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Sindbad der Seefahrer – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Sindbad der Seefahrer ist ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Ein reicher Kaufmann erzählt darin einem armen Lastträger, wie er auf sieben Reisen Schiffbruch erlitt, fremde Inseln, Riesen und den Vogel Roch kennenlernte und jedes Mal reicher nach Bagdad zurückkehrte1. Auf schnuller.de könnt ihr die Geschichte kindgerecht vorlesen oder als Hörfassung anhören.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 16 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Sindbad der Seefahrer steht am Bug seines Segelschiffs und blickt auf eine grüne Insel – Titelbild zum Märchen zum Vorlesen und Anhören
Alter ab
6
Autor/Herkunft
Tausendundeine Nacht (anonym), Fassung: Sindbad the Sailor (engl. Wikisource)

Neu erzählt nach Tausendundeine Nacht (anonym, Englisch)

Sindbad der Seefahrer ist ein Kaufmann aus Bagdad, der zu sieben gefährlichen Reisen über das Meer aufbricht und am Ende mit Reichtum heimkehrt.

Das Märchen von Sindbad dem Seefahrer – zum Vorlesen

Hörfassung · 10 Min.
Sindbad der Seefahrer – Hörfassung der Nacherzählung
0:0010:12
MP3 herunterladen (5,8 MB)

In Bagdad lebten zwei Männer mit demselben Namen: Sindbad der Lastträger und Sindbad der Seefahrer. Der eine trug Körbe voller Waren durch die heißen Gassen und verdiente kaum genug für Brot. Der andere besaß ein Haus voller Teppiche, Gewürze und Gold. Eines Tages setzte sich der Lastträger erschöpft an die Pforte des reichen Hauses und sagte laut: „Wie ungerecht ist die Welt! Ich arbeite, bis mir die Schultern brennen, und habe doch nichts.“ Da trat ein Diener heraus und führte ihn hinein. Sindbad der Seefahrer hörte sich die Klage an, ließ Brot, Datteln und Wasser bringen und sprach: „Ich will dir erzählen, wie ich reich wurde. Nicht durch Glück allein, sondern auf sieben Reisen, die mich mehr gekostet haben, als du dir vorstellen kannst.“

Die erste Reise: Eine Insel, die keine war

Sindbad kaufte Stoffe und Gewürze, lud sie auf ein Schiff und fuhr viele Tage über das Meer. Vor einer grünen Insel ließ der Kapitän ankern, und die Kaufleute gingen an Land, machten Feuer und kochten. Da begann der Boden zu zittern. „Zurück auf das Schiff!“, rief der Kapitän. „Das ist keine Insel, das ist ein riesiger Fisch!“ Der Fisch war vom Feuer aufgewacht und tauchte in die Tiefe. Die Fluten schlossen sich, und alle Kaufleute fielen ins Meer. Sindbad ergriff ein Brett und trieb tagelang auf den Wellen, bis er endlich an einer fernen Küste lag. Dort traf er Männer, die edle Pferde züchteten und ihre Herden am Meer hüteten. Sie nahmen ihn mit zu König Mihrdjan, der ihn freundlich aufnahm. Und dann geschah das Wunder: Am Hafen lag genau das Schiff, mit dem Sindbad gereist war. Er belud es mit neuen Waren und kehrte reich nach Bagdad zurück.

Die zweite Reise: Der Vogel Roch und das Tal der Diamanten

Nach einiger Zeit zog es Sindbad wieder aufs Meer. Auf einer kleinen Insel blieb er allein zurück, denn das Schiff fuhr ohne ihn weiter. Suchend ging er über den Strand und fand ein riesiges weißes Ei – das Ei des Vogels Roch, des größten Vogels, den er je gesehen hatte. Sindbad band seinen Turban an den Fuß des Vogels. Als der Roch aufflog, nahm er Sindbad mit sich in ein tiefes Tal, in dem Schlangen zwischen funkelnden Diamanten lagen. Hoch oben auf den Bergen standen Kaufleute und warfen Fleischstücke herab. An dem Fleisch blieben die Edelsteine hängen, und Adler trugen sie hinauf. So kamen die Menschen an die Diamanten. Sindbad machte es genauso: Er band sich ein Stück Fleisch vor die Brust, ein Adler hob ihn über den Rand des Tals, und kurze Zeit später stand er bei den Kaufleuten – mit Taschen voller Edelsteine.

