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Das hässliche Entlein – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Das hässliche Entlein ist ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen2. Es erzählt von einem grauen Entlein, das auf dem Entenhof verspottet wird, davonläuft und im Frühling entdeckt, dass es ein Schwan ist2. Hier könnt ihr die Geschichte in unserer eigenen Nacherzählung lesen und vorlesen lassen und sie als Hörfassung anhören.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 26 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Das hässliche Entlein zwischen hohen Klettenblättern am Rand eines Teichs – Titelbild zum Märchen
Jahr
1843
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Hans Christian Andersen (Den grimme Ælling, dänisches Original)

Neu erzählt nach Hans Christian Andersen (Dänisch, 1843)

Ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen über ein Entlein, das anders aussieht als alle anderen und am Ende erfährt, wer es wirklich ist.

Das hässliche Entlein – Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 20 Min.
Das hässliche Entlein – Hörfassung zum Vorlesen und Einschlafen
0:0019:33
MP3 herunterladen (11,2 MB)

Der Sommer lag über dem Land. Das Korn stand gelb, der Hafer grün, und auf den Wiesen duftete das Heu. Ein Storch spazierte auf seinen langen roten Beinen umher und plapperte in einer Sprache, die er von seiner Mutter gelernt hatte. Rund um die Felder lagen große Wälder, und mitten in den Wäldern gab es tiefe Seen.

Mitten im Sonnenschein lag ein alter Hof, von tiefen Gräben umgeben. An der Mauer wuchsen große Klettenblätter, so hoch, dass kleine Kinder darunter aufrecht stehen konnten. Hier saß eine Ente auf ihrem Nest und brütete. Sie war schon fast ungeduldig, denn es dauerte lange, und Besuch bekam sie selten: Die anderen Enten schwammen lieber in den Gräben, als sich zu ihr zu setzen und ein wenig zu schnattern.

Endlich knackte es in einem Ei nach dem anderen. Sechs kleine Entchen streckten die Köpfe aus den Schalen und riefen: „Piep! Piep!“ – „Rapp! Rapp!“, machte die Entenmutter, und die Kleinen rappelten sich, so gut sie konnten, und schauten sich unter den grünen Blättern um. „Wie groß die Welt ist!“, staunten sie. „Glaubt ihr, das ist die ganze Welt?“, fragte die Mutter. „Sie reicht noch viel weiter, bis zum Feld des Pfarrers. Aber dort bin ich selbst noch nie gewesen.“

Dann schaute sie in ihr Nest und seufzte. „Eines fehlt noch. Das größte Ei liegt immer noch da. Wie lange soll das denn dauern?“ Und sie setzte sich wieder. Da kam eine alte Ente zu Besuch und fragte, wie es vorangehe. „Mit diesem einen Ei dauert es so lange“, klagte die Entenmutter. „Es will einfach nicht aufplatzen. Aber sieh dir die anderen an: Sind sie nicht die niedlichsten Entchen?“

Die alte Ente beugte sich über das Nest. „Glaub mir, das ist ein Truthahnei. So bin ich selbst einmal hereingelegt worden, und ich hatte meine liebe Not mit den Kindern, denn sie fürchteten sich vor dem Wasser. Lass das Ei liegen und lehre lieber die anderen schwimmen.“ – „Ich bleibe noch ein wenig darauf sitzen“, sagte die Entenmutter. „Wenn ich schon so lange gewartet habe, kommt es auf ein paar Tage mehr nicht an.“ Da wünschte die alte Ente viel Glück und ging.

Endlich platzte auch das große Ei. „Piep! Piep!“, piepste es, und ein Entchen purzelte heraus. Es war groß und grau, und die Entenmutter betrachtete es lange. „Das ist aber ein gewaltig großes Entlein“, sagte sie. „Keines von den anderen sieht so aus. Ob es ein Truthahnküken ist? Wir werden es bald wissen. Ins Wasser muss es, und wenn ich es selbst hineinschubsen muss.“

Am nächsten Tag schien die Sonne warm auf die grünen Kletten. Die Entenmutter ging mit ihrer ganzen Familie zum Graben und sprang hinein. „Rapp! Rapp!“, rief sie, und ein Entchen nach dem anderen plumpste hinterher. Das Wasser schlug ihnen über den Kopf, aber sie kamen gleich wieder hoch und schwammen prächtig. Die Beine bewegten sich ganz von selbst, und auch das graue Entlein schwamm mit.

