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Die sieben Raben – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

Die sieben Raben ist ein Märchen der Brüder Grimm aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen. Es erzählt von sieben Brüdern, die durch den Ärger ihres Vaters zu Raben werden, und von ihrer kleinen Schwester, die den weiten Weg bis zum Glasberg auf sich nimmt, um sie zu erlösen. Hier findet ihr die Geschichte als kindgerechte Nacherzählung zum Vorlesen und Anhören, dazu eine kurze Zusammenfassung, die Figuren und Fragen zum Gespräch mit eurem Kind.
Redaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert 20 Min. LesezeitFachlich geprüft von Josef Maier
Sieben schwarze Raben fliegen über die Dächer eines Dorfes – Titelillustration zu Die sieben Raben, dem Märchen zum Vorlesen und Anhören
Jahr
1857
Alter ab
5
Autor/Herkunft
Brüder Grimm (Kinder- und Hausmärchen, KHM 25, Ausgabe 1857; Jacob Grimm † 1863, Wilhelm Grimm † 1859)

Neu erzählt nach den Brüdern Grimm (Kinder- und Hausmärchen, 1857)

Die sieben Raben ist ein Märchen der Brüder Grimm: Sieben Brüder werden durch den Ärger ihres Vaters in Raben verwandelt, und ihre kleine Schwester zieht allein los, um sie zu erlösen.

Die sieben Raben – das Märchen zum Vorlesen

Hörfassung · 9 Min.
Die sieben Raben – Hörfassung zum Vorlesen
0:009:17
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Ein Mann hatte sieben Söhne und immer noch kein Töchterchen, so sehr er sich auch eines wünschte. Endlich bekam seine Frau wieder ein Kind – und diesmal war es ein Mädchen. Die Freude im Haus war groß. Doch das Kind war schmächtig und klein, und weil es so schwach war, sollte es gleich die Nottaufe bekommen.

„Lauf schnell zur Quelle und hol Wasser für die Taufe“, sagte der Vater zu einem der Knaben. „Beeil dich, es eilt!“ Die anderen sechs liefen mit. Sie liefen aus dem Dorf hinaus, den Weg hinunter zur Quelle. Am Brunnen aber wollte jeder der Erste sein, der den Krug in das Wasser tauchte. „Lass mich!“ – „Nein, ich zuerst!“ Sie drängelten und schubsten einander, und plötzlich fiel ihnen der Krug in den Brunnen und sank hinab.

Da standen die sieben und wussten nicht, was sie tun sollten. Sie starrten in das dunkle Wasser, doch der Krug war und blieb verschwunden. Der Morgen war still, und niemand traute sich nach Hause. „Was wird der Vater bloß sagen?“, flüsterte der Kleinste. „Er schimpft bestimmt“, antwortete der Älteste. „Und das Wasser fehlt jetzt auch noch.“ So blieben sie am Brunnen stehen und kehrten nicht zurück.

Zu Hause wartete der Vater. Er wartete und wartete, doch die Jungen kamen nicht. „Gewiss haben sie das Wasser über ihrem Spiel vergessen“, sagte er ungeduldig. Er fürchtete, das Mädchen könnte sterben, bevor es getauft war. Und im Ärger rief er: „Ich wollte, dass die Jungen alle zu Raben würden!“

Kaum war das Wort ausgeredet, da hörte er ein Geschwirr über seinem Haupt in der Luft. Er blickte in die Höhe und sah sieben kohlschwarze Raben auf und davon fliegen. Ihre Flügel schlugen laut, dann wurden sie immer kleiner und verschwanden über den Bäumen.

Was geschehen war, konnten die Eltern nicht mehr rückgängig machen. Sie waren sehr traurig über den Verlust ihrer sieben Söhne und schauten oft zum Himmel hinauf, ob die Raben wohl noch einmal vorbeikämen. Immer wieder dachten sie an den Morgen zurück, an dem alles begonnen hatte. Doch ihr liebes Töchterchen tröstete sie ein wenig. Es kam bald zu Kräften und wurde mit jedem Tag schöner.