Die dritte Reise: Der Riese mit den roten Augen

Wieder stach Sindbad in See. Sein Schiff landete an einer Insel, auf der viele Affen lebten. Die Affen kletterten an Bord, raubten die Waren und ließen das Schiff aufs offene Meer treiben. Die Kaufleute flohen in ein verfallenes Schloss. Dort erschien ein schwarzer Riese mit roten Augen, der packte den Kapitän und schleppte ihn fort; niemand sah den Kapitän je wieder. An den folgenden Tagen holte der Riese zwei weitere Männer. Da bauten Sindbad und die Seinen ein Floß und blendeten den schlafenden Riesen mit zwei glühenden Spießen. Brüllend rannte er davon, kam aber mit zwei Kameraden zurück, und die drei warfen schwere Steine nach dem Floß. Nur Sindbad und zwei Gefährten erreichten eine andere Insel. Dort lauerte eine Riesenschlange und packte die beiden Gefährten. Sindbad band sich Bretter um den Leib, sodass die Schlange ihn nicht fassen konnte, und wartete auf Hilfe. Endlich kam ein Schiff – es war genau jenes, das ihn auf der zweiten Reise zurückgelassen hatte. So fuhr Sindbad heim, reicher als zuvor.

Der Riesenvogel Roch fliegt über das Tal der Diamanten – Illustration zur Geschichte von Sindbad dem Seefahrer

Die vierte Reise: Fasten, Sättel und eine Höhle

Auf der vierten Reise kam ein Sturm, das Schiff kenterte, und Sindbad wurde mit einigen Gefährten an eine fremde Küste gespült. Dort lebten Menschen, die Fremde zu ihrem König brachten – einem Wesen mit Wolfsgestalt. Wer von den Speisen aß, wurde rund und schwer und blieb gefangen. Sindbad aß nichts. Nach vielen Tagen war er so dünn, dass niemand mehr auf ihn achtete, und er konnte heimlich fortgehen. Unterwegs traf er Männer, die Pfeffer sammelten, und zog mit ihnen durch das Land. In einer großen Stadt lehrte er den König, wie man Sättel, Zaumzeug und Steigbügel herstellt – das kannte man dort noch nicht. Zum Dank wurde er reich und heiratete. Als seine Frau starb, musste er nach der Sitte des Landes mit ihr in eine Höhle hinabsteigen. Dort entdeckte Sindbad einen schmalen zweiten Gang, kroch hinaus, sah wieder Himmel und Meer und wurde von einem Schiff aufgenommen.

Die fünfte Reise: Der Scheich des Meeres

Auf der fünften Reise gingen Sindbad und die Kaufleute an Land und fanden wieder ein Ei des Vogels Roch. Die Kaufleute brachen es auf und töteten das Junge. Da kamen der Roch und seine Gefährtin, warfen mächtige Steine auf das Schiff und zertrümmerten es. Sindbad klammerte sich an ein Wrackstück und erreichte eine Insel. Dort bat ihn ein Greis, ihn ein Stück zu tragen. Kaum saß der Alte auf Sindbads Schultern, schlang er die Beine um seinen Hals und stieg nicht mehr ab. Der Scheich des Meeres hieß er, und er ließ Sindbad nicht los. Mit Wein machte Sindbad den Greis schläfrig, sodass er sich endlich befreien konnte. Später brachte ihn ein Schiff in eine Stadt, in der die Menschen die Nächte in Booten auf dem Meer verbrachten, weil nachts die Affen kamen. Mit Kokosnusssammlern zog Sindbad in die Wälder, sammelte Nüsse und reiste am Ende mit reichem Gewinn nach Hause.

