Tischlein deck dich – das Märchen zum Vorlesen und Anhören

- Jahr
- 1857
- Alter ab
- 5
- Autor/Herkunft
- Brüder Grimm – Kinder- und Haus-Märchen, Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand)
Neu erzählt nach den Brüdern Grimm (KHM 36, 1857)
Tischlein deck dich ist ein Märchen der Brüder Grimm, das in den Kinder- und Hausmärchen an Stelle 36 steht und bis heute vorgelesen, gehört und nachgespielt wird1.
Tischlein deck dich – das Märchen zum Vorlesen
Es war einmal ein Schneider, der hatte drei Söhne und nur eine einzige Ziege. Die Ziege ernährte die ganze Familie mit ihrer Milch, darum musste sie jeden Tag gutes Futter bekommen und hinaus auf die Weide geführt werden. Das taten die Söhne der Reihe nach, jeder an seinem Tag.
Einmal führte der älteste Sohn die Ziege auf den Kirchhof, wo die schönsten Kräuter wuchsen. Dort durfte sie fressen und herumspringen, bis es Abend wurde. „Ziege, bist du satt?“, fragte der Junge. Die Ziege antwortete: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“ Da band der Sohn sie im Stall fest und ging ins Haus.
„Nun“, fragte der Schneider, „hat die Ziege genug zu fressen gehabt?“ „O ja“, sagte der Sohn, „sie ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Der Vater wollte es aber genau wissen. Er ging in den Stall, streichelte die Ziege und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Da antwortete die Ziege: „Wovon sollt ich satt sein? Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein: mäh! mäh!“ Dem Schneider schoss die Zornesröte ins Gesicht. Er nahm die Elle von der Wand und jagte seinen ältesten Sohn aus dem Haus.
Am nächsten Tag war der zweite Sohn an der Reihe. Er suchte an der Gartenhecke einen Platz mit lauter guten Kräutern, und die Ziege fraß alles ab. Am Abend fragte er: „Ziege, bist du satt?“ Wieder hörte er: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“ Doch als der Vater selbst in den Stall kam, behauptete die Ziege, sie habe nichts gefunden. Da jagte der Schneider auch den zweiten Sohn fort.
Der dritte Sohn wollte alles besonders gut machen. Er suchte Buschwerk mit dem schönsten Laub aus und ließ die Ziege nach Herzenslust fressen. „Ziege, bist du satt?“, fragte er am Abend, und sie antwortete: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“ Beim Vater jedoch log sie wieder. „Du bist genauso ein Lügner wie deine Brüder!“, schrie der Schneider, und auch der jüngste Sohn musste das Haus verlassen.
Nun war der Schneider mit der Ziege allein. Am nächsten Morgen führte er sie selbst zur Weide, unter grüne Hecken und zu den Kräutern, die Ziegen am liebsten mögen. „Heute kannst du dich einmal richtig satt fressen“, sagte er und ließ sie bis zum Abend weiden. „Ziege, bist du satt?“ „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“, antwortete sie. Da brachte er sie in den Stall. Als er sich noch einmal umdrehte, rief die Ziege: „Wie sollt ich satt sein? Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein: mäh! mäh!“
Da verstand der Schneider, dass er seine drei Söhne ohne Grund fortgejagt hatte. „Warte, du undankbares Tier!“, rief er, holte sein Bartmesser und schor der Ziege den Kopf kahl. Dann jagte er sie mit der Peitsche davon. Die Ziege lief in gewaltigen Sprüngen fort und kam nicht wieder.
Der Schneider blieb allein zurück. Er war sehr traurig und hätte seine Söhne gern wieder bei sich gehabt. Aber niemand wusste, wohin sie gegangen waren.
In der Zwischenzeit war der älteste Sohn zu einem Schreiner in die Lehre gegangen. Er arbeitete fleißig, und als seine Lehrzeit vorüber war, schenkte ihm der Meister ein unscheinbares Tischchen aus gewöhnlichem Holz. „Das ist ein besonderes Tischchen“, sagte der Meister. „Stell es hin und sprich: ‚Tischchen, deck dich!‘“ Der junge Geselle probierte es gleich aus: Im Nu lag ein sauberes Tuch auf dem Tisch, daneben standen Teller, Messer und Gabel, Schüsseln mit Gebratenem und Gesottenem dampften, und ein Glas roter Wein leuchtete.