„Es ist doch kein Truthahn“, sagte die Mutter erleichtert. „Sieh nur, wie schön es die Beine gebraucht und wie aufrecht es sich hält. Es ist mein eigenes Kind. Eigentlich ist es sogar hübsch, wenn man genau hinschaut. Kommt mit, ich führe euch in die Welt hinaus und stelle euch auf dem Entenhof vor. Bleibt immer dicht bei mir, damit niemand auf euch tritt, und hütet euch vor der Katze.“

Auf dem Entenhof ging es laut zu. Zwei Familien stritten sich um einen Aalkopf, und am Ende bekam ihn die Katze. „So geht es in der Welt zu“, sagte die Entenmutter und leckte sich den Schnabel. „Nun braucht die Beine! Und verbeugt euren Hals vor der alten Ente dort. Sie ist die vornehmste von allen; sie stammt aus spanischem Blut, deshalb ist sie so rund, und seht ihr den roten Lappen um ihr Bein? Das ist die größte Auszeichnung, die eine Ente bekommen kann. Also: Rappelt euch, setzt die Füße weit auseinander wie Vater und Mutter, und dann verbeugt den Hals und sagt: Rapp!“

Die Entchen taten alles, was die Mutter sagte. Aber die anderen Enten schauten sie an und sagten laut: „Jetzt haben wir auch noch diesen Anhang, als wären wir nicht schon genug! Und schaut nur das eine an, wie das aussieht! Das dulden wir nicht.“ Sofort flog eine Ente herbei und biss das graue Entlein in den Nacken.

„Lasst es in Ruhe!“, rief die Mutter. „Es tut doch niemandem etwas.“ – „Es ist zu groß und zu sonderbar“, sagte die Ente, die gebissen hatte. „Deshalb muss es gehackt werden.“ Sogar die vornehme alte Ente mit dem roten Lappen meinte: „Es sind hübsche Kinder, die die Mutter da hat. Alle sind hübsch, nur das eine ist nicht gelungen.“

Das arme graue Entlein wusste bald nicht mehr, wo es stehen oder gehen sollte. Es wurde gebissen, gestoßen und ausgelacht, von den Enten und von den Hühnern. „Es ist zu groß“, sagten alle. Und der Truthahn, der mit Sporen zur Welt gekommen war und sich deshalb für einen Kaiser hielt, blies sich auf wie ein Schiff im Wind, stolzierte auf das Entlein zu und wurde ganz rot am Kopf.

So ging es am ersten Tag, und danach wurde es schlimmer. Selbst die Geschwister waren böse und riefen: „Wenn die Katze dich doch nur holen würde, du hässliches Etwas!“ Die Mutter seufzte: „Wärst du nur weit weg!“ Die Enten bissen es, die Hühner hackten nach ihm, und das Mädchen, das die Tiere fütterte, stieß mit dem Fuß nach ihm.

Da lief das Entlein los. Es flog über den Zaun, und die kleinen Vögel in den Büschen erschraken und flatterten auf. „Das geschieht, weil ich so hässlich bin“, dachte es, schloss die Augen und lief weiter. So kam es zu einem großen Moor, in dem die Wildenten wohnten. Dort lag es die ganze Nacht. Es war so müde und so traurig.

Am Morgen flogen die Wildenten auf und musterten den Neuling. „Was bist du denn für einer?“, fragten sie. Das Entlein drehte sich nach allen Seiten und grüßte, so höflich es konnte. „Du bist wirklich hässlich“, sagten die Wildenten. „Aber das soll uns gleich sein, solange du nicht in unsere Familie einheiraten willst.“ Das Entlein dachte gar nicht ans Heiraten. Es wäre schon froh gewesen, wenn es im Schilf liegen und ein wenig Moorwasser trinken dürfte.

