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Der süße Brei – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Der süße Brei ist ein kurzes Märchen der Brüder Grimm (KHM 103): Ein armes Mädchen bekommt im Wald von einer alten Frau ein Zaubertöpfchen, das auf die Worte „Töpfchen, koche“ süßen Hirsebrei kocht und auf „Töpfchen, steh“ wieder aufhört. Als die Mutter den zweiten Spruch vergisst, füllt der Brei Haus, Straße und Stadt, bis das Kind heimkommt und das Töpfchen anhält. Hier könnt ihr die Nacherzählung lesen und hören und mit eurem Kind über die Geschichte sprechen.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 17 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Der süße Brei: Ein kleines Tontöpfchen kocht goldgelben Brei auf dem Tisch, daneben staunt ein Mädchen mit einem Holzlöffel.
Jahr
1857
Alter ab
3
Autor/Herkunft
Brüder Grimm (Kinder- und Haus-Märchen, Ausgabe 1857)

Neu erzählt nach Jacob und Wilhelm Grimm (Kinder- und Hausmärchen, 1857)

Ein armes Mädchen, ein Zaubertöpfchen und eine ganze Stadt voller Brei – darum geht es im Märchen Der süße Brei, das ihr hier vorlesen, anhören und mit eurem Kind besprechen könnt.

Der süße Brei – das Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 9 Min.
Der süße Brei – Nacherzählung als Hörfassung
0:009:19
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Es war einmal ein armes, frommes Mädchen. Es lebte mit seiner Mutter allein, und die beiden hatten nichts mehr zu essen. Der Mehlsack in der Kammer war leer, das letzte Stück Brot war längst gegessen, und wenn die Mutter abends das Feuer im Herd anschürte, blieb der Topf kalt. Sie sagte nichts darüber, aber das Mädchen sah, wie still sie wurde. „Ich gehe in den Wald“, sagte das Kind eines Morgens. „Vielleicht finde ich dort etwas, vielleicht gibt mir jemand eine Handvoll Hirse.“ Die Mutter strich ihm über den Kopf, und das Mädchen ging hinaus.

Der Wald war groß, und unter den hohen Bäumen wurde der Weg immer stiller. Das Mädchen lief durch das raschelnde Laub, schaute unter Sträucher und Büsche und suchte nach Beeren, Wurzeln und Kräutern. Aber es war eine Zeit, in der nichts zu finden war. Der Korb blieb leer, der Magen knurrte, und mit jedem Schritt wurde das Kind ein wenig müder. Da stand plötzlich eine alte Frau vor ihm. Sie war nicht laut gekommen, sie stand einfach da, als hätte sie auf das Mädchen gewartet. Und sie wusste seinen Jammer schon, noch bevor das Kind ein Wort gesagt hatte.

Die alte Frau fragte nicht lange, woher das Kind kam und wohin es wollte. Sie griff in ihre Schürze und holte ein kleines Töpfchen hervor. „Nimm es mit nach Hause“, sagte sie. „Es ist kein gewöhnliches Töpfchen. Wenn du süßen Brei essen möchtest, dann sag nur: ‚Töpfchen, koche.‘ Dann kocht es dir guten, süßen Hirsebrei, so viel du magst.“ Das Mädchen nahm das Töpfchen in beide Hände. Es war klein und leicht und aus braunem Ton, nicht größer als eine Teetasse. „Und was, wenn der Brei genug ist?“, fragte es. „Dann sag: ‚Töpfchen, steh‘“, antwortete die alte Frau. „Dann hört es wieder auf zu kochen.“ Das Mädchen bedankte sich, so höflich es konnte, und lief mit dem Töpfchen den langen Weg zurück.

Zu Hause saß die Mutter mit hohlen Wangen am Herd. Als das Mädchen das Töpfchen auf den Tisch stellte und erzählte, was im Wald geschehen war, traute sie ihren Ohren kaum. „Soll dieses kleine Ding wirklich Brei kochen?“, fragte sie. „Probieren wir es aus“, sagte das Mädchen. Es stellte das Töpfchen auf den Herd, und beide schauten es gespannt an. Dann sagte das Mädchen die zwei Worte: „Töpfchen, koche.“ Da begann das Töpfchen zu kochen. Warm und süß duftete es durch die Küche, und der Brei wurde dick und golden. Sie aßen, bis sie satt waren, und als beide genug hatten, sagte das Mädchen: „Töpfchen, steh.“ Da stand das Töpfchen und hörte auf zu kochen.

