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Hänsel und Gretel – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Fast jedes Kind kennt das Hänsel-und-Gretel-Märchen: Zwei Geschwister werden im Wald ausgesetzt, entdecken ein Haus aus Brot und Zucker und überlisten die Hexe, die darin wohnt. Hier könnt ihr die Geschichte in Ruhe lesen oder als Hörfassung anhören. Dazu gibt es eine kurze Zusammenfassung, die Figuren, die Moral und Antworten auf die häufigsten Fragen.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 19 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Hänsel und Gretel Märchen: Illustration der beiden Geschwister vor dem Knusperhaus aus Brot, Kuchen und Zucker
Jahr
1857
Alter ab
5
Autor/Herkunft
Brüder Grimm (Jacob und Wilhelm Grimm), Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand)

Neu erzählt nach den Brüdern Grimm (1857)

Das Märchen von Hänsel und Gretel gehört zu den bekanntesten deutschen Märchen1 und ist ab etwa fünf Jahren zum Vorlesen geeignet.

Hänsel und Gretel – das Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 13 Min.
Hörfassung: Hänsel und Gretel
0:0013:13
MP3 herunterladen (7,6 MB)

Am Rand eines großen Waldes wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Der Junge hieß Hänsel, das Mädchen Gretel. Die Familie hatte kaum etwas zu beißen, und als eine große Teuerung über das Land kam, reichte es nicht einmal mehr für das tägliche Brot.

Abends wälzte sich der Vater im Bett vor Sorgen hin und her. „Was soll nur aus uns werden?“, seufzte er. „Wie sollen wir die Kinder ernähren, wenn wir selbst nichts mehr haben?“ – „Ich weiß einen Ausweg“, sagte die Frau. „Morgen in aller Frühe führen wir die Kinder in den dicksten Wald. Dort machen wir ihnen ein Feuer an, geben jedem ein Stückchen Brot und gehen dann an unsere Arbeit. Sie finden den Weg nicht zurück, und wir sind sie los.“ – „Nein“, sagte der Mann. „Das bringe ich nicht übers Herz. Die wilden Tiere würden kommen und sie zerreißen.“ – „Du Narr“, schalt sie ihn, „dann müssen wir alle vier vor Hunger sterben!“ Sie ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. „Aber die armen Kinder dauern mich doch“, sagte er.

Die Kinder hatten vor Hunger nicht schlafen können und jedes Wort gehört. Gretel weinte bittere Tränen. „Jetzt ist es um uns geschehen“, flüsterte sie. „Sei still“, tröstete Hänsel, „gräm dich nicht, ich helfe uns schon.“ Als die Eltern schliefen, zog er sein Röckchen an, öffnete leise die Tür und schlich hinaus. Draußen schien der Mond hell, und die weißen Kieselsteine vor dem Haus glänzten. Hänsel bückte sich und steckte so viele Steine in seine Rocktasche, wie nur hineinpassten. Drinnen sagte er zu Gretel: „Hab keine Angst, liebes Schwesterchen. Schlaf ruhig, Gott verlässt uns nicht.“ Dann legte er sich wieder hin.

Noch vor Sonnenaufgang weckte die Frau die Kinder: „Steht auf, wir gehen in den Wald und holen Holz.“ Sie gab jedem ein Stückchen Brot für den Mittag. Gretel schob ihres unter die Schürze. Unterwegs blieb Hänsel immer wieder stehen und blickte zum Haus zurück. „Hänsel, was guckst du und bleibst zurück?“, fragte der Vater. „Ach, ich sehe nach meinem weißen Kätzchen, das auf dem Dach sitzt und mir Ade sagen will“, antwortete Hänsel. „Narr, das ist die Morgensonne auf dem Schornstein“, sagte die Frau. Hänsel aber hatte nach keinem Kätzchen geschaut – er hatte einen blanken Kieselstein nach dem anderen auf den Weg geworfen.

