Wie lange Schnuller? Was Eltern wissen sollten
Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie lange Schnuller? Was Fachleute empfehlen
Eine einheitliche Altersgrenze gibt es nicht. Der Saugreflex ist angeboren und sichert dem Baby die Nahrungsaufnahme; das Saugen formt den Kiefer und ist in einer frühen Phase für die Gebissentwicklung wichtig1. Wenn die ersten Milchzähne durchbrechen, löst der Kaureflex den Saugreflex ab. Mit der Umstellung auf festere Nahrung sollte der Schnuller deshalb langsam abgewöhnt werden, ungefähr um den ersten Geburtstag herum1.
Kommt feste, kauaktive Kost dazu, sollte das Saugen am Schnuller oder am Daumen spätestens mit 2,5 Jahren langsam abgewöhnt werden. Bereits entstandene Fehlstellungen können sich dann möglicherweise wieder zurückbilden2. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält es für vertretbar, im zweiten Lebensjahr abzugewöhnen, wenn der Schnuller nur noch zum Schlafen und in Notsituationen angeboten wird7.
Der Grund für die zeitliche Staffelung: Das Saugbedürfnis nimmt im zweiten Lebensjahr deutlich ab, ein Schnuller zur Beruhigung ist dann nicht mehr unbedingt notwendig7. Der Abschied ist für viele Kinder ein wichtiger Schritt zum Großwerden7. Entscheidet euch für einen Zeitpunkt, hinter dem ihr wirklich steht – Kinder merken, ob eine Entscheidung klar ist.

Was zu langes Nuckeln mit Zähnen, Kiefer und Sprache macht
Auch gut geformte Schnuller stören die natürliche Gebissentwicklung. Die durchbrechenden Zähnchen drücken den Schnuller etwas zusammen, doch der mit Luft gefüllte Ballon verschafft sich Platz und drückt sie wieder zurück. So kann ein Überbiss entstehen, und auch der Kiefer wird in eine falsche Position gedrückt1.
Der Daumen ist die schlechtere Alternative: Beim Daumenlutschen wird der Oberkiefer nach vorn und der Unterkiefer nach hinten gedrückt, sodass ein lutschoffener Biss entstehen kann. Eine spätere kieferorthopädische Behandlung ist damit vorprogrammiert1.
Aus logopädischer Sicht kommt ein zweiter Effekt hinzu: Der Schnuller drückt die Zunge nach unten, sodass sie ihre natürliche Ruhelage am Gaumen nicht einnehmen kann. Auf Dauer entsteht ein hoher, schmaler Gaumen mit zu wenig Platz für die bleibenden Zähne. Weil die Lippen leicht geöffnet bleiben, kann Mundatmung begünstigt werden9.
Bleibt der Schnuller über längere Zeit im Mund, werden Zahn- und Kieferfehlstellungen, Sprechstörungen, Mundatmung und Schluckfehlfunktionen begünstigt; wie stark, hängt von den Stunden pro Tag und von der Zahl der Jahre ab2. Sprachstörungen wie Lispeln entstehen, weil die Zunge nicht lernt, am oberen Gaumen hinter den Zähnen zu liegen7. Auch das Risiko für Mittelohrentzündungen wird durch Schnullern erhöht3. Der Grund: Das Saugen verändert das Druckverhältnis zwischen Ohren und Rachen; in einer klinischen Studie mit Babys und Kleinkindern zwischen 7 und 18 Monaten ließ sich dieser Zusammenhang belegen7.
Ab wann Babys einen Schnuller bekommen können
Babys trainieren den Saugreflex bereits ab der 14. Schwangerschaftswoche; er sichert ihnen die Nahrungsaufnahme an der Brust. Über das Füttern hinaus wirkt das Saugen beruhigend und schmerzstillend und dient dem Stressabbau. Reicht das Saugen an Brust oder Flasche nicht aus, brauchen viele Babys einen Schnuller oder den Daumen2.
Idealerweise kommt der Schnuller erst, wenn sich die Stillbeziehung eingespielt hat oder das Baby gut aus der Flasche trinkt – frühestens nach der 2. oder 3. Lebenswoche3. Er soll nicht als Ersatz dienen, um Still- oder Fläschchenzeiten hinauszuzögern, und darf keinesfalls mit Zucker oder Honig versüßt werden3.
Wird der Schnuller zu früh zusätzlich gegeben, kann eine Saugverwirrung die Stillbeziehung gefährden; auch die Milchmenge der Mutter kann sinken, wenn die Brust seltener durch das Saugen stimuliert wird1. Beginnt ein Kind mit dem Daumenlutschen, ist ein richtig geformter Schnuller die bessere Wahl, weil Kieferveränderungen durch den dicken Daumen gravierender sind1.
