Der Zauberer von Oz – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1900
- Alter ab
- 6
- Autor/Herkunft
- L. Frank Baum († 1919), The Wonderful Wizard of Oz – englisches Original
Neu erzählt nach L. Frank Baum (Englisch, 1900)
Dorothy, ihr Hündchen Toto und drei Freunde suchen den großen Zauberer, weil nur er Dorothy nach Kansas zurückbringen kann.
Der Zauberer von Oz – das Märchen zum Vorlesen
Ein Wirbelsturm über Kansas
Dorothy wohnt mit Onkel Henry und Tante Em mitten in der grauen Prärie von Kansas. Das Haus ist klein und aus Holz, ringsum wächst nur trockenes Gras, und niemand lacht viel. Nur Toto, Dorothys kleiner schwarzer Hund, ist immer fröhlich und schläft nachts neben ihrem Bett.
An diesem Nachmittag ist der Himmel besonders grau. Aus dem Norden kommt ein tiefes Heulen, und das Gras legt sich in Wellen. Onkel Henry springt auf: „Ein Wirbelsturm!“ Er läuft zu den Ställen. Tante Em reißt die Falltür im Fußboden auf und ruft: „Schnell in den Keller, Dorothy!“ Dorothy sucht Toto, findet ihn unter dem Bett und läuft mit ihm zur Falltür. Da schüttelt es das Haus so stark, dass sie hinfällt.
Das Haus dreht sich ein paar Mal und steigt langsam in die Luft. Dorothy fühlt sich, als führe sie mit einem Ballon. In der Mitte des Wirbelsturms ist die Luft ganz still, und das Haus schwebt über viele Meilen Land hinweg. Es ist dunkel, und der Wind heult, doch Dorothy gewöhnt sich daran. Als Toto fast durch die offene Falltür rutscht, zieht sie ihn an den Ohren zurück und schließt die Luke. Dann kriecht sie zu ihrem Bett, Toto kuschelt sich neben sie, und bald schlafen beide ein.
Im Land der Munchkins
Ein Ruck weckt Dorothy. Draußen scheint die Sonne, die Tür steht offen, und überall blühen Blumen. Bäume hängen voller Früchte, und zwischen grünen Ufern plätschert ein Bach.
Da kommen vier kleine Leute heran: drei Männer in blauen Anzügen und eine alte Frau in einem weißen Kleid, das mit kleinen Sternen besetzt ist. „Willkommen im Land der Munchkins“, sagt die Frau und verbeugt sich tief. Sie nennt Dorothy eine Zauberin und dankt ihr dafür, dass sie die böse Hexe des Ostens getötet hat. Dorothy erschrickt. „Ich habe doch niemanden getötet!“
Die alte Frau lacht und zeigt auf die Ecke des Hauses. Dort schauen zwei Füße unter einem Balken hervor, in silbernen Schuhen mit spitzer Kappe. „Dein Haus ist auf sie gefallen“, sagt sie, „und hat unser Volk befreit.“ Dann stellt sie sich als Hexe des Nordens vor, eine gute Hexe. Sie hebt die silbernen Schuhe auf und schenkt sie Dorothy, denn sie passen wie angegossen.
„Im Land Oz gibt es nur einen, der dir helfen kann“, sagt die Hexe. „Oz, der große Zauberer in der Smaragdstadt. Der Weg dorthin ist mit gelben Ziegelsteinen gepflastert, du kannst ihn nicht verfehlen.“ Sie küsst Dorothy auf die Stirn. Wo ihre Lippen sie berühren, bleibt ein runder, glänzender Fleck. „Wen ich küsse, den wagt niemand zu verletzen.“ Dann dreht sie sich dreimal auf dem linken Absatz und verschwindet.
Dorothy zieht ihr sauberes Kleid an, füllt den Korb mit Brot und geht mit Toto los.
Die Vogelscheuche auf dem Pfahl
Die Straße aus gelben Ziegelsteinen führt durch Felder und an kleinen runden Häusern vorbei. Am Abend kommt Dorothy an einem Maisfeld an. Mitten darin steht eine Vogelscheuche auf einem hohen Pfahl. Sie trägt einen alten blauen Hut, ein blaues Jackett und Stiefel mit blauen Borten.
