staunten alle: Gulliver war so klein, dass er in einer hohlen Hand Platz hatte. Die Tochter des Bauern, das Mädchen Glumdalclitch, kümmerte sich von da an um ihn. Sie war neun Jahre alt und für ihre Größe noch klein, und sie nähte ihm Kleider, baute ihm ein Bett in einer Schublade und brachte ihm die Sprache des Landes bei.

Mädchen Glumdalclitch hält den winzigen Gulliver behutsam in den Händen – Szene im Riesenland aus Gullivers Reisen

Einmal lag Gulliver allein auf dem Bett, als zwei Ratten kamen. Sie waren so groß wie große Hunde und wollten ihn beißen. Gulliver zog seinen kleinen Säbel und wehrte sich, bis Glumdalclitch hereinstürzte und ihn befreite.

6. Am Hof der Riesen

Der Bauer merkte bald, dass sich mit dem Winzling Geld verdienen ließ. Er steckte Gulliver in eine Kiste mit Luftlöchern und zeigte ihn auf Märkten, wo die Leute Eintritt zahlten, um das winzige Männchen zu sehen. Gulliver wurde davon so müde, dass er kaum noch stehen konnte. Da hörte die Königin des Landes von ihm. Sie kaufte ihn dem Bauern ab und nahm ihn mit an ihren Hof, zusammen mit Glumdalclitch3.

Am Hof lebte Gulliver in einem kleinen Holzhaus, das ihm ein Schreiner gebaut hatte, und die Königin konnte es kaum abwarten, ihn beim Essen zu beobachten. Der kleinste Mann des Hofes, ein Zwerg, ärgerte ihn ständig: Einmal warf er Gulliver in eine Schale mit Sahne, ein anderes Mal steckte er ihn in einen Knochen. Noch wilder war der Affe. Er hielt Gulliver für sein Junges, kletterte mit ihm aufs Dach und fütterte ihn mit zerkautem Essen, bis die Wachen den Ausreißer befreiten.

Gulliver baute sich aus den Haaren der Königin kleine Möbel und spielte auf der Riesenspinett, indem er mit zwei Stöcken über die Tasten lief. Dem König erzählte er von Europa, und der hörte zu, fragte nach und schüttelte den Kopf. Als Gulliver ihm eine Erfindung erklären wollte, mit der man ganze Städte zerstören kann, wollte der König davon nichts wissen. Wer zwei Halme wachsen lässt, wo nur einer wuchs, sei nützlicher als alle großen Herren zusammen, sagte er. Zwei Jahre später wurde Gulliver bei einem Ausflug ans Meer von einem Adler mitgenommen und fiel samt seinem Holzhaus ins Wasser. Seeleute zogen die Kiste an Bord und brachten ihn nach England3.

7. Das fliegende Eiland

Die dritte Reise begann mit einem Überfall. Seeräuber nahmen Gulliver gefangen und setzten ihn in einem kleinen Boot an einer einsamen Küste aus. Als die Sonne dunkel wurde, merkte er, dass keine Wolke sie verdeckte: Über ihm schwebte eine Insel. Sie kam näher, ein Sitz wurde an einem Seil heruntergelassen, und Gulliver zog sich in ein Land hinauf, das fliegen konnte.

Die Menschen auf Laputa hatten schief gelegte Köpfe und dachten ununterbrochen über Zahlen und Musik nach. Sie hätten nicht einmal gemerkt, wenn jemand mit ihnen sprach. Deshalb gingen Diener neben ihnen her und klopften ihnen mit einer Klatsche sachte an Mund und Ohr, wenn es Zeit zum Reden war. Der König saß vor lauter Rechenaufgaben stundenlang über seinen Tischen und bemerkte seinen Gast erst nach einer ganzen Weile.

Später reiste Gulliver in das Land unter der schwebenden Insel. Dort besuchte er eine Akademie, in der Erfinder an den seltsamsten Dingen arbeiteten. Einer wollte Sonnenlicht aus Gurken pressen, ein anderer Kleidung aus Spinnennetzen weben. Am lustigsten war eine große Maschine mit lauter Holzwürfeln: Wenn man daran drehte, purzelten die Wörter durcheinander, und die Gelehrten hofften, daraus würden eines Tages ganze Bücher entstehen. Gulliver fand das ziemlich verrückt und musste heimlich lachen.

8. Bei den sprechenden Pferden

Auf seiner vierten Reise wurde Gulliver von der eigenen Mannschaft an einer fremden Küste abgesetzt. Er wanderte ins Land hinein und traf auf zottelige, schmutzige Wesen, die sich stritten, alles fraßen, was sie fanden, und einander nicht trauten. Die Bewohner des Landes nannten sie Yahoos.