Mitten im Wald sammelten die Kinder Reisig, und der Vater machte ein Feuer an. „Legt euch ans Feuer und ruht euch aus“, sagte die Frau, „wir hauen Holz und holen euch ab, wenn wir fertig sind.“ Hänsel und Gretel saßen lange am Feuer. Weil sie die Schläge einer Axt hörten, glaubten sie, der Vater sei in der Nähe. Es war aber kein Axtschlag, sondern ein dürrer Ast, den der Vater an einen Baum gebunden hatte; der Wind schlug ihn hin und her. Vor Müdigkeit fielen den Kindern die Augen zu, und sie schliefen ein. Als sie erwachten, war finstere Nacht, und Gretel begann zu weinen. „Warte nur, bis der Mond aufgeht, dann finden wir den Weg“, tröstete Hänsel. Als der volle Mond am Himmel stand, nahm er seine Schwester an die Hand und ging den Kieselsteinen nach, die wie neue Batzen schimmerten. Sie liefen die ganze Nacht, und bei Tagesanbruch klopften sie an die Tür ihres Vaters. Der Vater freute sich von Herzen. Die Frau aber schalt: „Ihr bösen Kinder, warum habt ihr so lange im Wald geschlafen?“

Hänsel und Gretel Märchen: Die beiden Geschwister wandern auf einem Waldweg, auf dem weiße Kieselsteine im Mondlicht schimmern.

Nicht lange danach war die Not wieder groß. Die Kinder hörten, wie die Mutter nachts zum Vater sprach: „Alles ist aufgegessen, wir haben nur noch einen halben Laib Brot. Die Kinder müssen fort. Wir führen sie noch tiefer in den Wald, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden.“ Dem Mann fiel es schwer aufs Herz, aber er gab wieder nach. Hänsel stand auf, um wie beim ersten Mal Kieselsteine zu sammeln – doch die Frau hatte die Tür verschlossen. „Weine nicht“, sagte er zu Gretel. „Schlaf ruhig, der liebe Gott hilft uns schon.“

Am Morgen bekam jedes Kind sein Stückchen Brot, kleiner als beim ersten Mal. Auf dem Weg bröselte Hänsel das Brot in seiner Tasche und warf heimlich ein Bröckchen nach dem anderen auf die Erde. „Hänsel, was bleibst du stehen und guckst dich um?“, fragte der Vater. „Ich sehe nach meinem Täubchen auf dem Dach, das will mir Ade sagen“, antwortete Hänsel. „Das ist die Morgensonne“, sagte die Frau. Hänsel aber streute alle Bröckchen aus, und die Frau führte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren. Wieder wurde ein großes Feuer gemacht, und die Mutter sagte, sie kämen am Abend zurück und holten die Kinder ab. Doch niemand kam. Als der Mond aufging, suchten die Kinder die Brotbröckchen – sie fanden keines mehr, denn die Vögel im Wald und auf den Feldern hatten sie aufgepickt. So liefen sie eine ganze Nacht und noch einen Tag, immer tiefer in den Wald hinein. Sie hatten nur ein paar Beeren zu essen, und schließlich waren sie so müde, dass sie sich unter einen Baum legten und einschliefen.

Am dritten Morgen seit dem Abschied vom Vaterhaus gingen sie weiter und verloren sich immer mehr. Da sahen sie ein schneeweißes Vöglein auf einem Ast, das so schön sang, dass sie stehen blieben und zuhörten. Danach flog der Vogel vor ihnen her, und die Kinder folgten ihm, bis sie zu einem kleinen Häuschen kamen. Das Häuschen war aus Brot gebaut und mit Kuchen gedeckt, die Fenster waren aus hellem Zucker. „Da wollen wir uns richtig satt essen“, sagte Hänsel. „Ich probiere vom Dach, du kannst vom Fenster essen.“ Hänsel brach ein Stück vom Dach ab, und Gretel knusperte an den Scheiben.

Da rief eine feine Stimme aus der Stube:

„Knuper, knuper, kneischen,
wer knupert an meinem Häuschen?“

Die Kinder antworteten:

„Der Wind, der Wind,
das himmlische Kind.“

Und sie aßen weiter, als wäre nichts geschehen. Da ging die Tür auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krücke stützte, kam heraus. Hänsel und Gretel erschraken und ließen fallen, was sie in den Händen hielten. „Ei, ihr lieben Kinder“, sagte die Alte und wackelte mit dem Kopf. „Wer hat euch hierher gebracht? Kommt herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.“ Sie nahm beide an der Hand. Drinnen gab es Milch, Pfannkuchen mit Zucker, Äpfel und Nüsse, und danach zwei weiße Bettchen. Hänsel und Gretel meinten, sie wären im Himmel.

