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Aladin und die Wunderlampe – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Aladin und die Wunderlampe gehört zu den bekanntesten Geschichten aus Tausendundeine Nacht1. Erzählt wird von einem armen Schneidersohn, der über einen magischen Ring und eine alte Öllampe zwei Geister herbeiruft und damit die Tochter des Sultans gewinnt1. Der Zauberer aus Afrika raubt ihm das Glück zweimal, doch beide Male holt Aladin es zurück1. Hier findet ihr die ganze Geschichte als Nacherzählung zum Vorlesen, dazu eine Kurzfassung, den Hintergrund und Fragen fürs Gespräch mit euren Kindern.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 26 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Aladin und die Wunderlampe: Ein Junge hält die alte Öllampe in einer Schatzhöhle voller funkelnder Edelsteinfrüchte (Illustration)
Jahr
1912
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Tausendundeine Nacht (anonym), deutsche Nacherzählung von Ludwig Fulda

Neu erzählt nach Tausendundeine Nacht in der Nacherzählung von Ludwig Fulda (1912)

Ein Märchen aus der Sammlung Tausendundeine Nacht: Der junge Aladin kommt durch einen magischen Ring und eine alte Öllampe zu Reichtum, heiratet die Tochter des Sultans und wird am Ende selbst Herrscher1.

Aladin und die Wunderlampe – das Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 19 Min.
Aladin und die Wunderlampe – Hörfassung der Nacherzählung
0:0019:01
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In einer großen Stadt fern im Osten, reich an Palästen, Bazaren und Moscheen, lebte ein Schneider namens Mustafa. Sein Handwerk warf wenig ab, und oft stand nur ein karges Mahl auf dem Tisch. Sein Sohn hieß Aladin.

Mustafa wollte den Jungen das Schneidern lehren, doch der lief davon, sobald der Vater den Rücken drehte. Aladin tollte lieber mit den Gassenjungen herum, und aus ihm wurde ein rechter Taugenichts. Der Kummer darüber machte den Schneider krank, und er starb. Aladins Mutter ernährte sich nun mühsam mit Baumwollspinnen. Ihr Sohn aber trieb sich weiter auf den Straßen herum. Er war inzwischen fünfzehn Jahre alt3, 4.

Eines Tages blieb ein Fremder vor ihm stehen: ein Mann mit schwarzem Bart und afrikanischen Gewändern. „Bist du nicht der Sohn des Schneiders Mustafa?“, fragte er. Als Aladin nickte, fiel ihm der Fremde um den Hals, weinte und rief, er sei sein Onkel, der Bruder des Vaters, und komme von einer langen Reise. Er drückte ihm Geld für die Mutter in die Hand und ließ sich zum Abendessen einladen.

Aladins Mutter traute der Geschichte nicht. Von einem Bruder ihres Mannes hatte sie nie gehört. Doch der Fremde brachte Geschenke mit, erzählte von vierzig Jahren in der Fremde und weinte so überzeugend, dass sie ihn schließlich für ihren Schwager hielt. Am nächsten Tag kaufte er Aladin einen neuen Anzug, Turban, Gürtel und Schuhe. Danach wanderte er mit ihm durch die Stadt und hinaus in die Gärten.

Eines Morgens führte er den Jungen immer weiter ins Gebirge, durch ein enges Tal, bis kein Haus und kein Mensch mehr zu sehen war. Aladin wurde müde. „Halte stand“, sagte der Fremde, „unser Ziel ist ganz nah. Was ich dir jetzt zeige, findest du auf der ganzen Erde kein zweites Mal.“

Vor einer hohen Felswand ließ er Aladin Reisig sammeln, warf Räucherwerk in die Flammen und murmelte seltsame Formeln. Da krachte und bebte die Erde, eine Felsplatte wurde sichtbar, und in ihrer Mitte steckte ein eiserner Ring. Aladin wollte fliehen. Der Zauberer aber gab ihm eine schallende Ohrfeige und schrie, hier liege ein Schatz, den nur Aladin heben könne.