Lange Zeit wusste das Mädchen nicht einmal, dass es Geschwister gehabt hatte. Die Eltern hüteten sich, von den Brüdern zu sprechen, und so wuchs es heran, ohne etwas zu ahnen. Es war freundlich und hilfsbereit, und doch blieb da etwas, das es nicht verstand. Bis es eines Tages hörte, wie die Leute über es redeten: „Das Mädchen ist wohl schön, aber eigentlich ist es schuld am Unglück seiner sieben Brüder.“

Da wurde das Mädchen sehr traurig. Es ging zu Vater und Mutter und fragte: „Hatte ich denn Brüder? Und wo sind sie hingeraten?“ Nun durften die Eltern das Geheimnis nicht länger verschweigen. Sie sagten, das alles sei ein Verhängnis des Himmels gewesen und seine Geburt nur der harmlose Anlass. Doch das Mädchen machte sich von Tag zu Tag mehr Vorwürfe und glaubte, es müsse seine Geschwister erlösen.

Es fand keine Ruhe mehr, bis es sich heimlich aufmachte und in die weite Welt ging. Seine Brüder wollte es aufspüren und befreien, und wenn es sie noch so viel Mühe kostete. Es nahm nichts mit sich als ein Ringlein von seinen Eltern zum Andenken, einen Laib Brot für den Hunger, ein Krüglein Wasser für den Durst und ein Stühlchen für die Müdigkeit. Wohin es ging, verriet es niemandem.

Nun wanderte das Mädchen weiter und weiter, bis es an das Ende der Welt kam. Der Weg wollte kein Ende nehmen: über Wiesen, durch Wälder, über Steine und Bäche, immer weiter. Wenn es müde wurde, setzte es sich auf sein Stühlchen, aß ein Stückchen von dem Brot und trank einen Schluck Wasser. Dann stand es wieder auf und ging weiter, ganz allein.

Endlich kam es zur Sonne. Aber die war zu heiß und zu fürchterlich: Die Luft flimmerte, und der Boden glühte. Das Mädchen hielt es bei ihr kaum aus und lief eilig weg.

Dann lief es hin zu dem Mond. Der war gar zu kalt und dazu grausig und böse. Sein Licht war weiß und scharf, und ringsum war alles wie gefroren. Als er das Kind bemerkte, sprach er: „Ich rieche, rieche Menschenfleisch.“ Da machte sich das Mädchen geschwind fort.

Endlich kam es zu den Sternen. Die waren ihm freundlich und gut, und jeder Stern saß auf seinem besonderen Stühlchen, als säße er in einem kleinen Haus. Der Morgenstern aber stand auf, gab ihm ein Hinkelbeinchen und sprach: „Ohne das Beinchen kannst du den Glasberg nicht aufschließen, und dort warten deine Brüder.“

Das Mädchen nahm das Beinchen, wickelte es sorgsam in ein Tüchlein und ging wieder fort. Es wanderte so lange, bis es an den Glasberg kam. Der stand hoch und glatt und glänzte hell, und nichts an ihm gab nach. Es ging einmal um den Berg herum, doch nirgends fand es eine Öffnung. Das Tor aber war verschlossen. Das Mädchen wollte das Beinchen hervorholen – doch wie es das Tüchlein aufmachte, war es leer. Es hatte das Geschenk der guten Sterne verloren.

Was sollte es nun anfangen? Seine Brüder wollte es erretten, und es hatte keinen Schlüssel zum Glasberg. Da nahm das Schwesterchen ein Messer und schnitt sich sein kleines Fingerchen ab. Es tat weh, doch das Mädchen zögerte nicht. Ganz tapfer steckte es den Finger in das Tor – und das Schloss sprang auf.

Ein Mädchen steht vor dem gläsernen Berg und öffnet das Tor – Illustration zur Szene mit dem Zwerglein im Märchen Die sieben Raben

Als es eingetreten war, kam ihm ein Zwerglein entgegen. „Mein Kind, was suchst du?“, fragte es. „Ich suche meine Brüder, die sieben Raben“, antwortete das Mädchen. Der Zwerg sprach: „Die Herren Raben sind noch unterwegs. Willst du aber hier warten, bis sie kommen, so tritt ein.“ Das Zwerglein führte das Mädchen hinein, und es schaute sich staunend um.

Darauf trug das Zwerglein die Speise der Raben herein: sieben Tellerchen und sieben Becherchen. Von jedem Tellerchen aß das Schwesterchen ein Bröckchen, und aus jedem Becherchen trank es ein Schlückchen. In das letzte Becherchen aber ließ es heimlich seinen Ring fallen.

