Die drei kleinen Schweinchen – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1890
- Alter ab
- 4
- Autor/Herkunft
- Joseph Jacobs (English Fairy Tales)
Neu erzählt nach Joseph Jacobs (Englisch, 1890)
Ein englisches Märchen, das Joseph Jacobs 1890 in „English Fairy Tales“ veröffentlicht hat – die drei kleinen Schweinchen gibt es hier als eigene Nacherzählung zum Vorlesen, Anhören und Anschauen.
Die drei kleinen Schweinchen – Text zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken
Es war einmal eine alte Sau, die lebte mit ihren drei kleinen Schweinchen am Rand des Waldes. Die drei aßen vom Morgen bis zum Abend, und weil sie aßen und aßen, wurden sie groß und immer größer. Bald passte keines mehr richtig in die kleine Hütte. „Ihr könnt nicht länger bei mir bleiben“, sagte die Mutter eines Morgens. „Jedes von euch muss sich ein eigenes Haus bauen. Geht hinaus in die weite Welt und sucht euer Glück.“ Sie stupste jedem einen Kuss auf die Nase, und die drei zogen los.
Das erste Schweinchen lief den ganzen Vormittag, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Da traf es am Wegrand einen Mann, der ein Bündel Stroh auf der Schulter trug. „Bitte, lieber Mann“, sagte das Schweinchen, „gib mir das Stroh, ich will mir ein Haus daraus bauen.“ Der Mann musste lachen, so höflich war das kleine Tier. Er ließ das Bündel fallen und winkte ab: „Nimm es, ich brauche es nicht.“ Das Schweinchen bedankte sich und legte sofort los: Wände aus Stroh, ein Dach aus Stroh, eine Tür aus Stroh und innen ein weiches Bett aus Stroh. Es dauerte keinen halben Tag, da stand das Häuschen fertig da. Das Schweinchen drehte sich im Kreis, betrachtete sein Werk und war mächtig stolz.
Kaum hatte es sich hingelegt, da raschelte es draußen im Gras. Ein großer Wolf kam den Weg entlang, blieb vor dem Strohhaus stehen und schnupperte. Der Geruch gefiel ihm. Er ging zur Tür und klopfte. „Kleines Schwein, kleines Schwein, lass mich herein!“, rief er mit rauer Stimme. Das Schweinchen schaute durch das Schlüsselloch. Was es da sah, gefiel ihm gar nicht: zwei riesige Pfoten, zotteliges Fell und viel zu viele Zähne. „Nein, nein, nein – bei den Haaren an meinem Kinn!“, rief es. Da bleckte der Wolf die Zähne und brummte: „Dann pruste und puste ich, und ich blase dein Haus um!“ Er holte tief Luft, prustete und pustete – und das Strohhaus kippte um wie ein Kartenhaus. Dem kleinen Schweinchen blieb keine Zeit mehr zur Flucht. Der Wolf war schneller.
Das zweite Schweinchen war in die andere Richtung gelaufen. Am Nachmittag begegnete es einem Mann, der ein Bündel Ginsterzweige schleppte. „Bitte, lieber Mann, gib mir die Zweige“, sagte es, „ich will mir ein Haus daraus bauen.“ Der Mann zuckte mit den Schultern und ließ die Zweige liegen. Ginster ist ein dicht wachsender Strauch mit vielen zähen Zweigen – daraus lässt sich schnell etwas zusammenstecken. Das Schweinchen flocht und band und drückte die Zweige fest, und als der Abend kam, stand ein Haus aus Ginster da. Es war nicht so weich wie das Strohhaus, aber es sah deutlich kräftiger aus.
Es dauerte nicht lange, da stand der Wolf auch hier vor der Tür. Er hatte das Schweinchen schon von weitem gerochen und sich die Lippen geleckt. „Kleines Schwein, kleines Schwein, lass mich herein!“, rief er. „Nein, nein, nein – bei den Haaren an meinem Kinn!“, antwortete das Schweinchen durch die Tür. „Dann puste und pruste ich, und ich blase dein Haus um!“ Diesmal dauerte es länger. Der Wolf holte Luft, prustete, pustete, pustete und prustete. Die Zweige knisterten, knackten, bogen sich – und dann fiel das Haus in sich zusammen. Auch das zweite Schweinchen war nicht schnell genug davon.