Von diesem Tag an mussten die beiden nie wieder hungern und nichts mehr entbehren. Sie mussten nicht mehr betteln gehen, und sie mussten nie mehr hungrig zu Bett. Jeden Abend wurde der Teller voll, und sie aßen süßen Brei, sooft sie wollten. Manchmal lachten sie dabei, weil sie kaum glauben konnten, dass ein so kleines Töpfchen so viel Brei kochen konnte. Die Nachbarn sahen, dass es den beiden wieder besser ging, und wunderten sich, woher die gute Laune kam.

Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen. Es musste in die Stadt, und so war die Mutter den ganzen Vormittag allein im Haus. Gegen Mittag bekam sie Hunger, richtigen Hunger, wie sie ihn lange nicht mehr gekannt hatte. Sie schaute zum Herd hinüber, wo das Töpfchen stand, und sie musste nicht lange überlegen. „Töpfchen, koche“, sagte sie, und das Töpfchen kochte. Sie füllte sich einen Teller, dann noch einen, dann noch einen, und schließlich lehnte sie sich zufrieden zurück. Sie war so satt wie schon lange nicht mehr.

Nun wollte sie, dass das Töpfchen wieder aufhören sollte. Aber wie hieß das Wort nur? Sie saß da und überlegte. Sie hatte es nur ein einziges Mal gehört, und sie wusste es nicht mehr. „Hör auf“, sagte sie. Das Töpfchen kochte weiter. „Genug jetzt!“, rief sie. Das Töpfchen kochte weiter. „Steh still, hör doch auf!“ Nichts half. Der Brei stieg über den Rand des Töpfchens und lief auf den Herd. Er tropfte auf den Boden, und aus den Tropfen wurde ein See. Die Küche füllte sich, das ganze Haus füllte sich, und die Mutter lief von einer Ecke in die andere.

Schließlich riss sie die Haustür auf. Aber der Brei war schon vor ihr da. Er quoll zur Tür hinaus, in den Hof und in die Straße, als hätte er es eilig. Er lief in das zweite Haus und in das dritte, er schob sich die Gassen hinauf und hinunter, und jede Tür, die man vor ihm schließen wollte, öffnete er mit seiner warmen, weichen Kraft. Es war, als wollte der Brei die ganze Welt satt machen.

Illustration zum Märchen Der süße Brei: Der Brei fließt durch die Gassen eines Fachwerkdorfes, während die Bewohner staunen.

Die Leute kamen aus ihren Häusern gerannt. Kinder standen mit weit aufgerissenen Augen in den Gassen, Erwachsene wateten durch den warmen Brei, der immer höher stieg. „Was ist denn hier los?“, rief einer. „Wer hat das gemacht?“, rief ein anderer. „Holt Schaufeln!“, rief ein dritter. Doch keiner wusste einen Ausweg. Die einen versuchten, den Brei mit Brettern zur Seite zu schieben. Die anderen kletterten in den oberen Stockwerken auf Tische und Bänke. Sie redeten durcheinander, sie riefen, sie überlegten – und der Brei stieg weiter, ruhig und unaufhaltsam.

Bald war die ganze Stadt unter ihm begraben. Die Straßen waren voll, die Häuser waren voll, und immer noch kochte das kleine Töpfchen in der Küche des armen Mädchens weiter. Es kochte ohne Pause und ohne Ende, denn es wartete auf zwei Worte, die ihm niemand mehr sagen konnte. Die Not war groß, und niemand wusste Rat. Haus um Haus versank unter dem süßen Brei, und schließlich war nur noch ein einziges Haus übrig.