Und wirklich: Als Aladin am Ring zog, ließ sich der schwere Stein beiseiteschieben. Stufen und eine Tür führten in die Tiefe. „Du allein darfst hinabsteigen“, sagte der Zauberer. „Geh durch drei Säle mit Becken voll Gold und Silber. Rühre nichts an, und schürze dein Kleid, damit es nirgends die Wand streift. Dann kommst du in einen Garten voller Früchte. Steig die Treppe zur Terrasse hinauf und hol mir die Lampe, die dort in einer Nische steht. Bring sie mir, und von den Früchten darfst du dir unterwegs pflücken, so viel du magst.“ Zum Schutz steckte er Aladin einen Ring an den Finger.

Aladin stieg hinab. Er ging an den Becken vorbei, ohne das Gold zu berühren, und kam in den Garten. An den Bäumen hingen Früchte in den sonderbarsten Farben: rot und weiß, blau und gelb, grün und violett, alle durchsichtig und funkelnd. Aladin hielt sie für gefärbtes Glas. Weil sie so hübsch waren, stopfte er sich die Taschen voll, mehr aus Spielerei als aus Habgier. Er fand die Lampe in ihrer Nische, leerte das Öl aus und verbarg sie unter seinem Kleid.

„Die Lampe her!“, rief der Zauberer, als Aladin unten an der Pforte stand. „Erst hilf mir heraus“, bat Aladin, „dann gebe ich sie dir.“ Doch die Früchte in seinen Taschen waren schwer, und er konnte die letzte Stufe nicht nehmen. Der Zauberer tobte, warf neuen Weihrauch ins Feuer und murmelte eine Formel. Da schlug die Felsplatte über Aladin zu, und Finsternis umgab ihn.

Nun zeigte der Fremde sein wahres Gesicht. Er war kein Onkel, sondern ein Zauberer aus Afrika. In alten Büchern hatte er gelesen, dass irgendwo eine Wunderlampe liegt, deren Geist ihrem Besitzer unermessliche Macht gibt. Nur ein bestimmter Junge konnte den Stein heben, und damit Aladin nichts verraten konnte, wollte der Zauberer ihn in der Höhle einschließen. Als sein Plan scheiterte, reiste er wütend tausend Meilen zurück nach Afrika.

Aladin saß in der Dunkelheit. Zwei Tage lang weinte und rief er, fand keinen Ausgang und sank erschöpft zu Boden. Schließlich faltete er die Hände zum Gebet, und dabei verschob sich der Ring an seinem Finger. Da stieg ein gewaltiger Geist vor ihm auf und fragte, was er begehre. Aladin bat um Rettung. Kaum hatte er es gesagt, spürte er einen Ruck und lag im Freien. Von dem Felsen war nur noch ein Häufchen Asche zu sehen.

Halb verhungert schleppte sich Aladin nach Haus. Seine Mutter hatte ihn schon für tot gehalten und weinte vor Freude. Er aß, schlief zwei Nächte und erzählte ihr dann alles. Sie glaubte ihm kein Wort, bis er den Ring zeigte und die bunten Früchte aus der Lade holte. Beide hielten sie für Glas. Die Lampe warf Aladin achtlos in eine Ecke.

Bald war kein Brot mehr im Haus. „Dann verkaufen wir eben die Lampe“, sagte Aladin. Die Mutter holte sie herbei und wollte sie mit Wasser und Sand putzen, damit sie beim Händler mehr einbrachte. Kaum hatte sie begonnen, da füllte ein ungeheurer Geist das Zimmer und brüllte, er gehorche jedem, der diese Lampe halte. Die Mutter fiel in Ohnmacht. Aladin aber riss die Lampe an sich und befahl: „Ein gutes Frühstück, auf der Stelle!“ Im Nu standen zwölf silberne Schüsseln mit köstlichen Speisen, zwei Flaschen Wein und vier Brote auf dem Tisch.

So hatten sie zu essen. Als das Geld ausging, trug Aladin eine Silberschüssel zum Trödler. Der alte Gauner merkte, dass der Junge den Wert nicht kannte, und gab ihm ein einziges Goldstück dafür. So verkaufte Aladin Schüssel um Schüssel und auch die schwere Platte. Erst ein Goldschmied, dem er die letzte Schüssel zeigte, nannte den wahren Preis und zahlte ihm achtundsechzig Goldstücke. Von da an verkaufte Aladin alles Weitere beim Goldschmied und lebte mit seiner Mutter bequem, aber unauffällig, damit die Nachbarn nichts merkten.