„Damit habe ich für mein Leben genug“, dachte der Schreiner und zog vergnügt durch die Welt. Er brauchte kein Wirtshaus mehr: Im Feld, im Wald oder auf einer Wiese stellte er sein Tischchen hin und sprach: „Tischchen, deck dich!“ Schon war alles da, was sein Herz begehrte. Nach einer Weile bekam er Heimweh und machte sich mit seinem Tischchen auf den Heimweg.
Am Abend kam er in ein Wirtshaus, in dem viele Gäste saßen. Sie luden ihn ein, mit ihnen zu essen. „Nein“, sagte der Schreiner, „diesmal seid ihr meine Gäste!“ Die Gäste lachten, denn sie hielten das für einen Scherz. Da stellte er sein Tischchen mitten in die Stube und sprach: „Tischchen, deck dich!“ Augenblicklich war der Tisch mit den herrlichsten Speisen gedeckt, und der Duft stieg allen in die Nase. War eine Schüssel leer, stand schon eine volle an ihrer Stelle. Der Wirt sah aus seiner Ecke zu und dachte: „So einen Koch könnte ich in meiner Wirtschaft brauchen.“
In der Nacht schlich der Wirt in die Stube. In seiner Rumpelkammer stand ein altes Tischchen, das genauso aussah. Leise tauschte er es gegen das Wunschtischchen. Am Morgen packte der Schreiner das falsche Tischchen auf den Rücken und ging weiter. Zu Hause empfing ihn sein Vater voller Freude und lud alle Verwandten ein. Doch als der Sohn rief: „Tischchen, deck dich!“, blieb der Tisch leer. Da merkte er, dass er betrogen worden war, und schämte sich sehr. Die Verwandten gingen hungrig nach Hause, der Vater griff wieder zu Nadel und Zwirn, und der Sohn arbeitete bei einem anderen Meister.
Der zweite Sohn hatte bei einem Müller gelernt. Zum Abschied schenkte ihm der Meister einen Esel mit einer besonderen Kunst. „Wenn du ihn auf ein Tuch stellst und ‚Bricklebrit!‘ rufst, spuckt er dir Goldstücke aus, hinten und vorn“, erklärte der Müller. Das ließ sich der Geselle nicht zweimal sagen. Wo er hinkam, war ihm das Beste gerade gut genug, denn sein Beutel war immer voll.
Auch er geriet auf dem Heimweg in dasselbe Wirtshaus, in dem seinem Bruder das Tischchen vertauscht worden war. Er aß und trank und bezahlte mit Goldstücken. Als sein Gold zu Ende war, sagte er: „Wartet einen Augenblick, ich hole nur schnell neues.“ Er nahm sein Tuch und ging in den Stall. Der Wirt aber schlich ihm nach und guckte durch ein Astloch. Da sah er, wie der Gast das Tuch unter den Esel breitete und „Bricklebrit!“ rief. Im Nu regneten Goldstücke auf die Erde.
„So ein Geldbeutel ist nicht übel“, dachte der Wirt. In der Nacht führte er den Goldesel fort und band einen anderen Esel an seine Stelle. Am Morgen zog der Müller mit dem falschen Esel heim und merkte nichts. Sein Vater freute sich, lud wieder die Verwandten ein, und der Sohn breitete ein großes Tuch aus. „Bricklebrit!“, rief er. Aber es fiel kein einziges Goldstück. Da sah er, dass er betrogen war, und schämte sich vor allen Gästen. Sein Vater musste weiter nähen, und er selbst ging wieder in die Arbeit.