Da kam das Kind heim. Es kam den Weg entlang, den es kannte, aber der Weg war kein Weg mehr. Es blieb stehen, sah den Brei bis zum Rand der Gassen stehen und sah die Leute, die sich in den Fenstern nicht mehr hinaus trauten. Und obwohl das Mädchen noch gar nicht wusste, was geschehen war, wusste es doch die zwei Worte. Es sprach nur: „Töpfchen, steh.“

Da stand das Töpfchen. Es hörte auf zu kochen. Der Brei stieg nicht mehr, er lief nicht weiter, er blieb einfach liegen, wo er war, warm und süß. In der Küche wurde es still, und in der ganzen Stadt wurde es still. Die Leute öffneten vorsichtig ihre Türen und schauten hinaus. So etwas hatte noch niemand gesehen. Aber niemand war mehr in Not, und niemand musste an diesem Tag hungern.

Und wer zurück in die Stadt wollte, musste sich durch den süßen Brei essen. Die Gassen standen so voll, dass man sich Schritt für Schritt einen Weg freikauen musste. Viele haben sich an diesem Tag satt gegessen, so viel Brei lag da in den Straßen. Das Mädchen aber nahm sein Töpfchen, wischte es sauber und stellte es an seinen alten Platz neben dem Herd.

Am Abend sagte es wieder: „Töpfchen, koche.“ Da kochte das Töpfchen guten, süßen Hirsebrei, gerade so viel, wie die beiden essen konnten. Und als sie genug hatten, sagte das Mädchen: „Töpfchen, steh.“ Da stand das Töpfchen und hörte auf zu kochen – und diesmal hatte niemand im Haus die Worte vergessen.

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Der süße Brei in Kürze

Ein armes Mädchen bekommt im Wald von einer alten Frau ein Zaubertöpfchen geschenkt. Auf die Worte „Töpfchen, koche“ kocht es süßen Hirsebrei, und auf „Töpfchen, steh“ hört es wieder auf. Von da an müssen das Mädchen und seine Mutter nie mehr hungern. Als die Mutter eines Tages allein zu Hause ist, sagt sie nur den ersten Spruch; den zweiten hat sie vergessen. Der Brei quillt aus dem Topf, füllt Küche, Haus und Straße und begräbt bald die ganze Stadt. Erst als das Kind heimkommt und „Töpfchen, steh“ sagt, hört das Töpfchen auf zu kochen.

Die Figuren

  • Das Mädchen: Es lebt mit seiner Mutter in großer Armut, sucht im Wald nach Essen und bekommt dort das Zaubertöpfchen geschenkt.
  • Die Mutter: Sie bleibt eines Tages allein im Haus, sagt „Töpfchen, koche“ und kann das Töpfchen nicht mehr stoppen, weil sie das zweite Wort vergessen hat.
  • Die alte Frau: Sie begegnet dem Kind im Wald, kennt seinen Jammer und schenkt ihm das Töpfchen, das süßen Hirsebrei kocht.
  • Das Töpfchen: Es kocht auf Befehl süßen Brei und hört erst wieder auf, wenn jemand die richtigen Worte spricht.
  • Die Leute in der Stadt: Sie werden von der Breiflut überrascht und wissen sich nicht zu helfen, bis das Mädchen zurückkommt und das Töpfchen anhält.

Was lernen Kinder daraus?

Am Ende der Geschichte steht ein Bild, das Kinder so schnell nicht vergessen: eine ganze Stadt voller süßer Brei. Dahinter steckt ein uraltes Thema. Das Motiv dieses Märchens war früher weit verbreitet und bitter – es ging um Hunger1. Kinder hören daraus zuerst eine tröstliche Botschaft: Eine große Not kann sich wenden, und manchmal hilft etwas so Einfaches wie ein Töpfchen voll Brei.

Zugleich zeigt die Geschichte, wie wichtig Worte und Absprachen sind. Bei magischen Formeln kommt es auf die Bewahrung des genauen Wortlauts an1; wer den zweiten Spruch vergisst, hat keine Macht mehr über das, was er begonnen hat. Nach einer Deutung wird ein Wunder jemandem anvertraut, und es bringt Unsegen, diese besondere Gabe dem Beschenkten hinterrücks zu entziehen – nicht einmal eine Mutter sollte das tun1.