Für die Auswahl gilt: Der Sauger sollte einen weichen, dünnen Saugerhals haben und kiefergerecht oder symmetrisch geformt sein; reicht immer die kleinste Größe, denn ein Schnuller soll nicht mitwachsen2. Welche Modelle in Frage kommen, ordnet Welche Schnuller sind am besten? ein. Grundlegendes zum Saugen findet ihr unter Schnuller: Was Eltern wissen sollten.
Schnuller zum Einschlafen: Was er bewirken kann
Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass ein Schnuller speziell zum Einschlafen die Gefahr des Plötzlichen Kinds- oder Säuglingstodes verringern kann. Er sollte dann bei jedem Einschlafen gegeben werden, also auch beim Mittagsschlaf. Fällt er im Schlaf heraus, wird er nicht zurückgeschoben3.
Zahlen dazu: 2023 waren es in Deutschland 82 Kinder, bei denen keine Todesursache gefunden werden konnte; die meisten Fälle treten in den ersten 6 Lebensmonaten auf5. Dank der aktuellen Empfehlungen sind die Fälle des Plötzlichen Säuglingstodes um nahezu 80 Prozent zurückgegangen4.
Nach dem ersten Lebensmonat dürft ihr den Schnuller zum Einschlafen anbieten, ohne euer Kind zu zwingen. Das senkt das Risiko5. Ein Kind, das den Schnuller verweigert, muss ihn nicht nehmen3. Und keine Sorge: Der Schnuller beeinträchtigt das Stillen nicht, wenn sich das Stillen vorher eingespielt hat4.
Zur Sicherheit gehört außerdem: Befestigt den Schnuller nie mit einem Bändchen am Hals oder an der Kleidung des Babys, denn es besteht Strangulationsgefahr3. Für den Babyschlaf gilt zudem eine Raumtemperatur von 18 Grad5, 6.
Wie ihr die Schnullerzeiten am Tag Schritt für Schritt reduzieren könnt
Beim Abgewöhnen beginnt ihr am besten untertags, denn der Schnuller ist für viele Kinder gerade beim Einschlafen hilfreich8. Ab dem ersten Geburtstag könnt ihr ihn nur noch zum Schlafen und in schwierigen Situationen anbieten und diese Zeiten nach und nach weiter verkürzen. So lernt euer Kind Schritt für Schritt, sich auch ohne Schnuller zu beruhigen7.
Feste Nuckelzeiten helfen dabei: Sprecht ab, wann der Schnuller gebraucht wird, zum Beispiel beim Einschlafen oder nach der Kita. Schafft es euer Kind, den Schnuller nach einigen Minuten wieder abzugeben, ist ein großer Schritt Richtung Schnullerfreiheit geschafft9. Die Frage, wie lange der Schnuller am Tag im Mund bleiben darf, beantwortet ihr also am besten gemeinsam und mit klaren Regeln.
Schläft euer Kind mit dem Schnuller gut ein, könnt ihr ihn nach dem Einschlafen vorsichtig aus dem Mund ziehen und den Mund sanft schließen, zum Beispiel mit leichtem Druck unter dem Kinn. Dann schläft es den Rest der Nacht mit geschlossenem Mund und atmet durch die Nase9.
Ein praktischer Kniff: Liegt der Schnuller sichtbar im Zimmer, ist er schnell wieder im Mund. Räumt deshalb alle Schnuller nach dem Aufstehen aus der Sichtweite und holt bei Bedarf einen hervor7. Wie lange die Eingewöhnung dauert, wenn gleichzeitig der Kita-Start ansteht, lest ihr unter Kita-Eingewöhnung: Wie lange?
Wie der Abschied vom Schnuller gelingt: Ideen für jede Familie
Bereitet den Abschied vor: Auch wenn euer Kind noch klein ist, ist es in jedem Alter wichtig, vorher darüber zu sprechen, dass der Schnuller zum Beispiel morgen von der Schnullerfee mitgenommen wird und es dann schon ein ganz Großer ist. Bilderbücher zum Thema unterstützen dabei7.
Viele Familien feiern ein Abschiedsfest: Das Kind packt den Schnuller in Geschenkpapier, um ihn einem fiktiven Baby zu schenken. Ein Elternteil bringt den Schnuller aus dem Haus und kommt mit einem Geschenk zurück, das von dem Baby stammt und sich für den Schnuller bedankt1. Auch die Schnullerfee tauscht den Schnuller gegen ein Geschenk1, 8. In Dänemark hängen Kinder ihren Schnuller an einen Schnullerbaum und können ihn dort jederzeit besuchen; inzwischen gibt es solche Bäume auch in deutschen Städten, teils mit Schnullerfesten1.