Plötzlich zwinkert ihr eines der gemalten Augen zu. „Guten Tag“, sagt die Vogelscheuche heiser. „Bitte nimm mich von diesem Pfahl, ich hänge hier Tag und Nacht.“ Dorothy hebt sie herunter, denn sie ist mit Stroh gefüllt und ganz leicht. Die Vogelscheuche streckt ihre Arme und Beine. „Ich fühle mich wie neu.“
Sie erzählt, dass sie erst vor zwei Tagen gemacht wurde und noch nicht viel weiß. „Mein Kopf ist voller Stroh, ich habe kein Gehirn“, sagt sie traurig. „Die Krähen lachen mich aus. Ob der große Zauberer mir Verstand geben kann?“ Dorothy weiß es nicht, nimmt die Vogelscheuche aber mit. „Wenn Oz dir kein Gehirn gibt, ist es nicht schlimmer als jetzt.“
Zusammen wandern sie weiter. Toto beschnuppert den Strohmann misstrauisch, doch die Vogelscheuche lacht: „Mir kann er nichts tun, ich habe kein Fleisch.“ Nur vor einem fürchtet sie sich: vor einem brennenden Streichholz. Als Dorothy müde wird, trägt die Vogelscheuche ihren Korb.
Der Blechmann im Wald
Am Abend erreichen sie einen großen, dunklen Wald. Am Morgen suchen sie Wasser, und plötzlich hören sie ein tiefes Stöhnen. Sie folgen der Stimme und finden unter einem Baum einen Mann, der ganz aus Blech ist. Er hält ein Beil in der Hand und steht völlig still, denn seine Gelenke sind verrostet. „Bitte ölt mich“, bittet er. „Im Häuschen dort steht eine Ölkanne.“
Dorothy holt die Kanne und ölt dem Blechmann den Hals, die Arme und die Beine. Seufzend setzt er das Beil ab. „Ein ganzes Jahr habe ich dagestanden“, sagt er. „Ihr habt mir das Leben gerettet.“
Dann erzählt er seine Geschichte. Er war einmal ein Holzfäller und liebte ein hübsches Mädchen. Weil eine alte Frau die Hochzeit verhindern wollte, verzauberte die böse Hexe des Ostens sein Beil. Erst verlor er ein Bein, dann das zweite, dann die Arme, den Kopf und schließlich den ganzen Körper. Ein Blechschmied ersetzte alles durch Blech. Nur das Herz war fort, und mit ihm die Liebe.
„Deshalb will ich den Zauberer um ein Herz bitten“, sagt er. Dorothy nimmt ihn mit. Die Vogelscheuche findet Verstand wichtiger, doch der Blechmann sagt: „Verstand macht nicht glücklich. Glücklich sein ist das Beste auf der Welt.“
Der feige Löwe
Der Wald wird immer dichter, und die Straße ist voller Blätter und Löcher. Da springt mit einem lauten Brüllen ein großer Löwe auf den Weg. Mit einer Pfote wirbelt er die Vogelscheuche zur Seite, dann schlägt er nach dem Blechmann. Als Toto bellend auf ihn zuläuft, reißt der Löwe das Maul auf. Dorothy springt dazwischen und schlägt ihm so fest sie kann auf die Nase. „Schämst du dich nicht? So ein großes Tier und willst einen kleinen Hund beißen!“
Der Löwe reibt sich die Nase. „Du hast recht“, sagt er kleinlaut. „Ich bin ein Feigling. Wenn ich Angst habe, brülle ich, damit alle weglaufen. Dabei fürchte ich mich selbst vor allem.“ Dorothy hört ihm verwundert zu. „Kann der Zauberer mir Mut geben?“, fragt der Löwe. „So leicht wie der Vogelscheuche Verstand“, antwortet Dorothy. Da läuft der Löwe mit und verspricht, die kleine Reisegruppe zu beschützen.
Am Nachmittag tritt der Blechmann versehentlich auf einen Käfer. Er weint, und die Tränen laufen über die Scharniere seines Kiefers, der davon festrostet. Schnell holt die Vogelscheuche die Ölkanne. Danach geht der Blechmann ganz vorsichtig, um kein Tier zu verletzen.