Es lag zwei Tage im Moor. Da kamen zwei junge Wildgänse vorbei, keck und übermütig, weil sie erst kurze Zeit aus dem Ei waren. „Hör mal, Kamerad“, sagten sie. „Du bist so hässlich, dass wir dich richtig gernhaben. Willst du mit uns fliegen? In einem anderen Moor warten lauter hübsche Wildgans-Damen – bei deinem Aussehen könntest du dort dein Glück machen!“

In diesem Augenblick krachten Schüsse. Die beiden Wildgänse stürzten ins Schilf, und das Wasser wurde unruhig und dunkel. Schuss folgte auf Schuss, ganze Scharen von Wildgänsen flogen auf. Es war eine große Jagd. Jäger standen rings um das Moor, aus den Bäumen zog blauer Rauch über das Wasser, und die Jagdhunde liefen platschend durch das Schilf, das sich nach allen Seiten bog.

Das Entlein steckte den Kopf unter den Flügel. Da stand plötzlich ganz nah ein großer Hund. Die Zunge hing ihm aus dem Hals, seine Augen blitzten. Er öffnete das Maul, zeigte die Zähne – und platsch, platsch! lief er weiter, ohne das Entlein zu packen. „Gott sei Dank“, seufzte das Entlein. „Ich bin so hässlich, dass mich nicht einmal der Hund beißen mag.“

Lange lag es ganz still, während die Schüsse durch das Schilf sausten. Erst gegen Abend wurde es ruhig. Da machte sich das Entlein auf und lief fort, über Feld und Wiese, so schnell es konnte. Ein Sturm blies ihm entgegen, und es musste sich tüchtig anstrengen, um voranzukommen.

Gegen Abend erreichte es eine kleine Bauernhütte. Die Hütte war so alt und schief, dass sie selbst nicht wusste, nach welcher Seite sie fallen sollte – und darum blieb sie einfach stehen. Der Sturm rüttelte an ihr, und das Entlein sah, dass die Tür aus einer Angel war und schräg hing. Durch den Spalt schlüpfte es in die Stube.

Dort wohnte eine alte Frau mit ihrem Kater und ihrer Henne. Der Kater hieß Söhnchen; er konnte den Rücken krümmen und schnurren, und wenn man ihm gegen den Strich über das Fell fuhr, sprühten sogar Funken. Die Henne hieß Küchelchen Kurzbein, weil ihre Beine so kurz waren. Sie legte schöne Eier, und die Frau liebte sie wie ihr eigenes Kind.

Am Morgen entdeckten die beiden den fremden Gast. Die Frau schaute sich um, sah aber nicht mehr gut und hielt das Entlein für eine fette Ente, die sich verlaufen hatte. „Was für ein Fang!“, sagte sie. „Nun bekomme ich Enteneier. Wenn es nur keine Ente ist!“ So blieb das Entlein drei Wochen auf Probe. Aber es kam kein einziges Ei.

Der Kater war der Herr im Haus, die Henne war die Dame, und beide sagten immerzu: „Wir und die Welt!“ Sie glaubten, sie wären die Hälfte davon, und zwar die bessere Hälfte. Das Entlein fand, dass man auch anderer Meinung sein könnte. Aber das litt die Henne nicht.