Das dritte Schweinchen traf am Abend einen Mann, der einen Karren voll Ziegelsteine hinter sich herzog. „Bitte, lieber Mann, gib mir die Ziegelsteine“, sagte es, „ich will mir ein Haus daraus bauen.“ Der Mann blieb stehen und schaute das kleine Tier lange an. „Ziegelsteine sind schwer“, sagte er. „Ein Haus daraus zu bauen dauert Wochen.“ – „Das macht nichts“, sagte das Schweinchen. „Ich habe Zeit.“ Da lud der Mann die Steine ab und half beim Tragen. Tag für Tag wuchs das Haus: dicke Wände, ein festes Dach, ein großer Kamin und eine Tür, die nicht wackelte. Am Ende war das Schweinchen müde und hatte Staub in den Borsten. Aber sein Haus stand wie eine kleine Burg.
Nun kam der Wolf zum dritten Mal. Er stellte sich vor das Ziegelhaus und rief: „Kleines Schwein, kleines Schwein, lass mich herein!“ – „Nein, nein, nein – bei den Haaren an meinem Kinn!“ Da wurde der Wolf wütend. „Dann puste und pruste ich, und ich blase dein Haus um!“ Er prustete und pustete, er pustete und prustete, er holte Luft, so tief er konnte, und ließ sie wieder los. Die Ziegelsteine rührten sich nicht. Am Ende hing dem Wolf die Zunge aus dem Maul, und er musste sich setzen. Das Haus blieb stehen, so fest, wie es gebaut war.
Da dachte sich der Wolf etwas Neues aus. Er setzte sich bequem vor die Tür und sprach mit seiner freundlichsten Stimme: „Kleines Schwein, ich kenne ein Feld mit den schönsten Rüben. Auf dem Feld von Mr. Smith stehen sie dicht an dicht. Wenn du morgen früh bereit bist, hole ich dich ab, dann holen wir zusammen Rüben für das Mittagessen.“ – „Gut“, sagte das Schweinchen, „ich bin bereit. Um wie viel Uhr?“ – „Um sechs“, sagte der Wolf. „Sei pünktlich!“ – „Ich bin pünktlich“, sagte das Schweinchen und dachte sich seinen Teil. Am nächsten Morgen stand es schon um fünf Uhr auf, lief zum Feld von Mr. Smith und holte einen ganzen Topf voll Rüben. Als der Wolf um sechs Uhr an die Tür klopfte und fragte: „Bist du bereit?“, da antwortete das Schweinchen: „Längst fertig! Ich war schon dort und habe einen schönen Topf voll Rüben für uns beide mitgebracht.“ Der Wolf ärgerte sich grün und blau.
Am nächsten Tag klopfte er wieder an die Tür. „Kleines Schwein, ich weiß, wo ein Apfelbaum steht. Unten im Merry-garden hängen die Äpfel rot und rund. Wenn du mich diesmal nicht reinlegst, hole ich dich morgen um fünf Uhr ab.“ – „Gut“, sagte das Schweinchen, „um fünf.“ Um vier Uhr stand es auf und machte sich auf den Weg. Es hatte weit zu laufen, und als es endlich oben im Baum saß, hörte es den Wolf schon kommen. Schnell pflückte es so viele Äpfel, wie es tragen konnte. „Kleines Schwein, bist du etwa schon da?“, rief der Wolf. „Sind die Äpfel gut?“ – „Sehr gut!“, rief das Schweinchen zurück. „Ich werfe dir einen herunter!“ Und es warf den Apfel so weit, dass der Wolf hinterherlaufen musste. In der Zeit sprang das Schweinchen vom Baum und rannte nach Hause.
Beim dritten Mal sagte der Wolf: „Kleines Schwein, heute Nachmittag ist großer Markt in Shanklin. Willst du mitkommen?“ – „Oh ja“, sagte das Schweinchen, „wann soll ich bereit sein?“ – „Um drei“, sagte der Wolf. Das Schweinchen ging schon mittags los. Auf dem Markt kaufte es ein schönes Butterfass, ein rundes Ding mit einem Deckel, und machte sich zufrieden auf den Heimweg. Da sah es den Wolf kommen. Was nun? Das Schweinchen schaute sich um, sah das Butterfass und kletterte kurzerhand hinein. Wie es sich drehte und schob, fing das Fass an zu rollen. Es rollte und rollte, immer schneller, den ganzen Hügel hinunter, direkt auf den Wolf zu. Dem Wolf wurde heiß und kalt. Er war sicher, ein großes rundes Ungetüm käme auf ihn zu, drehte sich um und rannte nach Hause, so schnell ihn die Beine trugen. Den Markt vergaß er vor Schreck.