Da hörte es draußen in der Luft ein Flattern und Rauschen. „Jetzt kehren die Herren Raben heim“, sagte das Zwerglein.

Sie kamen herein, wollten essen und trinken und suchten ihre Tellerchen und Becherchen. Ihre Federn waren noch feucht vom Flug, und sie waren hungrig. Jeder von ihnen fragte: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Das ist eines Menschen Mund gewesen.“

Der siebente Rabe aber leerte seinen Becher bis auf den Grund. Da rollte ihm das Ringlein entgegen. Er sah es an und erkannte, dass es ein Ring von Vater und Mutter war. Da sprach er: „Gott gebe, unser Schwesterlein wäre da, so wären wir erlöst.“

Das Mädchen stand hinter der Türe und lauschte. Als es den Wunsch hörte, trat es hervor. Da bekamen alle sieben Raben ihre menschliche Gestalt wieder. Sie umarmten und küssten einander, und das Schwesterchen erzählte von seiner langen Reise. Gemeinsam zogen sie fröhlich heim.

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Die sieben Raben in Kürze

Ein Vater hat sieben Söhne und wünscht sich sehnlichst eine Tochter. Als das Mädchen geboren wird, ist es so schwach, dass es schnell getauft werden muss. Die Brüder sollen Wasser holen, streiten am Brunnen und verlieren den Krug. Aus Ärger wünscht der Vater, sie mögen alle zu Raben werden – der Wunsch geht sofort in Erfüllung. Jahre später erfährt die Schwester von ihren Brüdern und zieht allein in die Welt. Sonne und Mond weisen sie ab, der Morgenstern schenkt ihr ein Beinchen für den Glasberg. Das Beinchen verliert sie, doch mit einem abgeschnittenen Fingerchen öffnet sie das Tor. Sie legt ihren Ring in das siebente Becherchen. Als die Raben ihn finden und die Schwester hervortritt, werden sie erlöst.

Die Figuren

Diese Figuren treten im Märchen auf:

  • Der Vater – sehnt sich nach einer Tochter, schickt die Söhne zur Quelle und verwünscht sie im Ärger zu Raben.
  • Die Mutter – bringt das Töchterchen zur Welt und trauert mit dem Vater um die sieben Söhne.
  • Das Schwesterchen – macht sich heimlich auf den Weg und erlöst ihre Brüder.
  • Die sieben Brüder – sollen Taufwasser holen, streiten am Brunnen und werden zu Raben verwandelt.
  • Die sieben Raben – leben im Glasberg und werden erlöst, als sie den Ring der Eltern finden.
  • Die Sonne – ist so heiß, dass das Mädchen bei ihr nicht bleiben kann.
  • Der Mond – kalt und böse, riecht das Kind und verscheucht es.
  • Die Sterne – freundlich und gut; jeder sitzt auf seinem besonderen Stühlchen.
  • Der Morgenstern – gibt dem Mädchen das Hinkelbeinchen, den Schlüssel zum Glasberg.
  • Das Zwerglein – empfängt das Mädchen im Glasberg und trägt den Raben die Speise auf.

Was lernen Kinder daraus?

Die sieben Raben erzählen von einem Wort, das sich nicht zurücknehmen lässt. Der Vater spricht seinen Ärger laut aus, und im selben Augenblick sind seine Söhne fort. Kinder merken daran, wie viel Macht Worte haben – und dass manche Sätze lange nachhallen.

Zugleich zeigt das Märchen, wie viel ein Mensch bewirken kann, der nicht aufgibt. Das Mädchen hat keinen Auftrag, keinen Schlüssel und niemanden, der mitgeht. Es geht trotzdem los, verliert unterwegs das Beinchen und sucht weiter. Was am Ende hilft, ist ihre Zuwendung: Sie setzt sich zu den Raben, teilt ihr Essen mit ihnen und lässt ihren Ring zurück – ein Zeichen, dass sie zu ihnen gehört.

Für ein Gespräch mit Kindern lohnt sich eine Frage: War das Mädchen schuld? Die Leute im Dorf sagen ja, seine Eltern sagen nein. So lernen Kinder, dass Schuld nicht einfach dort liegt, wo ein Unglück geschieht.