Über Abgrund, Fluss und Mohnfeld
„Wie weit ist es noch bis zur Smaragdstadt?“, fragt Dorothy. Der Blechmann weiß es nicht, doch er sagt: „Mein Vater ist den Weg einmal gegangen. Bei dem Kuss der guten Hexe kann dir nichts geschehen.“ Bald stehen sie vor einer tiefen Schlucht mit steilen Wänden und spitzen Felsen. „Ich springe hinüber“, sagt der Löwe, „auch wenn ich schreckliche Angst habe.“ Er springt und landet sicher. Dann trägt er nacheinander die Vogelscheuche, Dorothy mit Toto und den Blechmann hinüber.
Kaum sind alle drüben, kommen zwei Kalidahs angerannt, Bestien mit Bärenkörpern und Tigerköpfen. Die Vogelscheuche hat eine Idee: Der Blechmann fällt einen großen Baum, der über die Schlucht fällt, und alle laufen hinüber. Die Kalidahs folgen. Da hackt der Blechmann den Baum ab, und die Bestien stürzen in die Tiefe.
Später baut der Blechmann ein Floß für den breiten Fluss. In der Mitte des Wassers reißt die Strömung das Floß mit. Die Stange der Vogelscheuche bleibt im Schlamm stecken, das Floß treibt davon, und die Vogelscheuche bleibt allein mitten im Fluss zurück. Der Löwe springt ins Wasser und zieht das Floß ans Ufer. Da kommt ein Storch vorbei, den Dorothy um Hilfe bittet. Der Storch trägt die leichte Vogelscheuche ans Ufer, und die Vogelscheuche verspricht, ihm später etwas Gutes zu tun.
Hinter dem Fluss leuchten riesige rote Blumen: ein ganzes Feld voller Mohn. Der Duft macht schläfrig, und wer zu lange zwischen den Blüten bleibt, schläft für immer. Dorothy weiß davon nichts. Bald fallen ihr die Augen zu, sie sinkt ins Gras und schläft ein, und auch Toto schläft schon. Der Löwe kann sich kaum noch wach halten. Die Vogelscheuche und der Blechmann brauchen keinen Schlaf. Aus ihren Händen machen sie einen Stuhl und tragen Dorothy aus dem Feld, doch der Löwe schläft am Rand der Blumen ein.
Da hört der Blechmann ein leises Fiepen. Eine wilde Katze jagt eine kleine graue Maus. Der Blechmann hebt sein Beil und tötet die Katze. Die Maus bleibt stehen und sagt piepsend: „Danke, ich bin die Königin der Feldmäuse.“ Sie verspricht Hilfe, und die Vogelscheuche hat schon einen Plan: Der Blechmann baut einen Wagen, tausende Mäuse ziehen ihn mit langen Fäden. Die Königin ruft ihr ganzes Volk, und gemeinsam ziehen die Mäuse den schlafenden Löwen aus dem Mohnfeld auf die grüne Wiese. Dort weckt ihn frische Luft. „Pfeift einfach, wenn ihr uns braucht“, sagt die Mäusekönigin zum Abschied.

In der Smaragdstadt
Am nächsten Abend wird der Himmel grün, und vor ihnen liegt die Smaragdstadt mit einer hohen Mauer aus grünem Stein. Am Tor hängt eine Glocke. Ein kleiner Mann in grüner Kleidung öffnet und lässt sie ein. Er ist der Wächter des Tors. „Der Zauberer lässt niemanden gern zu sich“, sagt er, „aber ich will fragen.“ Dann setzt er allen grüne Brillen auf und schließt sie ab. „Sonst würde euch der Glanz der Stadt blind machen.“
Im Palast empfängt sie ein Soldat mit grünem Backenbart. Oz lässt jeden einzeln vortreten. Dorothy sieht einen riesigen Kopf ohne Körper, der mit lauter Stimme sagt: „Ich bin Oz, der Große und Schreckliche. Wer bist du?“ Dorothy erzählt von Kansas und bittet um Heimkehr. „Töte die böse Hexe des Westens“, antwortet der Kopf, „dann schicke ich dich nach Hause.“ Dorothy weint. Sie will niemanden töten.