Er lief geradewegs zum Haus des Schweinchens und jammerte: „Stell dir vor, unterwegs ist etwas Fürchterliches den Hügel heruntergerollt! Ein großes, rundes Ding! Ich bin gerade noch entkommen.“ Da lachte das Schweinchen: „Das war ich! Ich war auf dem Markt und habe mir ein Butterfass gekauft. Als ich dich sah, bin ich hineingekrochen, und dann ist das Fass mit mir den Hügel hinuntergerollt.“ Da wurde der Wolf so zornig, wie er noch nie gewesen war. „Das sollst du mir büßen!“, brüllte er. „Ich komme durch den Kamin und hole dich!“
Das Schweinchen blieb ganz ruhig. Es hängte einen großen Topf voll Wasser über das Feuer und machte das Feuer tüchtig an. Das Wasser wurde warm, dann heiß, dann brodelte es und dampfte. Draußen hörte das Schweinchen den Wolf über das Dach tappen und den Kamin hochklettern. Dann rutschte der Wolf den Kamin hinunter – und plumps! – fiel er mitten in den Topf. Das Schweinchen war blitzschnell und setzte den Deckel darauf. Und der Wolf kam nie wieder heraus.
Dann tanzte das kleine Schweinchen um den Kamin herum, einmal, zweimal, dreimal, und freute sich, dass es so ein festes Haus gebaut hatte. Fortan hatte es seine Ruhe, und wer heute an dem Haus vorbeikommt, sieht es noch stehen: mit dicken Ziegelwänden, einem großen Kamin und einer Tür, die nicht wackelt.
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Die drei kleinen Schweinchen – das Märchen in Kürze
Weil das Futter nicht reicht, schickt eine Schweinemutter ihre drei Kinder in die Welt, damit jedes sich ein eigenes Haus baut. Das erste baut aus Stroh, das zweite aus Ginster – beide Häuser hält der Wolf nicht aus, und die beiden Schweinchen kommen ums Leben. Das dritte Schweinchen mauert aus Ziegelsteinen ein festes Haus, das der Wolf nicht umpusten kann. Mit Einladungen zum Rübenfeld, zum Apfelbaum und zum Markt versucht er es weiter – doch das Schweinchen ist jedes Mal schneller und schlauer. Am Ende klettert der Wolf durch den Kamin und landet im heißen Wasser. Danach hat das Schweinchen seine Ruhe.
Die Figuren
- Die alte Sau: Die Schweinemutter hat drei kleine Schweinchen und nicht genug Futter für alle, deshalb schickt sie ihre Kinder in die Welt.
- Das erste Schweinchen: Es baut sich ein Haus aus Stroh, das der Wolf mit einem einzigen Pusten umbläst.
- Das zweite Schweinchen: Sein Haus aus Ginsterzweigen hält dem Wolf ebenfalls nicht stand.
- Das dritte Schweinchen: Es mauert aus Ziegelsteinen ein festes Haus und ist so schlau und schnell, dass der Wolf es nie erwischt.
- Der Wolf: Er will die Schweinchen fressen, bläst zwei Häuser um und wird am Ende selbst überlistet.
- Der Mann mit dem Stroh: Er überlässt dem ersten Schweinchen sein Bündel Stroh.
- Der Mann mit dem Ginster: Er gibt dem zweiten Schweinchen die Ginsterzweige für sein Haus.
- Der Mann mit den Ziegeln: Er lädt dem dritten Schweinchen die Ziegelsteine ab und hilft beim Tragen.
- Mr. Smith: Ihm gehört das Rübenfeld, von dem der Wolf erzählt; im Märchen tritt er selbst nicht auf.
Was lernen Kinder daraus?