Bald merkte Gulliver, dass in diesem Land die Pferde die Herren waren. Eines hieß ihn, ihm zu folgen, und führte ihn in einen sauberen Stall, der wie ein Haus eingerichtet war. Die Pferde sprachen miteinander, und Gulliver lernte ihre Sprache. Sein Meister war ein weises Pferd, das ihn mit viel Geduld unterrichtete und alles wissen wollte über die Menschen, ihre Kriege, ihr Geld und ihre Streitigkeiten. Je mehr Gulliver erzählte, desto staunender wurde das Pferd. Es konnte einfach nicht verstehen, warum jemand lügt, warum jemand Reichtümer hortet oder warum jemand gegen seinesgleichen kämpft.

Drei Jahre lebte Gulliver bei den Pferden und war glücklicher als je zuvor. Doch die große Versammlung des Landes beschloss, dass ein Yahoo nicht länger bei ihnen wohnen sollte. Sein Meister half ihm beim Bau eines kleinen Bootes. Traurig verabschiedete sich Gulliver und stach in See. Nach kurzer Fahrt nahm ihn ein portugiesisches Schiff auf. Der Kapitän Pedro de Mendez war freundlich, und obwohl Gulliver am liebsten allein geblieben wäre, brachte er ihn schließlich nach Hause.

9. Wieder zu Hause

In England war alles kleiner, als Gulliver es in Erinnerung hatte: die Häuser, die Bäume, die Menschen. Seine Frau und die Kinder freuten sich sehr, denn sie hatten ihn schon verloren geglaubt. Gulliver aber brauchte lange, um sich wieder einzugewöhnen. Am liebsten ging er in den Stall zu seinen Pferden und sprach mit ihnen, Stunde um Stunde.

Seine Reisen aber schrieb er auf. Davon erzählt Gullivers Reisen noch heute – und davon, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern darauf, wie man mit anderen umgeht.

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Gullivers Reisen in Kürze

Der Schiffsarzt Lemuel Gulliver erlebt auf vier Reisen Abenteuer in Ländern, die es nur in der Fantasie gibt2. Nach einem Schiffbruch landet er auf der Zwergeninsel Liliput, wo die Menschen winzig klein sind2. Später verschlägt es ihn nach Brobdingnag ins Land der Riesen2, wo er selbst wie eine lebendige Puppe bestaunt wird. Dann besucht er ein fliegendes Eiland mit Erfindern, die nur an Zahlen und Musik denken, und lebt am Ende bei sprechenden Pferden, die nicht lügen und einander freundlich behandeln. Zu Hause fällt es Gulliver schwer, sich wieder an die Menschen zu gewöhnen.

Die Figuren

  • Lemuel Gulliver – Schiffsarzt und Abenteurer, der auf vier Reisen in fremde Länder gerät.
  • Mary Gulliver – seine Frau, die mit den beiden Kindern in England auf ihn wartet.
  • Der Kaiser von Liliput – Herrscher über die winzigen Bewohner und Gullivers erster Gastgeber.
  • Die Kaiserin von Liliput – seine Gemahlin, die Gulliver nach dem Feuer im Palast nicht mehr leiden kann.
  • Flimnap – der Schatzmeister, der Gulliver am Hof verdächtigt und gegen ihn redet.
  • Skyresh Bolgolam – der Admiral, der Gulliver von Anfang an feindlich gesinnt ist.
  • Reldresal – der Staatssekretär, der Gulliver freundlich gesinnt ist und ihn warnt.
  • Der Kaiser von Blefuscu – Herrscher der Nachbarinsel, der den Streit um das Ei anders sieht.
  • Der Bauer – der Riese, der Gulliver im Kornfeld findet und ihn gegen Geld zur Schau stellt.
  • Glumdalclitch – die neunjährige Riesentochter, die für Gulliver sorgt und ihm die Sprache beibringt.
  • Die Königin von Brobdingnag – sie kauft Gulliver dem Bauern ab und hält ihn an ihrem Hof.
  • Der König von Brobdingnag – ein kluger Herrscher, der über Gullivers Berichte aus Europa staunt.
  • Der Zwerg – der kleinste Mann am Hof der Riesen, der Gulliver immer wieder ärgert.
  • Der Affe – ein Bewohner des Hofes, der Gulliver für sein Junges hält und mit ihm aufs Dach klettert.
  • Lord Munodi – ein vornehmer Herr im Land unter der schwebenden Insel, der Gulliver beherbergt.
  • Gullivers Meister – der weise Houyhnhnm, der Gulliver unterrichtet und ihn zuletzt wegschicken muss.
  • Pedro de Mendez – der portugiesische Kapitän, der Gulliver aufnimmt und nach England bringt.

Was lernen Kinder daraus?