Vier Jahre vergingen. Aladin wurde ein schlanker, stattlicher junger Mann mit feinen Manieren. In den Läden und Wechselstuben hatte er gelernt, mit Menschen zu reden, und nebenbei erkannt, dass die Früchte aus dem Zaubergarten keine Glasstücke waren, sondern kostbare Edelsteine. Niemandem erzählte er davon, nicht einmal seiner Mutter.

Eines Tages ließ der Sultan ausrufen, alle Häuser sollten schließen, denn seine Tochter, die Prinzessin Bedrulbudur, wolle zum Bad gehen. Aladin schlich zur Tür des Badehauses und sah die Prinzessin, als sie ihren Schleier abnahm. Von diesem Augenblick an war er wie verzaubert. Er aß nichts mehr und sagte schließlich: „Mutter, ich kann ohne sie nicht leben. Du musst zum Sultan gehen und für mich um seine Tochter werben.“

Die Mutter erschrak. Sie seien doch arme Leute, sagte sie, und vor den Sultan trete man nicht ohne ein kostbares Geschenk. Da holte Aladin die Edelsteine aus der Lade, ordnete sie in einer Vase und sagte: „Der Sultan hat gewiss nichts Schöneres gesehen.“

Orientalisches Schloss mit Kuppelsaal und juwelenbesetzten Fenstern in der Morgendämmerung – Illustration zum Märchen Aladin und die Wunderlampe

So ging die Mutter zum Palast. Sieben Tage stand sie im Diwan, ohne an die Reihe zu kommen; immer verließ der Sultan den Saal, ehe sie vortreten konnte. Endlich fiel sie ihm auf, und er ließ sie zu sich holen. „Sprich frei, was du begehrst“, sagte er, „es sei dir im Voraus verziehen.“ Sie erzählte von Aladin und bat um die Hand der Prinzessin. Der Sultan wollte lachen, bis sie die Vase öffnete. Da betrachtete er die Steine und rief, ein solches Geschenk habe er noch nie gesehen. Er sagte Ja, verlangte aber drei Monate Zeit für die Ausstattung. Heimlich hatte der Großvezier um diese Frist gebeten, denn er wollte seinen eigenen Sohn mit der Prinzessin verheiraten.

Zwei Monate später hörte Aladins Mutter auf dem Markt, dass im Palast Hochzeit gefeiert werde: Der Sultan hatte sein Wort gebrochen. Aladin rieb die Lampe und befahl dem Geist, den Bräutigam zu packen und die ganze Nacht festzuhalten. Am Hochzeitsabend verschwand der Sohn des Großveziers mitten aus dem Saal. Am Morgen war er wieder da, doch niemand wusste, wo er gewesen war. Beim zweiten Versuch geschah dasselbe. Da bat der erschöpfte Bräutigam seinen Vater, die Verlobung zu lösen, und der Großvezier trug diese Bitte dem Sultan vor.

Als die drei Monate vorbei waren, schickte Aladin seine Mutter erneut zum Sultan. Der Großvezier flüsterte ihm zu, er solle eine Brautgabe verlangen, die niemand erfüllen kann: vierzig goldene Becken, bis zum Rand voller Edelsteine, getragen von vierzig schwarzen Sklaven und geführt von vierzig jungen weißen, alle in prächtigen Gewändern.

Aladin lachte nur. Er rieb die Lampe, und noch am selben Tag zog ein endloser Zug durch die Straßen: vierzig dunkle Diener mit goldenen Becken, vierzig helle als Geleit, alle in Seide gekleidet. Die Stadt staunte, und der Sultan rief, ein solches Geschenk sei noch keiner Sultanstochter geboten worden. Damit war Aladin sein Schwiegersohn.

Der Geist badete Aladin, kleidete ihn fürstlich und gab ihm einen Beutel mit zehntausend Goldstücken. Auf einem edlen Pferd ritt Aladin zum Palast und ließ Goldmünzen unter das Volk werfen. Vor dem Sultan bat er um eine kurze Frist, denn er wollte seiner Braut ein würdiges Haus bauen. „Such dir einen Platz vor meinem Palast“, sagte der Sultan.