Herkunft und Entstehung

Die sieben Raben stehen in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 25 (KHM 25)1. Das Märchen gehört zum Erzähltyp ATU 4511. In der ersten Auflage von 1812 hieß es Die drei Raben: Dort verflucht die Mutter ihre drei Söhne, weil sie während der Kirche Karten spielen1. Zur zweiten Auflage von 1819 wurde dieser Anfang durch eine Wiener Erzählung ersetzt, aus der die Fassung mit sieben Brüdern und dem Glasberg stammt1. Die Ausgabe von 1857, deren Schreibweise hier nacherzählt wird, stammt von Jacob Grimm († 1863) und Wilhelm Grimm († 1859).

Ludwig Bechstein nahm das Märchen in sein Deutsches Märchenbuch auf, dort zuerst als Nummer 25 und ab 1853 als Nummer 241. Bei ihm stirbt der Vater, die Mutter verflucht die Söhne, und die Schwester gelangt mit Flügeln und Beinen einer weißen Gans auf den Berg1.

Verwandt sind die Grimm-Märchen Die zwölf Brüder und Die sechs Schwäne, in denen ebenfalls Verzauberte erlöst werden1. Ähnliche Fassungen sind unter anderem im Polnischen, Slowakischen, Serbischen und Rumänischen bekannt1. Illustriert wurde das Märchen unter anderem von Moritz von Schwind, Arthur Rackham und Paula Modersohn-Becker1, und Josef Gabriel Rheinberger komponierte 1867 eine Oper nach dem Stoff1.

Die sieben Raben – Märchen-Text

Hier steht das Märchen in der Schreibweise der Ausgabe von 1857.

Ein Mann hatte sieben Söhne und immer noch kein Töchterchen, so sehr er sichs auch wünschte; endlich gab ihm seine Frau wieder gute Hoffnung zu einem Kinde, und wies zur Welt kam, wars auch ein Mädchen. Die Freude war groß, aber das Kind war schmächtig und klein, und sollte wegen seiner Schwachheit die Nothtaufe haben. Der Vater schickte einen der Knaben eilends zur Quelle, Taufwasser zu holen: die andern sechs liefen mit und weil jeder der erste beim Schöpfen sein wollte, so fiel ihnen der Krug in den Brunnen. Da standen sie und wußten nicht was sie thun sollten, und keiner getraute sich heim. Als sie immer nicht zurück kamen, ward der Vater ungeduldig und sprach „gewis haben sies wieder über ein Spiel vergessen, die gottlosen Jungen.“ Es ward ihm angst das Mädchen müßte ungetauft verscheiden und im Ärger rief er „ich wollte daß die Jungen alle zu Raben würden.“ Kaum war das Wort ausgeredet, so hörte er ein Geschwirr über seinem Haupt in der Luft, blickte in die Höhe und sah sieben kohlschwarze Raben auf und davon fliegen.

Die Eltern konnten die Verwünschung nicht mehr zurücknehmen, und so traurig sie über den Verlust ihrer sieben Söhne waren, trösteten sie sich doch einigermaßen durch ihr liebes Töchterchen, das bald zu Kräften kam, und mit jedem Tage schöner ward. Es wußte lange Zeit nicht einmal daß es Geschwister gehabt hatte, denn die Eltern hüteten sich ihrer zu erwähnen, bis es eines Tags von ungefähr die Leute von sich sprechen hörte, das Mädchen wäre wohl schön, aber doch eigentlich Schuld an dem Unglück seiner sieben Brüder. Da ward es ganz betrübt, gieng zu Vater und Mutter und fragte ob es denn Brüder gehabt hätte und wo sie hingerathen wären? Nun durften die Eltern das Geheimnis nicht länger verschweigen, sagten jedoch es sei so des Himmels Verhängnis und seine Geburt nur der unschuldige Anlaß gewesen. Allein das Mädchen machte sich täglich ein Gewissen daraus und glaubte es müßte seine Geschwister wieder erlösen. Es hatte nicht Ruhe und Rast, bis es sich heimlich aufmachte und in die weite Welt gieng, seine Brüder irgendwo aufzuspüren und zu befreien, es möchte kosten was es wollte. Es nahm nichts mit sich als ein Ringlein von seinen Eltern zum Andenken, einen Laib Brot für den Hunger, ein Krüglein Wasser für den Durst, und ein Stühlchen für die Müdigkeit.