Die Vogelscheuche sieht eine schöne Dame mit Flügeln, der Blechmann ein furchtbares Ungetüm, der Löwe eine lodernde Feuerkugel. Allen sagt Oz dasselbe: Erst muss die böse Hexe des Westens besiegt sein. Traurig ziehen die Freunde nach Westen, dorthin, wo die Sonne untergeht.
Die böse Hexe des Westens
Die Hexe des Westens hat ein Auge wie ein Fernrohr und sieht Dorothy schon von Weitem. Wütend ruft sie ihre Wölfe: Sie sollen die Fremden zerreißen. Der Blechmann stellt sich vor seine Freunde und streckt mit dem Beil einen Wolf nach dem anderen nieder. Am nächsten Morgen schickt die Hexe einen Schwarm wilder Krähen. Die Vogelscheuche breitet die Arme aus, die Vögel fürchten sie, und als der Krähenkönig angreift, dreht sie ihm den Hals um. Beim dritten Angriff kommen Bienen. Da verteilt der Blechmann das Stroh der Vogelscheuche über Dorothy, Toto und den Löwen, sodass die Bienen niemanden stechen; ihre Stacheln brechen am Blech ab, und die Bienen sterben.
Schließlich schickt die Hexe ihre Diener, die Winkies, mit Speeren. Der Löwe brüllt so laut, dass sie davonlaufen. Da nimmt die Hexe ihren Goldenen Hut und spricht einen Zauberspruch. Die geflügelten Affen kommen. Sie werfen den Blechmann auf spitze Felsen, ziehen der Vogelscheuche das Stroh aus und binden den Löwen fest. Dorothy wagen sie nicht zu verletzen, weil sie das Kusszeichen auf der Stirn trägt. Sie tragen sie sanft in das Schloss der Hexe.
Dort muss Dorothy putzen und kochen. Der Löwe sitzt hungrig hinter einem Gitter. Als die Hexe Dorothy einen silbernen Schuh stiehlt, wird Dorothy so zornig, dass sie einen Eimer Wasser über sie schüttet. Da schreit die Hexe auf, schrumpft und zerrinnt wie Zucker. „Nie hätte ich gedacht, dass ein kleines Mädchen mich vernichtet!“ Kurz darauf ist von ihr nichts übrig als eine braune Pfütze. Dorothy holt ihren Schuh und befreit den Löwen.
Rettung und Rückkehr
Die Winkies jubeln, denn sie sind frei. Dorothy fragt sie, ob sie ihren Freunden helfen können. Sie ziehen zu den Felsen, wo der Blechmann liegt, und holen ihn ins Schloss. Die Blechschmiede der Winkies hämmern, biegen und löten drei Tage und vier Nächte, bis der Blechmann wieder heil ist. Nur ein paar Flicken bleiben, und das macht ihm nichts aus. Dann suchen sie die Vogelscheuche: Der Blechmann fällt den Baum, in dem ihre Kleider hängen, und die Winkies stopfen sie mit frischem Stroh. Nun sind die vier wieder zusammen.
Beim Packen findet Dorothy den Goldenen Hut. Sie setzt ihn auf, und als sie den Zauberspruch liest, kommen die geflügelten Affen und tragen alle zur Smaragdstadt. Unterwegs erzählt der Affenkönig, wie sein Volk in die Dienste des Hutes kam: Eine mächtige Prinzessin wollte einen jungen Mann heiraten, dessen Kleider die Affen aus Übermut ins Wasser warfen. Zur Strafe mussten die Affen fortan dreimal dem Besitzer des Goldenen Hutes gehorchen. Auch die böse Hexe des Westens hatte den Hut besessen. Jetzt gehört er Dorothy.
In der Smaragdstadt werden die Freunde freudig begrüßt. Sie warten mehrere Tage, doch Oz lässt sie nicht vor. Da schicken sie ihm eine Botschaft: Wenn er sie nicht empfängt, rufen sie die geflügelten Affen. Am nächsten Morgen steht die Tür zum Thronsaal offen.