In einer einzigen Nacht errichtete der Geist ein Schloss mit Marmor, Gold und Silber, mit Ställen voller Pferde, Küchen, Vorratskammern und einem Heer von Dienern. Am schönsten war der Kuppelsaal mit vierundzwanzig Fenstern, deren Gitter mit funkelnden Edelsteinen besetzt waren. Vom Palast bis zu Aladins Schloss ließ er einen Teppich legen, über den die Prinzessin in ihr neues Heim schritt. Die Hochzeit wurde gefeiert, und die beiden tanzten bis tief in die Nacht.

Der Großvezier verdächtigte Aladin der Zauberei, doch der Sultan wollte davon nichts hören. Aladin lebte glücklich mit Bedrulbudur, besuchte die Vornehmen der Stadt, beschenkte die Armen und führte sogar ein Heer des Sultans gegen Aufrührer. Fortan nannte man ihn den Sieger.

Weit in Afrika saß unterdessen der Zauberer. Er glaubte, Aladin sei längst in der Höhle umgekommen. Eines Tages streute er Sand auf einen Tisch, zog Linien und Zeichen hinein und las daraus, dass Aladin lebe und die Wunderlampe besitze. Da wurde er blass vor Neid und machte sich auf die Reise. In der Stadt kaufte er zwölf neue Kupferlampen und ging damit rufend durch die Gassen: „Alte Lampen gegen neue!“ Die Kinder liefen ihm nach und lachten.

Im Schloss hörte Bedrulbudur den Lärm und schickte eine Sklavin hinunter. Auf einem Spind stand eine alte, verstaubte Lampe. Aladin hatte sie auf der Jagd nicht mitgenommen, aus Sorge, sie könne verloren gehen. Die Sklavin tauschte sie gegen eine neue ein. Der Zauberer griff gierig zu, versteckte sie unter seinem Kleid und lief aus der Stadt. In der Nacht rieb er die Lampe und befahl dem Geist, das Schloss samt allen Bewohnern nach Afrika zu tragen. Am nächsten Morgen sah der Sultan aus dem Fenster: Der Palast gegenüber war verschwunden, nur der leere Platz lag da.

Aladin war auf der Jagd gewesen. Man brachte ihn gefesselt in die Stadt, und der Sultan ließ ihn zum Tode führen. Da erhob sich das Volk, das Aladin liebte, und wollte den Palast stürmen. Der Sultan ließ ihn frei und gab ihm vierzig Tage Frist: Bis dahin sollte er die Prinzessin und das Schloss zurückbringen, sonst würde er sterben.

Aladin irrte umher, fragte jeden, ob er das Schloss gesehen habe, und glaubte am Ende, nur der Tod könne seine Not beenden. Er ging zum Fluss und wollte sich hineinstürzen. Beim Sturz hielt ihn ein Felsstück fest, und dabei rieb sich der Ring an seinem Finger. Der Geist des Ringes erschien und sagte, er sei der Knecht des Rings. Das Schloss konnte er nicht zurückholen, aber er trug Aladin im Nu nach Afrika, wo das Bauwerk in einer Wiese stand.

Am Morgen sah Bedrulbudur ihren Mann vor dem Fenster. Sie lachten und weinten zugleich. Dann fragte Aladin nach der Lampe, und sie erzählte von dem Lampenhändler. „Er trägt sie immer bei sich“, sagte sie, „und er kommt jeden Tag und redet davon, dass du tot seist und ich ihn heiraten solle.“ Da fasste Aladin einen Plan. Er tauschte beim nächsten Bauern seine Kleider gegen alte Fetzen und kaufte bei einem Krämer ein Schlafpulver. Zurück im Schloss verabredete er mit Bedrulbudur: Sie sollte sich festlich schmücken, den Zauberer zum Essen einladen und ihm das Pulver in den Wein mischen.

Die Prinzessin tat, wie besprochen. Sie empfing den Zauberer freundlich und stellte sich, als habe sie ihren Mann vergessen. Der Zauberer war selig, trank den Becher aus und sank bewusstlos um. Aladin kam herbei, zog die Lampe unter dem Kleid des Betäubten hervor und befahl dem Geist, das Schloss an seinen alten Platz zurückzutragen. Am nächsten Morgen grüßte das Schloss den Sultan wieder gegenüber seinem Fenster.