Nun gieng es immer zu, weit weit bis an der Welt Ende. Da kam es zur Sonne, aber die war zu heiß und fürchterlich, und fraß die kleinen Kinder. Eilig lief es weg und lief hin zu dem Mond, aber der war gar zu kalt und auch grausig und bös, und als er das Kind merkte, sprach er „ich rieche rieche Menschenfleisch.“ Da machte es sich geschwind fort und kam zu den Sternen, die waren ihm freundlich und gut, und jeder saß auf seinem besondern Stühlchen. Der Morgenstern aber stand auf, gab ihm ein Hinkelbeinchen und sprach „wenn du das Beinchen nicht hast, kannst du den Glasberg nicht aufschließen, und in dem Glasberg da sind deine Brüder.“

Das Mädchen nahm das Beinchen, wickelte es wohl in ein Tüchlein, und gieng wieder fort so lange bis es an den Glasberg kam. Das Thor war verschlossen und es wollte das Beinchen hervor holen, aber wie es das Tüchlein aufmachte, so war es leer, und es hatte das Geschenk der guten Sterne verloren. Was sollte es nun anfangen? seine Brüder wollte es erretten und hatte keinen Schlüssel zum Glasberg. Das gute Schwesterchen nahm ein Messer, schnitt sich ein kleines Fingerchen ab, steckte es in das Thor und schloß glücklich auf. Als es eingegangen war, kam ihm ein Zwerglein entgegen, das sprach „mein Kind, was suchst du?“ „Ich suche meine Brüder, die sieben Raben,“ antwortete es. Der Zwerg sprach „die Herren Raben sind nicht zu Haus, aber willst du hier so lang warten, bis sie kommen, so tritt ein.“ Darauf trug das Zwerglein die Speise der Raben herein auf sieben Tellerchen und in sieben Becherchen, und von jedem Tellerchen aß das Schwesterchen ein Bröckchen, und aus jedem Becherchen trank es ein Schlückchen; in das letzte Becherchen aber ließ es das Ringlein fallen, das es mitgenommen hatte.

Auf einmal hörte es in der Luft ein Geschwirr und ein Geweh, da sprach das Zwerglein „jetzt kommen die Herren Raben heim geflogen.“ Da kamen sie, wollten essen und trinken, und suchten ihre Tellerchen und Becherchen. Da sprach einer nach dem andern „wer hat von meinem Tellerchen gegessen? wer hat aus meinem Becherchen getrunken? das ist eines Menschen Mund gewesen.“ Und wie der siebente auf den Grund des Bechers kam, rollte ihm das Ringlein entgegen. Da sah er es an und erkannte daß es ein Ring von Vater und Mutter war, und sprach „Gott gebe, unser Schwesterlein wäre da, so wären wir erlöst.“ Wie das Mädchen, das hinter der Thüre stand und lauschte, den Wunsch hörte, so trat es hervor, und da bekamen alle die Raben ihre menschliche Gestalt wieder. Und sie herzten und küßten einander, und zogen fröhlich heim.

Text: Jacob und Wilhelm Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe. S. 137-139, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857, KHM 25 – Originalschreibweise der Ausgabe 1857.

Fragen zum Gespräch mit eurem Kind

Beim Vorlesen oder danach könnt ihr gemeinsam überlegen:

  1. Warum wird der Vater so wütend, und was hätte er stattdessen sagen können?
  2. Was würdet ihr einpacken, wenn ihr so weit wie das Schwesterchen reisen müsstet?
  3. Wie geht es dem Mädchen, als die Leute sagen, es sei schuld?
  4. Warum helfen die Sterne, aber Sonne und Mond nicht?
  5. Was bedeutet es, jemanden zu erlösen?

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Quellen

  1. Die sieben Raben · abgerufen am 11.10.2026
  2. Die sieben Raben · abgerufen am 11.10.2026
Fachliche PrüfungJosef MaierKinder- und Jugendpädagoge · Diplom-Sozialpädagoge (FH)Fachlich geprüft am von Josef Maier
TextRedaktion Schnuller.deZuletzt aktualisiert am

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