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Die Prinzessin auf der Erbse – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Ein Prinz sucht auf der ganzen Welt eine wirkliche Prinzessin und findet sie erst, als während eines Unwetters ein durchnässtes Mädchen ans Stadttor klopft. Ob sie die Wahrheit sagt, verrät eine Erbse unter zwanzig Matratzen. Die Prinzessin auf der Erbse könnt ihr hier als kindgerechte Nacherzählung vorlesen und anhören, dazu gibt es eine kurze Zusammenfassung, Gesprächsfragen und Hintergründe.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 10 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Illustration zu Die Prinzessin auf der Erbse: eine Prinzessin liegt hoch oben auf einem Turm aus Matratzen und Eiderdaunendecken
Jahr
1837
Alter ab
4
Autor/Herkunft
Hans Christian Andersen (Dänemark, † 1875)

Neu erzählt nach Hans Christian Andersen (Dänisch, 1837)

Zum Vorlesen eignet sich das kurze Märchen schon ab etwa vier Jahren – es ist schnell erzählt, und die Pointe mit der Erbse können Kinder gut mitraten.

Das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse – zum Vorlesen

Hörfassung · 5 Min.
Die Prinzessin auf der Erbse – Hörfassung
0:004:43
MP3 herunterladen (2,7 MB)

Es war einmal ein Prinz, der wollte heiraten. Aber es sollte keine Prinzessin von irgendwo sein, sondern eine wirkliche Prinzessin. Also ließ er sein Schloss hinter sich und reiste in die weite Welt hinaus, um sie zu suchen.

Er kam an große Höfe und kleine Schlösser, wurde freundlich empfangen und lernte Prinzessinnen genug kennen. Doch wenn er genauer hinsah, fand er immer etwas, das nicht ganz stimmte. Nie konnte er sicher sein, ob die junge Dame vor ihm wirklich eine Prinzessin war.

Prinzessinnen gab es also genug – eine wirkliche war nicht dabei. Als der Prinz wieder nach Hause kam, war er sehr traurig. Er wollte doch so gern eine wirkliche Prinzessin haben.

Zu Hause lebten der alte König und die alte Königin. Sie sahen, wie unglücklich der Prinz war, doch sie wussten keinen Rat.

Eines Abends zog ein schreckliches Unwetter auf. Es blitzte und donnerte, und der Regen fiel in dichten Strömen vom Himmel. Es war ein Abend, an dem niemand freiwillig vor die Tür ging.

Mitten in dieser Nacht klopfte es laut an das Stadttor. Der alte König stand auf, holte eine Lampe und ging selbst hin, um aufzumachen.

Regennasse Prinzessin steht in der Gewitternacht vor dem Stadttor eines Märchenschlosses

Draußen stand ein Mädchen. Das Wasser lief ihm aus den Haaren und aus den Kleidern, es rann vorn in ihre Schuhe hinein und an den Hacken wieder heraus. Die nassen Strähnen klebten ihr im Gesicht. Und doch sagte dieses Mädchen, sie sei eine wirkliche Prinzessin.

Die alte Königin hörte es und dachte: Das wollen wir doch erst einmal sehen! Doch die Königin sagte nichts, ging in die Schlafkammer und nahm das ganze Bett auseinander.

Ganz unten, auf den Boden der Bettstelle, legte sie eine einzige Erbse. Darüber schichtete sie zwanzig weiche Matratzen auf. Und ganz oben kamen noch einmal zwanzig Eiderdaunendecken dazu.

Der Berg aus Betten reichte fast bis zur Decke. Ob jemand eine wirkliche Prinzessin ist, kann man einem Menschen nicht ansehen, dachte die Königin. Es braucht eine Probe.

Als es Schlafenszeit war, kletterte die Prinzessin die Matratzen hinauf und sank tief in die weichen Daunen. Ganz unten, unter allen Matratzen und allen Decken, lag die Erbse und wartete.

Draußen tobte das Unwetter weiter. Der Regen trommelte gegen die Fenster, und der Wind rüttelte an den Läden.

Die Prinzessin lag hoch oben auf ihrem weichen Berg und fand keinen Schlaf. Sie drehte sich nach links, drehte sich nach rechts, drückte das Kissen zurecht – immer spürte sie etwas Hartes unter sich.

Am Morgen standen der König, die alte Königin und der Prinz am Bett und fragten, wie die Prinzessin geschlafen habe.