Die sechste Reise: Das Floß durch die Höhle

Die sechste Reise führte Sindbads Schiff an einen hohen Berg, an dem es kenterte. Sindbad und einige Gefährten erreichten eine Insel, auf der es kaum etwas zu essen gab. Nach und nach blieben alle anderen liegen, und Sindbad war allein. Er hatte kein Messer und kein Seil, nur Holz, das am Ufer lag. Da entdeckte er einen Bach, der unter einem Felsen verschwand. Er baute aus dem Holz ein kleines Floß, setzte sich darauf und ließ sich von der Strömung in die Höhle tragen. Lange war es stockdunkel um ihn, dann wurde es hell, und das Wasser brachte ihn in ein bewohntes Land. Die Menschen dort staunten über den Fremden und beschenkten ihn. Mit einem Schiff, das in diesem Hafen lag, trat Sindbad die Heimreise nach Bagdad an.

Die siebte Reise: Die Stadt der Geflügelten

Die siebte Reise führte Sindbad ans äußerste Ende der Welt. Sein Schiff traf auf drei riesige Fische, die wie Berge aus dem Wasser stiegen, und in einem Unwetter kenterte es. Sindbad rettete sich auf eine Insel, baute dort einen Nachen und ließ sich vom Meer treiben. Die Strömung trug ihn an einen Berg und in einen Fluss, der unter dem Berg hindurchfloss. Auf der anderen Seite lag eine Stadt. Die Menschen nahmen ihn freundlich auf, und Sindbad verkaufte das Holz seines Bootes für gutes Geld. Er heiratete, trieb Handel und blieb viele Jahre. Eines Nachts sah er, wie den Bewohnern bei Neumond Flügel wuchsen. Neugierig klammerte er sich an einen der Geflügelten und flog mit ihm hoch hinauf, bis er Stimmen hörte, die sangen. Sindbad rief ein Wort des Lobes. Da fiel Feuer vom Himmel, die Geflügelten flohen, und Sindbad stürzte auf einen Berg. Zwei Einsiedler nahmen sich seiner an, und er befreite einen Mann aus dem Rachen einer Schlange. Später traf er die Geflügelten wieder, und sie sagten ihm, er hätte sie beinahe ins Unglück gestürzt. Seine Frau warnte ihn: Die Bewohner dieser Stadt seien keine Menschen, sondern Dschinn. Da bestieg Sindbad mit seiner Frau ein Schiff und kehrte nach Bagdad zurück.

So zeigte Sindbad der Seefahrer dem armen Lastträger, was er auf seinen sieben Reisen erdulden musste, um am Ende ein reicher Mann zu werden. Der Lastträger dachte lange über seine Worte nach.

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Sindbad der Seefahrer in Kürze

In Bagdad trifft der reiche Kaufmann Sindbad auf einen armen Lastträger, der ebenfalls Sindbad heißt. Der Seefahrer bewirtet ihn und erzählt ihm von seinen Reisen, damit der Lastträger versteht, was er erdulden musste, um reich zu werden1. Bei jeder Fahrt geht sein Schiff verloren. Einmal steht er auf einer Insel, die ein riesiger Fisch ist, einmal strandet er im Tal der Diamanten, einmal gerät er in die Hände eines Riesen. Immer wieder findet er einen Ausweg, und immer kehrt er mit neuen Schätzen nach Hause zurück. Am Ende ist er ein gemachter Mann – und die Geschichten zeigen, wie viel Mut und Geduld dafür nötig waren.

Die Figuren

  • Sindbad der Seefahrer – ein reicher Kaufmann in Bagdad, der dem Lastträger von seinen sieben Reisen erzählt.
  • Sindbad der Lastträger – ein armer Mann, der seine Not vor der Pforte des reichen Hauses beklagt und Sindbads Geschichten hört.
  • König Mihrdjan – der freundliche Herrscher der Insel, auf der Sindbad nach seiner ersten Reise aufgenommen wird.
  • Der Vogel Roch – ein Riesenvogel, dessen Ei Sindbad auf einer Insel findet und an dessen Fuß er sich bindet.
  • Die Diamantenkaufleute – sie werfen Fleischstücke ins Tal, an denen die Edelsteine hängen bleiben.
  • Der Riese mit den roten Augen – ein Ungeheuer auf der Insel der Affen, das den Kapitän und zwei weitere Männer verschleppt.
  • Die Riesenschlange – ein Ungeheuer, das zwei von Sindbads Gefährten packt, während Sindbad sich mit Brettern schützt.
  • Der Scheich des Meeres – ein Greis, der sich auf Sindbads Schultern setzt und nicht mehr absteigen will.
  • Die Affen – sie rauben das Schiff aus und kommen nachts in die Stadt der Kokosnusssammler.
  • Der König mit der Wolfsgestalt – ein Herrscher, dem Fremde dargebracht werden; Sindbad entkommt ihm, weil er nichts isst.
  • Die Geflügelten – Bewohner einer fernen Stadt, denen bei Neumond Flügel wachsen.
  • Sindbads Frau – sie lebt in der Stadt der Geflügelten, warnt Sindbad vor den Dschinn und reist mit ihm nach Bagdad.