Der Sultan ritt hinüber, umarmte seine Tochter und bat Aladin um Verzeihung. Der Zauberer aber war nur betäubt gewesen. Er richtete sich auf, wanderte ein ganzes Jahr und suchte in der Stadt nach einem neuen Kniff. Da hörte er von einer frommen Frau namens Fatime, die in einer Klause lebte und überall verehrt wurde. Bei Nacht schlich er zu ihr, tötete sie, schnitt sich den Bart ab und schlüpfte in ihre Kleider. Als heilige Frau verkleidet betrat er das Schloss, denn die Prinzessin hatte die Wundertäterin zu sich eingeladen.

Der Verkleidete betete fromm, lobte die Pracht des Saales und sagte dann: „Es fehlt nur eines. In der Kuppel müsste das Ei des Vogels Roch hängen.“ Bedrulbudur bat ihren Mann, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aladin rieb die Lampe und befahl dem Geist, das Ei zu holen. Da wurde der Geist so zornig, dass Aladin zu Boden sank. „Elender“, brüllte er, „du lässt dir meinen eigenen Vater als Deckenschmuck bringen? Wisse, dass dein Todfeind bei dir zu Gast ist!“ Und er verriet ihm, wer sich unter Fatimes Kleidern verbarg.

Aladin lief in den Saal und ließ die fromme Frau rufen. Der Verkleidete kam und zog heimlich ein Messer. Da stieß ihm Aladin den eigenen Dolch ins Herz. „Du hast die Heilige getötet!“, rief Bedrulbudur entsetzt. „Nein“, sagte Aladin ruhig. „Hätte ich gesäumt, so läge ich hier. Sieh ihn an: Es ist der Zauberer, der dich entführt hat und mich töten wollte.“

Der Sultan starb im hohen Alter, und Aladin und Bedrulbudur bestiegen den Thron. Sie lebten glücklich miteinander, umgeben von Kindern und Enkelkindern, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie gewiss noch heute.

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Aladin und die Wunderlampe – Kurzfassung

Ein armer Schneidersohn, ein Zauberer und eine alte Öllampe: Aladin lebt mit seiner Mutter in einer Stadt im Osten und soll eigentlich ein Handwerk lernen, treibt sich aber lieber auf der Straße herum. Ein Fremder gibt sich als sein Onkel aus und lässt ihn in eine Schatzhöhle steigen, wo Aladin die Lampe findet1. Eingeschlossen in der Finsternis entdeckt er den Geist des Ringes, später den Geist der Lampe, der ihm Speisen, Reichtum und ein Schloss beschert. So gewinnt er die Prinzessin. Zweimal raubt ihm der Zauberer das Glück, zweimal holt Aladin es zurück1.

Die Figuren

  • Aladin – der Sohn des Schneiders Mustafa; ein Taugenichts, der durch Ring und Lampe zu Reichtum, zur Prinzessin und schließlich auf den Thron gelangt.
  • Mustafa – Aladins Vater, ein armer Schneider, der über seinen Sohn so bekümmert ist, dass er krank wird und stirbt4.
  • Aladins Mutter – spinnt Baumwolle, wirbt beim Sultan um die Prinzessin und weckt beim Putzen der Lampe deren Geist.
  • Der Zauberer aus Afrika – gibt sich als Aladins Onkel aus, um die Wunderlampe zu erbeuten, entführt später das Schloss und stirbt durch Aladins Dolch1.
  • Der Geist des Ringes – befreit Aladin aus der Höhle und trägt ihn später nach Afrika.
  • Der Geist der Lampe – erfüllt die Wünsche des Lampenbesitzers, baut das Schloss in einer Nacht und warnt Aladin vor dem verkleideten Feind.
  • Prinzessin Bedrulbudur – die Tochter des Sultans, in der Forschung Badr al-Budur genannt1; sie heiratet Aladin, lädt den Zauberer zum Essen ein und mischt ihm das Schlafpulver in den Wein.
  • Der Sultan – Aladins Schwiegervater; er zögert lange, verurteilt Aladin zum Tod und gibt ihm dann vierzig Tage Frist.
  • Der Großvezier – möchte seinen eigenen Sohn mit der Prinzessin verheiraten und verdächtigt Aladin der Zauberei.
  • Der Sohn des Großveziers – soll die Prinzessin heiraten, wird vom Geist zweimal festgehalten und verzichtet danach auf die Braut.
  • Fatime – eine fromme, wundertätige Frau; der Zauberer tötet sie und nutzt ihre Kleider als Verkleidung.
  • Der Trödler – kauft Aladin die Silberschüsseln für ein einziges Goldstück ab.
  • Der Goldschmied – nennt Aladin den wahren Wert der Silberschüsseln.
  • Der Krämer – verkauft Aladin das Schlafpulver für den Wein.
  • Der Bauer – tauscht mit Aladin seine Kleider und ermöglicht ihm so die Rückkehr ins Schloss.

