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Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – Märchen für Kinder

Es ist eines der bekanntesten Kunstmärchen von Hans Christian Andersen: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern erzählt von einem armen Kind, das am Silvesterabend in der Kälte Schwefelhölzer verkauft und niemandem etwas abkauft2. In den Flammen seiner Hölzchen sieht es Wärme, Licht und Trost, und am Ende nimmt die Großmutter es mit in den Himmel2. Hier lest ihr eine kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen und Anhören – mit Zusammenfassung, Figuren und Fragen zum Gespräch.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 16 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern steht barfuß in einer verschneiten Gasse im Licht der Fenster – Titelbild zur Nacherzählung
Jahr
1845
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Hans Christian Andersen (Kunstmärchen, dänisches Original „Den lille Pige med Svovlstikkerne“)

Neu erzählt nach Hans Christian Andersen (Dänisch, 1845)

Ein kurzes, sehr bekanntes Kunstmärchen von Hans Christian Andersen über ein armes Mädchen in einer eisigen Silvesternacht2.

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern – das Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 10 Min.
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – Hörfassung der Nacherzählung
0:009:56
MP3 herunterladen (5,7 MB)

Silvesterabend. Der Schnee fällt in dichten Flocken, und über die Dächer der Stadt legt sich die Dämmerung. Es ist eisig kalt, und es ist der letzte Abend im alten Jahr. Aus den Schornsteinen steigt Rauch, auf den Dächern liegt der Schnee wie eine dicke Decke, und in den Straßen glitzert er unter den Laternen. Nur ein kleines Mädchen geht barfuß über das kalte Pflaster. Den Kopf hat es unbedeckt, und seine nackten kleinen Füße sind rot und blau vor Kälte.

Schuhe hatte es einmal gehabt: die alten Pantoffeln seiner Mutter. Sie waren viel zu groß für seine Füße, aber die Mutter hatte sie zuletzt getragen, und andere gab es nicht. Als das Mädchen über die Straße eilte, jagten zwei Wagen so schnell an ihm vorbei, dass es einen Pantoffel verlor. Der eine war nicht wiederzufinden. Den anderen hob ein Junge auf und lief damit fort. „Den hebe ich auf“, rief er lachend, „der wird einmal die Wiege für mein Kind.“

So läuft das Mädchen auf bloßen Sohlen weiter, über den kalten Stein, mitten durch den Schnee. Das dünne Kleid und die alte Schürze wärmen kaum. In der Schürze trägt es eine Menge Schwefelhölzer, ein ganzes Bund hält es in der Hand. Seit dem Morgen hat es niemandem etwas verkauft. „Schwefelhölzer! Feine Schwefelhölzer!“, ruft es in die Kälte. Doch die Leute eilen mit Paketen und Körben vorbei, sie haben es eilig mit ihren Feiertagsbesorgungen, und sie sehen das kleine Mädchen nicht.

Einmal bleibt es vor einer Ladentür stehen. Der Laden ist warm und hell, und das Mädchen wartet, bis der Mann an der Tür es ansieht. Er schüttelt den Kopf und schließt die Tür. So geht es den ganzen Tag.

Kein Mensch kauft ihm etwas ab, keiner schenkt ihm eine Münze. Sein Atem steht in kleinen Wolken in der Luft. Bleibt es stehen, kriecht die Kälte sofort in die Zehen; läuft es weiter, brennt der Schnee unter den Sohlen. Hungrig und durchgefroren schleppt es sich die Straße hinauf und hinunter, die Schultern eingezogen, und sieht schon ganz verzagt und eingeschüchtert aus. Die Schneeflocken setzen sich in sein langes blondes Haar, das sich in schönen Locken um den Nacken legt. Aber an diesen Schmuck denkt das Mädchen jetzt nicht.

Aus allen Fenstern scheint heller Lichterglanz. Hinter den Scheiben brennen die Kerzen, und drinnen wird es warm sein. Das weiß das Mädchen, ohne hineinzusehen. Aus den Häusern duftet es nach gebratener Gans, und über die ganze Straße zieht der Geruch von Fest und Wärme. Es ist ja Silvesterabend, und dieser Gedanke erfüllt alle Sinne des kleinen Mädchens.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern sitzt im Schnee und sieht im warmen Schein einen Ofen erscheinen – Illustration zum Märchen

Eine Frau in einem warmen Mantel geht so dicht an ihm vorbei, dass ihr Rock das Kleid streift. Sie sieht das Mädchen nicht. Zwei Kinder laufen mit einer Laterne die Straße hinunter und lachen. Niemand bleibt stehen.