Was lernen Kinder daraus?

Wer Sindbads sieben Reisen hört, merkt schnell: Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Sindbad fürchtet sich oft, und trotzdem denkt er nach und handelt. Er baut ein Floß aus Holz, er macht den Greis mit Wein schläfrig, er isst nichts von der Speise der Fremden – jedes Mal findet er einen eigenen Ausweg. Kinder können daraus mitnehmen, dass Erfindungsreichtum hilft, wenn etwas schiefgeht.

Sindbad baut auf einer fremden Insel ein Floß aus Holz – Szene aus dem Märchen Sindbad der Seefahrer

Die Geschichte erzählt auch von Gastfreundschaft: Der reiche Sindbad hört dem armen Lastträger zu, bewirtet ihn und teilt seine Geschichten. Und sie erzählt von Heimweh: Nach jeder Reise zieht es Sindbad zurück nach Bagdad. Not und Verlust gehören zum Leben – und nach jeder dunklen Höhle kommt wieder ein Stück Himmel.

Das Buch von Sindbad dem Seefahrer

Die Erzählung gehört zu den bekanntesten Geschichten aus 1001 Nacht, der Sammlung, die Scheherazade dem König erzählt1. In der wohl ältesten erhaltenen arabischen Handschrift dieser Sammlung aus dem 15. Jahrhundert fehlt sie allerdings1. Der Name Sindbad ist indoiranischen Ursprungs und bedeutet „Wind des Sindh“1.

Die Abenteuer spielen zur Zeit der Abbasiden, in der Epoche des Kalifen Harun ar-Raschid. Sindbad lebt in der südirakischen Hafenstadt Basra und bricht von dort zu seinen Reisen auf1. Vermutlich gehen die Geschichten auf Erfahrungen von Händlern aus Basra zurück, die im 8. und 9. Jahrhundert zwischen den Meeren Ostindiens und Chinas segelten1. Basra war damals ein Zentrum der Wissenschaften und der Künste und ein Knotenpunkt der wichtigsten Handelsrouten1.

Woher der Stoff genau stammt, ist nicht geklärt. Manche vermuten indische oder persische Vorläufer, doch außer dem Namen des Helden gibt es dafür kaum Belege1. Andere halten die Erzählungen für Berichte über mehrere Seefahrer. Der Orientalist Enno Littmann nannte sie in seinem Werk gesammeltes Seemannsgarn aus vielen Zeiten und Ländern, in das auch Geschichten aus dem indischen Panchatantra und aus Homers Odyssee eingeflossen sind1. Die ältesten Quellen sind arabisch: Eine Chronik aus dem 9. Jahrhundert beschreibt die Seewege nach Indien, und ein Buch über die Wunder Indiens aus dem 10. Jahrhundert enthält ganz ähnliche Geschichten1. In Oman gilt die Stadt Suhar als Geburtsort des mythischen Sindbad1.

Aus dem Stoff sind über die Jahrhunderte viele Übertragungen, Nacherzählungen und Hörspielfassungen entstanden1.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

  1. Was würdest du einpacken, wenn du wie Sindbad auf ein Schiff steigen dürftest?
  2. Welche von Sindbads sieben Reisen gefällt dir am besten, und warum?
  3. Was glaubst du, warum erzählt Sindbad dem armen Lastträger von seinen Reisen?
  4. Wie wäre es dir ergangen, als Sindbad ganz allein auf einer Insel aufwachte?
  5. Wenn du dem Vogel Roch begegnen würdest – was würdest du ihn fragen?

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Quellen

  1. Sindbad · abgerufen am 11.10.2026
  2. Sindbad der Seefahrer · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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