Was lernen Kinder daraus?

Aladin lernt zuerst, dass Klugheit und Mut mehr wert sind als Gold. In der Höhle nimmt er nichts von den Schätzen mit – dafür findet er die Lampe, und später erkennt er, dass die bunten Früchte in seinen Taschen echte Juwelen sind. Wer genau hinsieht, entdeckt manchmal Schätze, die andere für Glas halten.

Die Geschichte erzählt auch von Gier. Der Zauberer studiert jahrelang alte Bücher, nur um die Lampe zu bekommen, und verliert am Ende sein Leben. Aladin dagegen teilt seinen Reichtum, schenkt den Armen Geld und wird dafür geliebt. Das ist ein schöner Anlass, mit Kindern darüber zu sprechen, was man mit Glück und Macht anfängt.

Und sie zeigt, dass niemand allein stark ist. Aladins Mutter wirbt für ihn, obwohl sie Angst hat, Bedrulbudur rettet ihn mit einer List und einem Schlaftrunk, und der Geist des Ringes hilft ihm ein zweites Mal. Aladin kommt nur weiter, weil er sich helfen lässt und weil Menschen zu ihm halten.

Herkunft und Entstehung

Aladin und die Wunderlampe gehört zur Sammlung Tausendundeine Nacht. Diese Sammlung arabischer Erzählungen entstand etwa um 900 n. Chr.; der Rahmen erzählt von Scheherazade, die dem Kalifen von Bagdad 1001 Nacht lang Geschichten vortrug und so sein Herz gewann2.

Forscher gehen heute davon aus, dass die Geschichte von Aladin nicht zum ursprünglichen Bestand der arabischen Sammlung gehörte1. Der französische Übersetzer Antoine Galland veröffentlichte sie 1712 in den Bänden 9 und 10 seiner französischen Übertragung von Tausendundeiner Nacht; seine Quelle war Hanna Diyab aus Aleppo, ein maronitischer Christ, den Galland 1709 in Paris kennenlernte1. Diyab schrieb die Erzählung auf Arabisch für ihn. Sein Reisebericht mit Hinweisen auf den Ursprung mehrerer Geschichten wurde erst 250 Jahre später in der Vatikanischen Bibliothek entdeckt, und in der Literaturwissenschaft gilt Diyab heute als Autor der Geschichte1.

1887 entdeckte der Orientalist Hermann Zotenberg in der Bibliothèque nationale de France zwei arabische Handschriften von Tausendundeiner Nacht, in denen auch Aladin enthalten ist. Beide sind allerdings Rückübersetzungen aus dem Französischen: Die eine schrieb Dom Denis Chavis 1787 nieder, die andere kopierte 1805 bis 1808 Mikhail Sabbagh. Der Arabist Muhsin Mahdi wies 1994 nach, dass dahinter keine ältere arabische Überlieferung steht1.

Schon bald nach dem Erscheinen wurde der Stoff vielfach bearbeitet. Der Dichter Adam Oehlenschläger veröffentlichte 1805 ein Märchenspiel über Aladin, das in viele Sprachen übersetzt wurde; damit wurde die Erzählung zu einer der beliebtesten aus Tausendundeiner Nacht1. In der Handlung lebt Aladin in China1. Die Fassung, aus der diese Nacherzählung stammt, ist Ludwig Fuldas deutsche Übertragung von 1912. In älteren Fassungen bekommt Aladin Ohrfeigen und Schläge, und der Zauberer stirbt am Ende durch einen Dolchstoß; beim Vorlesen lohnt es sich, solche Stellen kurz einzuordnen.