Der Zauberer hinter dem Vorhang
Im Thronsaal ist niemand zu sehen, nur eine Stimme spricht aus der Kuppel. „Ich bin Oz, der Große und Schreckliche.“ Der Löwe brüllt erschrocken, Toto springt zur Seite und stößt einen Wandschirm um. Dahinter steht ein kleiner alter Mann mit kahlem Kopf und faltigem Gesicht. Erschrocken hebt der Blechmann sein Beil.
„Bitte nicht schlagen!“, ruft der Mann. „Ich habe alles nur vorgetäuscht. Ich kann keine Zauberkunst.“ Er erzählt: Er wurde in Omaha geboren, war Bauchredner und Ballonfahrer. Ein Ballon trug ihn in dieses Land, und weil er vom Himmel kam, hielten ihn die Leute für einen großen Zauberer. Er ließ die Smaragdstadt bauen und gab allen grüne Brillen, damit alles grün aussah. Vor den Hexen hatte er Angst; darum bat er Dorothy, die Hexe des Westens zu besiegen.
Dann hält er seine Versprechen, so gut er kann. Der Vogelscheuche füllt er Kleie, Nadeln und Stecknadeln in den Kopf, der Blechmann bekommt ein Herz aus Seide, und der Löwe trinkt einen Trank, der Mut heißen soll. Alle sind zufrieden. Für Dorothy baut Oz einen Ballon aus grüner Seide. „Ich komme mit“, sagt er. Doch als der Ballon startet, läuft Toto in die Menge, Dorothy holt ihn zurück, und in diesem Augenblick reißen die Seile. Der Ballon steigt ohne sie in den Himmel, und Oz ruft: „Leb wohl!“ Sie sehen ihn nie wieder.
Nach Süden: kämpfende Bäume und Porzellanland
Der Soldat mit dem grünen Backenbart rät Dorothy, Glinda im Süden um Hilfe zu bitten. So ziehen die vier nach Süden, und bald versperrt ihnen ein dichter Wald den Weg. Als die Vogelscheuche unter die ersten Bäume tritt, beugen sich die Zweige herunter und schleudern sie zurück. Die Bäume lassen keine Fremden durch. Der Blechmann schlägt mit seinem Beil einen Ast nach dem anderen ab, und so kommen alle hindurch.
Dahinter steht eine weiße Mauer aus Porzellan. Hinter der Mauer liegt ein winziges Land: Häuser, Tiere und Menschen, alle aus Porzellan, und selbst die größten von ihnen reichen Dorothy nur bis zum Knie. Ein Porzellanmädchen bricht sich ein Bein, und eine Prinzessin bittet Dorothy, sie nicht mitzunehmen: Auf einem Kaminsims würde sie ganz steif werden. Dorothy verspricht es und geht vorsichtig weiter. Später kommt der Löwe in einen Wald, in dem ein riesiges Ungetüm die Tiere bedroht. Er erschlägt es und wird von den Tieren zum König des Waldes gewählt.
Dann stehen sie vor einem steilen Hügel. Männer ohne Arme halten dort Wache und stoßen mit ihren Köpfen jeden zurück, der hinaufsteigen will. Der Löwe versucht es und kugelt den Hügel hinunter. „Ruf die geflügelten Affen“, sagt der Blechmann. Dorothy setzt den Goldenen Hut auf, spricht den Zauberspruch, und die Affen tragen alle über den Hügel. „Das ist das letzte Mal, dass wir kommen dürfen“, sagt der Affenkönig zum Abschied.
Glinda und die Heimkehr
Im Land der Quadlings sind die Häuser rot gestrichen, und die Menschen sind klein und freundlich. Wächterinnen in roten Uniformen führen Dorothy zu Glinda. Die gute Hexe des Südens sitzt auf einem Thron aus Rubinen und sieht freundlich auf das Mädchen herab. Dorothy erzählt ihr alles.
„Deine silbernen Schuhe können dich nach Hause tragen“, sagt Glinda. „Du musst nur dreimal mit den Absätzen zusammenschlagen und dir dein Ziel wünschen. Wenn du mir dafür den Goldenen Hut schenkst, schicke ich deine Freunde mit den Affen zurück in ihre Länder.“ Dorothy reicht ihr den Hut gern. So kommt die Vogelscheuche zurück in die Smaragdstadt, wo sie als Herrscher erwartet wird, der Blechmann zu den Winkies, die ihn zum König haben wollen, und der Löwe in seinen Wald, in dem ihn die Tiere zu ihrem König gewählt haben. Zum Schluss schenkt Glinda den Goldenen Hut dem Affenkönig, damit sein Volk endlich frei ist.