Die Alte hatte sich nur freundlich gestellt. Sie war eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothäuschen nur gebaut, um sie herbeizulocken. Hexen haben rote Augen und sehen nicht weit, dafür merken sie Menschen schon von Weitem. Früh am Morgen, noch ehe die Kinder erwacht waren, packte sie Hänsel mit ihrer dürren Hand und sperrte ihn in einen kleinen Stall hinter ein Gitter. Dann rüttelte sie Gretel wach: „Steh auf, trag Wasser und koch deinem Bruder etwas Gutes. Er soll fett werden, und wenn er fett ist, esse ich ihn.“ Gretel weinte bitterlich, aber sie musste tun, was die Hexe verlangte. Für Hänsel gab es das beste Essen, Gretel bekam nur die Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zum Ställchen: „Zeig mir deine Finger, Hänsel, ich will fühlen, ob du endlich dicker geworden bist.“ Hänsel aber streckte ihr ein Knöchlein entgegen, und weil die Hexe trübe Augen hatte, sah sie es nicht und wunderte sich, dass der Junge gar nicht zunehmen wollte.

Als vier Wochen herum waren, verlor sie die Geduld. „Heda, Gretel, trag Wasser“, rief sie. „Hänsel mag fett oder mager sein, morgen schlachte ich ihn und koche ihn.“ Gretel jammerte und weinte, doch es half nichts. Am nächsten Morgen musste sie den Kessel aufhängen und das Feuer anzünden. „Erst backen wir“, sagte die Alte. „Der Backofen ist schon eingeheizt, und der Teig ist geknetet.“ Sie schob Gretel zum Ofen, aus dem die Flammen schlugen. „Krabble hinein und prüf, ob es heiß genug ist.“ Gretel durchschaute den Plan. „Ich weiß nicht, wie ich das machen soll“, sagte sie. „Wie komme ich denn da hinein?“ – „Dumme Gans“, sagte die Hexe, „so eng ist die Luke doch nicht, ich könnte selbst hinein.“ Sie krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab Gretel ihr einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr, schlug die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Die Hexe heulte, aber Gretel lief fort, und die böse Alte musste in ihrem eigenen Ofen verbrennen.

Gretel lief schnurstracks zum Stall. „Hänsel, wir sind frei! Die Hexe ist tot, sie lebt nicht mehr“, rief sie und öffnete die Gittertür. Hänsel sprang heraus wie ein Vogel aus dem Käfig. Sie fielen sich um den Hals, hüpften und freuten sich. Dann gingen sie in das Haus der Hexe. In allen Ecken standen Kasten mit Perlen und Edelsteinen. „Die sind noch besser als Kieselsteine“, sagte Hänsel und steckte seine Taschen voll. Gretel füllte ihr Schürzchen. „Jetzt wollen wir fort“, sagte Hänsel, „hinaus aus dem Hexenwald.“

Nach ein paar Stunden kamen sie an ein großes Wasser. „Wir können nicht hinüber“, sagte Hänsel, „ich sehe keinen Steg und keine Brücke.“ – „Da schwimmt eine weiße Ente“, antwortete Gretel. „Wenn ich sie bitte, hilft sie uns bestimmt.“ Und sie rief:

„Entchen, Entchen,
da steht Gretel und Hänsel.
Kein Steg und keine Brücke,
nimm uns auf deinen weißen Rücken.“

Die Ente kam heran. Hänsel setzte sich auf ihren Rücken und wollte, dass Gretel sich zu ihm setze. „Nein“, sagte Gretel, „das wird der Ente zu schwer. Sie soll uns nacheinander hinüberbringen.“ Das tat das gute Tier, und bald waren beide am anderen Ufer.