„Entsetzlich schlecht“, klagte die Prinzessin. „Ich habe fast nicht geschlafen. Etwas Hartes hat mir die ganze Nacht in den Rücken gedrückt, und jetzt bin ich am ganzen Körper braun und blau.“

Da wussten sie alle: So empfindlich konnte nur eine wirkliche Prinzessin sein. Unter all diesen Matratzen und Decken hatte sie die kleine Erbse gespürt.

Der Prinz nahm die Prinzessin zur Frau, denn nun wusste er gewiss, dass er eine wirkliche Prinzessin gefunden hatte. Und die Erbse? Die kam in die Kunstkammer, wo sie noch heute zu sehen sein soll – wenn sie niemand mitgenommen hat.

Der Erzähler beschließt die Geschichte mit dem Hinweis, dass dies eine richtige Geschichte sei.

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Die Prinzessin auf der Erbse in Kürze

Ein Prinz reist durch die Welt, weil er nur eine wirkliche Prinzessin heiraten möchte. An jeder Kandidatin findet er etwas auszusetzen, und so kehrt er traurig zurück. In einer Gewitternacht klopft ein durchnässtes Mädchen ans Stadttor und behauptet, eine wirkliche Prinzessin zu sein. Die alte Königin lässt heimlich eine Erbse unter einem hohen Stapel Betten verschwinden – zwanzig Matratzen und darüber noch einmal zwanzig Daunendecken2. Am Morgen klagt die Prinzessin, sie habe auf etwas Hartem gelegen. Damit ist der Beweis erbracht: Nur eine wirkliche Prinzessin ist so empfindlich2. Der Prinz heiratet sie, und die Erbse kommt in die Kunstkammer2.

Die Figuren

  • Der Prinz: Sucht in der ganzen Welt eine wirkliche Prinzessin und findet sie erst nach der Erbsenprobe.
  • Die Prinzessin: Klopft durchnässt im Unwetter ans Stadttor und behauptet, eine wirkliche Prinzessin zu sein.
  • Der alte König: Öffnet in der Gewitternacht selbst das Stadttor.
  • Die alte Königin: Denkt sich die Probe mit der Erbse aus und legt sie heimlich unten ins Bett.
  • Die Erbse: Das Beweisstück – sie kommt zum Schluss in die Kunstkammer.

Was lernen Kinder daraus?

Große Lebenslehren stecken in diesem kurzen Märchen nicht – Andersen geht spielerisch und ironisch mit den Märchenmotiven um2. Genau das macht die Geschichte für Kinder so vergnüglich: zwanzig Matratzen, zwanzig Daunendecken und darunter eine einzige kleine Erbse. Da dürfen alle mitlachen und miträtseln.

Die alte Königin legt eine einzelne Erbse auf den Bettboden, daneben stapeln sich Matratzen und Daunendecken

Eine schöne Gesprächsidee steckt in der Frage, woran man eigentlich erkennt, wer jemand ist. Die Prinzessin steht klatschnass und fremd vor dem Tor, und trotzdem ist sie echt. Kinder verstehen schnell: Ein Mensch ist nicht immer das, was man auf den ersten Blick sieht.

Später wurde der Ausdruck Prinzessin auf der Erbse zum geflügelten Wort für eine besonders empfindliche Person2. Ob Andersens Prinzessin wirklich so zart besaitet sein soll oder ob die ganze Geschichte ein Scherz ist, darüber sind sich Fachleute bis heute nicht einig2. Für Kinder ist beides in Ordnung: Sie können die Prinzessin bedauern oder über sie kichern.

Die Prinzessin auf der Erbse – Originaltext und Herkunft

Hans Christian Andersen war ein dänischer Dichter; er starb 1875. Sein Märchen erschien am 7. April 1837 in einer Ausgabe der Reihe Märchen, für Kinder erzählt, auf Dänisch2. Es ist also ein Kunstmärchen: Andersen hat die Geschichte selbst erfunden, auch wenn die einzelnen Motive älter sind.

Nach Hans-Jörg Uther stammen die weibliche Überempfindlichkeit und die Bettprobe aus dem Orient; Andersen hat die beiden Motive zum ersten Mal miteinander verknüpft2. Einen kuriosen Umweg nahm der Stoff über die Brüder Grimm: 1843 stand er ausführlicher unter dem Titel Die Erbsenprobe in der fünften Auflage ihrer Märchen, wurde aber wieder herausgenommen und durch Die Geschenke des kleinen Volkes ersetzt. Als Begründung hieß es, der Text stamme wahrscheinlich aus Andersens Sammlung2. Beigesteuert hatte ihn der 14-jährige Herman Grimm; sein Vater und sein Onkel bemerkten die Herkunft wohl nicht gleich2.