„Kannst du Eier legen?“, fragte sie. „Nein.“ – „Dann halte den Schnabel!“ Und der Kater fragte: „Kannst du den Rücken krümmen, schnurren und Funken sprühen?“ – „Nein.“ – „Dann rede nicht mit, wenn vernünftige Leute sprechen.“

Das Entlein saß in der Ecke und war schlechter Laune. Da dachte es an die frische Luft und an den Sonnenschein, und es spürte eine seltsame Sehnsucht, auf dem Wasser zu schwimmen. Schließlich musste es der Henne davon erzählen. „Was ist denn in dich gefahren?“, fragte die Henne. „Du hast nichts zu tun, deshalb kommen dir solche Flausen in den Kopf. Leg Eier oder spinne, dann hören sie wieder auf.“

„Aber es ist so schön, auf dem Wasser zu schwimmen“, sagte das Entlein. „So schön, das Wasser über den Kopf zu bekommen und bis auf den Grund zu tauchen.“ Da fragte die Henne, ob der Kater das wohl möge und ob die alte Frau Lust dazu hätte. „Ihr versteht mich nicht“, sagte das Entlein. „Ich glaube, ich gehe hinaus in die weite Welt.“ – „Ja, tu das!“, sagte die Henne. Und das Entlein ging.

Es schwamm auf dem Wasser und tauchte unter, aber von allen Tieren wurde es wegen seiner Hässlichkeit übersehen. Dann kam der Herbst. Die Blätter im Wald wurden gelb und braun, der Wind wirbelte sie durch die Luft, und oben am Himmel wurde es kalt. Wolken zogen mit Hagel und Schneeflocken auf, und auf dem Zaun saß der Rabe und schrie vor Kälte. Das arme Entlein hatte es wahrlich nicht gut.

Eines Abends, als die Sonne unterging, kam ein Schwarm wunderschöner großer Vögel aus den Büschen. So schöne Vögel hatte das Entlein noch nie gesehen: Sie waren leuchtend weiß und hatten lange, geschmeidige Hälse. Es waren Schwäne. Sie ließen einen seltsamen Ton hören, breiteten ihre prächtigen Flügel aus und flogen davon, fort aus der kalten Gegend, hin zu wärmeren Ländern und offenen Seen. Sie stiegen so hoch, so hoch.

Dem hässlichen jungen Entlein wurde ganz sonderbar zumute. Es drehte sich im Wasser wie ein Rad, streckte den Hals nach ihnen und stieß einen Schrei aus, dass es sich selbst davor fürchtete. Die schönen, glücklichen Vögel konnte es nicht vergessen. Es wusste nicht, wie sie hießen, und nicht, wohin sie flogen – aber es mochte sie, wie es noch niemanden gemocht hatte. Es beneidete sie nicht. Wie wäre es ihm eingefallen, sich solche Schönheit zu wünschen? Es wäre schon froh gewesen, wenn die Enten es unter sich geduldet hätten. Das arme, hässliche Tier!

Der Winter wurde kalt, sehr kalt. Das Entlein musste im Wasser umherschwimmen, damit es nicht ganz zufror. Jede Nacht wurde das Loch, in dem es schwamm, kleiner. Das Eis knackte, und das Entlein musste immer weiter die Beine bewegen, damit das Loch sich nicht schloss. Zuletzt wurde es müde, lag ganz still und fror im Eis fest.

Am frühen Morgen kam ein Bauer vorbei. Er sah das Entlein, schlug mit seinem Holzschuh das Eis auf, nahm es mit nach Hause und brachte es zu seiner Frau. Dort lebte das Entlein wieder auf.

Die Kinder wollten mit ihm spielen. Aber das Entlein dachte, sie wollten ihm etwas zuleide tun, und fuhr erschrocken in den Milchnapf, sodass die Milch in der Stube umherspritzte. Die Frau schlug die Hände zusammen, und schon saß das Entlein im Butterfass, dann in der Mehltone und flog wieder heraus. Wie das aussah! Die Frau schrie und schlug mit der Feuerzange nach ihm, die Kinder liefen einander über den Haufen, und alle lachten und kreischten.

Zum Glück stand die Tür offen. Das Entlein schlüpfte hinaus zwischen die Büsche in den frischen Schnee und lag dort ganz erschöpft.

All die Not und das Elend des harten Winters zu erzählen, wäre zu traurig. Das Entlein lag im Moor zwischen dem Schilf, als die Sonne wieder warm zu scheinen begann. Die Lerchen sangen, und es war ein herrlicher Frühling.