Andere Wege: Manche Kinder verschenken ihre Schnuller an ein Baby aus dem Freundeskreis oder bezahlen damit ein lang ersehntes Spielzeug8. Ein Entwöhnungssauger, der wie ein Schnuller aussieht, aber keinen Sauger hat, wird erst ab einem Alter von 24 Monaten empfohlen7. Manche Kinderärztinnen und Kinderärzte raten, die Schnullerspitze abzuschneiden, sodass das Saugen nicht mehr funktioniert7.
Wichtig ist der Rahmen: Für die Entwöhnung sind etwa 3 Wochen ein guter Zeitraum, und eine anschließende Belohnung kann helfen1. Entsorgt den Schnuller nie vor den Augen des Kindes, und macht die Trennung dann endgültig und konsequent1.
Wenn das Abgeben schwerfällt: Alternativen und Begleitung
Das Saugbedürfnis nimmt ab dem Babyalter immer weiter ab. Deshalb helfen Alternativen, Gefühle zu regulieren: Kauringe mit unterschiedlicher Oberfläche, Kuscheltiere und Tücher, Beruhigungsbändchen, ausgiebiges Kuscheln, Tuchschaukeln oder schwere Decken können den Schnuller ersetzen9. Auch Ablenkung wirkt: Bilderbücher, Ausflüge oder gemeinsame Bastelstunden8.
Wenn das Zahnen unangenehm ist, kann ein Beißring den Schnuller ersetzen und den Zahndurchbruch erleichtern1. In manchen Fällen kann eine Mundvorhofplatte helfen, das Nuckeln abzugewöhnen oder bereits entstandene Schäden der Zahnstellung zu reduzieren1.
Tauschgeschäfte mit Schnullerfee oder Schnullerbaum helfen Kindern zu begreifen, dass sie nun groß sind. 3- und 4-jährige Kinder können die Tragweite eines solchen Tauschs aber noch nicht abschätzen; die Enttäuschung ist trotz Geschenk oft groß. Begleitet die Trauer und sucht gemeinsam Alternativen9.
Bleibt dran: Die ersten 2 oder 3 Abende oder Situationen ohne Schnuller sind anstrengend, nach etwa 1 Woche fragt ihr euch vielleicht, warum ihr nicht früher damit begonnen habt7. Wählt einen Zeitraum, in dem es eurem Kind gut geht und keine großen Neuigkeiten anstehen8. Ein neues Gute-Nacht-Ritual – eine Geschichte oder ein Lied – erleichtert das Einschlafen ohne Schnuller8.
Praxis-Tipps: Wie lange Schnuller – so gelingt der Abschied
- Legt einen festen Termin fest: Ein Datum nach einem Ereignis wie Geburtstag, Urlaub oder Kita-Start macht den Abschied greifbar.
- Sprecht in ruhigen Momenten über die Veränderung und sagt eurem Kind, was danach kommt – etwa ein neues Kuscheltier oder ein Besuch bei den Großeltern.
- Verkürzt zuerst die Zeiten untertags; nachts darf der Schnuller am längsten bleiben.
- Schafft einen festen Schnullerplatz, zum Beispiel ein Körbchen oder eine Garage am Bett, in der der Schnuller schläft, während euer Kind spielt.
- Räumt alle Schnuller nach dem Aufstehen aus der Sichtweite und holt bewusst nur einen hervor, wenn es wirklich nötig ist.
- Baut ein neues Einschlafritual in derselben Reihenfolge wie bisher auf: Zähneputzen, Geschichte, Lied, Kuscheln.
- Bleibt nach dem Abschied konsequent und bietet Alternativen an, statt den Schnuller wieder herauszugeben.
- Feiert den Abschied mit einem Fest, einem Tausch oder einem Ausflug zum Schnullerbaum, damit der Schritt positiv besetzt bleibt.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man einen Schnuller benutzen?
Wie lang sollte ein Schnuller im Mund bleiben?
Wie lange sollten Kinder einen Schnuller haben?
Wie lange sollte ein Schnuller zum Schlafen dienen?
Quellen
- Schnuller · abgerufen am 11.10.2026
- Lutsch- und Ernährungsgewohnheiten · Stand 11.08.2021
- FAQ Einzelansicht · abgerufen am 10.10.2026
- Dem Plötzlichen Kindstod vorbeugen · Stand 01.05.2025
- Plötzlicher Kindstod · Stand 16.06.2025
- Die Schlafumgebung für das Baby · Stand 23.09.2025
- Schnuller abgewöhnen: 10 Tricks für jede Familie · Stand 09.09.2024
- Abschied vom Schnuller: So klappt die Entwöhnung · abgerufen am 10.10.2026
- Schnuller abgewöhnen · Stand 12.02.2025
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