Der dritte Sohn war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen, und weil das ein kunstreiches Handwerk ist, lernte er am längsten. Seine Brüder schrieben ihm einen Brief und erzählten, wie der Wirt sie um ihre Wunderdinge gebracht hatte. Als der Drechsler auf die Wanderschaft ging, schenkte ihm sein Meister einen Sack. „Es liegt ein Knüppel darin“, sagte er. „Wenn dir jemand etwas zuleide tut, sprich: ‚Knüppel, aus dem Sack!‘ Dann springt der Knüppel heraus und tanzt dem Unruhestifter auf dem Rücken herum. Erst bei ‚Knüppel, in den Sack!‘ hört er wieder auf.“
So zog der Geselle durch das Land, und wenn ihm jemand zu nahe kam, rief er: „Knüppel, aus dem Sack!“ Dann suchte der Störenfried schnell das Weite. Am Abend erreichte der Drechsler dasselbe Wirtshaus, in dem seine Brüder betrogen worden waren. Er setzte sich zu den Gästen und erzählte von seinen Erlebnissen. „Ein Tischchen deck dich und einen Goldesel, das sind gute Dinge“, sagte er. „Aber was ich in meinem Sack habe, ist noch viel kostbarer.“ Der Wirt spitzte die Ohren. „Der Sack ist sicher voller Edelsteine“, dachte er. „Den hole ich mir auch noch, denn aller guten Dinge sind drei.“ In der Nacht legte sich der Drechsler auf die Bank und schob den Sack unter seinen Kopf.
Als der Wirt glaubte, der Gast schlafe, schlich er heran und zog ganz vorsichtig an dem Sack. Der Drechsler hatte nur darauf gewartet. „Knüppel, aus dem Sack!“, rief er. Da fuhr der Knüppel heraus und tanzte dem Wirt so kräftig auf dem Rücken herum, dass er laut um Hilfe schrie. „Ich gebe alles zurück!“, rief er. „Holt nur den Knüppel wieder in den Sack!“ „Diesmal lasse ich dich laufen“, sagte der Drechsler, „aber nimm dich in Acht!“ Dann rief er: „Knüppel, in den Sack!“, und der Knüppel kroch zurück und ruhte.
Am nächsten Morgen zog der Drechsler mit dem Tischchen und dem Goldesel heim zu seinem Vater und erzählte ihm alles. Der Schneider wollte es kaum glauben und rief die Verwandten zusammen. Da breitete der Drechsler ein Tuch aus, führte den Esel herein und sagte zu seinem Bruder: „Sprich mit ihm!“ „Bricklebrit!“, rief der Müller, und die Goldstücke sprangen auf das Tuch wie ein Platzregen, bis alle genug hatten. Dann sagte der Schreiner: „Tischchen, deck dich!“, und schon war der Tisch mit den schönsten Schüsseln besetzt. So feierten sie ein Fest, wie es der Schneider noch nie erlebt hatte. Du wärst gern dabei gewesen, nicht wahr?
Der Schneider verschloss Nadel, Zwirn, Elle und Bügeleisen in einem Schrank und lebte mit seinen drei Söhnen in Freude und Herrlichkeit.
Doch was war mit der Ziege geschehen? Sie schämte sich ihres kahlen Kopfes, lief in eine Fuchshöhle und verkroch sich darin. Als der Fuchs nach Hause kam, funkelten ihm aus der Dunkelheit zwei große Augen entgegen. Er erschrak und rannte davon. Der Bär traf ihn und fragte: „Bruder Fuchs, was machst du für ein Gesicht?“ „In meiner Höhle sitzt ein grimmiges Tier mit feurigen Augen“, antwortete der Fuchs. Der Bär ging zur Höhle, schaute hinein, erschrak ebenfalls und lief fort. Da kam eine Biene geflogen. „Ich bin nur ein kleines, schwaches Tier“, sagte sie, „aber vielleicht kann ich euch helfen.“ Sie flog in die Höhle, setzte sich der Ziege auf den kahlen Kopf und stach sie. Da sprang die Ziege auf, schrie „mäh! mäh!“ und lief wie toll davon. Und bis heute weiß niemand, wohin sie gelaufen ist.
Tischlein deck dich in Kürze
Ein Schneider und seine drei Söhne leben von der Milch einer Ziege. Die Ziege sagt zu jedem Sohn, sie sei satt, behauptet beim Vater aber, sie habe nichts gefressen. Der Schneider glaubt dem Tier und jagt alle drei Söhne davon. Jeder lernt ein Handwerk und bekommt zum Abschied ein Wunderding: ein Tischchen, das sich auf Zuruf deckt, einen Esel, der Gold ausspuckt, und einen Knüppel im Sack1. Ein diebischer Wirt stiehlt den beiden älteren ihre Gaben; der jüngste holt mit dem Knüppel alles zurück. Am Ende feiern alle zusammen ein großes Fest, und die Ziege läuft davon und bleibt verschwunden1.