Als sie weitergingen, kam ihnen der Wald immer bekannter vor. Endlich sahen sie von Weitem das Haus ihres Vaters. Da fingen sie an zu laufen, stürzten in die Stube und fielen dem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde mehr gehabt, seit er die Kinder im Wald gelassen hatte. Die Frau aber war gestorben. Gretel schüttelte ihr Schürzchen aus, dass die Perlen und Edelsteine durch die Stube kullerten, und Hänsel warf eine Handvoll nach der anderen dazu. Von da an waren alle Sorgen vorbei, und sie lebten fröhlich miteinander.

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Hänsel und Gretel Märchen – Text als Kurzfassung

Die Geschichte beginnt in großer Armut: Hänsel und Gretel sollen im Wald zurückgelassen werden, weil die Eltern sie nicht mehr ernähren können. Beim ersten Mal retten Hänsels Kieselsteine die Kinder nach Hause. Beim zweiten Mal picken Vögel die Brotbröckchen weg, und die beiden verirren sich. Nach drei Tagen finden sie ein Haus aus Brot, Kuchen und Zucker – darin wohnt eine Hexe, die Hänsel mästen und fressen will. Gretel stößt die Hexe in den Backofen und befreit ihren Bruder. Mit Edelsteinen kehren sie zum Vater zurück; die Stiefmutter ist gestorben, und die Not hat ein Ende.

Die Figuren

  • Hänsel: Der Junge aus der Holzhackerfamilie, der mit Kieselsteinen und Brotbröckchen den Heimweg markieren will und später der Hexe ein Knöchlein hinstreckt.
  • Gretel: Hänsels Schwester, die beim ersten Mal vor Angst weint und am Ende die Hexe überlistet und in den Backofen stößt.
  • Der Vater: Ein armer Holzhacker, der seine Kinder auf Drängen seiner Frau im Wald zurücklässt und es danach bereut.
  • Die Stiefmutter: Sie drängt den Vater, die Kinder auszusetzen, und denkt dabei zuerst an das eigene Überleben.
  • Die Hexe: Sie wohnt im Häuschen aus Brot und Zucker, lockt Kinder an und will Hänsel mästen, um ihn zu fressen.
  • Das weiße Vöglein: Es singt so schön, dass die Kinder stehen bleiben, und führt sie zum Haus der Hexe.
  • Die Vögel im Wald: Sie picken Hänsels Brotbröckchen auf, sodass die Kinder den Weg nicht mehr finden.
  • Die weiße Ente: Sie trägt Gretel und Hänsel nacheinander über das große Wasser auf dem Heimweg.

Was lernen Kinder daraus?

Hänsel und Gretel ist eine Geschichte über zwei Kinder, die einander nicht im Stich lassen. Hänsel sorgt zuerst für den Weg nach Hause, am Ende ist es Gretel, die den Ausweg findet: Sie merkt, was die Hexe vorhat, und handelt beherzt1. Kinder können solche Szenen aus sicherer Distanz beobachten und miterleben – sie sehen, wie andere Kinder große Gefahren und höchste Not meistern und dabei Selbstvertrauen und Sicherheit gewinnen2. Das Märchen macht außerdem Mut, genau hinzuschauen: Das Haus aus Brot und Zucker sieht verlockend aus, doch die freundliche Alte ist nicht harmlos. Und es tröstet: Not kann ein Ende haben, und Geschwister können sich gegenseitig stark machen.

Herkunft und Entstehung

Die Brüder Grimm nahmen Hänsel und Gretel in ihre Kinder- und Hausmärchen auf, wo es an Stelle 15 steht und deshalb die Nummer KHM 15 trägt1. Ab der zweiten Auflage schrieben sie den Titel Hänsel und Grethel1. Der Stoff stammt aus mündlicher Überlieferung, und in der Eingangshandlung ist das Märchen von Perraults Le petit poucet abhängig, wo ebenfalls Kieselsteine, Brot und Menschenfresserei vorkommen1. In der Märchenforschung wird es dem Typ ATU 327A zugeordnet1.

Unsere Nacherzählung folgt der Großen Ausgabe von 1857, der siebten Auflage und letzten von den Brüdern Grimm betreuten Fassung. Jacob Grimm starb 1863, Wilhelm Grimm 1859.