Zwischen zwei Häusern, von denen das eine ein Stück weiter in die Gasse springt als das andere, kauert sich das Mädchen in einen Winkel. Es zieht die kleinen Beine unter sich, aber es friert nur noch mehr. Nach Hause zu gehen wagt es nicht: Es hat kein Hölzchen verkauft und keinen Pfennig verdient, und vor der Strafe des Vaters hat es Angst. Und zu Hause ist es auch kalt. Sie haben nur das Dach über sich, und der Wind pfeift durch die größten Ritzen, obwohl Stroh und Lumpen hineingestopft sind.

Die kleinen Hände sind fast ganz erstarrt. Ach, ein einziges Schwefelhölzchen könnte so gut tun! Wenn es nur wagen dürfte, eines aus dem Bund herauszuziehen, es an der Mauer anzustreichen und die Finger daran zu wärmen. Das Mädchen zögert noch einen Atemzug. Dann greift es zu und streicht das erste Hölzchen an.

Ritsch! Wie das sprüht und brennt! Eine warme, helle Flamme schlägt auf, klein wie ein Licht, und das Mädchen hält die Hände darüber. Ein merkwürdiges Licht ist das. Plötzlich sitzt es vor einem großen eisernen Ofen mit blanken Messingkugeln und einer Messingtrommel. Das Feuer brennt so schön und wärmt so wohltuend, dass die Kleine die Füße ausstreckt, um auch sie zu wärmen. Da erlischt die Flamme. Der Ofen verschwindet, und sie hält nur noch ein Stümpfchen des verkohlten Hölzchens in der Hand.

Kurz liegt noch ein warmer Hauch auf ihren Fingern, dann ist er fort. Die Gasse ist wieder dunkel und kalt, und der Wind fährt ihr in den Rücken. Das Mädchen schaut auf das Bündel in seiner Hand. Es hat noch mehr Hölzchen, und es streicht gleich ein zweites an. An der Stelle der Mauer, auf die der Schein fällt, wird die Wand durchsichtig wie ein feiner Schleier.

Das Mädchen schaut geradewegs in eine Stube hinein. Der Tisch ist mit einem blendend weißen Tischtuch gedeckt, darauf steht feines Porzellan, und herrlich dampft eine gebratene Gans, gefüllt mit Pflaumen und Äpfeln. Und was noch herrlicher ist: Die Gans springt aus der Schüssel. Mit Messer und Gabel im Rücken watschelt sie über den Fußboden, geradewegs auf das arme Mädchen zu. Da erlischt das Hölzchen, und nur die dicke, kalte Mauer ist noch zu sehen.

Sie zündet ein drittes an. Da sitzt die Kleine unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum, größer und reicher geschmückt als der Baum, den sie am Heiligabend beim reichen Kaufmann durch die Glastür gesehen hat. Tausende von Lichtern brennen auf den grünen Zweigen, und bunte Bilder, wie die in den Schaufenstern, schauen auf sie hernieder. Das Mädchen möchte so gern eine dieser Kugeln berühren. Es streckt beide Hände in die Höhe – da erlischt das Hölzchen.

Die vielen Lichter steigen höher und höher, und jetzt sieht die Kleine erst, dass es die hellen Sterne sind. Einer von ihnen fällt vom Himmel herab und zieht einen langen Feuerstreifen hinter sich her, der noch einen Augenblick nachglüht. „Jetzt stirbt jemand“, sagt das Mädchen leise. Das hat die alte Großmutter ihm erzählt, die Einzige, die immer freundlich zu ihm gewesen ist. „Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele zu Gott empor“, hat sie gesagt. Die Großmutter ist schon gestorben.