Die Figuren
- Der Schneider – der Vater der drei Söhne, der der Ziege mehr glaubt als seinen Kindern und sie deshalb fortjagt.
- Der älteste Sohn – lernt bei einem Schreiner und bekommt das Tischchen, das sich auf Zuruf deckt.
- Der zweite Sohn – wird Müller und erhält den Esel, der auf „Bricklebrit!“ Gold ausspuckt.
- Der dritte Sohn – lernt am längsten beim Drechsler und bekommt den Sack mit dem Knüppel.
- Die Ziege – ernährt die Familie mit ihrer Milch, belügt aber die Söhne und den Vater und verliert dadurch ihr Zuhause.
- Der Schreiner-Meister – schenkt dem ältesten Sohn das Wunschtischchen.
- Der Müller-Meister – schenkt dem zweiten Sohn den Goldesel.
- Der Drechsler-Meister – schenkt dem jüngsten Sohn den Sack mit dem Knüppel und erklärt den Zauberspruch.
- Der Wirt – bestiehlt die beiden älteren Brüder, bis der Knüppel ihn zur Rückgabe zwingt.
- Der Fuchs – erschrickt vor den funkelnden Augen der Ziege in seiner Höhle.
- Der Bär – will die Ziege verjagen, bekommt aber selbst Angst.
- Die Biene – vertreibt die Ziege mit einem Stich auf den kahlen Kopf.

Was lernen Kinder daraus?
Tischlein deck dich erzählt von einem Unrecht, das sich wieder gutmachen lässt. Der Schneider hört nur die Ziege und glaubt ihr mehr als seinen Söhnen – eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, beide Seiten anzuhören, bevor man urteilt.
Die drei Brüder tragen ihrem Vater nichts nach: Sie kommen zurück, sobald sie etwas mitbringen können, und teilen ihre Gaben mit der ganzen Verwandtschaft. Tischchen und Goldesel stehen für das, was alle brauchen – Essen und Sicherheit –, der Knüppel für Selbstbehauptung: Wer bestohlen wird, darf sich wehren. Die Märchenforschung liest die Gaben ähnlich: eine für das sorgenfreie Zulangen-Können, eine für die Selbstbehauptung1.
Und die Ziege zeigt, wohin Lügen führen: Am Ende hat sie kein Zuhause mehr.
Wie heißt das Märchen Tischlein deck dich?
Bei den Brüdern Grimm trägt das Märchen einen langen Titel: „Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack“. So steht es in den Kinder- und Hausmärchen an Stelle 36, und so ist es seit der ersten Auflage dabei1. Verkürzt heißt es bis heute „Tischlein, deck dich!“ – und genau in dieser Kurzform begegnet der Name auch außerhalb der Märchenbücher: Essensbringdienste, Gaststätten und Tischdekorationen nutzen ihn1. Wer danach sucht, stößt deshalb nicht nur auf das Märchen.
Auch als Bezeichnung für einen besonderen Speisetisch ist der Name bekannt. Auf Schloss Herrenchiemsee und in Schloss Linderhof konnten die Mahlzeiten ohne Bedienung eingenommen werden, weil ein versenkbarer Esstisch ins Untergeschoss mit der Küche fuhr; diese „Tischlein deck dich“ genannte Technik geht auf eine französische Erfindung des 18. Jahrhunderts zurück2.
Und in Rüsselsheim heißt ein Weihnachtsessen „Tischlein deck‘ dich“. Die Regionale Diakonie Groß-Gerau/Rüsselsheim richtet es seit fünf Jahren gemeinsam mit der evangelischen Martinsgemeinde und den Lions- und Rotary-Clubs im Haus der Kirche aus; für 120 Gäste, die auf der Straße, in Notunterkünften oder in Armut leben, war zuletzt ein Festessen gedeckt3.