Da konnte das Entlein auf einmal seine Flügel schwingen. Sie rauschten stärker als früher und trugen es kräftig davon. Ehe es sich versah, war es in einem großen Garten, wo die Apfelbäume blühten, wo der Flieder duftete und seine langen grünen Zweige bis hinunter zu den geschwungenen Gräben neigte. Hier war es so schön und so frisch.

Vorn aus dem Dickicht kamen drei prächtige weiße Schwäne. Sie rauschten mit den Federn und schwammen leicht über das Wasser. Das Entlein erkannte die stolzen Vögel und wurde von einer seltsamen Traurigkeit ergriffen. „Ich will zu ihnen schwimmen, den königlichen Vögeln. Sie werden mich hacken und verjagen, weil ich so hässlich bin und mich ihnen nähern wage. Aber das ist mir gleich. Besser, sie verjagen mich, als dass die Enten mich beißen, die Hühner nach mir hacken und das Mädchen nach mir tritt und ich den Winter über leiden muss.“

Es flog ins Wasser und schwamm den prächtigen Schwänen entgegen. Die sahen es, und mit rauschenden Federn kamen sie ihm entgegen. Das Entlein neigte den Kopf zum Wasser und wartete. Aber was sah es da im klaren Wasser? Sein eigenes Bild. Und es war kein plumper, grauer, hässlicher Vogel mehr – es war selbst ein Schwan.

Es macht nichts, auf einem Entenhof geboren zu sein, wenn man aus einem Schwanenei kommt. Das Entlein freute sich über all die Not, die es durchgemacht hatte, denn jetzt erst begriff es sein Glück. Die großen Schwäne schwammen um es herum und streichelten es mit den Schnäbeln.

Weißer Schwan auf klarem Wasser zwischen blühenden Apfelbäumen – Szene aus dem Märchen

In den Garten kamen ein paar Kinder. Sie warfen Brot und Korn ins Wasser, und das kleinste Kind rief: „Da ist ein neuer!“ Die anderen jubelten: „Ja, ein neuer ist da!“ Sie klatschten in die Hände und tanzten umher, liefen zu Vater und Mutter, und es wurde Brot und Kuchen ins Wasser geworfen. „Der neue ist der schönste!“, sagten alle. „So jung und so schön!“ Und die alten Schwäne verbeugten sich vor ihm.

Da schämte sich das Entlein und steckte den Kopf unter die Flügel. Es wusste nicht, wie ihm geschah. Es war überglücklich und doch nicht stolz, denn ein gutes Herz wird niemals stolz. Es dachte daran, wie es gejagt und verspottet worden war, und hörte nun alle sagen, es sei der schönste aller schönen Vögel. Der Flieder bog seine Zweige bis zum Wasser nieder, und die Sonne schien warm und mild. Da rauschten seine Federn, der schlanke Hals hob sich, und aus vollem Herzen jubelte es: „So viel Glück habe ich mir nicht träumen lassen, als ich noch das hässliche Entlein war!“

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Das hässliche Entlein in Kürze

Eine Entenmutter brütet sechs Enten aus; das siebte Ei ist größer und braucht länger2. Als das graue Entlein endlich schlüpft, ist es tollpatschig und unbeholfen und wird von den Tieren verspottet und drangsaliert2. Es läuft davon, versteckt sich im Schilf und beobachtet von dort aus immer wieder die stolzen Schwäne2. Eine Bäuerin sperrt es für eine Weile ein, kurz darauf gelingt ihm die Flucht2. Im Winter friert es eines Nachts in einem See fest, doch ein Bauer befreit es und nimmt es mit2. Als es sich im Wasser spiegelt, erkennt es sein Bild kaum wieder: Es ist ein erwachsener, stolzer Schwan, zu dem sich sogleich andere Schwäne gesellen2.