Gute Dinge brauchen Zeit. Das dritte Schweinchen mauert lieber lange an einem festen Haus, statt an einem Nachmittag ein Strohdach aufzustellen – und genau dieses Haus hält am Ende allem stand. Diese Botschaft ist für Kinder leicht zu verstehen: Wer sich Mühe gibt, hat später weniger Sorgen.
Die Geschichte zeigt außerdem, wie wertvoll Klugheit ist. Das Schweinchen ist nicht stärker als der Wolf, aber es ist schneller und schlauer. Es steht früher auf, es denkt mit, und es lässt sich nicht auf die freundlichen Einladungen eines Fremden ein, der es eigentlich fressen will. Das ist ein gutes Bild dafür, dass Kinder auf ihr Gefühl hören dürfen, wenn jemand zu süß daherkommt.
Und noch etwas steckt in der Geschichte: Aus den Fehlern der anderen kann man lernen. Die beiden ersten Schweinchen bauen zu schnell und zu leicht – nicht, weil sie dumm sind, sondern weil sie es sich einfach machen wollten. Wer es sich zu leicht macht, steht am Ende ohne Dach da.
Die drei kleinen Schweinchen: Herkunft und das Original
Aufgeschrieben hat das Märchen Joseph Jacobs, der 1916 starb. Es erschien 1890 in seiner Sammlung „English Fairy Tales“ unter dem Titel „The Story of the Three Little Pigs“. Das Original ist also englisch; unsere Fassung ist eine eigene Übersetzung und Nacherzählung für Kinder.
Anders als in vielen deutschen Versionen bleibt es in dieser englischen Fassung nicht bei drei Häusern: Nach dem Ziegelhaus versucht der Wolf sein Glück mit Einladungen zum Rübenfeld, zum Apfelbaum und zum Markt. Er verliert jedes Mal, weil das Schweinchen früher losgeht und mitdenkt. Auch das Butterfass, in dem das Schweinchen den Hügel hinunterrollt, und der Topf mit heißem Wasser am Kamin gehören zum englischen Original.
Deutsche Nacherzählungen erzählen die Geschichte häufig etwas anders. Dort laufen die ersten beiden Schweinchen durch eine kleine Tür auf der Rückseite ihres Hauses davon und verstecken sich beim nächsten Bruder2, 6. Statt Ginsterzweigen werden oft Holzbündel genannt2, 4, und aus dem Ziegelhaus wird in manchen Texten ein Haus aus Stein3. In mehreren Fassungen singen die Schweinchen ein kleines Lied über ihr Haus, und am Ende bauen sich die beiden ersten Schweinchen ebenfalls ein Haus aus Ziegeln4, 6. Eine weitere Nacherzählung lässt den Wolf mit lautem Heulen aus dem Kessel springen; die drei Schweinchen wohnen danach gemeinsam in einem Steinhaus5. In jeder Fassung geht es um den Wolf und die drei kleinen Schweinchen – nur das Ende wird unterschiedlich erzählt2, 4, 5, 6.
Wer die Geschichte heute vorliest, kann also wählen: die englische Fassung mit dem schlauen dritten Schweinchen und seinen drei Listen – oder eine der deutschen Varianten, in denen alle drei Schweinchen davonkommen.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
- Was würdest du bauen, wenn du dir ein eigenes Haus bauen dürftest – und warum?
- Warum hält das Haus aus Ziegelsteinen wohl besser als die Häuser aus Stroh und Ginster?
- Das dritte Schweinchen geht immer früher los als der Wolf. Was fällt dir daran auf?
- Der Wolf klingt freundlich, wenn er zum Rübenfeld oder zum Apfelbaum einlädt. Wie merkt man, dass jemand nur so tut, als wäre er nett?
- Wie hat dir das Ende gefallen, und was würdest du dem Wolf sagen, wenn er noch einmal vor der Tür stünde?
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Häufige Fragen
Wie heißen die drei kleinen Schweinchen?
Wer hat die drei kleinen Schweinchen geschrieben?
Quellen
- Die drei kleinen Schweinchen · abgerufen am 11.10.2026
- Die drei kleinen Schweinchen · abgerufen am 10.10.2026
- die drei kleinen schweinchen · abgerufen am 11.10.2026
- 8407585 standard · abgerufen am 11.10.2026
- Die drei kleinen Schweinchen · Stand 13.04.2026
- 25364 s 3kl diedreikleinenschweinchen · abgerufen am 11.10.2026
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