Auch Ludwig Bechstein erzählte das Märchen nach: Er übernahm es nach Friedrich Wilhelm Gubitz in sein Deutsches Märchenbuch (1845 Nr. 11, 1857 Nr. 8)1. Bei Bechstein nimmt der Vater die Axt zwar mit, bindet sie aber nicht an einen Baum, die Bewirtung im Hexenhaus ist ausführlicher, und ein Schwan trägt die Kinder auf dem Heimweg1.

Die Not, von der das Märchen erzählt, hat einen historischen Hintergrund: Holzhacker gehörten zur Unterschicht und lebten am Existenzminimum, Hungertage waren häufig, und Teuerungen als Folge von Krieg und plündernden Soldaten gab es im Dreißigjährigen Krieg und bis ins 18. Jahrhundert immer wieder1. Der Wald steht im Märchen für alles Bedrohliche, kann aber auch ein Zufluchtsort sein; in der Zeit der Romantik wurde er zum Reich der Fantasie2. Die Hexe erinnert an einsame, alte Frauen am Waldrand, die Opfer der Hexenverfolgungen wurden – diese endeten erst kurz vor der Lebenszeit der Brüder Grimm2.

Die Namen Hänsel und Gretel greifen die verbreiteten Taufnamen Johannes und Margarete auf und begegnen in dieser Zusammenstellung in der Frühen Neuzeit häufig als fiktive Platzhalternamen1.

Hänsel und Gretel Märchen – Text zum Ausdrucken

Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Grethel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Theuerung ins Land kam, konnte er auch das täglich Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun Abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herum wälzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau „was soll aus uns werden? wie können wir unsere armen Kinder ernähren, da wir für uns selbst nichts mehr haben?“ „Weißt du was, Mann,“ antwortete die Frau, „wir wollen Morgen in aller Frühe die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist: da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus und wir sind sie los.“ …

Text: Brüder Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857, KHM 15 – Originalschreibweise der Ausgabe 1857.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was hättet ihr an Hänsels und Gretels Stelle gemacht, als die Eltern sie im Wald zurückgelassen haben?
  2. Warum hat Hänsel wohl zuerst Kieselsteine gesammelt und beim zweiten Mal Brotbröckchen gestreut?
  3. Woran hat Gretel gemerkt, dass die alte Frau im Zuckerhaus keine freundliche Gastgeberin ist?
  4. Was ist für euch das Spannendste an der Geschichte – der Wald, das Knusperhaus oder der Backofen?
  5. Wem würdet ihr von Hänsel und Gretel erzählen, und was würdet ihr dabei zuerst verraten?

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Häufige Fragen

Wer hat das Märchen Hänsel und Gretel geschrieben?
Aufgeschrieben haben es die Brüder Grimm: Jacob und Wilhelm Grimm nahmen es in ihre Kinder- und Hausmärchen auf, wo es an Stelle 15 steht (KHM 15)1. Die Geschichte selbst stammt aus mündlicher Überlieferung, die Grimms sammelten also, was seit Generationen erzählt wurde1. Auch Ludwig Bechstein erzählte sie nach, und zwar nach einer Fassung von Friedrich Wilhelm Gubitz, und veröffentlichte sie in seinem Deutschen Märchenbuch (1845 Nr. 11, 1857 Nr. 8)1.
Wie alt ist das Märchen Hänsel und Gretel?
Ein genaues Geburtsjahr gibt es nicht, denn das Märchen wurde lange nur mündlich weitererzählt1. Die Brüder Grimm nahmen es in ihre Kinder- und Hausmärchen auf; dort ist es in der Urfassung von 1812 und in den späteren Ausgaben bis zur Ausgabe letzter Hand von 1857 enthalten1. Unsere Nacherzählung folgt der Fassung von 1857. Älter als diese gedruckten Fassungen ist der Stoff auf jeden Fall, weil er aus der mündlichen Überlieferung stammt1.

Quellen

  1. Hänsel und Gretel · abgerufen am 11.10.2026
  2. Magie der Märchen · abgerufen am 11.10.2026
  3. Hänsel und Grethel · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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