Die Figuren

  • Das hässliche Entlein – das große graue Entlein, das verspottet wird und am Ende als Schwan erkannt wird.
  • Die Entenmutter – sie brütet das große Ei zu Ende, verteidigt ihr Kind und hält es doch selbst für misslungen.
  • Die Geschwister – die anderen Entchen sind hübsch, halten Abstand und werden sogar böse zu ihrem Bruder.
  • Die alte Ente, die zu Besuch kommt – sie hält das große Ei für ein Truthahnei und rät, es liegen zu lassen.
  • Die vornehme alte Ente mit dem roten Lappen – sie stammt aus spanischem Blut, genießt höchstes Ansehen im Entenhof und findet das graue Entlein nicht gelungen.
  • Der Truthahn – er kam mit Sporen zur Welt, hält sich für einen Kaiser und geht das Entlein an.
  • Die Hühner – sie hacken nach dem Entlein und machen sich mit den Enten über es lustig.
  • Das Mädchen, das die Tiere füttert – sie stößt mit dem Fuß nach dem Entlein.
  • Die Wildenten im Moor – sie nehmen das Entlein für eine Nacht auf und spotten über sein Aussehen.
  • Die beiden Wildgänse – sie laden das Entlein ein, mit ihnen zu fliegen, und werden von der Jagd überrascht.
  • Die Jäger und die Jagdhunde – sie bringen Unruhe ins Moor; ein großer Hund steht dicht vor dem Entlein und lässt es laufen.
  • Die alte Frau in der Hütte – sie hält das Entlein für eine verirrte fette Ente und hofft auf Enteneier.
  • Der Kater Söhnchen – er krümmt den Rücken, schnurrt und sprüht Funken und ist der Herr im Haus.
  • Die Henne Küchelchen Kurzbein – sie legt gute Eier, ist die Dame im Haus und lässt keine andere Meinung gelten.
  • Der Bauer – er schlägt im Winter das Eis auf und rettet das festgefrorene Entlein.
  • Die Bäuerin – sie erschrickt, als das Entlein in Milch und Mehl landet.
  • Die Kinder des Bauern – sie wollen mit dem Entlein spielen und erschrecken es damit so sehr, dass es flieht.
  • Die Schwäne im Garten – sie kommen dem neuen Schwan mit rauschenden Federn entgegen und schwimmen um ihn herum.
  • Die Kinder im Garten – sie werfen Brot und Kuchen ins Wasser und rufen, der neue Schwan sei der schönste.

Was lernen Kinder daraus?

Märchen sprechen das Gefühlsleben von Kindern an und fördern das Mitfühlen mit anderen3. Beim hässlichen Entlein heißt das: Kinder leiden mit einem Wesen mit, das ausgegrenzt wird, und freuen sich mit ihm, als es endlich dazugehört.

Die Geschichte erzählt davon, dass das Aussehen nichts über den Wert eines Lebewesens sagt. Das Entlein wird gebissen, gestoßen und ausgelacht, bis es sich selbst für hässlich hält – hier können Kinder spüren, wie sehr Worte verletzen. Zugleich macht die Geschichte Mut: Wer anders ist, kann seinen Platz finden.

Fachleute raten, Märchen vor dem Vorlesen zu prüfen und auszuwählen, was zum eigenen Kind passt3. Eine Untersuchung mit 268 Kindern zwischen drei und sieben Jahren deutet darauf hin, dass Geschichten, in denen Ehrlichkeit gelobt wird und gut ausgeht, Kinder eher zum Ehrlichsein bewegen als Erzählungen mit schlechtem Ende5. Beim Vorlesen dürfen Kinder unterbrechen, fragen und die Geschichte weiterspinnen4.

Herkunft und Entstehung

Das hässliche Entlein ist ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen2. Es erschien zuerst am 11. November 1843 und wurde 1844 Teil seiner Sammlung Nye Eventyr, auf Deutsch „Neue Märchen“2. Angeregt wurde Andersen durch einen Aufenthalt auf Gut Gisselfeld2. Die Geschichte wird auch unter dem Titel Das hässliche junge Entlein geführt2.