Dorothy nimmt Toto auf den Arm, umarmt ihre Freunde und schlägt dreimal die Absätze zusammen: „Bring mich nach Hause zu Tante Em!“ Da wirbelt sie durch die Luft, so schnell, dass sie nur den Wind um die Ohren pfeifen hört. Nach drei Schritten landet sie auf der weiten Prärie von Kansas. Onkel Henry melkt im Hof, Toto springt aus ihren Armen und rennt zum Stall. Tante Em läuft aus dem Haus und schließt Dorothy in die Arme. Die silbernen Schuhe aber sind in der Wüste verloren gegangen.
Der Zauberer von Oz in Kürze
Dorothy lebt bei Onkel Henry und Tante Em in Kansas, bis ein Wirbelsturm ihr Haus samt Hund Toto ins Land Oz trägt. Dort befreit sie die Munchkins von der bösen Hexe des Ostens und bekommt silberne Schuhe geschenkt. Mit der Vogelscheuche, dem Blechmann und dem feigen Löwen wandert sie auf der gelben Ziegelsteinstraße zur Smaragdstadt. Jeder der Freunde wünscht sich etwas: Verstand, ein Herz, Mut. Der große Oz stellt dafür eine Bedingung: Erst muss die böse Hexe des Westens besiegt werden. Am Ende wird Oz enttarnt, doch alle bekommen, was sie brauchen, und Dorothy findet mit Glindas Hilfe nach Hause.
Die Figuren
- Dorothy – ein Mädchen aus Kansas, das ein Wirbelsturm ins Land Oz trägt und nur eines will: nach Hause.
- Toto – Dorothys kleiner schwarzer Hund, der sie auf der ganzen Reise begleitet.
- Onkel Henry und Tante Em – Dorothys Pflegeeltern auf einer kargen Farm in Kansas.
- Die Munchkins – das kleine Volk im Osten, das Dorothy von der bösen Hexe befreit.
- Boq – ein reicher Munchkin, bei dem Dorothy übernachtet und der sie für eine Zauberin hält.
- Die Hexe des Nordens – eine gute Hexe, die Dorothy die silbernen Schuhe schenkt und ihr den Weg zeigt.
- Die Vogelscheuche – ein Strohmann, den Dorothy von einem Pfahl holt und der sich Verstand wünscht.
- Der Blechmann – ein Holzfäller aus Blech, der verrostet im Wald steht und sich ein Herz wünscht.
- Der feige Löwe – ein großer Löwe, der sich vor fast allem fürchtet und um Mut bittet.
- Der Storch – der Vogel, der die Vogelscheuche aus dem Fluss rettet.
- Die Königin der Feldmäuse – eine kleine graue Maus, deren Volk den schlafenden Löwen aus dem Mohnfeld zieht.
- Die Wildkatze – ein Raubtier, das die Mäusekönigin jagt und vom Blechmann getötet wird.
- Die Kalidahs – Bestien mit Bärenkörper und Tigerkopf, die die Freunde über die Schlucht verfolgen.
- Der Wächter des Tors – der grüne Mann, der die Freunde in die Smaragdstadt lässt und ihnen die Brillen aufsetzt.
- Der Soldat mit dem grünen Backenbart – der Diener am Palast, der die Besucher zu Oz bringt.
- Oz – der angebliche große Zauberer, der als Kopf, als Dame, als Ungetüm und als Feuerkugel erscheint.
- Die böse Hexe des Ostens – die Herrscherin über die Munchkins, die unter Dorothys Haus stirbt.
- Die böse Hexe des Westens – die Herrscherin über die Winkies, die Dorothy mit einem Eimer Wasser zum Schmelzen bringt.
- Die Winkies – das Volk im Westen, das der Hexe dienen musste und nach ihrem Ende frei ist.
- Die geflügelten Affen – ein Volk mit Flügeln, das dreimal dem Besitzer des Goldenen Hutes gehorchen muss.