Das Mädchen streicht wieder ein Hölzchen an der Mauer an. Es wirft einen weiten Lichtschein ringsumher, und im Glanz steht mit einem Mal die alte Großmutter da: hell beleuchtet, mild und freundlich, so wie das Mädchen sie in Erinnerung hat. „Großmutter!“, ruft die Kleine. „O nimm mich mit! Ich weiß, du verschwindest, sobald das Hölzchen ausgeht, so wie der warme Ofen, die köstliche Gans und der große, flimmernde Weihnachtsbaum!“

Die Großmutter sagt nichts. Sie lächelt und streckt die Arme aus. Schnell streicht das Mädchen den ganzen Rest der Schwefelhölzer an, die noch in seinem Bund sind, denn es will die Großmutter festhalten. Die Hölzchen verbreiten einen solchen Glanz, dass es heller wird als am lichten Tag. So schön und so groß ist die Großmutter noch nie gewesen. Sie hebt das Mädchen hoch, als wiege es nichts, nimmt es auf ihren Arm, und die beiden schweben empor, in Glanz und Freude, hoch und immer höher, über die Dächer und die Lichter der Stadt. Kälte, Hunger und Angst bleiben unten zurück. Sie sind bei Gott.

In der kalten Morgenstunde aber sitzt das Mädchen in seinem Winkel am Haus. Die Wangen sind rot, um den Mund liegt ein Lächeln. Es ist tot, erfroren in der letzten Nacht des alten Jahres. Als der Morgen des neuen Jahres über das Kind aufgeht, liegen die Schwefelhölzer neben ihm, fast ein ganzes Bund ist verbrannt. Ein paar Leute bleiben stehen und schauen auf das Kind im Winkel. Von dem Glanz, der das Mädchen umgeben hat, sieht keiner etwas; sie sehen nur das verbrannte Bündel in seiner Hand. „Sie hat sich wärmen wollen“, sagen sie, und dann gehen sie weiter in den neuen Tag.

Doch niemand weiß, was für schöne Dinge das Mädchen gesehen hat und in welchem Glanz es an der Hand der Großmutter ins neue Jahr gegangen ist.

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Das Mädchen mit den Schwefelhölzern in Kürze

Am Silvesterabend steht ein armes Mädchen barfuß in der Kälte und verkauft Schwefelhölzer. Niemand kauft ihm etwas ab, und nach Hause wagt es sich nicht. In einem Winkel zwischen zwei Häusern zündet es ein Hölzchen nach dem anderen an. Jedes Flämmchen öffnet für Sekunden eine warme Welt: einen eisernen Ofen, einen duftenden Gänsebraten und einen glänzenden Weihnachtsbaum. Beim letzten Hölzchen erscheint die Großmutter, nimmt das Mädchen in den Arm und schwebt mit ihm in den Himmel. Am Morgen findet man das Kind erfroren im Schnee, mit einem Lächeln im Gesicht2.

Die Figuren

  • Das Mädchen – ein armes Kind, das am Silvesterabend barfuß Schwefelhölzer verkauft und in der Kälte nach einem warmen Platz sucht.
  • Die Großmutter – sie war die Einzige, die immer freundlich zu dem Mädchen war; sie ist gestorben und erscheint im Schein der Hölzchen.
  • Der Vater – vor seiner Strafe fürchtet sich das Mädchen, deshalb wagt es nicht, ohne Geld nach Hause zu gehen.
  • Die Mutter – ihre alten, viel zu großen Pantoffeln trägt das Mädchen, bis es sie auf der Straße verliert.
  • Der Junge – er nimmt den zweiten Pantoffel an sich und will ihn später als Wiege für sein Kind benutzen.
  • Die Leute in der Stadt – sie sind mit ihren Feiertagsbesorgungen beschäftigt, kaufen nichts und gehen an dem Kind vorbei.

Was lernen Kinder daraus?

In der Geschichte steht die Kälte draußen gegen die Wärme, die sich das Mädchen in seinen Visionen erträumt: einen Ofen, einen Festtagstisch, einen leuchtenden Baum. Diese Bilder von Kälte und Wärme, von Einsamkeit und Sehnsucht berühren bis heute3.

Zugleich zeigt das Märchen, wie leicht ein Kind übersehen wird: Die Menschen in der Stadt sind mit ihren Feiertagsbesorgungen beschäftigt, und niemand bemerkt die Kleine und ihre Hölzchen2. Genau hier setzen die Gespräche mit Kindern an.

Das Mädchen erlebt am Ende Nähe und Trost, die Großmutter nimmt es zu sich2. Kinder können daraus mitnehmen, dass ein aufmerksamer Blick und Mitgefühl mehr wert sind als alles, was im warmen Zimmer glänzt. Es geht nicht darum, eine traurige Geschichte schnell wegzuerklären, sondern ums Innehalten, genaue Hinhören und Raum für Fragen3.