Nach dem Erscheinen lobte die dänische Kritik das Märchen; Jenny Lind und Bernhard Severin Ingemann zeigten sich begeistert2. In Deutschland wurde es dagegen als zu konstruiert und zu allegorisch gerügt2. Der Stoff wurde vielfach bearbeitet, unter anderem 1914 von Sergei Prokofjew, der ihn für Gesang und Orchester vertonte2.

Im Original gibt es eine Jagdszene, in der Schüsse fallen und zwei Wildgänse getroffen werden. Für jüngere Kinder ist es gut, solche Stellen zu kennen, bevor ihr vorlest; Fachleute empfehlen, Märchen vorher zu prüfen und auszuwählen, was zum eigenen Kind passt3.

Das hässliche Entlein: Originaltext und eigene Übersetzung

Andersen hat das hässliche Entlein auf Dänisch geschrieben; der Originaltitel lautet Den grimme Ælling2. Der dänische Wortlaut von 1843 ist gemeinfrei und darf frei gelesen und neu erzählt werden. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist unsere eigene Nacherzählung aus dem Dänischen; wir übernehmen keine fremde Übersetzung.

Für Kinder ist eine Nacherzählung leichter als das Original: Wir erzählen die Handlung mit eigenen Worten, in kurzen Sätzen und ohne die härteren Stellen. Alle Figuren und alle Schritte der Handlung bleiben erhalten. Auch die Hörfassung auf dieser Seite beruht auf dieser Nacherzählung.

Beim Vorlesen dürft ihr die Geschichte verändern: Fachleute empfehlen, Namen zu ändern oder Alltagssituationen des Kindes einzubauen, damit Geschichten lebendig bleiben4.

Das hässliche Entlein als PDF zum Ausdrucken

Viele Familien möchten die Geschichte ausdrucken und in der Hand halten. Ein fertiges PDF zum Herunterladen gibt es auf dieser Seite nicht; ihr könnt die Seite aber über die Druckfunktion eures Browsers als PDF speichern und ausdrucken. Für jüngere Kinder hilft eine größere Schrift, und ein Absatz pro Seite macht das Mitlesen leichter.

In der Grundschule lassen sich Märchen gut einsetzen: Sie regen die Fantasie an und vermitteln moralische Botschaften, Lehrkräfte greifen dafür auf Märchen von Andersen und anderen Autoren zurück6. Während euer Kind zuhört, lernt es nebenbei neue Wörter, Satzmuster und Sprachstile kennen4.

Wer die Geschichte lieber hört als liest, kann sie auch als Hörfassung anhören – praktisch für die Autofahrt oder die Abendroutine.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Wie fühlt sich das Entlein, wenn die Enten und Hühner es auslachen?
  2. Warum glaubst du, dass die anderen Tiere das graue Entlein nicht mitspielen lassen?
  3. Was hätte dem Entlein auf dem Entenhof geholfen?
  4. Woran merkt das Entlein im Frühling, dass es kein hässlicher Vogel ist?
  5. Was würdest du tun, wenn bei euch im Kindergarten ein Kind so ausgeschlossen wird?

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Häufige Fragen

Wer hat das hässliche Entlein geschrieben?
Das hässliche Entlein stammt von Hans Christian Andersen. Der dänische Dichter und Schriftsteller war zeit seines Lebens selbst ein Außenseiter und wurde wegen seines Aussehens häufig abfällig beschrieben2. In einem Brief an Georg Brandes nannte er das Märchen 1869 eine „Abspielung“ seines eigenen Lebens2. Die Figur des Außenseiters, für die das Entlein steht, passt zu dieser Deutung2.

Quellen

  1. Das hässliche Entlein · abgerufen am 11.10.2026
  2. Das hässliche Entlein · abgerufen am 11.10.2026
  3. Märchen fördern Einfühlungsvermögen bei Kindern: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
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  5. Moralische Geschichten mit „Happy End“ haben anscheinend erzieherische Wirkung: Kinderaerzte-im-Netz · abgerufen am 11.10.2026
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Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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