Aladin und die Wunderlampe – der Originaltext

ALADDIN UND DIE WUNDERLAMPE

Tausend und einer Nacht nacherzählt

von

LUDWIG FULDA

Mit Bildern von Max Liebert

Verlag von Ullstein & Co, Berlin 1912

Kommt, Kinder, faßt mich bei der Hand! Ich führ' euch in das Morgenland Und in sein Märchenparadies Auf einem wohlbekannten Pfade. Vor langen, langen Jahren wies Ihn die berühmte Schehersade Dem argen Sultan Scheherban, Sodaß der greuliche Tyrann-- Weil ihre Kunst, in bunten Bildern Ihm eine Zauberwelt zu schildern, Unwiderstehlich ihn berauschte-- Vergessend Speis' und Trank und Ruh', Ihr volle tausend Nächte lauschte Und eine weitre noch dazu.

Von jenen köstlichen Geschichten, Mit denen sie sein Ohr betört, Will ich euch eine nun berichten; Seid also mäuschenstill und hört:

In einer Hauptstadt fern im Osten, So fern, daß nur mit viel Gefahr Und ungeheuren Reisekosten Man ihr zu nahn imstande war, Jedoch so reich an Herrlichkeiten, Daß niemand ihresgleichen sah, Dort lebte vor geraumen Zeiten Ein Bürger namens Mustapha Mit seiner Frau und seinem Sohn. …

Text: Tausendundeine Nacht (anonym), Übersetzung und Nacherzählung: Ludwig Fulda, Quelle: Project Gutenberg #14221. Fassungshinweis: Diese Wiedergabe folgt der gemeinfreien Fassung; nicht verwendet wird die noch geschützte Ausgabe #22413 (Curt Moreck, † 1957).

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr eine Lampe hättet, deren Geist jeden Wunsch erfüllt?
  2. Aladin hält die funkelnden Früchte zuerst für Glas. Warum schätzen wir Dinge manchmal falsch ein?
  3. Wie mag sich Aladin gefühlt haben, als die Felsplatte über ihm zuschlug? Was hätte ihm in der Dunkelheit geholfen?
  4. Bedrulbudur rettet Aladin mit einer List. Wann hat euch Klugheit schon einmal aus einer schwierigen Lage geholfen?
  5. Der Zauberer will die Lampe nur für sich allein haben. Was macht Gier mit einem Menschen?

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Häufige Fragen

Wer hat Aladin und die Wunderlampe geschrieben?
Als Autor gilt heute der maronitische Geschichtenerzähler Hanna Diyab aus Aleppo. Er schrieb die Erzählung 1709 auf Arabisch für den französischen Übersetzer Antoine Galland, der sie 1712 in den Bänden 9 und 10 seiner Übertragung von Tausendundeiner Nacht veröffentlichte1. Nach Auswertung der Quellen geht die Forschung davon aus, dass die Geschichte nicht zum ursprünglichen Bestand der arabischen Sammlung gehörte1.
Wie heißt der Geist von Aladin und die Wunderlampe?
Einen eigenen Namen bekommt der Geist nicht. In der Überlieferung heißt er Dschinn, also ein Flaschengeist, der die Wünsche des Lampenbesitzers erfüllt1. In der Nacherzählung von Ludwig Fulda tritt er als Geist der Lampe auf, und ein zweiter, weniger mächtiger Geist dient dem Ring, den der Zauberer Aladin mitgibt1. Wer die Lampe in Händen hält, dem gehorcht der Lampengeist.
Wie heißt die Prinzessin bei Aladin und die Wunderlampe?
In der Forschung wird sie Badr al-Budur genannt1. Die deutsche Nacherzählung nennt sie Bedrulbudur; sie ist die Tochter des Sultans und wird Aladins Frau. Als der Zauberer das Schloss nach Afrika versetzt, ist sie es, die ihn mit einem Schlafpulver im Wein außer Gefecht setzt und Aladin damit den Weg zur Lampe frei macht.

Quellen

  1. Aladin · abgerufen am 11.10.2026
  2. 1001 Nacht · abgerufen am 10.10.2026
  3. Aladdin und die Wunderlampe · abgerufen am 10.10.2026
  4. Aladdin und die Wunderlampe · abgerufen am 11.10.2026
  5. Aladin und die Wunderlampe · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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