Herkunft und Entstehung

Hans Christian Andersen schrieb das Märchen im Jahr 1845 während eines neuntägigen Aufenthalts auf Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde2. Es zählt zu den bekanntesten Kunstmärchen des dänischen Dichters2.

Im Dänischen heißt die Geschichte „Den lille Pige med Svovlstikkerne“. Andersen starb 1875; das dänische Original ist damit gemeinfrei und lässt sich heute in vielen Sprachen lesen.

Das Motiv des hungernden Kindes, für das im Trubel der Wohlhabenden nicht einmal eine kleine Münze übrig ist, hat viele Künstler beschäftigt2. Es entstanden Opern, Filme, Lieder und Bilder: 1897 komponierte August Enna eine Oper2, 1997 wurde Helmut Lachenmanns Musiktheater uraufgeführt2, und David Langs „The Little Match Girl Passion“ erhielt 2008 den Pulitzer-Preis für Musik2. Tomi Ungerer erzählte 1974 in seinem Bilderbuch „Allumette“ eine eigene Fassung, in der das Kind gerettet wird2.

Auch neuere Erzählungen greifen den Stoff auf: Emma Carroll erzählt in ihrem Roman von einem Mädchen, das 1887 im viktorianischen London im Schwefelholzgeschäft arbeitet; ihre Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und endet hoffnungsvoller als Andersens Märchen4.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – Psychologie

Warum berührt diese kurze Geschichte seit fast zwei Jahrhunderten so viele Menschen? Ein Grund ist der Gegensatz, aus dem sie gebaut ist: draußen Schnee, Wind und Dunkelheit, drinnen Licht, Bratenduft und ein geschmückter Baum. In wenigen Szenen entfaltet sich ein ganzer Kosmos aus Kälte und Wärme, aus Einsamkeit und Sehnsucht3.

Für die Interpretation des Mädchens mit den Schwefelhölzern ist dieser Kontrast entscheidend: Die Visionen sind kein Ausweichen, sondern der einzige Ort, an dem das Kind bekommt, was ihm fehlt. Die Geschichte gilt vielen als eine der traurigsten überhaupt4. Zugleich begleitet der Erzähler das Mädchen am Ende sanft: In der Erzählung stirbt es in der Wirklichkeit einen „sanften“ Erfrierungstod, und der Erzähler hält fest, dass niemand weiß, was es Schönes erblickt hat2.

Diese Doppelheit aus Trauer und Trost macht das Märchen für Kinder und Erwachsene anschlussfähig – sie lädt dazu ein, innezuhalten und ins Gespräch zu kommen3.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – Text als PDF

Einen PDF-Download dieses Märchens gibt es auf dieser Seite nicht. Ihr könnt die Seite aber direkt ausdrucken oder am Bildschirm vorlesen – die Nacherzählung ist kurz genug für eine Vorleserunde am Abend.

Den Märchentext vom Mädchen mit den Schwefelhölzern könnt ihr gut in einem Zug lesen. Die Visionen bauen aufeinander auf, und die Pausen ergeben sich beim Vorlesen von selbst. Wenn ihr eine Fassung für die Hand möchtet, druckt diese Seite einfach aus und legt sie neben euch.

Wer den Ursprung kennenlernen will: Das dänische Original „Den lille Pige med Svovlstikkerne“ stammt aus dem Jahr 1845 und ist gemeinfrei; es lässt sich in dänischen Digitalbibliotheken lesen.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Wie stellst du dir vor, wie es dem Mädchen in der Kälte zumute war?
  2. Was hätte es gebraucht, damit ihm nicht so kalt ist?
  3. Welche Szene aus den Hölzchen gefällt dir am besten – der Ofen, der Gänsebraten oder der Weihnachtsbaum?
  4. Warum nimmt die Großmutter das Mädchen am Ende in den Arm?
  5. Was kannst du tun, wenn du einen Menschen siehst, dem es nicht gut geht?

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Quellen

  1. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern · abgerufen am 11.10.2026
  2. Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern · abgerufen am 11.10.2026
  3. Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern · abgerufen am 10.10.2026
  4. Kinderbuch-Geheimtipp: "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück" · Stand 14.12.2024
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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