Und dann ist da noch das Mädchen: In der größten Not ist es die Jüngste im Haus und die Einzige, die die richtigen Worte weiß. Das ist eine kleine Stärkung kindlichen Selbstbewusstseins1 – ein schöner Anlass, mit eurem Kind darüber zu sprechen, wann jemand Mut und ein gutes Gedächtnis braucht.

Herkunft und Entstehung

Der süße Brei steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 103, also als KHM 1031. Die Fassung von 1857 ist die siebte Auflage und gilt als Ausgabe letzter Hand.

Bis zur zweiten Auflage hieß das Märchen Vom süßen Brei1. In ihrer Anmerkung notieren die Brüder Grimm „Aus Hessen“ und nennen Henriette Dorothea Wild als Quelle1. Sie vergleichen den Stoff mit einer „uralten Fabel“ von einem Krug, der nie versiegt und den nur Unschuld beherrschen kann, mit einer indischen Erzählung von einem Topf, der aus einem einzigen Reiskorn endlos kocht, und mit Goethes Der Zauberlehrling1. In der Märchenforschung zählt der Stoff zum Typ ATU 565; als Leitfassung gilt Die Mühle, die auf dem Meeresgrunde mahlt nach Jørgen Moe1.

Der Brei hatte einmal eine Bedeutung, die weit über das Frühstück hinausging. Er stand wie Brot für Nahrung allgemein, und in Thüringen wurde er zu Fasching gegessen, damit das Jahr keinen Mangel bringe1. Lutz Röhrich bemerkt, dass die Hirse in Märchen wohl aus der mittelalterlichen Nahrungsgewohnheit der Unterschicht stammt1. Das Märchen ist älter als der erste Import von erschwinglichem Rohrzucker, und vorher war Süßendes wie Honig oder Sirup außerordentlich knapp1. Schon Hans Sachs veröffentlichte 1530 die Vision eines Hirsebergs am Eingang zum Schlaraffenland1. Eine verwandte Geschichte über Armenspeisung mit dem Titel Der süsse Brey steht in Erasmus Franciscis Der Höllische Proteus, den die Brüder Grimm kannten1.

Später haben andere den Stoff weitererzählt. Bei Janosch (1983) heiratet zuerst die Mutter, dann die Tochter, die Familie baut eine Breifabrik und wird am Ende selbst unter dem Brei begraben1.

Märchen der süße Brei – der Text zum Lesen

Es war einmal ein armes frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da gieng das Kind hinaus in den Wald, und begegnete ihm da eine alte Frau, die wußte seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollt es sagen „Töpfchen, koche,“ so kochte es guten süßen Hirsenbrei, und wenn es sagte „Töpfchen, steh,“ so hörte es wieder auf zu kochen. Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armuth und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei so oft sie wollten. Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter „Töpfchen, koche,“ da kocht es, und sie ißt sich satt; nun will sie daß das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immer zu, die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollts die ganze Welt satt machen, und ist die größte Noth, und kein Mensch weiß sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim, und spricht nur „Töpfchen, steh,“ da steht es und hört auf zu kochen; und wer wieder in die Stadt wollte, der mußte sich durchessen.

Text: Jacob und Wilhelm Grimm, Quelle: Der süße Brei (1857), Kinder- und Haus-Märchen Band 2, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), de.wikisource.org. Originalschreibweise der Ausgabe 1857.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

Diese fünf Fragen könnt ihr beim Vorlesen, beim Hören oder danach aufgreifen:

  1. Was würdest du mit dem Töpfchen machen, wenn du es im Wald finden würdest?
  2. Warum hat die Mutter das zweite Wort vergessen, und was hättest du an ihrer Stelle getan?
  3. Wie stellst du dir eine Straße vor, in der der süße Brei bis zu den Fenstern steht?
  4. Das Mädchen wusste in der Not die richtigen Worte. Wann hast du schon einmal jemandem geholfen?
  5. Wenn das Töpfchen dir gehören würde: Welchen Brei würdest du dir wünschen, und wen würdest du damit satt machen?

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Quellen

  1. Der süße Brei · abgerufen am 11.10.2026
  2. Der süße Brei · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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