In Liliput ist Gulliver der Größte, und gerade dort merkt er, dass Größe nicht alles ist. Er muss aufpassen, wohin er tritt, er hilft beim Steineheben, und er weigert sich, ein anderes Volk zu unterwerfen, obwohl der Kaiser es verlangt. Stark sein heißt also nicht, andere klein zu machen.

In Brobdingnag ist Gulliver plötzlich der Winzige. Die Königin und Glumdalclitch behandeln ihn freundlich, der Zwerg und der Affe aber machen sich über ihn lustig. Kinder spüren daran gut, wie sich das anfühlt, wenn man der Kleinste ist, und wie viel es ausmacht, wenn jemand einen beschützt.

Am meisten lernen Kinder vielleicht von den sprechenden Pferden. Die wissen nichts von Lügen, Geld oder Krieg und verstehen nicht, warum Menschen sich streiten. So bleibt am Ende eine Frage, die Kinder selbst beantworten können: Wie gehen wir miteinander um?

Der Autor von Gullivers Reisen

Geschrieben hat Gullivers Reisen Jonathan Swift, der 1745 starb. Er veröffentlichte den Roman 1726, und zwar zunächst unter einem Pseudonym5. Seine Zeitgenossen lasen das Buch als beißende politische Satire, die sich über die britischen Verhältnisse lustig machte und dabei nicht zimperlich war4. Swift war also kein Kinderbuchautor, und doch kennen die meisten Lemuel Gulliver heute als Helden aus Kinderbüchern4.

Das Buch Gullivers Reisen

Der Roman hat vier Teile: die Reise nach Liliput, die Reise nach Brobdingnag, die Reise zur fliegenden Insel Laputa und die Reise ins Land der Houyhnhnms4. Die ungekürzte Fassung ist keine Lektüre für kleine Kinder5, und eine vollständige Ausgabe fand erst Jahre nach der Erstveröffentlichung einen Herausgeber5. Mehr als 250 Jahre nach Swifts Tod wird das Buch noch gelesen, von Erwachsenen und Kindern5.

Zwergenland in Gullivers Reisen

Im Buch heißt das Zwergenland Liliput, und dort beginnen die Reisen. Nach dem Schiffbruch ist Gulliver plötzlich der Riese: Die Bewohner sind winzig klein, ihre Häuser und Türme reichen ihm gerade einmal bis zur Kniekehle3.

Im Zwergenland ist alles klein, nur der Streit ist groß. Zwei Gruppen unterscheiden sich durch hohe und niedrige Absätze an den Schuhen, und mit der Nachbarinsel Blefuscu gibt es Krieg, weil man sich nicht einig ist, an welcher Seite man ein Ei aufschlägt3. Gulliver verhindert einen Angriff, indem er die feindlichen Schiffe einfach hinter sich herzieht3.

Für Kinder ist dieses Kapitel der bekannteste Teil des Buches: ein freundlicher Riese unter lauter Winzlingen, der vorsichtig auftreten muss und am Ende trotzdem Ärger bekommt. In vielen Ausgaben für Kinder stehen deshalb vor allem die Abenteuer bei den Zwergen und bei den Riesen im Mittelpunkt5.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was würdest du machen, wenn du auf einmal größer wärst als alle Menschen in deiner Stadt?
  2. Warum wollte Gulliver dem Kaiser von Liliput nicht helfen, die Nachbarinsel zu erobern?
  3. Wie hätte es dir bei Glumdalclitch gefallen, wo alles so riesig ist?
  4. Was gefällt dir an den sprechenden Pferden besser als an den Menschen in der Geschichte?
  5. Wenn du wie Gulliver eine Reise erfinden dürftest, in welches Land würde sie dich führen?

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Häufige Fragen

Wer hat Gullivers Reisen geschrieben?
Geschrieben hat Gullivers Reisen der englische Autor Jonathan Swift. Der Roman erschien 1726 und trug den Titel „Reisen in verschiedene ferne Länder der Erde. Von Lemuel Gulliver“4. Swift veröffentlichte ihn zuerst ohne seinen Namen5. Weil das Original an vielen Stellen derb und politisch ist, greifen Ausgaben für Kinder meist nur die Abenteuer bei den Zwergen und bei den Riesen heraus5.

Quellen

  1. Gullivers Reisen · abgerufen am 11.10.2026
  2. Jonathan Swift: Gullivers Reisen · abgerufen am 11.10.2026
  3. Gullivers Reisen · abgerufen am 11.10.2026
  4. Wie aus der beißenden Satire ein Kinderbuch wurde · Stand 13.02.2020
  5. Fantasyguide: Gullivers Reisen. Erste und zweite Reise (Autor: Jonathan Swift) · Stand 29.10.2025
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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