Grimms Märchen – Tischlein deck dich
Die Ausgabe, nach der wir hier nacherzählen, erschien 1857 als siebte Auflage der Kinder- und Hausmärchen – die Ausgabe letzter Hand, in der das Märchen die Seiten 182 bis 193 füllt. Die Märchenforschung ordnet den Stoff den Typen ATU 212, 2015 und 563 zu1.
Woher die Brüder Grimm die Geschichte hatten, notierten sie in ihrem Handexemplar: Johanna Isabella Hassenpflug erzählte sie ihnen und wollte sie von „einer alten Mamsell Storch bei Henschel“ gehört haben; nach Erkenntnissen eines Grimm-Forschers der Universität Kassel war das Eleonore Storch, eine Fabrikantentochter aus Rinteln. Grimms Anmerkung vermerkt als Herkunft „Aus Hessen“1. Schon im Erstdruck stand eine zweite, kürzere Fassung, die später in der Anmerkung als „andere Erzählung“ erschien und von Henriette Dorothea Wild stammt1.
Verwandte Geschichten gibt es rund um die Welt: Aus Israel ist eine Variante mit einem goldspuckenden Esel und einem Kürbis überliefert, aus Usbekistan eine mit Topf, Tischtuch und Stock1. Die Verbindung mit der boshaften Ziege begegnet dagegen erst bei Grimm und sonst nur in einigen deutschen, flämischen und westindischen Varianten1. Ähnlich ist auch Basiles „Das Märchen vom Orco“ im Pentameron1, und laut Rudolf Schenda lässt sich das Motiv vom gedeckten Tisch bis zu Herodot zurückverfolgen1. Durch Grimms und Bechsteins Fassung wurde das Märchen der Gebrüder Grimm, Tischlein deck dich, mit drei Brüdern in Europa, aber auch in Japan, Amerika und Südafrika bekannt1.
Tischlein deck dich – Märchen-Text
Hier lest ihr den Anfang der Fassung von 1857 in ihrer Originalschreibweise.
Vor Zeiten war ein Schneider, der drei Söhne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ernährte, mußte ihr gutes Futter haben und täglich hinaus auf die Weide geführt werden. Die Söhne thaten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der älteste auf den Kirchhof, wo die schönsten Kräuter standen, ließ sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war heim zu gehen, fragte er „Ziege, bist du satt?“ Die Ziege antwortete
„ich bin so satt,
ich mag kein Blatt: meh! meh!“
„So komm nach Haus“ sprach der Junge, faßte sie am Strickchen, führte sie in den Stall und band sie fest. „Nun,“ sagte der alte Schneider, „hat die Ziege ihr gehöriges Futter?“ „O,“ antwortete der Sohn, „die ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Der Vater aber wollte sich selbst überzeugen, gieng hinab in den Stall, streichelte das liebe Thier und fragte „Ziege, bist du auch satt?“ …
Text: Brüder Grimm, Quelle: Kinder- und Haus-Märchen, Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage (Ausgabe letzter Hand), 1857, KHM 36 – Originalschreibweise der Ausgabe 1857
Fragen zum Gespräch mit eurem Kind
Viele Kinder fragen nach der Ziege und nach dem Wirt – diese fünf Fragen greifen genau solche Stellen auf.
- Warum glaubt der Schneider der Ziege und nicht seinen Söhnen?
- Wie hättest du dich gefühlt, wenn dich dein Vater ohne Grund fortgeschickt hätte?
- Welches der drei Wunderdinge hättest du am liebsten – und was würdest du damit machen?
- Warum lässt der jüngste Bruder den Knüppel am Ende wieder in den Sack kriechen?
- Was würdest du der Ziege sagen, wenn sie dir so eine Lüge erzählt hätte?
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Häufige Fragen
Wie heißt das Märchen Tischlein deck dich?
Was ist Tischlein deck dich?
Was sagt die Ziege bei Tischlein deck dich?
Quellen
- Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack · abgerufen am 11.10.2026
- Kinder brauchen Märchen: Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack · abgerufen am 11.10.2026
- Weihnachtsfeier: Tischlein deck' dich · abgerufen am 11.10.2026
- Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack · abgerufen am 11.10.2026
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