Zu Andersens Zeit war die Kopenhagener Kunstkammer, in der die Erbse der Geschichte liegen soll, schon seit einigen Jahren geschlossen. Für den Literaturwissenschaftler Leif Ludwig Albertsen steckt darin ein ironischer Zug: Offiziell wurde die Erbse geehrt, doch kaum jemand interessierte sich noch für sie2.

Albertsen hat die Geschichte außerdem als Beispiel für die Tücken deutscher Übersetzungen aus dem Dänischen untersucht. Andersens bewusst naiver, spielerischer Stil mit seinem Wechsel zwischen subjektivem und objektivem Ton geht in Übersetzungen leicht verloren2. Zum Erfolg des Märchens haben auch Illustrationen beigetragen, etwa von Edmund Dulac, Paul Hey, Hans Tegner, Helen Stratton, Heinrich Lefler und Kay Nielsen2.

Die Prinzessin auf der Erbse – Text als PDF zum Ausdrucken

Ein fertiges PDF zum Herunterladen gibt es hier nicht. Ihr könnt die Seite aber über die Druckfunktion eures Browsers ausdrucken oder als PDF speichern – am Rechner mit der Tastenkombination Strg und P, am Tablet über das Teilen-Menü.

Für eine Vorleserunde lohnt es sich, vorher nur die Nacherzählung auszuwählen und die Schrift etwas größer zu stellen. So findet ihr beim Vorlesen leichter die Zeile wieder, und die Kinder können mitlesen, wenn sie möchten. Dann habt ihr den Text der Prinzessin auf der Erbse auch ohne Bildschirm dabei.

Passend zum Märchen gibt es zum Ausmalen Ausmalbilder Prinzessin – kostenlos ausdrucken und ausmalen.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Woran würdet ihr erkennen, dass jemand eine wirkliche Prinzessin ist?
  2. Warum sagt die Königin der Prinzessin nichts von der Erbse?
  3. Stellt euch vor, ihr liegt auf zwanzig Matratzen und spürt etwas Hartes: Wie würdet ihr reagieren?
  4. Wie wäre es euch ergangen, wenn ihr im Unwetter vor dem Stadttor gestanden hättet?
  5. Warum ist die Erbse am Ende wohl in der Kunstkammer gelandet?

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Häufige Fragen

Wer hat die Prinzessin auf der Erbse geschrieben?
Geschrieben hat die Prinzessin auf der Erbse der dänische Dichter Hans Christian Andersen. Das Märchen ist ein Kunstmärchen, also keine alte Volkserzählung, sondern eine Erfindung des Autors, und gehört zu seinen bekanntesten2. Seit dem Erstdruck wurde es in viele Sprachen übersetzt und oft nacherzählt2. Anders als bei den Märchen der Brüder Grimm ist hier also ein Verfasser namentlich bekannt.
Wie heißt die Prinzessin auf der Erbse?
Einen Namen bekommt sie nicht: Die Geschichte nennt sie einfach die Prinzessin, und der dänische Titel Prinsessen på ærten bedeutet nichts anderes als die Prinzessin auf der Erbse2. So bleibt offen, wie sie heißt. Beim Vorlesen könnt ihr gemeinsam überlegen, welcher Name zu ihr passen würde – das macht aus dem Zuhören schnell ein kleines Spiel.
Wie viele Matratzen hatte die Prinzessin auf der Erbse?
Die alte Königin versteckt eine Erbse ganz unten im Bett. Darüber stapelt sie zwanzig Matratzen, und ganz oben kommen noch einmal zwanzig Eiderdaunendecken dazu2. Am Morgen klagt die Prinzessin, sie habe kaum geschlafen und auf etwas Hartem gelegen2. Für die Königsfamilie ist damit klar: Nur eine wirkliche Prinzessin ist so empfindlich2.

Quellen

  1. Märchen: Die Prinzessin auf der Erbse · abgerufen am 10.10.2026
  2. Die Prinzessin auf der Erbse · abgerufen am 11.10.2026
  3. Die Prinzessin auf der Erbse · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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