- Der Affenkönig – der Anführer der geflügelten Affen, der Dorothy die Geschichte des Hutes erzählt.
- Gayelette und Quelala – eine mächtige Prinzessin und ihr Bräutigam, denen die Affen einst einen Streich spielten.
- Die Porzellanmenschen – winzige Menschen aus Porzellan, unter ihnen ein Milchmädchen, eine Prinzessin und der Clown Herr Joker.
- Die Hammerköpfe – Männer ohne Arme, die mit ihren Köpfen jeden vom Hügel stoßen.
- Das Ungetüm im Wald – eine riesige Spinne, die der Löwe erschlägt, worauf ihn die Tiere zum König wählen.
- Glinda – die gute Hexe des Südens, die Dorothy verrät, wie die silbernen Schuhe sie nach Hause tragen.
- Die Quadlings – das Volk im Süden, in dessen Land Glinda herrscht.
Was lernen Kinder daraus?
Wer die Geschichte hört, merkt schnell: Die vier Freunde besitzen längst, was sie suchen. Die Vogelscheuche denkt klug, der Blechmann fühlt Mitgefühl, und der Löwe handelt, obwohl er Angst hat. Am Ende erkennen sie selbst, dass sie immer schon Herz, Verstand und Mut hatten2. Daraus können Kinder mitnehmen, dass Mut nicht heißt, keine Angst zu haben, sondern trotzdem etwas zu wagen.
Außerdem sehen sie, wie Hilfe hin und her geht: Der Blechmann rettet die Mäusekönigin, die Mäuse retten den Löwen, und Glinda hilft am Ende Dorothy. Dorothy selbst will nicht im schönen Zauberland bleiben, sondern zu ihrer Familie zurück; für sie gibt es keinen schöneren Ort als ihr Zuhause. Auch der falsche Zauberer zeigt etwas: Seine Versprechen waren Tricks, doch freundlich zu den Menschen war er trotzdem.
Der Zauberer von Oz als Buch
Das Original heißt The Wonderful Wizard of Oz, erschien 1900 auf Englisch und liegt als Gutenberg-Ausgabe (Gutenberg #55) vor; daraus stammt unsere Nacherzählung. Autor ist L. Frank Baum, der 1919 starb; seine Geschichte ist damit gemeinfrei und darf frei nacherzählt werden.
In seinem Vorwort, das er im April 1900 in Chicago unterzeichnete, schreibt Baum, er habe das Buch geschrieben, um Kindern Freude zu machen. Sein Ziel war ein modernes Märchen, in dem das Staunen bleibt, schaurige Szenen aber fehlen. Der Stoff gilt als Kinderbuchklassiker3.
Wir arbeiten mit einer eigenen Übersetzung und einer eigenen Nacherzählung, nicht mit einer fremden Bearbeitung. Unsere Fassung erzählt den vollständigen Handlungsverlauf in zwölf kurzen Kapiteln nach: von Kansas über die Smaragdstadt bis zu Glindas Schloss. Alle Figuren und alle Stationen der Vorlage bleiben erhalten; drastische Szenen mildern wir ab, ohne den Ausgang zu verändern.
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Diese fünf Fragen eignen sich gut für ein Gespräch nach dem Vorlesen:
- Was hättet ihr gemacht, wenn euer Haus plötzlich durch die Luft fliegen würde?
- Die Vogelscheuche wünscht sich Verstand, der Blechmann ein Herz und der Löwe Mut – was würdet ihr euch wünschen?
- Warum wollen die Freunde am Ende nicht im schönen Land Oz bleiben?
- Woran habt ihr gemerkt, dass der große Zauberer gar nicht so mächtig ist, wie alle glauben?
- Was bedeutet für euch Zuhause?
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Häufige Fragen
Wer ist der Zauberer von Oz?
Wie sieht der Zauberer von Oz aus?
Wann wurde der Zauberer von Oz geschrieben?
Was passiert im Zauberer von Oz?
Quellen
- Der Zauberer von Oz · abgerufen am 11.10.2026
- Kinderfilmwelt: Der Zauberer von Oz · abgerufen am 11.10.2026
- Der Zauberer von Oz · Stand 23.10.2014
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